Die Börse läuft und läuft – allen Zweiflern zum Trotz


New York, 23. September 2012

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Lieber Leser,
in den Blog-Kommentaren lese ich ab und an kritische Töne. Manch ein Leser stört sich an meinem optimistischen Ausblick. Ich gebe zu, dass die Börse seit mehr als drei Jahren phantastisch gelaufen ist. Wir bewegen uns auf ein neues Allzeithoch zu. Das ist aber kein Grund, den Absturz zu prognostizieren.
An der Börse sind die Dauerpessimisten ohnehin die klaren Verlierer, die Optimisten dagegen die Gewinner. Denn die Börse läuft langfristig nur nach oben. Das macht uns der Dow-Jones-Index seit mehr als einem Jahrhundert vor (sehen Sie die Grafik oben).
Zu einer Korrektur kann es derzeit kommen. Logisch. Das ist vollkommen in Ordnung. Und beunruhigt mich nicht. Wir sahen einen der besten Anstiege in drei Jahren. Wer an der Börse investiert ist, der wird sicherlich zufrieden sein.
Die Börse befindet sich in Jubelstimmung – man könnte das Gegenteil erwarten. Warum? Na, der Wirtschaft geht es allem in allem nicht gut. So leiden viele Völker unter einer zu hohen Arbeitslosigkeit. In den USA sind über acht Prozent arbeitslos, in Spanien sind es über 21 Prozent. Schockierend ist, wie sich die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa ausbreitet, wie die Armut insgesamt zunimmt. In den USA haben die Studenten gigantische Schuldenberge angehäuft, finden keinen Job.
Die Regierenden (auch die in Berlin) haben zu wenig Erfahrung, wie sie diese Krise am wirksamsten bekämpfen können. Die Gehälter sinken. Bis zur Halskrause sind die Staaten rund um den Globus verschuldet.
Die Währungen spielen verrückt. Kaum eine andere Wahl, als die Weltmärkte mit billigem Geld zu überfluten, bleibt den Notenbanken. Doch all die Gelddruckerei wirkt nur langsam. Die Weltwirtschaft kühlt sich wieder ab, die einstigen Wachstumsländer in Asien (China) und Südamerika reduzieren ihre Prognosen.
Die Meute hat Angst. Macht in dieser Situation einen Fehler: Die Lemminge horten ihr Vermögen in Anleihen, in kurzfristigen Anlagen, die nix bringen (Rendite = Null). Sie meiden die Börse. Eine künftige Inflation von drei Prozent p.a. unterstellt, kann nach zehn Jahren einen großen Teil des ungeschützten Barvermögens vernichten.
Kaum einer hat wohl geahnt, wie phantastisch die Börse in diesem Umfeld laufen kann. Die börsennotierten Konzerne haben ihre Bilanzen in Ordnung gebracht, horrende Cashsummen angehäuft, ihre Kosten gesenkt, ihre Produkte verbessert. Man darf eben nicht alles in einen Topf werfen. Die Volkswirtschaft als Ganzes ist ein völlig „anderes Tier“ als Apple, Coca-Cola, McDonalds, Intel, Altria, P&G, Google, Cisco, Colgate, SAP, Adidas, Nike, FMC, Exxon, Johnson & Johnson usw.
Solche Vorzeigfirmen können Aktien zurückkaufen, ihre Cash Flows ausbauen, die Dividenden erhöhen, die Belegschaft abbauen, ins Ausland expandieren. Deren Gewinne können steigen, auch wenn es den USA nicht sonderlich gut geht. Das eine hängt eben nicht direkt mit dem anderen zusammen. Wenn eine Firma einen umfassenden Personalabbau ankündigt, geht der Aktienkurs in der Regel hoch. Es schadet zunächst der Volkswirtschaft, nutzt aber womöglich der Firma (Kosteneinsparungen). Es besteht also nur ein indirekter Zusammenhang zwischen der Volkswirtschaft und deren börsennotierten Vorzeige-Unternehmen.
Ich gebe den vorsichtigen Börsianern Recht, wenn Sie momentan vor einem übergroßen Optimismus warnen. Gleichwohl sehe ich keinen brandgefährlichen Absturz. Allenfalls eine Korrektur. Was soll so schlimm an einem Rücksetzer sein? Ich werde doch deswegen nicht meine Bestände verkaufen. Vielleicht folgt auch keine Korrektur. Wer weiß das schon. Es gibt für mich zu hochsoliden Dividendentiteln keine Alternative. Buy and Hold ist eben Buy and Hold.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die Börse läuft und läuft – allen Zweiflern zum Trotz

  1. Turing

    Hallo Tim,

    es ist genau die Entwicklung, die ich erwartet habe. Ein bisschen ärgere ich mich aber auch, denn die Preise für Qualitätsaktien waren solange so schön niedrig… Vielleicht sind sie es immer noch, aber sie waren schon mal viel, viel niedriger. Ich habe leider nicht so viel Cash und muss immer zwei, drei Gehälter warten, bis ich wieder investieren kann.

