Die SEC will die Gebühren der Fondsindustrie begrenzen


New York, 1. August 2010

Die amerikanische Regierung nimmt zunehmend die Fondsparer in Schutz. So will die Börsenaufsicht SEC die jährlich fließenden Vermittlungsprovisionen kappen. Wie Sie wissen, erhalten Banken und andere Zwischenhändler für die Vermittlung von Fondsprodukten eine ansehnliche Provision. Diese wiederkehrende alljährliche Dankeschönzahlung an den Vermittler (Direktbanken, Banken, etc.) soll nun auf 0,25 Prozent per annum begrenzt werden. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber dennoch geht es hier nur um einen Bruchteil des Gebührenmonsters. Die Branche ist vollkommen überfrachtet mit Gebühren. Daher predige ich immer wieder, keine aktiv gemanagten Fonds zu besitzen. Diese Kosten sollten Sie sich sparen.
Elf Billionen Dollar verwaltet die amerikanische Fondsindustrie. 87 Millionen Bürger haben ihr Geld in Fonds gesteckt. Die Geldverwalter genehmigen sich aus diesem gewaltigen Vermögen Milliardensummen für sich selbst.
Ich gehe davon aus, dass die meisten Anleger überhaupt nicht wissen, was Sie an Kosten und Gebühren am Ende des Tages bezahlen. Es herrscht hier in meinen Augen keine Transparenz. Eigentlich wäre es wichtig zu wissen. Denn je niedriger die Gebühren ausfallen, desto höher dürfte die Gesamtperformance für den Anleger sein. Zumindest müsste hier ein Zusammenhang bestehen. Zu dem Themenkomplex der überhöhten Gebühren gibt es zahlreiche Studien. Hier möchte ich Ihnen kurz eine interessante Untersuchung aus dem Jahr 2003 (PDF) vorstellen: Zwei bekannte US-Professoren verglichen öffentlich verwaltete Fonds mit Pensionärsansprüchen mit aktiv gemanagten Fonds für Privatanleger. Beide Kategorien sind in ihrer Tätigkeit laut den Experten vergleichbar. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Fonds für die Pensionäre nur halb so hohe Gebühren einstreichen, als das die Investmentfonds tun.
Die Frage ist doch für mich: Warum kaufen Sie einen Aktienfonds, der das Geld dann indirekt für Sie in BMW, Coca-Cola, General Electric, Microsoft und Procter & Gamble anlegt? Sie müssen die bunten Prospekte bezahlen, den Zwischenhändler, den Fondsmanager und den ganzen Wasserkopf. Kaufen Sie lieber selbst die Aktien. Übrigens habe ich die Firmen nur beispielhaft erwähnt. Erstaunlich ist, dass dieses Thema kaum jemand aufgreift. Auch in Deutschland wohlgemerkt. Das „Manager Magazin“ hatte indes 2002 eine sehr gute Story zu dem Thema mit der Überschrift Ein dreister Griff in die Tasche. Die „Süddeutsche Zeitung“ ging im Februar auf eine kritische Studie der Zeitschrift „Finanztest“ ein. Ansonsten stelle ich ein großes Schweigen im Walde fest. Glauben Sie mir: Diese Industrie ist äußerst egoistisch: Zunächst nehmen sich die Fondsgesellschaften und deren Vertriebstruppen Geld aus dem Topf, dann werben die Anbieter für das Produkt und handeln die Positionen. Ganz zum Schluss erhält der Anleger, was von der ganzen Show übrig bleibt.
Selbst wenn die Performance hundsmiserabel ausfällt, gönnt sich das Management mitsamt dem Team fette Gehälter und Gebühren. Nicht zuletzt zahlen Sie für zum Teil wilden Handelsaktivitäten – das ist alles Geld, das Ihnen fehlt.
Vermögensverwalter, die durch das Land ziehen und behaupten, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, können Sie sich ebenfalls sparen. Es wird hier viel Wind gemacht. Investieren Sie ein wenig Zeit, nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und setzen Sie auf Ihre Intuition – was soll da schon schief gehen? Die Profis machen ebenso teure Fehler. Es gibt schließlich so viele gute Bücher, Magazine und andere hilfreiche Quellen, wozu braucht man da noch all die teuren Profis, die ihr Geld gar nicht wert sind. Alle kochen ohnehin nur mit Wasser.


tim schaefer (Author)

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