Die Börse: So funktioniert die Geldmaschine


New York, 18. Oktober 2013

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Ein sparsamer Lebensstil und Erfolg an der Börse haben sehr wohl miteinander etwas zu tun. Denn: Wer sein Einkommen komplett ausgibt, dem bleibt logischerweise nichts übrig, um zu investieren. Also sparen Sie wenigstens ein wenig. Sie brauchen ja nicht fünf Mal im Jahr in den Urlaub fliegen. Ein gebrauchtes Auto fährt im Regelfall auch. Ich glaube, das leuchtet jedem ein.
OK, kommen wir zum nächsten Schritt. Haben Sie Geld übrig, stellt sich die Frage, welche Aktien Sie kaufen. Darüber habe ich schon endlos viel in diesem Blog geschrieben. Qualität, langweiliges Zeug, Substanz, hohe Cashflows, Wachstum, schöne Eigenkapitalrendite, Marktführer, Markenanbieter, Tradition, Insiderkäufe, Dividenden etc.
Wenden wir uns nun dem idealen Zeitpunkt des Kaufs zu. Wann Sie am besten Ihre Position aufstocken oder ein neues Wertpapier kaufen, ist freilich eine schwierige Frage. Wären wir Value-Anleger extrem egoistisch, würden wir uns jetzt eine fürchterliche Krise wünschen, in deren Folge die Kurse einfach kollabieren. Herrscht blanke Panik, greifen wir zu. Seelenruhig warten wir anschließend die Erholung ab. Die billig eingekauften Aktien halten wir einfach bis zur Rente durch. Einen guten Anleger können Sie mitunter an der Halteperiode ausmachen. Kurzfristdenken ist Gift.
So ähnlich macht das Warren Buffett. Er besitzt zu fast 100 Prozent Wertpapiere und Unternehmen. Gut, ein paar Anleihen hat er, um flüssig zu sein für sein Versicherungsgeschäft. Andernfalls würde er kaum so viel Cash horten. Aktien bringen schlicht auf lange Sicht die beste Rendite.
Buffett steigt am liebsten ein, wenn ein Unternehmen in einer Krise steckt oder wenn die Wirtschaft kriselt. So kommt er günstig rein. Buffett denkt so: „Schlechte Nachrichten sind wunderbar! Ein Horror-Crash. Na super.“ Der gewöhnliche Börsianer denkt: „Meine Güte. Alles geht den Bach runter. Oh, wie schlimm.“
Ändern Sie Ihre Einstellung. Eine grauenvolle Gewinnwarnung gefolgt von einem dramatischen Kurssturz kann ein Geschenk sein. Ein Skandal, ein Rücktritt, eine Rückrufaktion, eine Milliardenstrafe, ein Kartellverfahren, ein Ermittlungsverfahren, eine schlechte Reputation… das ist etwas Tolles, für denjenigen mit ausreichend Cash und Geduld.
Zahlen Sie besser nicht den vollen Preis. Nach Sonderangeboten im Supermarkt zu schauen, zahlt sich ja auch aus.
Die Herde denkt an der Börse komischerweise anders. Um es krass auszudrücken: Die Herde tickt nicht richtig, sie hat einen Sprung in der Schüssel. Sie handelt spekulativ, agiert wie ein Trader. Die Informationen des Spekulanten basieren auf Quellen und Daten, die zum Teil mit dem Preis des Assets nichts, rein gar nichts, zu tun haben. Es ist alles irrational, ziemlich irrational.
Die Gefühle machen dem Hobbyanleger eben einen Strich durch die Rechnung. Die Gier frisst den Verstand. Hohe Kurse liebt die Herde. Sie kauft wie im Rausch, wenn die Stimmung super ist. Einzusteigen, wenn Euphorie herrscht, wenn die Börse kurz vor Korrektur steht, ist idiotisch. Aber so ist das nun mal. Ignorieren Sie die Herde besser.
Im Grunde sind die Blasen für die Insider der Branche ein Riesengeschäft. Während der Dotcom-Blase brachten zum Beispiel unsere Banken massenweise ziemlich schwache Internetbuden zu absurden Preisen an die Börse. Sie machten einen Reibach. Ähnlich war das während des Immobilienrauschs in den USA, da wurden irre Summen mit Hypotheken(-papieren) verdient. Insofern haben die Nutznießer wenig Interesse daran, wenn die Blase platzt.
Wann Übertreibungen entstehen, können Sie anhand der allgemeinen Stimmung durchaus wahrnehmen. In New York waren zum Beispiel vor einigen Jahren die U-Bahnen mit Reklame für Wohnungen zugepflastert. Es waren Schlagzeilen wie: „Kaufen Sie jetzt Ihre Traumwohnung. So verdienen Sie richtig Geld.“ Oder: „Lehrgang, Wir haben Plätze frei. So traden Sie Häuser.“ Als Gold heiß begehrt war, warben die Goldhändler entsprechend im Fernsehen und in den U-Bahnen für den gelben Traum.
Ein wenig Sorge mache ich mir nach fünf Jahren Kursrallye (ohne Pause) an der Wall Street schon. Die nächste Korrektur muss kommen. Kürzlich hatte das „Time Magazin“ wieder einen Börsen-Bullen auf dem Titelblatt. Oje. Das ist kein gutes Omen. Ich halte grundsätzlich einen Rücksetzer um zehn oder 15 Prozent für möglich. (Aber genau weiß das niemand.) Eine Rezession kommt. Sie muss irgendwann kommen. Das ist wie ein Naturgesetz.
Verzeihen Sie mir das bitte, aber denken Sie daran: Genießen Sie den nächsten Crash. Genießen Sie eine Gewinnwarnung. Es gibt nichts Schöneres. Ich warte auf die Schlagzeile: „Dow Jones stürzt 1.000 Punkte ab. Chaos.“ So funktioniert die Geldmaschine.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die Börse: So funktioniert die Geldmaschine

