Die acht Erfolgsformeln von Warren Buffett


New York, 1. Oktober 2012

Heute habe ich Ihnen acht Aspekte zusammengestellt, die meiner Meinung nach bei Warren Buffett eine große Rolle spielen. Bevor Buffett einsteigt, macht er sich folgende Gedanken:
1. Günstig. Das Unternehmen muss vertretbar bewertet sein. Ein KGV von 100 wie bei Facebook würde das Genie nie akzeptieren. Er fühlt sich eher mit einem KGV von zehn, zwölf oder 15 wohl. Die Dividende muss attraktiv sein: zwei, drei, vier Prozent gefallen dem Star gut. Gleichwohl ist er bei starken Geschäftsmodellen bereit, den dreifachen Buchwert zu bezahlen.
2. Intakter Trend. Der Trend muss stimmen. Die Story der Firma darf nicht durch ein Problem massiv beeinträchtigt werden. Vor massiven Schwierigkeiten schreckt Buffett zurück. Das ist ihm zu heiß. Turnaround-Storys sind nicht sein Ding. Das ist dem Genie zu riskant. Es kann nämlich schief gehen.
3. Verständlichkeit. Die Story muss einfach zu verstehen sein. Wer Tage lang lesen muss, um das Brot- und Buttergeschäft zu verstehen, dann ist das nix für Buffett. Er will einen schnellen Überblick bekommen, die Produkte müssen logisch und einfach verständlich sein. Ein klarer, ehrlicher Vorstand ist Buffett tausend Mal lieber als ein arroganter Firmenpatriarch, der alle paar Jahre auf dem Titelblatt eines Magazins in den Himmel gelobt wird. Vor solchen Ego-Leuten schreckt Buffett zurück. Am liebsten sind ihm Manager, die konservativ und zurückhaltend sind.
4. Big is beautiful. Das Unternehmen muss groß genug sein. Kleine Klitschen mag Buffett nicht. Erstens haben die aufgrund der Größe von Berkshire Hathaway keinen Einfluss mehr auf das Geschäft der Beteiligungsgesellschaft. Insofern macht der Meister am liebsten milliardenschwere Deals. Mini-Buden sind nicht sein Ding, zumal hier die Risiken größer sind.
5. Kein fallendes Messer. Buffett kauft kein „fallendes Messer“. Mir fällt keine Aktie ein, die er im freien Fall kaufte. Eher sind ihm Aktien ans Herz gewachsen, die seit Jahrzehnten stramm nach oben marschieren. Manch ein Spekulant glaubt, zu verstehen, warum eine Aktie wie eine heiße Kartoffel fällt und hofft insgeheim ab einem bestimmten Punkt: „Das muss der Wendepunkt sein“. Das geht oftmals schief.
6. Kaum Risiken. Strikt reduziert Buffett das Risiko. Die Bilanz muss stark sein, die Kasse sollte voll sein, die Schulden überschaubar.
7. Enormes Potential. Das Potential muss enorm sein. Am liebsten sind dem Genie Firmen, die noch reichlich expandieren können (etwa ins Ausland). Wenn ein Unternehmen nicht mehr wächst, hat Buffett kein Interesse. Allerdings begnügt sich der Meister mit Zuwachsraten von fünf bis zehn Prozent. Buffett sucht keine reinrassigen Wachstumsfirmen, die um 100 Prozent und mehr im Umsatz zulegen. Das ist dem Genie zu heiß. Denn eines Tages endet jeder Schnellspurt. Spätestens wenn die Konkurrenz aufkreuzt.
8. Bärenstarkes Geschäft. Schöne Geschäftsmodelle mit hohen Margen und Eigenkapitalrenditen von über 20 Prozent sind Buffett am liebsten. Ideal sind 25 Prozent und mehr. Wenig Konkurrenten eingeschlossen. Für den Marktführer ist Buffett bereit, eine Prämie zu bezahlen.
Fazit: Denken Sie dran, dass Buffett unterscheidet in die Spekulanten und die Investoren. Investoren haben ein langfristiges Interesse am Wohlergehen ihrer Unternehmen. Der Spekulant ist hingegen ein Glücksspieler, der nach Meinung von Buffett eher auf die Nase fällt und von Natur aus ein Verlierer ist.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Die acht Erfolgsformeln von Warren Buffett

  1. mr.lukoil

    Hallo Tim,

    zu Punkt 4 ist anzumerken, dass Buffett wiederholt gesagt hat, dass man wenn möglich unbedingt die Chancen nutzen soll, die gerade kleine Unternehmen bieten. Aufgrund der BH-Größe ist es für ihn aber nicht mehr möglich, wie Du ja angemerkt hast. Zuletzt hat er m.W. aber Anteile an Lee Enterprises erworben, die nun wirklich nicht besonders hoch kapitalisert sind…

    Beste Grüße

    lukoil

  2. tim schaefertim schaefer

    @ lukoil
    Guter Einwand. Manchmal macht Buffett wohl Ausnahmen.

