Die Pessimisten überwiegen


New York, 10. Oktober 2014

An der Börse knirscht es. Die Korrektur ist etwas ganz Natürliches. Es handelt sich um eine typische Reaktion nach fünf Jahren Rallye. Irgendwann kommt eben der Rutsch. Wer langfristig in Aktien investiert, sollte sich keine Sorgen machen. Im Gegenteil. Sie sollten umso mutiger werden, je niedriger die Kurse stürzen.

Ich habe das Gefühl, deutsche Anleger erinnern sich am liebsten an die schlimmsten Börsenzeiten. Es hat sich in deren Köpfe eingebrannt. Ja, wir denken an Enron, Kodak, WorldCom.

An den Neuen Markt, an den Kurssturz der Deutschen Telekom, an die Pleite von Brokat, Gigabell, Infomatec, Comroad, Kabel New Media, Kinowelt…

Diese Horror-Pleiten dienen den Pessimisten als Argument dafür, dass sich an der Börse kein Geld verdienen lässt.

Aber warum denken Menschen selten an die großen Erfolge? Warum werden die nicht aufgezählt? Microsoft legte seit dem Börsengang um 47.915 Prozent zu. Die langweilige Baumarktkette Home Depot schoss seit September 1981 um 310.133 Prozent in die Höhe. Wer damals 1.000 Dollar investiert hat, kann sich heute auf 3,1 Millionen Dollar freuen.

Der Sportartikler Nike rannte um 26.484 Prozent nach oben.

Warum gibt es so viele Pessimisten? So viele Meckerer? Immer wird auf etwas Nachteiliges hingewiesen. Dabei ist die Börse eine unglaubliche Gelddruckmaschine. Wer die Logik der Börse versteht, kann reich werden.

Es ist Geduld nötig. Qualität. Schon das Festhalten an einem Börsenindex wie dem S&P 500 für mehrere Jahrzehnte verspricht eine goldene Zukunft. Aus einem Schneeball wird mit der Zeit eine Lawine. Es liegt am exponentiellen Wachstum. Die Menschen sind nicht in der Lage, sich exponentielles Wachstum auszumalen. Die Zinseszinsrechnung zu begreifen ist so, als ob Sie ein Weltwunder verstehen wollen. Der Dow-Jones-Index legte im 20. Jahrhundert von 66 auf 11.500 Punkte zu. Und es geht immer weiter nach oben.

Die meisten Anleger machen sich die Zinseszinsrechnung kaputt durch unnötiges Traden, Zocken, Spekulieren. Sie zahlen Gebühren, Steuern, Spreads, Absicherungsprämien usw. Sie merken nicht, wie schädlich zu viel Aktivität ist. Bei Tradingwettbewerben werden nie die vielen Verlierer dem staunenden Publikum vorgestellt, sondern immer nur die ganz wenigen Sieger.

Warren Buffett legte den Grundstein für sein Berkshire-Imperium, indem er mehrere Jahrzehnte lang an seinen Kerninvestments American Express, Wells Fargo und Coca-Cola festhielt.

Besonders erfolgreiche Menschen sind im Grunde genommen ganz große Optimisten. Sie können sich solche Dinge ausmalen. Steve Jobs dachte bestimmt daran, eines Tages eine Milliarde Kunden zu haben.

Visionäre sind immer große Optimisten. Die haben eine Idee und setzen sie dann um. Sie widerstehen den Pessimisten, den Mahnern, Nörglern.

Denken Sie an Hedgefonds-Pionier Julian Robertson. Er baute den Tiger Fonds auf. Später vertraute er seinen Mitarbeitern. Er gab ihnen Geld für neue Hedgefonds. So entstand ein ganzes Netzwerk an Geldmanagern.

Hedgefonds-Pionier Julian Robertson. Er baute aus einer Idee ein Milliardenimperium, aus vielen Fonds bestehen, auf. Er nennt sie Tiger Fonds. Das Foto machte ich auf einer Bloomberg-Konferenz in NYC.

Hedgefonds-Pionier Julian Robertson. Er baute aus einer Idee ein Milliardenimperium, aus vielen Fonds bestehend, auf. Er nennt sie Tiger Fonds. Das Foto machte ich auf einer Bloomberg-Konferenz in NYC. Sein Erfolg basiert auf Optimismus, Vertrauen, Geduld.

Denken Sie an die Milliardäre Michael Bloomberg und Ray Dalio.

Michael Bloomberg (links auf dem Foto): Eine Abfindung nutzte er als Startkapital für sein Medienkonglomerat Bloomberg, später wurde er Bürgermeister in NYC. Rechts im Foto Ray Dalio. Er leitet einen der größten Hegefonds der Welt.