    Warum ich die Entwicklung erwartet habe:

    – Anleihen und Tagesgeld werfen ohnehin nichts mehr ab. Die Leute mit mehr als 20000 € auf dem Tagesgeldkonto überlegen, wohin mit dem Geld.

    – Die Inflationsgefahr ist unbestritten. Aktien sind inflationssicher.

    – Egal, wie es mit dem Euro weitergeht, ob positiv oder negativ, mit Aktien ist man auch da auf der richtigen Seite.

    Auf eine große Inflation zu spekulieren und jetzt noch schnell einen Kredit aufzunehmen, halte ich für zu gewagt. Auf einen Zusammenbruch des Euros zu spekulieren und deutsche Staasanleihen zu kaufen, ist auch zu spekulativ. Und selbst wenn alles gut ausgehen sollte und Griechenland nun dank der radikalen Einschnitte zum neoliberalen Wirtschaftswunderland würde, stünde man mit Aktien einfach besser da.

  2. Alex

    Hallo Tim, Hallo andere Blogleser,

    ich habe ein bisschen das Gefühl, dass dieser Artikel sich etwas auf einen meiner Komentare bezieht, darum schreib ich hier auch etwas dazu…

    Ja, Aktien sind bisher gut gelaufen (oder vielliecht ist Bargeld einfach nur schlecht gelaufen) …
    Wie es weiter geht, kann wohl keiner genau vorhersagen, zumindest kurzfristig.
    Ich bin momentan auch stark in Aktien investiert und werde dies auch nicht ändern… evtl. kaufe ich demnächst noch ConocoPhilips oder PetroChina … mal schauen wohin der Markt nächsten Monat läuft …

    Aktien sind auch für mich das Maß der Dinge in Sachen Geldanlage… wobei ich finde, dass in diesem Blog etwas zu oft die Aktie als gesamtes hochgelobt wird, mir kommt es hier manchmal so vor wie ein Mantra.
    Fünf Blogposts hintereinander die Aussagen, dass die Aktie eine tolle Anlageklasse ist hat nicht wirklich einen großen Mehrwert.

    Wie wäre es zum beispien mit einer Einschätzung von Obamacare und dessen Außwirkung auf die Krankenversicherer auf diesem Blog?
    UnitedHealth Group, Humana, WellPoint und wie sie alle heißen scheinen mir tolle Unternehmen zu sein die momentan recht günstig sind… leider kann ich von Deutschland aus, die politischen Einfüsse auf dieses Geschäft schwer einschätzen…

    Das selbe gilt für die privaten Bildungsinstitute wie Apollo Group oder ITT Educational.

    was ich noch kurz anmerken will: Ich finde es gut, dass hier auch auf kritische Kommentare eingegangen wird. Habe mich vor kurzem in einem Anderen Blog geäußert (über Dividenden aus der Substanz) und mein Kommentar wurde nicht freigeschaltet…

  3. Chris

    @ Alex
    „Wie wäre es zum beispien mit einer Einschätzung von Obamacare und dessen Außwirkung auf die Krankenversicherer auf diesem Blog?
    UnitedHealth Group, Humana, WellPoint und wie sie alle heißen scheinen mir tolle Unternehmen zu sein die momentan recht günstig sind…“

    Da würde es doch auch um Aktien gehen und dann stellt man fest: „Tolles Unternehmen, mit super Zukunftsaussichten!“ Was macht man dann?

    Also meine Einschätzung wäre: Krankenversicherer sind durch die vielen staatlichen Eingriffe nicht wirklich interessant (hier und sonst wo). Wenn man Pech hat fahren die den Karren an den Wagen und zack sitzt der Staat am Steuer.
    Finde ich persönlich nicht so toll! Trotzdem finde ich das Krankenversicherer und Banken definitiv staatliche Kontrollen brauchen! Gier ist in dem Fall definitiv nicht gut und sobald moral hazard, mehr oder weniger, gefördert wird, ist eine Branche uninteressant!

  4. Alex

    Hallo Chris,

    ja das ist richtig, staatliche Kontrolle muss in diesem Fall sein… und staatliche Kontrolle ist für den Investor in den seltensten Fällen Gut (zu mindest auf Dauer, siehe Solarwerte)

    Aber in diesem Fall wird nicht subventioniert und eine lebensunfähige Branche herrangezogen sondern eine lebensfähige Branche wird aufgeweicht,
    es wird ein staatlich organisierter Konkurent aufgezogen sowie die in gewissen Bereichen die mögichkeit Risiko-Kunden abzuweisen verbaut. (soweit ich verstanden habe, Tim???)
    Was natürlich menschlich gesehen richtig ist.