    Ich habe ihn selbst gefragt, wie er denn seine bisherige Strategie einschätzt, Familienunternehmen zu kaufen. Er antwortete mir, dass es weltweit nur wenige relevante Familienbetriebe gebe, die ihn wirklich aufgrund ihrer Größe reizen würden. Kleine Unternehmen seien nicht mehr so interessant, gab er zu bedenken, weil die so gut wie keinen Einfluss mehr auf seine Erfolgsrechnung hätten.

    Im übrigen möchte ich kleine Firmen nicht dämonisieren. Sie haben durchaus ihre Berechtigung in einem Depot neben den Blue Chips. Auf die Mischung kommt es an. Man muss jedoch wissen: Mit der Größe, Marktmacht und Historie nimmt erfahrungsgemäß durchaus die Stabilität zu.
    VG
    Tim

  3. Michael C. Kissig

    Moin Tim,

    Du hast da sehr schön die Handlunsgweise von Warren Buffett aufgezeigt, allerdings sind diese teilweise der schieren Größe von Berkshire Hathaway und dem Cash-Bestand von 4 Mrd. USD geschuldet und weniger seiner Anlagephilosophie.

    Er selbst hat einmal gesagt, dass er Kleinanleger beneidet, die sich die vielen wirklich attraktiven kleinen und mittleren Werte aussuchen und sich dort einkaufen könnten. Das sei ihm leider inzwischen verwehrt, denn selbst wenn er völlig richtig läge, würden solche Kleinstinvestments kaum Auswirkungen auf Berkshires Performance haben.

    Des Weiteren schreibst Du, er würde nie in ein fallendes Messer greifen und nicht auf Turnarounds setzen. Diese Schlussfolgerung deinerseits kann ich nicht nachvollziehen, denn Buffett ist durchaus dazu bereit und gerade aus solchen Deals hat sich sein Milliardenvermögen entwickelt.

    Ein paar Beispiele:

    – Washington Post
    So ist er bei der Washington Post eingestiegen, als die Auflage einbrach und das Unternehmen durch einen Streik kurz vor dem Kollaps stand. Und die Aktien fielen nach Buffetts Einstieg um weitere 50%. Danach machten sie ihn reich, weil er die Aktien zig Jahre gehalten hat.

    -Amex
    Und bei American Express ist er eingestiegen, als die einen Riesenskandal und ein enormes finanzielles Desaster zu verkraften hatten. Er sah das als einmaligen Ausrutscher eines ansonsten sehr rentablen Geschäftsmodells an und stieg billig und langfristig ein.

    BoA / Goldman Sachs
    Und der Bank of America lieht er zur Hochzeit der Finanzkrise mehrere Milliarden USD (in Form von Vorzugsaktien mit hoher Garantieverzinsung), ebenso Goldman Sachs. Damals, in 2009, waren die kurz vor dem Exitus und keiner wollte Aktien von den Banken haben.

    Buffett nutzt konsequent die Chancen aus, die durch Marktübertreibungen entstehen. In der Panik der anderen kauft er ein – sofern er der Meinung ist, dass das Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert. Und er hat auch kein Problem damit, wenn seine Aktien erst mal noch deutlich weiterfallen, das kümmert ihn überhaupt nicht. Allenfalls kauft er weiter zu.

    Und hier folgt er einem anderen von Dir aufgeführten Grundsatz: billig kaufen. Übertreibungen sind für Buffett die Chance, zu niedrig ein- oder zu hoch auszusteigen. Dazwischen freut er sich an seinen renditestarken Unternehmen und zählt das Geld, das sie ihm tagtäglich auf's Konto schaufeln…

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Michael C. Kissig

    Danke für den Einwand. Sehr gut erklärt. Stimmt.

    Mit dem „fallenden Messer“ habe ich eher durch und durch marode Unternehmen gemeint bzw. Firmen, bei denen sich das Geschäft grundlegend ändert.

    Vielleicht ist ein solches Unternehmen Nokia. Hier sinkt der Kurs dramatisch, das Geschäft bricht völlig zusammen, weil Nokia nicht mit den Innovationen der Konkurrenz (Apple) mithalten kann. Gleichzeitig leidet das finnische Unternehmen unter einer gewaltiger Personaldecke.

    Bei den Beteiligungen an Goldman Sachs und Bank of America ging es meiner Ansicht nach Buffett um die hohe Spezialdividende von 10 bzw. 6%, die er von den Firmen dank der Finanzkrise erhielt. Es waren nicht in erster Linie Aktien-Investments.

    Coca-Cola, Lubrizol, IBM usw. hat Buffett nahe des Allzeithochs gekauft. Der Einstieg bei Amex erfolgte, weil es sich um ein vorübergehendes Problem handelte (einmalige Abschreibung, damit war der Fall erledigt). Dauerproblemen geht Buffett in der Regel aus dem Weg.

    Klar gibt es immer Ausnahmen. Es fallen mir die Textilfirma Berkshire Hathaway ein, deren Turnaround dem Meister nicht gelang. Die Baumwollfirma Fruit of the Loom. Oder aber die Zeitungskonzerne, die er derzeit massenweise kauft.

    Viele Grüße
    Tim

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