  1. Martin

    Tim, ich finde sehr gut was du schreibst und sehe das meiste ähnlich.

    Der Markt ist jedoch nicht so einfach gestrickt und bricht 15% ein. Es gibt immer mehrere Bullen- und Bärenmärkte zur gleichen Zeit. Wenn man günstig einkauft, warum nicht irgendwann verkaufen, wenn es rosig aussieht? Ich verkaufe, wenn die Kurse den Gewinnen davon laufen. Sollte z.B. KO mal wieder ein KGV > 30 haben, würde ich verkaufen. Andererseits halte ich z.B. Nestle schon ewig, da passte das organische Wachstum mir einfach.

  2. Frank

    Hallo,
    ich muß meinem Vorschreiber Recht geben.Bedingt durch die steuerlichen Veränderungen würde ich auch bei historisch hohen KGV`s inzwischen verkaufen. Die Volatilität ist inzwischen so hoch, Kursabstürze soviel häufiger, daß man eine hohe Cashquote viel besser investieren kann.
    Meine Käufe von vor 2009 behalte ich aber bis zur Rente und darüber hinaus.

  3. Frank / Berlin

    eine Blase sehe ich im Moment nur bei Internet/Mode-Untenehmen wie Amazon, Google, Ebay, Facebook, Adobe, Apple, demnächst Twitter usw.
    Wenn mann da annimmt, solche Unternehmen würden den halben Gewinn pro Aktie als Dividende auszahlen und die Dividendenrendite läge ähnlich wie im Moment bei CocaCola bei ca. 3%: wie hoch darf dann der Kurs sein?

    10-15% südwärts halte ich noch nicht mal für 'ne Korrektur, das ist nur ein normales Jahr.
    die Dividenden-Renditen für Standard-Werte aus USA sehen trotz Rekord-Nähe der Indizes immer noch annehmbar aus.
    dagegen halte ich DAX/MDAX-Werte mit Blick auf die Dividenden-Rendite sehr hoch bewertet.

