Die sagenhafte Kraft der Dividende


New York, 19. Dezember 2012

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Ich traf S&P-Aktienstratege Sam Stovall in New York. Auf meinem Foto sehen Sie, wie er die Zentrale des Mediengiganten News Corp. in Midtown verlässt, nachdem er dem FOX-Sender ein Interview gegeben hatte. Wir sprachen über gute Aktien und wie er die Börsenlage einschätzt. Hier können Sie das Interview im WirtschaftsBlatt lesen.
Stovall ist vorsichtig optimistisch, aber er bleibt auf dem Teppich. Euphorisch ist er jedenfalls nicht. Aktien bringen im langen Schnitt sieben bis acht Prozent jährlich, sagt er. Stovall rechnet durchaus mit einer Korrektur. Das ist verständlich. Der S&P-500-Index, der DAX, ATX und all die anderen Indizes rennen von einem Hoch zum nächsten. Es liegt mitunter an dem billigen Geld, das die Zentralbanken drucken. Irgendwohin muss ja die Kohle, also fließt sie an die Börse.
Wenn wir zurückblicken, ist die beste Zeit zum Aktienkauf immer dann, wenn die Fetzen fliegen. In kritischen Phasen, wenn die Menschen sich um den Fortbestand des Euro Sorgen machen, wenn sie vor einer schweren Depression Angst bekommen, wenn die Unsicherheit am größten ist, ist der Einstieg ideal.
Jetzt lösen sich viele Sorgen langsam in Luft auf. Das Licht am Ende des Tunnels ist erkennbar. Und schon schwinden die Chancen. Denn die Anleger schöpfen Hoffnung, sie können besser planen, sie können besser die Gewinnprognosen kalkulieren. Daher steigen die Aktienkurse.
Die vier Lieblingsaktien des Herrn Stovall finde ich spannend. Die Langfrist-Charts sehen jedenfalls super aus: McDonalds, die Restaurantkette Darden Restaurants mit ihren Filialen wie Red Lobster, Olive Garden, Long Horn Steakhouse, Capital Grille, der Software-Pionier Microsoft und der Personal-Dienstleister Paychex.
Dieses Aktienquartett schüttet kernige Dividenden aus. Die Dividendenrendite beträgt zwischen drei und vier Prozent. Einfach herrlich!
Stovall achtet auf eine hohe Ergebnisstabilität und Dividendenkontinuität. Diese beiden Faktoren übersehen oftmals Privatanleger.
Die besten Aktien sind meiner Meinung nach jene, die regelmässig eine Dividenden spendieren. Auf den ersten Blick mögen Aktien wie Kraft Foods, Procter & Gamble oder der Tabakhersteller Altria/Philip Morris altbacken aussehen. Wer hätte gedacht, dass man mit ihnen auf Sicht eines halben Jahrhunderts eine der besten Renditen überhaupt an Land ziehen kann? Ja richtig, es ist möglich mit Milka-Schokolade, mit Batterien, Zigaretten usw. verdammt viel Geld zu verdienen.
Erfolgsgeheimnis sind die drei, vier oder fünf Prozent Dividende, die diese Flaggschiffe jährlich auskehren. Diese Vorstände wissen, dass sie sich keinerlei Abenteuer (verrückte Übernahmen, idiotische Fusionen etc.) erlauben können. Denn die Aktionäre wollen regelmässig ihre Dividende sehen. Was verdient wird, muss zu einem Gutteil zurück an die Aktionäre.
Die großen Gewinner sind auf lange Sicht nicht Aktien, die einmalig eine fette Dividende ausschütten oder einmalig ein riesiges Aktienrückkaufprogramm starten. Nein, das sind Eintagsfliegen. Vergessen Sie das. Denen fehlt die Disziplin. Die meisten Aktienrückkaufprogramme taugen ohnehin nichts. Da wird viel Geld zum Fenster hinausgeworfen. Ich bin ein Fan einer regelmässigen Dividende.
Vorsicht vor den besten Dividendenzahlern. Wunder-Aktien, die zehn oder zwölf Prozent Dividendenrendite ausweisen, sollten Sie kritisch unter die Lupe nehmen. Die Dividende sollte nachhaltig verdient werden und nicht aus der Substanz heraus geschnitten werden, wie das manch ein Telekomanbieter oder Versorger tut. Telcos und Versorger sind nicht immer die besten Langfristpapiere. Sie schleppen bevorzugt enorme Schulden mit sich herum und müssen massiv investieren, um stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben.
Denken Sie besser an Konsumgüter, an die Chemie- sowie Pharmaindustrie, an Titel wie Abbott Laboratories, Exxon, Johnson & Johnson, Coca-Cola, BASF usw.
In den USA gibt es ein wunderbares Instrument, es heißt Dividenden-Re-Investmentplan. Dieses Werkzeug können Amerikaner auf einem speziellen „Depot für die Rente“ steuerfrei für sich arbeiten lassen. (In Deutschland hat sich leider der sinnvolle Einsatz von Aktien für die Rente noch nicht herumgesprochen, abgesehen von den teuren Riester-Dingern).
In dem Investmentplan wird die stetige Dividende genutzt, um weitere Aktien zu beziehen. Somit steigt kontinuierlich das Aktienpaket. Es entsteht daraus eine Geldmaschine. Der Zinseszinseffekt entfaltet sich mit einer unglaublichen Wirkung, je länger die Maschine läuft. Es ist Geld, das Geld macht, das wiederum Geld macht. In einem guten Artikel auf dem Portal „Seeking Alpha“ können Sie Details über den Effekt der reinvestierten Dividenden nachlesen.
Es ist ein Plan, der Sie langsam, aber sicher reich macht. Schneller Reichtum an der Börse ist möglich, aber eher unrealistisch. Setzen Sie lieber auf solche soliden Werkzeuge, anstatt irgendwelche Wunschträume zu verfolgen.
Was lernen wir aus all dem? Solide Dividendenzahler sind die halbe Miete. Reinvestieren Sie nach Möglichkeit die Dividende. Sie können ebenso hin und wieder Ihren Aktienbestand aufstocken. Unterschätzen Sie niemals die Kraft der Dividende. Sie steht für bis zu 40 Prozent der Gesamtperformance, 60 Prozent entfällt auf den Kursanstieg.
Passen Sie auf, wenn Sie Finanzprodukte kaufen und diese Ihnen die Dividende vorenthalten. Was nutzt es Ihnen, wenn Sie ein „Dividenden-Derivat“ oder “Dividenden-Zertifikat“ kaufen und der Emittent die Dividende in die eigene Tasche steckt. In einem solchen Fall wäre das Finanzpapier ziemlich nutzlos. Es werden tausende Derivate geschaffen. Manch ein Ding verkaufen die Banken nicht ein einziges Mal. Es ist viel Quatsch mit Soße darunter (freilich nicht alle). Passen Sie daher gut auf. Ich setze aufgrund der fehlenden Transparenz bei Derivaten lieber auf den direkten Aktienbesitz.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die sagenhafte Kraft der Dividende

