Die beste Rendite mit Hausmannskost


New York, 1. Dezember 2012

Die Masse der Anleger liebt Neugründungen, Internetfirmen, IPOs, Biotechs, Nanotechs, Würstchenbuden, Hersteller von batteriebetriebenen Autos, Aktienoptionen, kurzum Zockerpapiere. Dabei ist das hochriskant. Ich gebe zu, da ist etwas Aufregendes dran, ein junges Biotech-Ding zu kaufen. Aber den Volltreffer landet halt niemand einfach so. Wer an der Börse zockt, der kann gleich Lottospielen. Nach dem Motto alles oder nichts.
Schauen Sie mal genauer hin, wer die besten Renditen verdient. Sie werden merken, das sind langweilige, traditionsreiche Konzerne. Öl, Versicherungen, Werkzeugmaschinen, Alkohol, Zigaretten, Cola, Pampers, Putzmittel, Eisenbahnen, Farben, Chemikalien etc. Das sind die wahren Renner.
Sie brauchen gar nicht den nächsten heißen Handyhersteller oder Websitebetreiber zu erwischen. Besser nicht, denn die meisten verschwinden eh wieder schnell von der Bildfläche.
Jeder Hobbybörsianer weiß mittlerweile, dass die Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway ihr Eigenkapital (und den Aktienkurs) seit den 1960er Jahren um 20 Prozent p.a. gesteigert hat.
Schauen Sie sich nur mal den Chart des weltgrößten Gewürzherstellers McCormick, des Getreideriesen General Mills, des Putz- und Zahnpastakönigs Colgate-Palmolive an. Die Performance dieser Papier (Kursanstieg einschließlich Dividende) liegt im langen Schnitt zwischen zehn und knapp 20 Prozent.
Seit mehr als 100 Jahren zahlen der Öl-Texaner Exxon Mobil, Pillendreher Eli Lilly, Bohrmaschinenprofi Stanley Black & Decker, Pampers-Packer Procter & Gamble, die Chemiefabrik DuPont und der Kfz-Zulieferer Johnson Controls eine Dividende. Diese Langfristcharts sind allesamt einfach der Knaller. Diese Blue Chips werfen phantastische Renditen ab. Mehr brauchen Sie gar nicht zu machen, als solche Papiere zu kaufen und liegenzulassen.
Je langweiliger, desto besser.
Und noch was: Ich möchte Ihnen hier keine bestimmte Aktie ans Herz legen, sondern nur generell über die wahren Champions an der Wall Street schreiben.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die beste Rendite mit Hausmannskost

  1. Tim B

    Hallo Tim,
    Lese deinen Blog schon seit längerer Zeit regelmäßig. Mach weiter so.

    Nun aber zum eigentlichen Thema. Was hältst du in diesen Zusammenhang vom Kauf einen ETFs auf den MSCI World oder USA?

    Gruß
    Tim B.

  2. Matthäus Piksa

    Hi.

    Ein Bekannter arbeitet für einen Hersteller der Elektro-Fahrzeuge (Vertrieb oder Marketing, eins von beiden).

    Auf der Hochzeit eines Freundes im September sprach ich ihn auf die Börsenbewertung von Tesla an. KGV von über 200, Schulden knapp eine halbe Milliarde, Einnahmen ca. 150 Mio. p.a., Marktkapitalisierung ca. 4 Mrd. etc.

    Er meinte stolz, dass er ein Aktienpaket im Wert von 60.000 US-$ hält, versehen mit einer 1-jährigen Haltefrist.

    Ob er es danach verkauft, weiß ich nicht. Auf fb jedenfalls postet er unentwegt von den Auszeichnungen, den Treffen, den Magazin- und Zeitungsberichten von den Strom-Autos. In der Produktpalette gibt es derzeit wohl einen spritzigen Roadster-Cabrio und eine elegante Limousine.

    Aber ob sich das durchsetzen wird, ist fraglich. Die Reichweite der Elektro-Autos liegt bei wenigen Hundert KM, danach muss die Batterie erstmal stundenlang aufgeladen werden.
    Beeindruckend ist aber die Beschleunigung sowie der geringe Geräuschpegel. Da die Elektroflitzer keinen Verbrennungsmotor haben entsteht auch nur wenig Lärm, ldgl. durch den Rollwiderstand.
    Sollte sich diese Antriebstechnick durchsetzen, würden sich also sämtliche durch Verkehrslärm verursachten Probleme erledigen. Zudem entsteht unmittelbar kein CO2, außer natürlich für die Herstellung des Stroms…

    Daimler ist scheinbar mit 10% an Tesla beteiligt. Eine nette Idee ist es ja. Niemand kann ernsthaft etwas gegen CO2- und lärm-arme Fahrzeugantriebe haben.

    Aber ist es auch die Zukunft? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass im Kurs schon sehr viel Phantasie eingepreist ist.

    Übrigens: Frauen stehn auf den sportlichen Roadster, Neupreis ab 100.000€, hier mehr Infos plus Bilder.

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    ja, genau auf diese Tesla-Firma habe ich im Text angespielt. Gründer Elon Musk ist ein Genie, keine Frage, er hat PayPal mit aufgebaut.