  4. Markus

    Es ist ein Irrglauben, die Börse sei volatiler als früher. (Daten über 120 Jahre…)
    Die durchschnittlichen 10 % schwanken stark und sind selten genau in Form von 10 % anzutreffen.
    Wenn die Börse an 7 von 10 Tagen steigt, wo steigt man ein und wo aus?
    Wenn man nur die besten 10 Tage im Jahr verpasst, sieht die Rendite von Aktien sehr grottig aus! Ist natürlich die Frage, ob man Einzelaktien anschaut, oder hier über das gesamte Depot redet…

    Ein buy & hold Anleger wird größtenteils zu 90 % und mehr investiert sein und damit besser fahren, als „timer“.
    Die unglaubliche Liquidität könnte auch ein paar Jahre weitere Hausse bescheren…
    Bei „großen“ Einmalanlagen halte ich eine zeitliche Streuung als geeignetes Instrument.
    Bei einem Zeithorizont von 2, 3 oder sogar 4 Dekaden spielen 20 % Rücksetzer keine große Rolle. Wenn man gegen die Masse noch weitere Liquidität investieren kann, warum nicht?

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Das ist immer im Rückblick schnell gesagt: Ja, die Coca-Cola hätte ich bei xy verkauft.

    Der Mensch hat ein großes Problem mit den Gefühlen, mit dem Timing. Daher ist es von Vorteil ein grundsolides Unternehmen durchzuhalten. Coca-Cola hat sich exzellent seit den 1960er Jahren entwickelt. Da sind die 10 Jahre Flaute zu verkraften. Qualitätsaktien machen eben Höhen und Tiefen durch.

    Wenn das sich alles so genau kalkulieren ließe, wären BWL-Profs alle steinreich.

    Erfolgreiches Investieren hat mit dem Faktor Zeit sehr viel zu tun.

  6. Stefan Müller

    Der Artikel widerspricht sich etwas.

    Einerseits wird für wenig Cash geworben, da es sich kaum rentiert.
    Auf der anderen Seite sind Chrashs Top Kaufgelegenheiten. Allerdings nur, wenn genügend Cash vorhanden ist.

    Was ist aber, wenn wir einen jahrelangen Aufwärtstrend haben und wir eine hohe Cashquote haben.
    In den letzten 15 Jahren war eine hohe Cashquote top, um bei den heftigen Einbrüchen einkaufen zu können.
    Wie es in den nächsten 15 Jahren aussieht, weiß leider niemand.

  7. Martin

    @Tim: Für die BWL ist der Aktienmarkt nur ein Randbereich. Zudem sind viele Unternehmen nicht an der Börse.
    –> BWL Profs sind keine besseren Anleger.

    Earnings Yield von KO und Nestle ist für die nächsten 10 Jahre > 5%, wobei Staatsanleihen ~2% bringen. Daher habe ich gekauft.

    Wenn irgendwann Staatsanleihen 6% bringen und earnings yield auf 3% fällt (KGV 33), warum nicht verkaufen?

    Damals hatte ich KO nicht im Depot und bei Nestle war die Blase nicht so extrem.

    Wenn man bis zur Rente hält, kann man nur die durchschnittliche Marktrendite erwarten. Historisch wäre dann ETF auf Smallcaps für B&H besser.

  8. Markus

    „Nur“ die durchschnittliche Marktrendite ist für mich persönlich in Ordnung.
    Für ein Rentendepot nur smallcaps??? Es gibt durchaus sehr lange Perioden in denen die Dickschiffe deutlich besser laufen. Auch ist die historisch höhere Rendite von small caps etwas verzerrt, da die spreads zum Teil sehr ordentlich waren und zum Teil auch noch sind.

    Eine Mischung aus small caps, emerging markets, value, Dividendenwerten, großen Aktienmärkten aufgeteilt nach BIP-Daten und nicht nach Marktkapitalsierung schlägt einen MSCI World um längen. Zumindest war es in der Vergangenheit so. Das ist ne recht ordentliche Benchmark für Einzelaktien.
    Selbst der aero mit 15 % Rohstoffen und 30 % Anleihen brachte in der Rückrechnung um die 10,5% p.a. auf 30 Jahre. War vor kurzem so auf einem Titelblatt einer „Finanzzeitschrift“. Wie genau Gebühren berücksichtigt worden sind, ist da leider oft etwas schleierhaft…

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan Müller
    Stimmt. Da steckt ein Widerspruch drin.

