Die Rentenlüge der Regierung


New York, 17. Oktober 2012

Unsere deutsche Bundesregierung feiert sich mit ihrer neuen Rentenstudie selbst. Alles sei mit den Rentnern in bester Ordnung, so die Botschaft aus Berlin. Angeblich verfügt ein Rentner im Schnitt über 1.800 Euro netto im Monat. Den Rentnern gehe es also gut, so das Märchen.
Dieser Bericht verkennt den Ausblick (ja, es wird ein Problem angedeutet, aber das geht in der Hauptbotschaft unter). Es ist eine Momentaufnahme. Es wird nicht berücksichtigt, dass die Menschen immer älter werden. Es bleibt außen vor, dass wir weniger Nachwuchs haben. Die Alterspyramide steht auf dem Kopf.
Irgendwann kommen auf einen Rentenempfänger nur zwei bis drei Beitragszahler. Wie soll das funktionieren? Wie sieht die Rente in 20 oder 30 Jahren aus? Dieser Frage geht der Bericht nicht nach.
Anstatt die Menschen zu motivieren, vernünftig für das Alter vorzusorgen, weil die staatlichen Rentensysteme den Bedarf der Menschen nicht mehr mittelfristig decken können, wird so ein Unfug von „guter Versorgung“ verbreitet. Ich halte solche Botschaften aus Berlin für unverantwortlich. Schwarz-Gelb streut den Menschen Sand in die Augen. (Rot-Grün hat übrigens auch keine tollen Ideen.)
Ich finde es vorbildlich, wie unsere Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor den wachsenden Problemen der Altersarmut warnt. Von der Leyen hat Mut, sie ist unglaublich ehrlich!
Wer mit offenen Augen die Medien liest, sieht die Probleme. Sie finden Tausende Artikel wie diesen: „Altersarmut: Deutsche Rentner verlieren dramatisch an Kaufkraft“.
Wir können einfach nicht kleinreden, dass die Altersarmut ein Kernproblem der westlichen Welt sein wird. Das ist übrigens in den USA genauso ein Problem wie in Westeuropa. Das staatliche Rentensystem ist ein Auslaufmodell. Die zu erwartenden Renten aus dem Umlagensystem werden stetig sinken. Wer das bestreitet, der leugnet die Realität.
Eine Lehre ist: Wir müssen mehr zurücklegen. Die Bürger sparen einfach nicht genug. Wir machen den Fehler, zu spät mit dem Sparen anzufangen. Auch machen wir strategische Fehler bei der Anlage, was zu miserablen Renditen führt.
An der Börse können Sie sehen, wozu dieses kurzfristige Denken führt. Wer nur sechs Monate seine Aktien hält, wer dem Trading zugeneigt ist, wie soll da eine vernünftige Rendite zustande kommen? Zocken führt nicht zum Ziel. Vernünftige langfristige Strategien mit minimalen Kosten sind dagegen hilfreich, sie sind die Lösung.
Bei Finanzprodukten wie der Riester-Rente wird der Verbraucher von den Vermittlern und Anbietern geschröpft. Die Finanzbranche steckt sich gigantische Summen in die eigene Tasche – zu Lasten des Sparers.
Was muss getan werden?
Erstens: Die Menschen müssen mehr Eigenvorsorge treffen. Vernünftiges Sparen ist gefragt. Langfristige Strategien sind nötig.
Zweitens: Wir werden nicht umhin kommen, das Renteneintrittsalter schrittweise immer weiter zu erhöhen.
Drittens: Riester Renten und andere Finanzprodukte stecken voller Gebühren und Provisionen. Das muss fairer gestaltet werden. Wenn der Sparer geschröpft wird, ist das keine Lösung. Warum ist die Regierung untätig? Die kleine beschlossene Transparenzverbesserung bei Riester-Vertragsangeboten genügt nicht. Die Gebühren und Provisionen müssen strikt eingedämmt werden.
Viertens: Die Bürger müssen fair und ehrlich von der Politik über die Herausforderungen informiert werden. Mit „Alice im Wunderland“-Meldungen ist niemandem geholfen.
Fünftens: Sparen Sie. Führen Sie einen Lebensstil unterhalb Ihrer Verhältnisse. Verzichten Sie nach Möglichkeit auf unnötige Schulden, verzichten Sie auf zu viel Konsum. Ein gebrauchtes Auto fährt auch. Statt drei Wochen auf dem Luxus-Liner genügen vielleicht auch zwei Wochen. Muss immer das neueste Apple-Handy in der Hosentasche stecken? Je mehr Sie in Ihrem Berufsleben zur Seite legen können, desto einfacher werden Sie es im Ruhestand haben.
Sechstens: Unsere Regierung in Berlin ist nicht ehrlich mit uns. Ja, es geht um Wahlkampf, ja es geht um positive Stimmungsmache. Akzeptieren Sie wenigstens für sich selbst die Realität. Je realistischer Sie zu sich selbst sind, desto besser werden Ihre Entscheidungen ausfallen.
Siebtens: Nach dem Vorbild der USA sollten in Europa Aktien-Depots für die Rente eingeführt werden. Wer auf diese Depots für die Rente aus eigenem Antrieb anspart, sollte steuerlich entlastet (belohnt) werden.
Achtens: Wir müssen in der Schule ein Fach Finanzlehre einführen. Unsere Kinder lernen in der Schule alles mögliche, nur lernen sie nicht, mit Geld umzugehen. Sie wissen nicht, was die Effekte des Zinzeszinses sind.
Ja, ich weiß, was ein Kernproblem ist: Viele Menschen haben schlicht nicht genug Geld am Monatsende übrig, um ausreichend Vorsorge treffen zu können. Das ist bedauernswert. Daher ist Ehrlichkeit von den Regierenden umso wichtiger. Denn ausreichend für das Alter zu sparen, ist hart für die Mehrheit der Bürger.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die Rentenlüge der Regierung