    Aber als Anleger muss man nicht bei jeder Innovation bzw. Neugründung dabei sein. Innovationen dauern sehr lange, bis die sich am Markt durchsetzen. Meistens machen das große Geld nicht die ersten am Markt, sondern die Copycats Jahre später.

    Wie lange hat es gedauert, bis sich der Computer nach der Erfindung am Markt durchgesetzt hat? Jahrzehnte. Das sagt alles.

  4. Matthäus Piksa

    @Tim

    Klar, das stimmt natürlich.
    Massentauglich sind diese Elektroautos derzeit noch überhaupt nicht. Man stelle sich vor, man fahre zB 30km zur Arbeit und bleibt plötzlich stehen.. und dann? 3 Stunden aufladen mitten in der Pampa? Das geht natürlich nicht.

    Die Ladezeit ist also ein Problem. Nicht geklärt ist auch, wie viel CO2 tatsächlich eingespart wird, sollte das Strom-Auto massenhaft zum Einsatz kommen. Denn die Stromerzeugung (immer noch Steinkohle, Braunkohle, Erdgas etc.) verursacht selbstverständlich ebenfalls CO2. Insofern ist die Angabe „emissionsfrei“ des Herstellers auf deren Website nur die halbe Wahrheit.

    Aber die Idee finde ich trotzdem klasse. => Kein Gestank. Kein Lärm.
    Wenn so ein Flitzer vor einem wegdüst, die Beschleunigung ist beeindruckend, erwartet man im ersten Moment aus Gewohnheit den dazu gehörigen „Lärm“ (wie bei den Sportwägen Porsche/Lamborghini etc.) – Doch dieser bleibt aus. Da muss man auch erstmal schmunzeln.

    Von Elon Musk habe ich auch schon gehört. Der Tesla-Chef träumt schon davon Kolonien auf dem Mars zu errichten… Wahnsinn.

  5. Martin

    Das sehe ich genau so. Lieber das doppelte KBV für einen ROE von 20%, als bei einem KBV von 1 eine Firma mit einem ROE von 10% zu kaufen. DIe Qualität mach sich dann bei den Renditen auf einbehaltene Gewinne bemerkbar.
    Andererseits finde ich es empfehlenswerter sein Geld an der Börse als an Spielautomaten zu verzocken, da hier die Chancen besser sind. Langfristig war der Erwartungswert am Aktienmarkt positiv und selbst Affen haben schon den ein oder anderen Aktientip aus der Zeitung ausgewählt 🙂

  6. Thomas

    Mal ein Wort zu den langen Ladezeiten und kurzen Reichweiten bei Elektroautos.

    Ich habe im TV schon vor längerer Zeit einen Bericht aus China gesehen. Ich glaub es war in Peking, da gehören E-Autos und E-Roller längst zum Straßenbild. Vor allem Taxis fahren mit Strom und gerade Taxis fahren oft viele Kilometer am Tag.

    Das Problem mit den Reichweiten und Ladezeiten hat man dort schon vor Jahren gelöst. Dort gibt es Tankstellen, bei denen man einfach den Akku ausgetauscht bekommt. Dauert keine 5 Minuten, also nicht länger als den Wagen herkömmlich mit Sprit zu betanken. Den leeren Akku gibt man ab, der volle wird vom Personal eingesetzt.

    So einfach geht das. Ich war echt beeindruckt und frage mich, warum das Konzept in der westlichen Welt nicht „kopiert“ wird.

  7. Matthäus Piksa

    @Thomas

    Wie gesagt: Ich fände es klasse, wenn sich die Idee des Milliardärs und Visionärs Elon Musk durchsetzt.

    Man stelle sich nahezu abgasfreie und lärmarme (Innen-)Städte und Ballungszentren, Autobahnen etc. vor.

    Die Bausubstanz der vielen Gebäude dürfte entlastet werden, die Immobillien an den viel befahrenen Straßen an Wert gewinnen, die durch den Lärm und die Abgase verursachten Krankheiten zurückgehen.

    Für ein Investment in solche Firmen passt, genauso wie für die Nano- und Biotech-Startups, die auch ständig an neuen Medikamenten tüfteln, ein Kostolany-Zitat:

    Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren und wer kein Geld hat, der muss spekulieren! (mit einem Augenzwinkern)

    P.S.: Toyota erzielt derzeit einige Achtungserfolge mit seinem Hybrid-Modell. Immerhin eine Zwischenlösung. Da Toyota der größte Autohersteller der Welt ist, würde ich mir lieber deren Aktien kaufen, im Vgl. zu Tesla. Rückrufaktionen inkl. einem Einprügeln amerikanischer Politiker auf die Japaner sind auch schon wieder Vergangenheit.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas
    @ Matthäus

    Dass bei Tesla die Batterien ausgewechselt werden, wenn der Saft weg ist, habe ich auch schon gehört. Allerdings sind solche Start ups wie Tesla sehr spekulativ.

    Es ist vergleichbar mit der Luftfahrt. Das boomt dort (Passagiere, Luftfracht gehen seit Jahrzehnten rauf), trotzdem gehen massenweise Airlines pleite.

    Hier ist ein gutes Video über Tesla übrigens, eine Testfahrt:

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