Die Schlinge zieht sich zu, Lehman Brothers fällt wie ein Stein


New York, 11. September 2008

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Immer dunklere Wolken ziehen sich über Lehman Brothers zusammen. Eben fällt die Aktie der traditionsreichen New Yorker Investmentbank erneut wie ein Stein. Minus 37 Prozent! Der Kurs notiert bei lausigen 4,54 Dollar. Anfang 2007 kostete der Titel mehr als 80 Dollar. Gegenüber dem Ein-Jahres-Hoch büßte Lehman schon mehr als 90 Prozent an Wert ein. Die Sorgen sind groß an der Wall Street, dass die Bank kollabiert.
Gegründet wurde Lehman 1850 von drei deutschen Einwanderern, die mit Baumwolle handelten. Am Mittwoch meldete das Institut einen Quartalsverlust 3,9 Milliarden Dollar, noch nie zuvor hatte Lehman einen so hohen toxischen Verlust erlitten. Reihenweise reduzieren nun Analysten ihre Kursziele für Lehman. Milliardenschwere Abschreibungen auf gebündelte Hypothekenkredite sind die Ursache für die Krise. Lehman-Chef Dick Fuld versucht, Firmenteile abzuspalten beziehungsweise sucht nach einem Partner für die unabhängige Bank. Es fällt ihm offensichtlich schwer, einen Deal unter Dach und Fach zu bringen. Der gesamte Finanzsektor steht nach dem Platzen der Immobilienblase vor einem Scherbenhaufen.
Nehmen Sie etwa den Versicherungsgiganten AIG. Einst zählte die Assekuranz zu den teuersten Unternehmen an der Wall Street. Allein heute bricht der AIG-Kurs erneut um mehr als 15 Prozent auf 14,85 Dollar ein. Noch im Januar lag die Notiz bei 60 Dollar. Angesichts der dramatischen Abschläge in der gesamten Branche muss Lehman-Chef Fuld kämpfen. Die Konkurrenten scheuen neue Risiken und sind selbst auf der Suche nach Fresh Money. Das Foto knipste ich gestern am Lehman-Stammsitz in Midtown Manhattans. Mitarbeiter sollen sich aus Sorge um ihre Jobs schon an Personalvermittler gewandt haben.


tim schaefer (Author)

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