Die dunkle Seite der Deutschen Bank in New York


New York, 26. Januar 2012

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Immer mehr Details über zweifelhafte Geschäfte der Deutschen Bank während der Subprime-Blase werden in den USA bekannt. Einem neuen Bericht zufolge soll einem Analysten in der New Yorker Niederlassung aufgefallen sein, dass Prognosedateien im Jahr 2007 abgeändert worden sind. Zumindest gab es Versuche in diese Richtung. Ziel der Aufhübschung soll es gewesen sein, die sogenannten CDOs besser an Kunden verkaufen zu können.
CDOs sind Collateralized Debt Obligation, also Finanzinstrumente, hinter denen sich strukturierte Kreditpakete (gebündelte Hypotheken) verbergen.
Der Analyst der Deutschen Bank hat dem Bericht zufolge Kritik gegenüber seinen Vorgesetzten geäußert, weil die Prognoseblätter modifiziert werden sollten. Er lehnte dies strikt ab.
Zum Hintergrund: Um die CDOs an den Mann bringen zu können, mussten Modellrechnungen angestellt werden, die wiederum von den Ratingagenturen als „neutrale Instanz“ benotet worden sind. Je besser die Modellrechnungen ausfielen, desto einfacher ließen sich die CDO-Pakete logischerweise verkloppen.
Massenweise sind institutionelle Anleger während des Häuserbooms auf „faule“ beziehungsweise wertlose CDO-Anlagen hereingefallen. Erst nach dem Platzen der Blase kristallisierte sich das Desaster heraus. Zu den größten Kritikern der Deutschen Bank zählt die M&T Bank, die solche Anlagen im großen Stil im Jahr 2007 von den Deutschen gekauft hatte.
Die M&T Bank ging mit einer Heerschar von Anwälten im Jahr 2008 gegen die Deutsche Bank vor, nachdem sich die angepriesenen CDOs als ziemlich faule Angelegenheit herausgestellt hatten. Der Rechtsstreit zog sich lange zwischen den beiden Häusern hin. Wen die Klageschrift interessiert, der findet sie hier im Internet. Es ist ein trauriges Zeugnis über einen sehr merkwürdigen Vorgang. Das Wertpapier tauften die Frankfurter „Edelstein“ (im englischen Original: „Gemstone“). Innerhalb weniger Monate nach dem Kauf verlor der Kunde M&T nach eigenen Angaben 95 Prozent des Wertes. Das ist der Hammer: Um einen echten „Edelstein“ kann es sich also nicht gehandelt haben.
Nun kam es zu einer Einigung. Die Deutsche Bank musste einen zweistelligen Millionenbetrag an die M&T Bank im Dezember überweisen, um den Streit beizulegen. Im Quartalsbericht der M&T Bank (viertes Quartal 2011) liest sich das ziemlich krass:
„During December 2011, M&T received $55 million in cash resulting from the full settlement of a lawsuit initiated by M&T in 2008 against Deutsche Bank Securities, Inc. and several other parties. M&T sought damages arising from a 2007 investment in collateralized debt obligations and alleged that the quality of the investment was not as represented.“
Mit anderen Worten macht die M&T Bank im Rückblick geltend: Die Qualität der CDOs entsprach nicht dem, wie sie angepriesen worden sind. Man könnte auch sagen: Hier wurde Luft in Tüten verkauft.
In Deutschland fiel mir auf, dass die Weltwirtschaftskrise nur schleppend aufgearbeitet wird. Ich vermisse, dass Vorgänge wie dieser publik werden. In den USA werden solche konkreten Vorwürfe näher beleuchtet. Präsident Barack Obama und seine Minister sprechen Missstände direkt an. Ich glaube, nur so kann das Desaster aufgearbeitet werden.
Die Deutsche Bank ist natürlich nicht die einzige Adresse, die sich Vorwürfe gefallen lassen muss. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet auch Goldman Sachs, Citi, JP MorganChase – und viele andere Häuser. Über die unrühmlichen Geschäfte der Frankfurter in New York schrieb ich bereits ausführlich im April 2011 in diesem Blog.
Wie ich schon mehrfach gesagt habe, wäre es unfair nur die Deutsche Bank oder Goldman Sachs an den Pranger zu stellen. Während des Häuserfiebers waren viele Institute damit beschäftigt, ziemlich windige Geschäfte abzuschließen.
Vorwürfe sind zunächst einmal jenen zu machen, die Menschen Hypotheken aufschwatzten, die gar nicht in der Lage dazu waren, die Kredite jemals wieder zurückzahlen zu können. Eine Mitschuld trägt natürlich die Regierung, die FED, die Börsenaufsicht, die Ratingagenturen. All sie haben nicht vor der Blase deutlich genug gewarnt. Darüber hinaus sollten sich die Bürger, die sich bis zur Halskrause verschuldet haben, an die eigene Nase fassen. Kurzum, leider haben viele Stellhebel und Instanzen bei diesem Blütenzauber versagt.
Mehr Informationen zu dem umstrittenen „Edelstein-Geschäft“ der Deutschen Bank finden Sie hier bei Reuters.
Andere Kunden verklagen ebenfalls die Deutsche Bank wegen Betrugs. Darunter ist die französisch-belgische Dexia Bank, die mehr als eine Milliarde Dollar im vorigen Sommer vor einem US-Gericht einklagte. Nur mit staatlicher Unterstützung konnte Dexia zunächst während der Krise vor dem Kollaps bewahrt werden. Die Genesung gelang nie mehr. Einer der Argumente in der Dexia-Klage: Intern hätten führende Mitarbeiter der Deutschen Bank die CDOs als „Dreck“ und „Schweinepapiere“ bezeichnet. Den Kunden habe man gegenüber die CDOs aber gleichzeitig als solide Anlage angepreist.
Oben sehen Sie den Haupteingang der Deutschen Bank im Finanzviertel. Das Foto machte ich eben. Die Straße ist an dieser Stelle ziemlich eng. Wenig Sonnenstrahlen schaffen es zwischen all die Wolkenkratzer bis hier unten. Meist ist es ziemlich schattig. Trist.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die dunkle Seite der Deutschen Bank in New York