  1. Frank

    Hallo,
    wer in Deutschland vorsorgt wird abgezockt: Riester Gebühren, Abgeltungssteuer… .
    Wer nicht viel verdient braucht nicht vorsorgen. Im Alter haben Gehälter um 2500 Euro eine gleiche Rente wie jemand der nie gearbeitet hat(Grundversorgung)
    Wer seine Miete selbst bezahlt und die Nebenkosten(Warmwasser..) auch selbst löhnt hat häufig netto auch nicht mehr als den Hartz 4 Satz.
    Im Alter bezahlt man dann den Pflegeplatz solange selbst bis nichts mehr da ist, dann springt die Sozialhilfe ein. Der der nie vorgesorgt hat bekommt das gleiche Zimmer und die gleiche Pflege von Anfang an umsonst.
    Frank

  2. StefanStefan

    Ich glaube der Regierung kein Wort! Alles beschönigt!

    Ganz schlimm wird es, wenn Steinbrück und die SPD an die Macht kommen. Dann wird gleich mal die Abgeltungsteuer auf mindestens 32 % angehoben!

    Die Pkw-Maut ist auch nur noch eine Frage der Zeit.

    Wir Deutschen werden immer mehr abgezockt. Dabei hat der Staat schon Steuereinnahmen auf Rekord-Niveau.

    Hier besteht kein Einnahme, sondern ein Ausgabeproblem!

    Das müssen noch Zeiten gewesen sein, als man nach einem Jahr Haltedauer seine Kursgewinne steuerfrei vereinnahmen konnte!

    P.S.: Ich denke auch, dass es nur über Konsumverzicht geht. Es ist schon unglaublich was bei uns für dicke Autos rumfahren. Alles total überdimensioniert…

  3. ZaVodou

    Ich fände das gut, wenn man die Abgeltungsteuer hochsetzen würde. Warum sollen Einkünfte aus Kapital niedriger besteuert werden als Einkünfte aus Arbeit?
    Gleichzeitig würde ich aber den Sparerfreibetrag kräftig erhöhen, damit sich für die Mittelschicht das Sparen lohnt. Die Superreichen mit sehr hohen Kapitaleinkünften würden somit einen gerechteren Beitrag zur Finanzierung des Staates leisten.

  4. Roman

    Die Superreichen zahlen keine Abgeltungssteuer. Nur mal so als Anmerkung. Die Abgeltungssteuer betrifft weider nur mal die Lobbylosen Privat(Vorsorge)-Investoren..

  5. Matthäus Piksa

    Hallo.

