Deutschland: Falsche Instrumente für die Altersvorsorge


New York, 8. September 2012

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Es ist traurig zu sehen, wie viele Menschen im Ruhestand vor einer riesigen Versorgungslücke stehen. Unsere Regierung ist nicht in der Lage, mit sinnvollen Maßnahmen zu helfen, diese Lücke zu schließen.
Wenn unsere Berliner Bürokraten, die vom Kapitalmarkt ganz offenkundig keine Ahnung haben, etwas machen, schaden sie eher dem Bürger, als ihm zu helfen. Die Riester-Rente hilft nur dem Vermittler, der Bank, Versicherung. Der Bürger geht nach Abzug der Gebühren und Inflation leer aus. Ich habe das Gefühl, ein Großteil unserer Gesetze wird auf Druck der Großkonzerne verabschiedet und nicht unbedingt zum Nutzen der Menschen.
Der Hammer ist: Angesprochen auf die wachsende Versorgungslücke unserer Ruheständler reden Politiker wie Wolfgang Schäuble (Foto Wikipedia) das Problem klein. Das ist für einen Bundesminister unverantwortlich. Ich begreife das nicht. Liegt es daran, weil seine eigene Beamtenpension fürstlich ausfällt, denkt Schäuble nicht an die anderen Menschen in der Republik? Seine Aufgabe wäre es eigentlich, die Menschen zu motivieren, für den Ruhestand ein Polster anzusparen.
Noch mehr Schaden hat die Bundesregierung angerichtet: Mit ihrer unsinnigen pauschalen Besteuerung der Aktiengewinne hat Schwarz-Gelb die Aktienkultur mit Füßen getreten. Ich schrieb darüber bereits in diesem Blog. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die Lösungsansätze von Rot-Grün nicht besser sind.
Was muss getan werden?
Ähnlich wie in den USA sollte das Sparen über ein spezielles Aktien-Depot für die Rente steuerlich gefördert werden. Außerdem muss intensiv die Aufklärung der Bevölkerung betrieben werden, und zwar durch neutrale Fachleute. In den USA gibt die Börsenaufsicht SEC Millionensummen für die Information der Bevölkerung aus. Die Beamten halten Seminare, setzen sich mit Bürgern an einen Tisch und investieren im Web in die Aufklärung.
Die wenigsten Menschen wissen, dass die Aktie auf lange Sicht das beste Investment ist. Gerade junge Anleger machen meiner Meinung nach gravierende Fehler, verschwenden Zeit und setzen auf die falsche Strategie. Erwachsene im Alter zwischen 45 und 49 Jahre schneiden mit ihrer Vorsorge am besten ab. Das zeigte eine Studie im Jahr 2009 in den USA glasklar. In Deutschland dürfte das nicht anders sein.
Die meisten Bürger wissen nicht, was ein Indexfonds ist und wie hilfreich der sein kann. Der durchschnittliche Bankkunde hat vermutlich keinen Schimmer, wie die Bank ihr Geld verdient. Die Gebühren und Provisionen sind ziemlich intransparent geworden, zum Teil sind diese Kosten regelrecht versteckt. Kein Mensch weiß wirklich, was ein Fonds kostet, ein Optionsschein etc. Wer hat sich denn schon ernsthaft mit den positiven und negativen Folgen des Zinseszinses beschäftigt? Es herrscht eine enorme Unkenntnis. Wer weiß schon, wie man am besten einen soliden Vermögensstock für die Rente aufbaut? Die Lieblinge der Deutschen sind Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge, Sparbücher – dabei bringen die nur mickrige Renditen (wenn überhaupt).
Anstatt etwas gegen das allgemeine Unwissen zu tun, sitzen die Berliner Beamten auf ihren Händen. Weil die Rente immer weiter sinkt, ist es doch logisch, dass die private Vorsorge zunehmen muss. Es ist eine tickende Zeitbombe.
Das sind die typischen Fehler bei der Altersvorsorge.
Was den Menschen fehlt: Es ist die nötige Disziplin zum Sparen. Gepaart mit den mangelnden Kenntnissen ist das natürlich Gift. Die Gefahren von Schulden für den täglichen Konsum werden unterschätzt, die drohende Versorgungslücke wird nicht wahrgenommen.
Dann gibt es jene, die kaufen mysteriöse Finanzprodukte, traden wie verrückt, wetten auf Währungspaare, sammeln allerlei merkwürdige Fonds und anderes Zeug ein. Die meisten Fondsmanager versagen ohnehin. Warum soll ich mir einen aktiv geführten Fonds ins Depot legen und die überbezahlten Fondsmanager bezuschussen? All das führt dazu, dass diese Leute den Markt grandios underperformen und irgendwann die Lust am Sparen verlieren. Es gibt Anleger, die kaufen mitten im Hype überteuert Aktien wie Facebook, EM.TV oder AOL und stoßen diese nach dem Knall der Blase ab. Man könnte es so zusammenfassen: Es war gut gemeint, aber falsch umgesetzt.
Solide Dividendentitel zu kaufen und diese zu halten, dafür macht sich kaum noch jemand stark. Weil ein extrem kostengünstiger Indexfonds wenig Marge in die Kassen der Banken spült, bewirbt dieses Instrument niemand. Weder die Banken, noch die Regierung scheinen ein Interesse daran zu haben. Wenn ich mir die Fernsehwerbung anschaue und sehe, was für merkwürdige Finanzprodukte uns empfohlen werden, denke ich: „Oje, wo soll das enden?“ Das traditionelle Aktiensparen in solide Werte ist vollkommen verwischt. Wer hilft uns eigentlich, eine seriöse Altersvorsorge aufzubauen? Niemand. Nur wir selbst.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deutschland: Falsche Instrumente für die Altersvorsorge