  1. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ich danke für den sehr guten Link. Die Aufklärungsarbeit lässt echt zu wünschen übrig. Vieles scheint mir einfach unter den Teppich gekehrt zu werden. Zumindest in Deutschland.

    Da werden Tausende von Sendeminuten und Zeitungsseiten über Kleinkriminelle produziert, aber für die großen faulen Klöpse interessiert sich kaum jemand.

    Krass finde ich auch die Bafin. Die Bafin wird meiner Meinung nach ihrer Aufgabe nicht gerecht. Einer der Hauptaufgaben sollte es sein: Die großen Skandale aufzuklären. Darüber zu informieren. Wie kam es zu dieser Finanzkrise? Die Bevölkerung sollte die Bafin informieren, sie sollte die Bürger schützen. Schützen vor Betrügern, Gaunern, Gebührenschindern…

  2. Matthäus Piksa

    Die Aufgabe der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist es die Zulassungskriterien privater und öffentlicher Vermögensverwalter festzulegen, das Zulassungsverfahren durchzuführen und stichprobenartig das Vorliegen der Kriterien in Zukunft zu überprüfen.
    Die BaFin versteht sich hingegen nicht als verlängerter Arm der Justiz und mithin nicht als rechte Hand der, die Frage der entsprechenden sachlichen und örtlichen Zuständigkeit außen vor gelassen, Staatsanwaltschaft.

    So oder so ähnlich würde ich als BaFin-Verantwortlicher antworten…

    mit freundlichen Grüßen

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    Sie haben vollkommen Recht mit dem formalen Aufgabenkatalog der Bafin.

    Was ich damit nur sagen wollte, ist: Wenn man die Bevölkerung besser informiert über die Finanzmärkte, haben es Betrüger schwerer. Informierte Verbraucher sind im Interesse der Behörden. Meine Idee geht also über die formale Aufgabe hinaus.

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