    Das gegenwärtige Rentensystem in Deutschland ist wirklich intransparent und unfair.

    Die GRV ist ein Witz, weil Selbstständige/Freiberufler und Beamte nicht einzahlen müssen. Wenn dann auch noch immer weniger Kinder als zukünftige Beitragszahler nachkommen, gibt es ein Problem.

    Die Riester-Rente lohnt sich für kinderreiche Familien wegen den Zulagen durchaus, wenn ich das richtig überblicke. Wenn gebaut wird, oder beim Wohnungskauf, kann komplett auf das Geld zurückgegriffen werden. Wird sonst vorzeitig gekündigt, müssen die Zulagen zurückgezahlt werden. Da die Riester-Rente also eine kombinierte Familienförderungs/Altersvorsorge-Konstruktion ist, sollte das ganze Produkt nicht komplett verteufelt werden, wenngleich hier jeder individuell nachrechnen sollte.

    Ärgerlich ist in Deutschland also aus meiner Sicht einzig und allein, dass es nicht die Möglichkeit gibt, steuerfrei mit Aktien für's Alter vorzusorgen.

    Ich denke, dass es in Deutschland realistischerweise nie gänzlich zu einer Abschaffung der GRV kommen wird. Ob die Riester/Rürup-Rente abgeschafft wird, darf auch angezweifelt werden.
    Bei beidem muss auch gesehen werden, dass die Rente, die hier ausgezahlt wird, relativ konstant ist.

    Es stellt sich nämlich wirklich die Frage, ob ausnahmslos alle die Finanzmarktdellen, die wir in den vergangenen 10 Jahren zwei Mal erlebt haben, aussitzen könnten. Rein hypothetisch gefragt, wenn es nur noch eine kapitalgestützte Altersvorsorge gäbe, wenn also alle gezwungen wären in Aktien zu investieren, weil es nämlich keine gesetzliche und keine halbprivate Vorsorge mehr gäbe.

    Das Horrorszenario ist nicht von der Hand zu weisen. Man geht in Rente oder beabsichtigt dies in Kürze und die Finanzmärkte entscheiden sich, brutal einzubrechen, mit der Folge, dass ein Großteil der dann in Aktien angelegten Summe erst mal weg ist.

    Um so einen Crash aussitzen zu können müsste es einem Anleger in den Jahrzehnten davor schon gelungen sein, einen höheren dreistelligen Betrag angespart/investiert zu haben.

    Wäre mal interessant zu erfahren, wie eine rein auf dem Kapitalmarkt vorsorgende Gesellschaft im Vergleich zu einer mithilfe des Staates vorsorgenden Gesellschaft abschneidet. Ist es nicht so, dass die Social Security bis 2040 abgeschafft werden soll und die USA damit dieses Experiment in der Praxis testen? Ich meine, dass ich da mal was gelesen hätte.

    Gruß Matthäus

  6. Matthäus Piksa

    Im vorletzten Absatz schrieb dreistellig. Ich meinte sechsstellig. Im Jahr 2040/2050 müsste es schon allein inflationsbedingt wohl eher ein siebenstelliger Betrag sein.

  7. Michael C. Kissig

    Es gibt nicht DIE Lösung für die Rentenproblematik!

    Unser umlagebasiertes Rentensystem ist darauf ausgelegt, dass Bevölkerung das BIP wachsen. Doch beide Werte wanken. Daher muss es zu Reformen kommen und die ersten Ansätze sind ja gemacht: Rentenniveau runter, Renteneintrittsalter rauf.

    ABER… wozu überhaupt ein Renteneintrittsalter? Die Rentenansprüche sollten einfach immer weiter ansteigen, sofern man sie nicht in Anspruch nimmt. Wenn jemand nach 20 Jahren und mit Alter 40 seine Rente haben möchte, soll sie ihm ausgezahlt werden, Monat für Monat. Wird nicht viel sein, weil er nicht lange und nicht viel eingezahlt hat, aber es ist doch seine Entscheidung. Und wenn jemand erst mit 80 und nach 60 Jahren des Einzahlens seine Rente haben möchte, soll er. Die dürfte sehr üppig ausfallen, dafür aber eher kurz nur zu zahlen sein (Resthaltbarkeitsdauer ist halt begrenzt).