  1. Reinhard

    Hallo Tim,
    ich bin mir da nicht so sicher, ob der amerikanische „way of life“ bei der Altersversorgung besser ist als das deutsche Umlagesystem. Gerade im letzten Jahrzehnt hat sich doch mit einer unglaublichen Regelmäßigkeit und Brutalität so manche am Finanzmarkt angelegte Altersvorsorge pulverisiert.
    Wenn der Aktienmarkt just zu dem Zeitpunkt crashed, zu dem man in den Ruhestand tritt, sieht man verdammt alt aus. Solche Risiken zu tragen, ist für Spekulanten sicher kein Problem, aber ob Lieschen Müller damit wirklich gut beraten ist, bezweifle ich ganz erheblich. Ich denke die Altersarmut grassiert im USA deutlich stäker als in good old Germany.

    Viele Grüße
    Reinhard

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Reinhard

    Klar gibt es in den USA Schwächen. Aber die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach:

    Nun in den USA gibt es ja auch wie in Dtld eine staatliche Grundrente, die sogenannte „Social Security“. Diese Pflicht-Rente steht auf einem gesünderen Fundament, weil die Bevölkerung in den USA wächst und stetig neue Haushalte gebildet werden. Deutschland schrumpft dagegen.

    Die zweite Rente kann jeder über ein Renten-Depot nach eigenen Wünschen aufbauen. Diese Sparbeiträge in dieses Depot kann man von der Steuer absetzen. Somit fördert der Staat die private Altersvorsorge. Ich halte das für das bessere System, weil es das Aktiensparen nach konservativen Kriterien unterstützt. Diese Depots heißen z.B. „401k“.

    Natürlich hat der Kapitalmarkt den Nachteil, dass er schwankt. Wer mit der Volatilität nicht umgehen kann, der muss halt eine Kapitallebensversichrung abschließen, die aber den Nachteil hat nicht viel Rendite zu bringen.

    Wer seine gesetzliche Grundrente, ein Cashpolster und eventuell ein abgezahltes Eigenheim im Alter hat, der braucht sich im Endeffekt nicht um die Schwankungen der Börse zu sorgen.

    Viele Grüße
    Tim

  3. Turing

    Der Grundfehler liegt meines Erachtens auch darin, dass man unter Rente gemeinhin eine regelmäßige Zahlung im Alter versteht. Es gibt sogar Angebote, dass man sich für 200000 € eine Rente kauft. Man wettet mit der Versicherung, wie lange man noch lebt. Es ist die gleiche Wette wie bei der Lebensversicherung, nur haben die Wettparteien die Seiten gewechselt. Warum es diese Angebote, die übrigens alle sehr schlecht sind, überhaupt gibt, verwundert mich. Trauen sich die Leute denn nicht zu, 200000 € systematisch abzubauen, also selbst jeden Monat 1000 € zu verprassen. Brauchen diese Menschen vielleicht auch noch Mami und Papi, die ihnen ein Taschengeld zubilligen, damit sie nicht in kürzester Zeit alles verprassen? Ich finde, wer mit Disziplin so viel Geld ansparen konnte, sollte das Konsumieren auch ohne Hilfe schaffen. Sofortrenten sind auch Blödsinn. Ich habe mich mal schlau gemacht. Für 200000 € bekäme ich bestensfalls 461 € monate, d.h. 5532 €. Mein Aktiendepot wirft 4,2 % Dividendenrendite ab. 5532 € / 0,042 = 131714 €. Das heißt, ein Aktiendepot von knapp 132000 € in Aktien angelegt bringt die gleiche Leistung.