    Aber glaubst du, das bei GEICO und anderen Versicherern nichts staatlich geregelt wird? Es werden Lizensen vergeben, man muss sich im bereich an Vorschriften halten, Preiserhöhungen müssen genemigt werden…

    Versorger ebenso, Tabak, sogar die Ölmultis usw…

    Aber dein Punkt ist sicher richtig. Warren Buffett hat auch ihmer nach seinen „Mautbrücken ohne staatliche Regulierung“ gesucht…

    +++
    „Wenn man Pech hat fahren die den Karren an den Wagen und zack sitzt der Staat am Steuer.
    Finde ich persönlich nicht so toll!“

    Die Möglichkeit eines Totalverlustes besteht doch bei jeder Aktie. (Wenn man an den Fall BP denkt ist nicht mal Exxon sicher)
    Oder meinst du der US-Staat fährt den Karren für die Versicherrer an die Wand?

  5. Christian von gieristgut.com

    Es geht nicht zwangsläufig nur um die Subventionen, sondern eher darum, dass Mindestpreise oder Höchstpreise festgelegt werden und ich, als liberaler Mensch, das nicht optimal finde.

    Eingriffe in den Markt finde ich immer kritisch und sollten vermieden werden. Gerade solche Branchen (Versicherungen und Banken im speziellen) sind sehr anfällig für regulatorische Auflagen (finde ich bei diesen 2 Branchen übrigens angebracht).

    Ein negativ Beispiel ist Gazprom:
    Hier sagt der Kreml wie hoch eine Preiserhöhung maximal sein darf…

  6. Alex

    Ich weiß schon worauf du hinaus willst und du hast natürlich recht.
    Ein nicht regulierter Anbieter in einem nicht regulierten Markt hat einen Vorteil (bzw. keinen Nachteil), vor allem wenn er ein Monopol besitzt.

    +++
    Tim Schäfer hat einen Vorteil gegenüber allen deutschsprachigen value-blogs die ich sonst so lese – er sitzt in den usa, nah an der wall-street.

    Den Artikel über „Mad Money“ fand ich ganz intressant, hab vorher noch nie was von der Sendung gehört.

    einen Artikel über Obamacare oder das private Schulsystem aus sicht eines Investors fände ich interessant. Oder z.B. wie die 401-K (heißen die so?) Investmentpläne dort laufen und vor allem aufgenommen werden.

  7. Michael C. Kissig

    Zu dem Chart des Dow Jones Index ist noch zu ergänzen, dass des DJI ein sog. „Kursindex“ ist. Das heißt, dass sämtliche Dividendenausschüttungen den Indexstand drücken, während in einem „Performanceindex“, wie es der DAX ist, die Dividendenausschüttung berücksichtigt wird. Die Performance des Dow Jones ist also – inkl. der ausgeschütteten Dividenden – noch viel beeindruckender. Und somit die Botschaft von Tim und anderen, man solle langfristig in Aktien investieren, noch viel richtiger!

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Turing
    Das sehe ich genauso.

    @ Alex
    über die UnitedHealth Group schrieb ich vor einigen Wochen, weil mir das KGV mit 11 niedrig vorkam – für einen Marktführer ist das ein Witz. Hier ist der Link: Hot Stock der Wall Street (finanzen.net)

    @Chris
    Guter Punkt. Klar, der Staat mischt mit. Aber im Endeffekt mischt er doch überall mit: Cola, Erdgas, Internet, Airlines, Strom, Banken etc.

    @ Michael C. Kissig
    Danke für den super Kommentar.

    Beste Grüsse an alle
    Tim

  9. Alex

    Hi Tim,

    den UnitedHealth Artikel habe ich schon gekannt 😉

    bei mir ist die Aktie wegen die „Dow-Neuigkeit“ auf den Radar gekommen…
    die tatsache das viele großen dow-tracker demnächst kaufen müssen in zusammenhang mit dem günstigen Kurs und der Qualität macht die Aktie sehr attraktiv.

    Leider kann ich die zukünftige Qualität eben wegen Obamacare schwer einschätzen…

  10. Ulrich

    Also ersteinmal hat Tim nach wie vor recht, dass viele Unternehmen sehr gut dastehen. Es gibt da schon einige sehr gute Werte, die sicherlich noch recht günstig sind. Wem ein Coca Cola zu teuer ist kann ja auch mal bei Dr.Pepper oder so vorbeischauen.

    Aus das Zitat von Alex „Fünf Blogposts hintereinander die Aussagen, dass die Aktie eine tolle Anlageklasse ist hat nicht wirklich einen großen Mehrwert.“

    Auch wenn mein Blog sicher nicht an die Qualität von Tims Blog heranreicht kann ich Tim verstehen.

    Er freut sich sicher über viele Besucher und auch viel Resonanz, wie jeder der im Internet regelmäßig etwas veröffentlicht. Dabei ist das Problem mit Spezialthemen wie einzelnen Aktien, 401k Saving Account…; dass diese nicht wirklich viele interessieren. Im deutschen Raum gibt es weit weniger Portale und Blogs zum Thema Wertpapiere als in den USA, weil auch das Interesse wesentlich geringer ist. Damit ein Blog also hier überhaupt User zieht, ist man fast schon verdammt dazu seine Artikel nicht zu fachspezifisch auszurichten.

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