    Die gesetzliche Rentenversicherung ist die Basis für die Altervorsorge. Wer hier nicht einzahlt – und Selbständige und Besserverdienende können dies freiwillig sehr wohl! – muss mindestens in entsprechender Höhe privat vorsorgen. Darüber hinaus muss aber jeder, der seinen Lebensstandard auch nur annähernd halten oder nicht in die Altersarmut abrutschen möchte, privat vorsorgen. Und zwar so früh wie möglich damit anfangen. Nicht erst mit 55, wenn man mehr finanziellen Spielraum hat, sondern mit 20. Spätestens.

    Und hier kommt die Frage ins Spiel, worauf man setzen sollte. Lebensversicherung? Sparverträge? Staatsanleihen? Die Renditen sind in dem Bereich so niedrig, dass sie nicht einmal die Inflation auffangen. Und für die Altersvorsorge auf Edelmetalle, wie Gold zu setzen, macht auch keinen Sinn. Immobilien? Als Anlageform nur für Vermögende möglich, daher für die Altersversorgung nur bedingt tauglich. Und risikobehaftet, das habe ich hier zum Thema offene Immobilienfonds mal ausgeführt (inkl. der Alternativen)!

    Es bleiben eigentlich nur Aktien, wie ich kürzlich hier erläuterte. Denn die Beteiligung am Produktivvermögen bedeutet, am steigenden Wohlstand des Landes teilzuhaben. Dabei sind Fonds die teuerste Variante, dann sollte man lieber in ETFs investieren. Oder eine Sparrate auf sein Tagesgeldkonto einrichten und alle paar tausend Euro in ein großes, solides, attraktiv bewertetes Unternehmen investieren, das gute Gewinne erwirtschaftet und konsequent Dividenden ausschüttet. Kaufen, halten, Erträge kassieren. Und auch wenn in der Zwischenzeit die Börse mal crasht oder haussiert, gar nicht drum kümmern. Man kauft nicht die Aktien, sondern erwirbt Anteile an dem Unternehmen und wird Mitinhaber. Und das Unternehmen wird sich an die Gegebenheiten anpassen und weiterhin gute Geschäfte machen. Nur wenn es das nicht schafft, sollte man aussteigen. Folglich sollte man auf die langweiligen Branchen setzen, keine Modeaktien wie die Apples und Ebays kaufen, sondern die schnarchigen BASFs und Henkels und Coca Colas dieser Welt.

    Die Kombination bringt die Sicherheit für die Altersversorgung. Wer heute alles auf eine Karte setzt, um in 40 Jahren gut dazustehen, muss Prophet sein. Wem die nötige Glaskugel hierzu fehlt, kann sich ja meinen Beitrag noch mal durchlesen… ^^

  8. Reinhard

    Ich glaube, dass hier mal jemande das Umlagesystem verteidigen muss: Es hat jetzt 60 Jahre wunderbar funktioniert. Auch damit ist man an der Wirtschaft beteiligt. Das für die Alten benötigte Kapital wird aktuell erwirtschaftet. Natürlich muss das System an die Lage angepasst werden. Warum sind Beamte, Selbstständige, Besserverdienende ausgenommen? Dass es auch anders geht zeigt die Schweiz.

    Wenn sich jemand disqualifiziert hat Zukunftsprobleme zu lösen, dann doch die Finanzindustrie. Nicht auszudenken, wenn noch größere Vermögen, nämlich die der Altersvorsorge, im Umlauf sind und dieses Monster mästen, welche Boni dann in dieser Branche gezahlt werden, welche Wetten ohne realwirtschaftlichen Hintergrund eingeangen wären, wie viele Betrüger sich das Geld unter den Nagel reißen. Man stelle sich nur vor jede Oma hat einen sechs- oder wie oben vorgeschlagen siebesntelligen Kapitalstock. Das verkraften die Lehmann-Brothers dieser Welt nicht. Das sind nur Lösungen für den Einzelnen, nicht für ein Volk.

  9. Turing

    Wir müssen wegkommen von solchem Blödsinn wie „Lebensleistung belohnen“. Das wäre nicht Aufgabe eines staatlichen Rentensystems. Wer viel im Leben leistet, kann sich selbst belohnen. Durch sinkende Beiträge in die Rentenkasse bleibt auch viel mehr Investitionsspielraum.