    Ein zweites Problem, welches ich sehe: Bei Rentenversicherungen gibt man Eigentum (Geld) weg, um Ansprüche zu erwerben, deren Gegenwert äußerst unsicher ist. Die Ansprüche sind auch nicht vererbbar, Eigentum schon. In der langfristigen Entwicklung unser Volkswirtschaft ist es aber schlecht, wenn die Aktien so schwach verteilt sind. Wenn Menschen Vermögenswerte haben, die sie weitervererben können, wird die Volkswirtschaft enorm gestärkt.

    Noch ein Problem: Als 30-jähriger denke ich vielleicht auch an die Altersvorsorge, aber ich möchte mich beim Sparen nicht darauf festlegen, sondern will mir die Option offenhalten, das gesparte Geld anders zu verwenden. Vielleicht will ich mir mal ein Haus kaufen. Dann wäre es doch blöd, wenn mein Geld in der Riesterrente mit 2 % verzinst, ich aber einen Kredit mit 5 % tilgen muss. Oder ich werde todkrank und will es mit der Methode Immendorff nochmal richtig krachen lassen. Dumm, wenn das Geld in der Riesterrente steckt. Es ist zwar richtig, vorausschauend zu handeln und zu denken, aber es ist falsch, sich zu lange zu binden, wenn es nicht notwendig ist.

    Die Politik richtet mit ihrer Rentenpolitik großen Schaden an. Nicht die kleinen Wahlbetrügereien erschüttern das Staatswesen im Mark, sondern die langfristigen sind es. Wer erinnert sich heute noch daran, dass die SPD die Mehrwertsteuer erhöht hat? Das ist heute fast vergessen. Bei der Förderung der Altersvorsorge ist aber nicht zu spaßen. Da muss man sich verlassen können, denn ansonsten steht man nach 40 Jahren Sparphase vor dem Nichts. Und dann wenden sich die Menschen endgültig ab und wählen Nazis oder Kommunisten.

  4. finanziell umdenken

    Hallo Tim, hallo Turing,
    vielen Dank für den wichtigen Beitrag und für die gute Anmerkung!

    Die Aktienkultur ist in Deutschland wirklich sehr unterentwickelt. Das geht offenbar bis hinauf in die Regierungskreise.

    Eine weitere „Gefahr“ wird in Deutschland von der SPD und Grüne an weiter links bereits immer wieder diskutiert. Die Erhöhung der Abgeltungssteuer. Da werden Zahlen von 30% oder noch mehr genannt. Ich fürchte, dass die Erhöhung über kurz oder lang kommen wird. Denn im Zweifelsfall würden sich auch CDU/CSU über mehr Steuereinnahmen freuen. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang, dass Dividendenausschüttungen bereits bei den Unternehmen besteuert wurde.

    Auch das ein Signal in die falsche Richtung. Denn anstatt den Leuten die Vorzüge von Dividenden-Aktien schmackhaft zu machen, wird diese Form der Geldanalage kräftig besteuert.

    VG
    Lars

  5. Turing

    @Lars
    Dieses linke Gedankengut reicht weit leider weit in die Mitte hinein. Ich kenne einen, der 40000 € auf dem Tagesgeldkonto sein Eigen nennt, meine Dividenden aber als „leistungsloses Einkommen“ diffamiert. Seine Zinsen streicht er aber mit einer Selbstverständlichkeit ein.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Turing
    Danke für den exzellenten Beitrag. Du sprichst 2 wichtige Punkte an:

    1. Das Vererben von Vermögen. Bei Aktien ist das kein Problem.

    2. Die lausige Rendite von Sofortrente, Lebensversicherung, Riester etc.

    Mein Vorschlag zur Lösung der Altersarmut: Aktiendepots für die Rente erlauben. Es darf darin steuerfrei angespart werden. Herausnahme des Geldes erst ab 60 Jahre und älter erlaubt. Das Finanzamt hat Einblick in die Depots (damit kein unerlaubter Abfluss vor dem Rentenalter erfolgt). Sparbeiträge in dieses Aktiendepot sollen von der Steuer absetzbar sein.

    Leider begreifen die Bürokraten in Berlin nicht, was das für positive Folgen hätte für die Menschen und den Kapitalmarkt zugleich. Ich wette: Ganz wenige Beamte und Abgeordnete besitzen Aktien.

    @Lars
    Eine Erhöhung der Abgeltungssteuer wäre ein Unding. Aktienbesitzer werden ohnehin schon schlechter gestellt als etwa Immobilienbesitzer (die steuerfrei ihr Eigenheim abstoßen dürfen).