  1. Anna

    Hi,

    weiß eigentlich jemand von Euch, ob heimlich, still und leise eine dt. AG evtl. einen Dividenden-Re-Investmentplan hat? Mir ist nichts bekannt.

    VG
    Anna

  2. Chris2

    Schön, dass ich die Mehrheit der genannten Aktien selbst besitze. 🙂

    Allerdings muss die Dividendenrendite nichtmal so hoch sein (3-5%). Ich denke es macht durchaus Sinn, auch Dividendensteigerer mit zunächst niedriger Rendite aber zu betrachten und beizumischen. Dazu zähle ich z.B. IBM, Novo Nordisk, Lindt Sprümgli oder – mein neuster Zugang – Stryker. Mit Steigerungsraten von 15%, 20% oder sogar mehr pro Jahr, kommt – vorausgesetzt die Unternehmen können das fortführen – man schnell an einen Punkt, wo solche Aktien die Dividendenrenditen anderer Titel übertreffen.

    Eine sehr wichtige Kennzahl ist die Ausschüttungsqute. Oftmals liegt die unter 30%, das lässt erahnen wie viel Spielraum diese Firmen haben. Ein Kürzung ist damit in Zukunft sehr unwahrscheinlich.

    Die Steige%rung der Dividenden ist ein oft unterschätzter Faktor. Meine General Electric Aktien werfen mittlerweile – gemessen an meinem Einstiegskurs – über 4,5% ab. Ich schätze nächstes Jahr sind es 5%.

    Für mich sind Dividendenhistorie und Ausschüttungsquote zwei sehr wichtige Kriterien für einen Kauf.