    Ich bin für eine steuerfinanzierte Grundrente ab 70, die ich Hartz 70+ nennen würde.

  10. Chris

    Hallo,

    Ich habe diesen Blog zufällig entdeckt und verfolge ihn mittlerweile fast täglich. Ich muss ein großes Kompliment aussprechen, denn so viele hervorragende Beiträge und Kommentare sieht man nicht oft.

    Ich weiß dass das nur bedingt zu diesem Beitrag passt, aber ich schreibe das nun einfach mal hier rein.

    Es geht hier zumeist um langfristige Anlagen. Aktien von guten Unternehmen, zu guten Preisen erstanden, sind auf Dauer einfach unschlagbar. Bis zur Rente mach ich mir da keine Sorgen, Schwankungen sitzt man einfach aus oder freut sich über erneute Kaufgelegenheiten.

    Nur mich würde interessieren, wie man im derzeitigen Umfeld am besten auf größere mittelfristig geplante Investitionen spart.

    Nehmen wir mal ein Haus als Beispiel. Was macht jemand, der in sechs bis sieben Jahren ein Eigenheim erwerben möchte? Tagesgeld/Festgeldzinsen sind derzeit so gut wie nicht vorhanden. Mit Bausparverträgen bekommt man zwar vernünftige Kreditkonditionen aber dafür auch keine Zinsen in der Ansparphase. Aktien sind zu riskant, da mittelfristig unvorhersehbar. Was bleibt da übrig? Anleihen?

    Vielleicht ist das ja eine Anregung für einen eigenen Blogbeitrag. 😉

    Mich würde auf jeden Fall interessieren, wie eine gute Startegie für ein solches Szenario in Zeiten von Niedrigzins und Inflation aussehen könnte.

    Nochmal ein großes Kompliment und vielen Dank für den hervorragenden Input.

  11. Turing

    Was die Förderungen mit Riester und Rürup angeht: Ich glaube, die Politiker wissen's einfach nicht besser. Für hat ist Altervorsorge ausschließlich mit der Altersrente zu tun.

    Dahinter steckt eine tiefe Abneigung gegen die kapitalistische Wirtschaftsweise. Aktien und Dividenden sind natürlich böse, sodass der Aktienhandel sogar besteuert werden soll, genauso wie Zigaretten und Alkohol auch. Weniger die geplante Steuer regt mich auf, sondern viel die Begründung, die zu ihr geführt hat.

    In aller Regelmäßigkeit taucht dann auch jemand in den Massenmedien auf und erklärt uns, wegen des Geldsystems und des Zinseszines stünde der Crash bevor. Dirk Müller ist so einer. Und ein ganz besonderes Exemplar ist Margrit Kennedy, die sich „Geldexpertin“ schimpft. Sie will immer demonstrieren, dass unermesslich schnell wachse und angeblich verstünden die Menschen nicht das exponentielle Wachstum. Und widernatürlich sei dieses auch noch, denn angeblich gebe es nicht das nicht in der Realität. Das ist natürlich Blödsinn, denn wir haben sehr wohl Wachstumsprozesse, die exponentiell sind. Man schaue sich nur mal Grundschulkinder an, die eine essentielle Fähigkeit nach der anderen lernen, wobei eine auf der anderen aufbaut. Nur dadurch ist es möglich, dass sie mit Mitte zwanzig als Akademiker dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

    Wer Margrit Kennedy nicht kennt, sollte mal bei Youtube reinschauen. Es ist zum Gruseln. Die Frau hat sich sogar schon 15 Minuten hingesetzt, um auszurechnen, was man am Ende erhält, wenn man in Woche 1 einen Cent bekommt, in Woche 2 das doppelte in Woche 52 2^51 Cent. – Wer sich seit Anfang der 80er als „Geldexpertin“ geriert, den Leuten erklärt, sie verstünden die Exponentialfunktion nicht (sie schon) und nicht erkennt, wie man diese Summe smarter ausrechnen kann, kann man doch nicht ernst nehmen. Es dauert mit dem Taschenrechner keine 10 Sekunden.