    Ich stimme zu, dass SPD und Grüne das Problem der Altersarmut nicht besser bekämpfen als CDU-FDP. Allein schon wenn ich mir den Riester-Renten-Müllhaufen (von Rot-Grün gestartet) anschaue, werde ich zornig. So ein Unsinn den Menschen als Staat zu empfehlen, ist unbegreiflich.

    Viele Grüße an alle. Und danke für die wertvollen Beiträge
    Tim

  7. Frank

    Hallo,
    das bestärkt mich mal wieder nur Teilzeit zu arbeiten.Da ich dadurch einen niedrigen Steuersatz habe (10%) kann ich mir zuviel bezahlte Abgeltungssteuer wieder über die Steuererklärung zurückholen.
    Eigentlich schlimm da? Fleiß bei uns bestraft wird.
    Aber wenns politisch gewollt ist schaff ich halt weniger
    Frank

  8. Anna

    Hallo Turing,

    gehe vollkommen konform mit Deinen Ansichten. Auch ich käme nicht auf die Idee, einen Riesenbatzen in eine Sofortrente zu stecken. Was ich selber zusammengescharrt habe, kriege ich auch wieder unter die Leute. Und wenn nicht ich, dann meine Erben…

    Bezüglich MWSt. habe ich mal das Internet bemüht (Wikipedia und Mittelstandwiki). Die kannst Du nicht nur der SPD anlasten. Eingeführt und erstmalig erhöht wurde diese Steuer 1968 von der großen Koalition. Weitergemacht hat Rot/Gelb 1978/79 mit 12 und dann 13 %. Dann 1983 14 %, 1993 15 %, 1998 16 %, alles Regierungszeit Kohl – Gelb/Schwarz.
    Die heutigen 19 % gabs 2007 von der großen Koalition.
    Übrigens wurde unter Kohl mal die Mineralölsteuer auf einem Schlag um 24 Pfennig erhöht, weiß heute keiner mehr, scheinbar nicht mal die CDU. Vor einigen Jahren gabs im Wahlkampf einen Aufkleber so in etwa mit „weg mit der Ökosteuer“… Da ging es – glaube ich – um 3 Cent.

    VG Anna

  9. Ulrich

    @Frank: Dein Konzept find ich irgendwie super *Daumen Hoch

    @Anna: Ja, dass die CDU die finanziell kompetentere Partei ist daran habe ich auch meine Zweifel. Wirklich Mut zur Veränderung haben doch eher die Sozis gezeigt!

  10. Turing

    @Anna

    Mir ging es einzig um die letzte Erhöhung der Mehrwertsteuer. Erinnern Sie sich?

    Vor der Wahl: Die CDU kündigt eine Erhöhung von 16 % auf 18 % an. Die SPD ist total dagegen und verspricht, dass die Mehrwertsteuer nicht erhöht wird.

    Nach der Wahl: CDU/CSU und SPD koalieren miteinander. Der erwartete Kompromiss bei der Mehrwertsteuer wäre der Durchschnitt aus 16 % und 18 % gewesen, also 17 % Mehrwertsteuer. Das hätte jeder verstanden. Stattdessen wurde die Mehrwertsteuer auf 19 % angehoben. Von Müntefering stammt noch der Satz, das unfair sei, dass man Parteien daran messe, was sie vor den Wahlen versprochen hätte.

    Diese ganze Aktion scheint vergessen.

  11. Anna

    @ Turing,
    o.k. wenn es um die letzte Erhöhung der Mehrwertsteuer ging, ich dachte generell vom Anfang an.
    Übrigens habe ich vor einer Stunde im ZDF Wiso gesehen über Geldanlagen im Alter. Genauso werde ich es nicht machen.

    VG Anna

  12. Turing

    @Anna
    Ich habe mir das mal in der Mediathek reingezogen. Es war der übliche Blödsinn mit Faustformeln („80 – Alter = Anteil an riskanten Anlagen“) und der Heroisierung der Rente. Auch die Sofortrente wird thematisiert.

    Ich habe mir nochmal ausrechnen lassen, was ich als 65-jähriger als lebenslange Sofortrente bekomme, zu einem Preis von 50000 €: Lausige 206,25 € pro Monat. Setzt man auf dividendenstarke Aktien, ist man besser dran.

    Im Prinzip handelt es sich bei der Sofortrente um eine Geschenk an den Versicherer, denn man gibt mir nichts dir nichts einen Vermögenswert aus der Hand, der mehr erwirtschaften würde. Und wo das Risiko des frühzeitigen Todes abgebildet ist, frage ich mich auch.