  3. Matthias Diek

    Hallo Tim,
    danke für diesen neuen interessanten Beitrag.
    Ich selbst lese schon seit einiger Zeit deinen Blog mit.

    Meine persönliche Anlagestrategie ist auch dividendenwachstumsorientiert, einen der im Beitrag genannten Titel habe ich auch im Depot.

    Wie Chris schon schrieb, ist die Wachstumsrate der Dividenden ein sehr wichtiger Faktor. Ich kaufe lieber Aktien, die aktuell eine niedrige Dividendenrendite abwerfen, aber dafür die Ausschüttungen regelmäßig um einige Prozentpunkte anheben.(in Dtl. z.B. Adidas oder FMC)

  4. Chris

    @ Anna

    Das ist mehr ein steuerliches Thema und hat weniger mit der AG zu tun.

    Was du vielleicht meinst, ist ein Unternehmen, dass keine Dividende ausschüttet. Der Effekt ist der selbe, wie wenn du die Dividende wieder reinvestieren willst und keine Abgeltungssteuer anfällt.

  5. Jan

    Leider ist der Großteil der Dividenden-Aktien im Moment ganz schön hochgelaufen, da sie nach dem Tief der Krise einen unerwarteten Boom erlebt haben.
    Ich verfolge eine ähnliche Strategie, bei welcher das Dividendenwachstum und die Dividendenkontinuität im Vordergrund stehen. Ich denke es ist trotzdem wichtig die Bewertung des Unternehmens nicht zu vernachlässigen. Niemand kann garantieren, dass das Wachstum ewig weiter geht wie zuvor, es wäre somit also fatal Aktien z.B. zu einem KGV von 30 o.ä. zu kaufen. Es gibt immer auch fair bewertete Alternativen.

  6. Martin

    Aus Steuergründen bevorzuge ich generell eher Aktienrückkäufe als Dividenden. Rückkäufe werde nicht besteuert und die Stundung der Abgeltungssteuer bis zum Verkaufszeitpunkt kann sich bei längerem Investment ganz schön rechnen.

    Wenn die Eigenkapitalrendite hoch ist und das Unternehmen weiteres Kapital vergleichbar rentierlich anlegen kann, was soll ich dann bei den aktuellen Zinsen mit der Dividende machen? Wahrscheinlich reinvestieren und nach Steuern und Transaktionskosten schlechter als zuvor dastehen.

  7. Markus

    Berkshire schüttet bekanntlich nichts aus, weil Sie langfristig besser reinvestieren. Die letzen 4 Jahre vor Beginn der Abgeltungssteuer war allerdings ein msci world selbst ohne Dividenden geringfügig besser (mit Dividenden um einiges besser)… Allerdings hat Buffett solche Phasen in der Vergangenheit langfristig wieder zu seinem und dem Vorteil seiner Investoren umdrehen können. Prinzipiell denke ich er schafft das auch in Zukunft mit seinen ganzen „Cashcow`s“ auch liquide bei Krisenstimmungen zu sein, ist einfach unschlagbar. Aktuell habe ich allerdings Bedenken größere Summen zu investieren, da bei fast allen Indices 5-Jahres-Höchststände eingetreten sind. Momentan cash ein bisschen aufzubauen ist m. M. nach durchaus nicht das schlechteste wenn man sowieso schon eine Aktienquote größer 80 % hat.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Anna
    Den besten Dividenden-Re-Investmentplan hat wohl Berkshire Hathaway zu bieten. Buffett schüttet keine Dividende aus und reinvestiert die Gewinne alle. Das erscheint mir steuerlich optimal.

    @ Chris2
    Danke für die Anmerkung. Sehr gut! Das klingt übrigens nach einem Super-Depot.

    @ Matthias Diek
    Ja, auf das Dividendenwachstum hätte ich mehr eingehen sollen.

    @ Chris
    Was hälst Du von Berkshire Hathaway als ein automatischer Reinvestmentplan? Die Aktie notiert nur zum 1,2-fachen Buchwert und Buffett kauft die eigene Aktie zurück.

    @ Jan
    Stimmt, ein KGV von 30 klingt teuer. Im Dow Jones, DAX oder S&P 500 sind die Bewertungen nicht so teuer im Schnitt. Die Indizes sind aber in der Tat auf einem Mehrjahreshoch. Insofern sollten Anleger, wie Du anmerkst, aufpassen, was sie kaufen.