  12. Michael C. Kissig

    Wenn man in 6 bis 7 Jahren das Geld braucht, bestünde bei Aktien – auch soliden Blue-Chips – natürlich das Risiko, dass sie gerade dann, wenn das Geld benötigt wird, zu Tiefstkursen gehandelt werden.

    Aber eine Alternative zu Mickerzinsen auf dem Festgeldkonto wären Unternehmensanleihen und zwar genau von den Unternehmen, von denen man auch bereit wäre, langfristig Aktien zu kaufen. Die Anleihe bringt mehrere Vorteile für die besprochene Situation:

    1. Die Anleihen haben feste Zinscoupons, die meist – je nach Bonität des Schuldners – deutlich höher liegen als Budnesanleihen. Aktuell wurden gerade deutsche Anleihen von Mittelständlern von 6,5 bis 7,5% Zinsen angeboten (z.B. Berentzen AG).

    2. Falls es Probleme gibt, ist man Gläubiger und nicht Eigentümer wie bei Aktien. Man erhält also noch Geld aus der Insolvenzmasse.

    Das Insolvenzrisiko kann man noch dadurch abfedern, dass man auf börsennotierte Unternehmensanleihen setzt. Die kann man jederzeit verkaufen (wenn ein Käufer da ist), auch wenn der Kurs natürlich schwankt.

    Wenn man bei der Auswahl der Unetrnehmensanleihen sorgfältig ist und nicht auf den höchsten Coupon, sondern as solideste Unternehmen (Geschäftsberichte ansehen!) setzt und dabei noch ein bisschen streut (in Laufzeiten und Branchen), kann man schon attraktive Renditen einfahren bis zu einem festen Termin.

    Bleibt der Termin allerdings noch recht wage, sollte man es allerdings trotzdem mit Aktien versuchen, zumindest als Beimischung. Aber solide Dividendenpapiere auswählen! Die kann man ggf. auch mal beleihen, wenn man eine Zwischenfinanzierung benötigt. Man muss die Aktien also nicht zwangsläufig zu Tiefstkursen verkaufen…

  13. tim schaefertim schaefer

    Ich bin nicht der Meinung, dass die gesetzliche Rentenversicherung ein Unfug ist. Sie kann als ein Baustein der Altersvorsorge dienen.

    Nur sollten uns die Politiker reinen Wein einschenken. Seit den 1970er Jahren werden doch die Menschen belogen. Die gesetzliche Rente muss allein aufgrund der Überalterung der Bevölkerung schrumpfen.

    Insofern wäre es angebracht, wenn uns die Regierung vernünftige Methoden der Altersversorgung zur Verfügung stellt. Und diese fördert. Der Riester-Kram ist unseriös strukturiert, wenn ich mir die Gebühren/Kosten anschaue.

    Riester-Verträge sind es nicht würdig, dass der Staat hier Steuergelder hinein schießt. Denn dieses Geld kommt nicht beim Sparer, sondern beim Vermittler bzw. Anbieter an.

    Ein Problem sind die enormen Spendengelder der Finanzbranche an unsere Parteien und Politiker. Hier ist eine gefährliche Grauzone entstanden. Wessen Interessen verfolgen unsere Parteien??

  14. GertGert

    @ Tim

    Wieder mal ein wichtiger Beitrag von dir. Das Thema wird in der Bevölkerung unterschätzt, u.a., weil die meisten zu finanziellen Dingen (wie du schon schreibst) nichts lernen, nicht wissen und (leider) auch nichts wissen wollen. Es ist ja geradezu verpönt, sich mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Außerdem erwarten die Menschen, dass der aktuelle Zustand der Gesellschaft nahtlos in die Zukunft fortgeschrieben werden kann. Auch das wird nicht der Fall sein. Und die Politik ist nicht bereit, den Menschen reinen Wein einzuschenken. Ich sehe keine Lösung, die für die gesamte Gesellschaft greifen könnte und durchsetzbar wäre.

    @ Matthäus

    Das Rentensystem ist nicht in der Schieflage, weil Selbständige und Beamte nicht einzahlen müssen, sondern weil ein umlagefinanziertes System nur funktionieren kann, wenn es ein spürbares Wirtschaftswachstum und auch ein Bevölkerungswachstum gibt. Fehlt nur eine der beiden Bedingungen, wird es schon schwierig, fehlen beide, gehen die Lichter aus. Die demographische Entwicklung ist in D nicht mehr aufzuhalten. Das Problem wird exponentiell wachsen, da die Frauen, die vor 20, 10 Jahren und heute nicht geboren wurden, in der Zukunft keine Kinder bekommen werden.