    Ich habe nur eine Mini-Cashreserve. Ich bin fast zu 100% investiert. Ich kaufe einfach stetig zu, wenn ich etwas übrig habe. Ich habe lange mit zu viel Cash gewartet. Dann verlor ich die Geduld vor einigen Monaten. (Perfekt bekommt das niemand hin.)

    @ Martin
    Solide Blue Chips sind immer wieder mal etwas teuer. Das passiert einer Exxon, Walt Disney, GE, Procter & Gamble, Clorox, Colagte, Nike, Adidas, BASF … Ich bin der Meinung, dass es sich nicht auszahlt, in solchen teuren Phasen auszusteigen und woanders zu reinvestieren. Buy and Hold ist einfach überlegen. In den zu teuren Phasen kassieren die Anteilseigner stetig Dividenden weiter. Diese Flaggschiffe wachsen irgendwann in die Bewertung hinein – siehe Coca-Cola.

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog
    Eine Korrektur stört mich nicht. Ich ertrage es einfach. Habe ich Cash zur Hand, kaufe ich nach und nutze die Korrektur.

    @ Matthäus Piksa
    Wenn ein Bürger über eine rote Ampel fährt, droht ein heftiger Strafzettel. Insofern ist es fair, wenn ein Unternehmen sich nicht an die Regeln hält, dass es eine Strafe zahlen muss.

    Wir brauchen bei jedem Fussballspiel einen Schiedsrichter, der eingreift, wenn es sein muss. Da stimmen wohl alle überein.

    Ob die Höhe der Strafe bei JP Morgan angemessen ist, kann ich nicht beurteilen.

  10. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich denke, dass 13 Milliarden Dollar verdammt viel Geld sind.

    Wie aus dem Link, den ich oben angegeben habe, ersichtlich wird, schafft es der Vergleich immerhin auf Platz 4 der teuersten je erzielten Vergleiche.

    Ob die Immo-Krise und all die Altlasten damit jetzt vom Tisch sind? Für JP Morgan vermutlich ja.

  11. Martin

    Das kann man durchaus so machen. Bei hohen Kursen ist aber auch die Dividendenrendite niedrig. Ich bewege mich auch mal ganz gerne auf der Kapitalstruktur zwischen Aktie, Preferred, Genusschein, Anleihe. Momentan sehe ich immer noch Aktien mit besseren Chancen als Anleihen.

    Ich kaufe jetzt nicht so gut gelaufene Werte und in Dollar, da deren Depotanteil gefallen ist. Da habe ich z.B. Strayer Education Inc. gekauft und finde weight watcher interessant.

    Irgendwie bin ich eher geneigt teure Werte zu verkaufen und billige einzukaufen. Da habe ich auch kürzlich Nestle und KO gekauft. Die dürfen auch etwas teurer sein, aber irgendwann ist Schluss. Wenn die Anleihen mehr abwerfen würden als earnings yield, sehe ich keinen Grund die Aktien zu halten außer ich glaube in profitables Wachstum.

  12. Jan

    @Frank / Berlin
    wenn ich einmal klugsch***** darf, Apple hätte nach oben noch 40% Luft um bei 50% Ausschüttung bis auf 3% Dividendenrendite zu fallen. Würde man 50% s Gewinns ausschütten lägen wir aktuell bei einer Dividendenrendite von 4,2% 😉
    Zu den anderen Werten bin ich aber der gleichen Meinung. Sicher sind die Kurse berechtigt, wenn die dahinterstehenden „Hoffnungen“ eintreffen. Sollten die Gewinne aber stagnieren oder einbrechen sind die Kurse in keinster Weise zu rechtfertigen. Ich bevorzuge daher ebenfalls wie die meisten hier eher langweilige Werte deren Gewinne einfach klarer prognostizierbar sind, weil es einfach unwahrscheinlich ist, dass die Welt morgen kein Wasser von Nestlé mehr kauft.
    Jan

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