Michael Bloomberg (links auf meinem Foto): Eine Abfindung nutzte er als Startkapital für sein Medienkonglomerat Bloomberg, später wurde er Bürgermeister von NYC. Rechts im Foto Ray Dalio. Er leitet einen der größten Hegefonds der Welt. Beide Milliardäre sind große Optimisten. Sie können andere für ihre Ideen begeistern. Bloombergs‘ Eltern waren ganz „einfache Leute“ (wie er selbst sagt). Sie hatten keinerlei Connections. Dalios‘ Vorfahren wanderten aus Italien in die USA ein. Sein Vater war Jazz-Musiker. Seine erste Aktie kaufet er, da war er zwölf Jahre alt.

Denken Sie an Stararchitekt Daniel Libeskind. Er kam mit seinen Eltern per Schiff nach New York. Sie hatten, als sie amerikanischen Boden in der Nähe der Statue of Liberty betraten, keinerlei Geld.  Aber sie hatten Träume, große Ideen. Sie waren Optimisten.

Star-Architekt Daniel Libeskind: Er entwarf das Konzept für das neue World Trade Center. Er kam mit seinen Eltern als Kind nach New York, hatte keinerlei Geld: nur große Träume.

Star-Architekt Daniel Libeskind: Er entwarf das Konzept für das neue World Trade Center. Er kam mit seinen polnischen Eltern als Kind nach New York, hatte keinerlei Geld: nur große Träume. Ihm zuzuhören ist faszinierend. Er sprüht vor Begeisterung.

Denken Sie an die Geldzauberer Leon Cooperman und Howard Marks.

Leon Coopermann und Howard Marks: Beide wuchsen in einfachen Verhältnissen auf. Als sie ihre ersten Jobs antraten, waren das recht gewöhnliche Jobs. Sie hatten aber eine unglaubliche Vorstellungskraft, eine enorme Motivation und ein unglaubliches Arbeitsethos. Ich sprach mit beiden schon in NYC. Sie sind faszinierende Persönlichkeiten.

Leon Cooperman und Howard Marks (rechts): Beide wuchsen in einfachen Verhältnissen auf. Als sie ihre ersten Jobs antraten, waren das recht gewöhnliche Jobs. Sie hatten aber eine unglaubliche Vorstellungskraft, eine enorme Motivation, ein extremes Arbeitsethos. Coopermans‘ Vater war Klempner. Ich sprach mit beiden Geldmanagern schon in NYC.

Denken Sie an das Genie Steve Jobs.

Steve Jobs (Foto Wikipedia Matt Yohe). Er hatte keinen Uni-Abschluss, aber große Träume. Weil er kein Geld hatte, schlief er als Student bei Freunden auf dem Boden. Einmal pro Woche kaufte er sich ein gutes Essen. Er sammelte Leergut. An seinen Aktieninvestments hielt er langfristig fest. Die Disney-Aktien aus dem Verkauf seiner Pixar-Anteile (Hollywood Studio) gingen in eine Stiftung über, die seine Gattin steuert.

Steve Jobs (Foto Wikipedia Matt Yohe). Er hatte keinen Uni-Abschluss, aber große Träume. Weil er kein Geld hatte, schlief er als Student bei Freunden auf dem Boden. Einmal pro Woche kaufte er sich ein gutes Essen. Er sammelte Leergut, um über die Runden zu kommen. An seinen Aktieninvestments hielt er langfristig fest. Die Disney-Aktien aus dem Verkauf seiner Pixar-Anteile (Hollywood Studio) gingen in eine Stiftung über, die seine Gattin steuert. Aus einem 5 Millionen Dollar Investment machte er Milliarden. Trotz seines Reichtums lebte er mit seiner Familie bescheiden. Ähnlich wie Buffett blieb er im gleichen Haus. Seine Familie verzichtete auf Personal im Eigenheim und sonstigen Kram.

Erfolg hat sehr viel mit Vorstellungskraft zu tun. Ich glaube, der Durchschnittssparer ist sich gar nicht bewusst, welche Renditen langfristig möglich sind. Sie sind blind. Voreingenommen. Ängstlich.

Die Medien tragen ihren Teil dazu bei. Die Medien werden wieder panisch schreien, wenn die Börse crasht. Als sie fünf Jahre lang mit einer immensen Kraft um 20 Prozent per annum nach oben stürmte, sah ich nicht ständig Schlagzeilen wie „Superhausse. Was für ein Rendite-Wunder.“


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die Pessimisten überwiegen

  1. corrupto

    schöner atikel!

     

    ich nutze die „korrektur“ auch um ordentlich nachzukaufen 😉

    die frage ist nur wie weit es noch runter geht? niemand weiß es.. ich denke aber nicht mehr allzuviel

  2. Pastafari

    Schöner Artikel, Tim.