  15. Matthäus Piksa

    @Gert – Das Problem lässt sich wenn überhaupt nur durch massive Einwanderung lösen. Entgegen einem weit verbreiteten Mythos wollen die meisten Immigranten hier in Ruhe und Frieden arbeiten und zahlen dann auch folgerichtig ihre Sozialbeiträge. So unpopulär diese Aussage auch erscheinen mag.

    Für die aktuelle Altersarmut sind die aktuellen Alten verantwortlich, da sie einfach zu wenige Kinder bekommen haben. Hier zeigt sich aber auch eine Veränderung der gesellschaftlichen Fundamente einerseits sowie eine Prioritätenverlagerung. Damit meine ich, dass früher ua auch deshalb so viele Kinder geboren wurden, weil es zum einen eine hohe Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate gab und zum anderen Kinder eine Art Altersvorsorge darstellten. Man dachte, dass schon jemand der eigenen Kinder die eigene Pflege übernehmen würde.
    Das hat sich komplett gewandelt. Heute können sich viele Alte gar einen Altersheim-Aufenthalt leisten, die Jungen sind mehrheitlich nicht mit der Pflege ihrer Eltern belastet und können ihre Zeit dafür verwenden einer Arbeit nachzugehen. Im Normalfall leben sie im Alter dann auch entweder im Altersheim oder wenn sie noch rüstig sind alleine oder eben mit dem Ehepartner.

    Fazit: Im Rentensystem wird aus meiner Sicht mehr genörgelt als nötig wäre. Bei den aktuellen Rentnern ist das Phänomen der Altersarmut eher eine Randerscheinung. Zukünftig wird das auf dem Solidaritätsprinzip und dem Umlageverfahren fußende Rentensystem nur dann funktionieren wenn die Immigration gleich hoch bleibt oder erhöht wird. Wenn man bedenkt, dass die von mir bereits erwähnten privilegierten Berufgruppen der Selbständigen/Freiberufler/Unternehmer und Beamten oftmals zu den Spitzenverdienern gehören, dann dürfte schnell einleuchten, dass unser Rentensystem wenn es politisch gewollt wäre sehr schnell gerettet werden könnte, wenn die Privilegien gestrichen würden.
    Hier haben die Lobbyverbände aber sicherlich ihre eigene abweichende Meinung.

    Gruß Matthäus

  16. GertGert

    @ Matthäus

    Wenn die Privilegien für Selbständige und Beamte gestrichen werden und diese Gruppen in die BFA einzahlen müssen, dann erwerben diese Leute natürlich auch Ansprüche auf eine staatliche Rente. Zuerst wird die Einnahmenbasis vergrößert, aber mit einem gewissen zeitlichen Verzug auch die Ausgaben. Ob das per Saldo etwas bringen würde?

  17. Matthäus Piksa

    @ Gert

    Also in der Schweiz ist es so, dass Alle in einen Topf einzahlen und daraus dann die Renten ausbezahlt werden. Der Beamtenstatus ist seit einem Volksentscheid abgeschafft.

    Es gibt keinen Beitragshöchstsatz verglichen mit der Beitragsbemessunsgrenze bei uns.

    Beamte werden nicht aus dem Staatshaushalt ausbezahlt.

    Freiberufler haben keine eigenen Versorgunsgwerke, deren Rendite ohnehin nicht so viel besser sein kann, als die der GRV, wenn man sich überlegt, dass sie das Geld mit Sicherheit nicht in Aktien legen, sondern in „sichere“ Staatsanleihen.

    Ich habe beim deutschen Rentensystem einfach den Eindruck, dass hier nach dem Motto „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, verfahren wird.“

  18. Anna

    @ Matthäus,
    Deine Meinung, die heutigen Alten wären an ihrer Altersarmut selbst schuld weil sie nicht genug Kinder gehabt hätten, irritiert mich (vorsichtig ausgedrückt).
    Ich bekomme eine „Altersrente für schwerbehinderte Menschen“ (nennt sich so), habe zwei Kinder großgezogen und immer „nebenbei“ gearbeitet (Kinder in Krippe und Kindergarten – in D ist man da Rabenmutter). Man rechnet mir 512 Monate an, ergibt bei einem Abzug von 10,8 % nach der letzten Erhöhung 665,30 €. Damit bin ich von den Werten im o.a. Bericht wohl weit entfernt(frage mich eh, welche Renten da aufgerechnet werden…). Ohne Striptease bei den Ämtern (wenn man allein ist) kommt man da kaum über die Runden.