    @ Martin
    Im Endeffekt hast Du aus steuerlicher Sicht Recht. Aktienrückkäufe sind schonender. Problem ist, dass Vorstände nicht gut beim Timing sind. JP Morgan Chase hat zum Beispiel jedes Mal zu einem viel zu teuren Kurs zurückgekauft. Milliardensummen sind so verplempert worden von Jamie Dimon.

    @ Markus
    Klar, die Börse lief exzellent. Da muss man aufpassen. Alles würde ich derzeit nicht investieren. Eine große Kriegskasse ist immer ratsam vorzuhalten, auch wenn die Inflation ein wenig daran nagt.

    Grüße an alle. Danke für die Anmerkungen. Die sind sehr hilfreich.

  9. Turing

    Ich bin ja auch der große Dividenden-Fan. Ich habe zwar nicht nur Dividenden-Titel im Depot, komme aber trotzdem auf ca. 4 % Dividendenrendite.

    Einer meiner Lieblinge ist die Hannover Rück, gekauft bei 37 €. Der Großaktionär Talanx macht Druck und will ca. 3 € Dividende rausholen, was für mich eine persönliche Dividendenquote von 8,1 % bedeutet.

    Auch SAP entwickelt sich gut. Die Divendenrendite ist nicht überragend, aber die absolute Dividende steigt von Jahr zu Jahr. Für Neuaktionäre, die jetzt bei 60 € eingestiegen sind, muss man irgendwann auch eine attraktive Dividende bieten und deshalb werden die Dividenden weiter steigen. Da ich bei 30 € eingestiegen bin (d.h. sehr niedrig) bekomme ich eine fantastische persönliche Dividendenrendite heraus, sollte die Dividende dann bei 1,50 € oder 2 € sein.

    Ich finde Gewinnentnahmen auch gar nicht so falsch. Es gibt ja linke Polemiken, die darin ein Übel sehen, aber was bitte sollen die Manager mit dem Geld anfangen? Wenn die mit dem Geld sowieso nur Blödsinn machen (unsinnige Übernahmen, unsinnige Werbekampagnen, Gehaltserhöhungen etc.), dann möchte ich kein Aktionär dort mehr sein. Da Manager zum Glück keine Politiker sind, erhöhen die die Dividende oder schütten eine Sonderdividende aus. Ein weiterer Vorteil: Bei Sonderdividenden weiß der Aktionär: Das war jetzt eine einmalige Sache nach einem einmaligen Geschäftsjahr. Es wird auch keine Erwartungshaltung erzeugt. Nun muss man sich versuchen, das vorzustellen, wie man das bei den Arbeitnehmern des gleichen Unternehmens macht: Jeder Arbeitnehmer bekommt 1000 € mehr Weihnachtsgeld, als einmalige Zahlung. Die Gewerkschaften würden Sturm laufen und im Jahr drauf nochmal diese Prämie rausholen wollen. Gewerkschaften kennen keine Verantwortung. Politiker kennen auch keine Verantwortung. Wenn die zu viel Geld in der Kasse haben, machen die den Blödsinn, die sich ein verantwortungsvoller Manager niemals trauen würde. Anstatt Steuern zurückzuzahlen, zu senken oder Anleihen zurückzukaufen, wird eine Sozialleistung erfunden oder ein Spaßbad gebaut, mit der Folge, dass man für Jahrzehnte Verbindlichkeiten schafft. Ein Spaßbad steht Jahrzehnte und kostet sogar noch Geld, wenn es geschlossen ist. Der Abriss kostet auch Geld. Und Sozialleistungen zurückzudrehen, ist äußerst schwierig. Gerhard Schröder weiß das und Merkel auch. Schröder hat sich seine Ohrfeige abgeholt und Merkel will nicht wie Schröder enden.

  10. Martin

    @Tim: Das Problem mit zu teueren Rückkäufen habe ich nicht, da die Aktie rausfliegt, wenn der Kurs meine persönliche Werteinschätzung übersteigt.

    @Turing: Die Hannover Rück habe ich auch, aber mache mir langsam Sorgen wegen des steigenden KBV und KGV. Ich würde nicht die persönliche Dividendenrendite berechnen, sondern die Aktuelle. Sonst verliert man die Alternativen aus dem Blick und könnte sich in seine aktuelle Aktie verlieben und dann den Ausstieg verpassen.

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