    Ich habe zwar vor wenigen Wochen den überwiegenden Teil verkauft, weil ich Gewinne realisieren wollte und mit einem Rücksetzer früher oder später gerechnet habe. Jetzt kommt er etwas früher.

    An den „Weltuntergang“ glaube ich nicht & von daher denke ich, dass wir bei einem heißgelaufenen Dax zwar noch locker & leicht bis auf 8.000 runterfallen können, aber selbst das ist kein Beinbruch.

    Auf dem Level sollten ein paar schöne Werte wieder günstig zu haben sein.

    Sollte es mit der Wirtschaft allerdings bergab gehen oder wir in eine Rezession schlittern, dann wären 8.000 erst der Anfang.

    Von daher Salami-Taktik (oder Tofuwurst für Veganer) beim (Wieder)Einstieg nutzen.

    P.S.: Ein paar Werte bleiben erstaunlich robust und verlieren mit Hebel <1. Die sollte man im Auge behalten. Eine Adidas, Siemens und kleine Werte aus dem MDAX werden rausgehauen, wie bekloppt. Eine Nestlé & MCD etc. bleibt auch in dieser Phase stabil.

    Schönes Wochenende!

  3. corrupto

    @Pastafari

    also an eine rezession glaube ich nicht wirklich ernsthaft.. die jetzige korrektur sieht mir eher ein wenig heraufbeschworen auf..“aussichten trüb“ ja mein gott

    amerikas wirtschschaftsmaschine z.b scheint gerade erst wieder richtig fuß zu fassen! obwohl dort so einige aktien gut gelaufen sind die letzten jahre

     

    habe gerade fielmann nachgekauft – für mich ein must have hierzulande

    zudem die großen eisenbahnen aus nordamerika sowie novo nordisk

     

    gruß

  4. NeverSurrender

    Dax von 4000 auf 10000.

    50 % Korrektur dieser starken Hausse, die hauptsächlich liquiditätsgetrieben war =

    7000 Punkte im ersten Angang und im besten Fall

    Betonung liegt auf Fall (nicht Crash)

    Crash wäre weit darunter

    Und Aktien können tief fallen. Bayer in 2002/03 zeitweise mal unter 10!!!

    Endlich kommt wieder eine realistische Risikoeinschätzung an den Markt und die Erkenntnis dass es keine Asset-Klasse gibt, die als weißer Ritter funktioniert.

  5. MrS

    Ich glaube nicht an einen weiteren Tiefgang als 8000. Trotz der Krisen und Konjunktursorgen läuft es bei vielen Unternehmen weiterhin gut. Oft wird nur Panik gemacht oder Kurse künstlich nach unten gedrückt wie bei der Lufthansa. Der niedrige Ölpreis wurde noch garnicht beachtet, die revidierten Zahlen vom Juli wurden vom neuen GF ausgegeben, um am Ende mindestens eine Punktlandung zu erzielen.

    In der zweiten Reihe gibt es Werte wie Baywa, die zwar hoch bewertet sind, aber kontinuierlich wachsen und zukaufen.

    Korrektur ist gut und notwendig, doch noch weiß kaum jemand wohin mit seinem Geld. Welche Anleihen sind rentabel/attraktiv und sicher?

    Selbst eine Zinsanhebung im ersten Quartal in den USA wäre nicht dramatisch, da es selbst bis ca 2 Prozent noch sehr günstig wäre gemessen an der Rentabilität von Aktien. An den Crash glaube ich nicht, nur an eine eher kurze Korrektur. Eine Glaskugel habe ich aber selbstverständlich auch nicht.

    Allen – egal ob auf steigende oder fallende Kurse investiert – viel Erfolg!!

  6. Florian Kling

    Vielen Dank für den Artikel und das Video!

    Mit so einer Motivation lässt sich gleich noch viel besser der Tag starten und die Morgenmüdigkeit abwerfen.
    Der Artikel bestärkt mich darin, dass ich in den letzten Tagen mein Depot vergrößert habe und jetzt einkaufe…und ich freue mich schon jetzt über die Zukunft, wenn ich die Rendite ernten darf.

    Und wenn es noch weiter nach unten geht….dann kaufe ich noch mehr. Gute Tage für Fundis!

    gruß Florian
    Aktienfreunde Finanzblog

  7. Pastafari

    Was denn? Korrektur schon wieder vorbei?

    Draghi & Yellen werden doch nicht schon wieder mit einem „Put“ für einen kräftigen Rebound sorgen. Die Foren der Chartanalysten und derer, die sich dafür halten, sprechen ja schon von Jahresendrally, wenn diese Woche die 8900 nachhaltig überwunden werden.

    Ok. Weiter warten auf günstige Kurse:-)

     

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