    Sage jetzt aber bitte keiner, kannst ja froh sein, was sollen die Jungen dann machen? Das Problem bewegt mich auch, schon im Interesse meiner beiden Jungs und dem Enkel. Eine richtige Lösung hätte ich auch nicht. Aus diesem Grunde befasse ich mich mit Aktien.

    @ Ulrich,
    warum Berentzen-Anleihe? Ich habe Deinen Blog gelesen …

    VG
    Anna

    PS: Ach noch 'ne Frage: Wieviel Kinder habt Ihr denn?

  19. Matthäus Piksa

    @ Anna – Ich meinte es gesamtgesellschaftlich. Wenn meine Generation noch weniger Kinder auf die Welt setzt, dann gibt es logischerweise noch weniger Rente. Irgendwo muss es ja herkommen. Rentnerinnen und Rentner die dann beispielsweise 5 Kinder zur Welt brachten, sind die Gelackmeierten, weil der demografische Wandel alle gleich betrifft und es keinen Kinderbonus bei der Rentenberechnung gibt.

  20. Michael C. Kissig

    @Anna

    Deine Frage bzgl. Berentzen haste zwar an Ulrich gerichtet, aber die Aussage zu Unternehmensanleihen stammte ja von mir, deshab antworte ich mal. 😉

    Ich habe nicht die Anleihe von Berentzen empfohlen, sondern sie nur als ein Beispiel genannt von börsennotierten Unternehmen, die gerade Anleihen an den Markt gebracht haben mit attraktiven Konditionen (im Vergleich zu Bundesanleihen). SAF Holland wäre ein anderes Beispiel oder Celesio, die ebenfalls eine Anleihe planen.

    Wichtig dabei ist, nicht nur auf die Anleihe und den vermeintlich hohen Zinssatz zu sehen, sondern sich vor allem um das Unternehmen zu kümmern, das die Anleihe begibt. Das muss solide und für das Geld „gut“ sein. Negative Beispiele gibt es ja auch, wie z.B. Solar Millennium, die noch bis zum Tag vor der Insolvenz ihre neuste Anleihe vertickt haben. Da nützt einem ein optisch hoher Coupon gar nichts, wenn die Rückzahlung aus der Insolvenzmasse und zur Quote erfolgt – wenn überhaupt genügend Masse für ein Insolvenzverfhren da ist.

    Und noch mal zu Berentzen: ich glaube, dass die Aurelius sich da sehr günstig eingekauft hat und ihren Schnitt macht (alleine schon durch den gestiegenen Aktienkurs und die Riesendividende in diesem Jahr). Deshalb bin ich auch in Aurelius investiert, weil die sehr clever verstehen, aus strauchelden Unternehmen Geld zu machen. Aber in bezug auf Berentzen halte ich die hohe Ausschüttung für Sünde und würde auch die Anleihe nicht zeichnen. Denn wenn ich in das Unternehmen nicht als Aktionär einsteigen würde, warum sollte ich denen dann Geld leihen? Mit vergleichbarem (Insolvenz-)Risiko? Doch die Anleihen von Berentzen sind weggegangen wie geschnitten Brot. Da haben also einige Leute eine andere Ansicht zu, ist ja ihr gutes Recht.

  21. Anna

    @ Michael
    Stimmt, es war auf Deinem Blog.
    Wer diese Unternehmensanleihe kaufen will, der solls machen. O.k.
    Allerdings habe ich mit Beteiligungsgesellschaften keine guten Erfahrungen. Ich war mal in Arques investiert. War keine Sternstunde meiner Aktionärslaufbahn. Aber manchmal lernt man eben nicht aus Erfahrung. Habe auch noch Geld bei CFC Ind. versenkt.
    Trotzdem geben wir nicht auf.

    VG Anna

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