    Ein 35-jähriger würde noch weniger für seine 50000 € bekommen: 120,76 € pro Monat. Da habe ich im jetzigen Jahr mit weniger Kapital mehr an Dividenden erwirtschaftet.

    Die Deutschen sind einfach versessen auf Renten. WISO ist schon ein schlimmes Magazin, genauso wie die Finanzzeitschriften aus dem Hause Stiftung Warentest. „Finanztest“ heißt das. Die Verbraucherschutzzentralen verbreiten auch immer die Mär von den ach so riskanten Aktien. In Deutschland herrscht auch die Meinung vor, Aktien wären nur etwas für reiche Leute. Natürlich haben viele reiche Menschen Aktien, aber sie haben sie nicht, weil sie wohlhabend sind, sondern sie sind wohlhabend, weil sie u. a. Aktien haben.

    Stattdessen proklamiert man die Immobilie als Investition für den kleinen Mann. Wenn der kleine Mann irgendwann mal stirbt, wird es zu „Oma ihr klein Häuschen“. Gerade Immobilien sind nichts für den kleinen Mann. Aktien kann der kleine Mann kaufen, ohne sich zu verschulden (mit Ausnahme von Berkshire Hathaway :-)). Bei Immobilien sieht das anders aus. Da kommt man um einen Kredit kaum herum.

  13. tim schaefertim schaefer

    @ Turing

    Sehr gut zusammengefasst!

    Du triffst damit den Nagel auf den Kopf.

    Zu glauben, die Versicherungen sind die Heilsarmee und geben uns Anlegern wunderschöne Renditen, ist ein Irrglaube. Die wollen so wie alle anderen auch Geld verdienen. Je weniger Rendite sie uns Sparer zukommen lassen, desto mehr bleibt für sie selbst übrig.

    Das Eigenheim ist natürlich mit enormen Risiken und Kosten verbunden, die viele übersehen.

    Ich habe Freunde, wenn die vom Haus sprechen und der Rendite, lassen die gerne das Eigenkapital unter den Tisch fallen. Geld, das sie vorab aus eigener Tasche zugesteuert haben. So kann man sich jedes Investment schön rechnen, wenn man 20% (das EK) einfach weg lässt.

    Instandhaltung, Steuer, Gebühren, Schäden etc. sind auch aufzubringen. Und all der Ärger, der kann einem auf die Nerven gehen. Mit Aktien gibt es keinen Ärger. Da ruft jedenfalls nicht der Hausmeister oder Mieter zuhause an.

  14. Michael C. Kissig

    Moin Tim, die Aussage „Mein Vorschlag zur Lösung der Altersarmut: Aktiendepots für die Rente erlauben. Es darf darin steuerfrei angespart werden. Herausnahme des Geldes erst ab 60 Jahre und älter erlaubt. Das Finanzamt hat Einblick in die Depots (damit kein unerlaubter Abfluss vor dem Rentenalter erfolgt). Sparbeiträge in dieses Aktiendepot sollen von der Steuer absetzbar sein.“ verwundert mich etwas, denn dieses Konstrukt gibt es doch bereits: nennt sich Rürup-Rente bzw. Basisrente. Da schließt man einen Vertrag ab und zahlt regelmäßig Beiträge, die – je nach Wunsch und Vertrag – auch in Aktienfonds fließen können. An sein Geld kommt man nicht heran, sondern man erhält eine Einmalzahlung oder eine Rente ab Erreichen dens 60., 63. 65. Lebensjahres, je nach Wunsch. Diese Rentenvariante ist kapitalgedeckt und steuerbegünstigt, auch für Angestellte.

    Da man nicht auf lange Sicht sicher planen kann, halte ich es für vernünftig, seine Anlagen zu streuen. Aktien (und Dividendenauschüttungen) sind für mich allererste Wahl, aber ich zahle auch regelmäßig ein paar Scheine in zwei verschiedene Rührup-Verträge ein (einer davon auf Fonds-Basis), um eine zusätzliche Absicherung im Alter zu haben.

  15. tim schaefertim schaefer

    Hi Michael,

    das Problem sind die „Verträge“. Da schöpft doch jemand Gebühren (Rendite) ab.

    Ich kann in den USA ansparen, wie ich möchte. Ich kann kaufen, was ich will: Etwa einzelne Aktienpositionen, aber auch Fonds und Indexfonds. Ich habe eine extreme Freiheit.

    Ich persönlich kaufe nur einzelne Aktienpositionen nach strengen Value-Gesichtspunkten. Ich verwalte mein Geld selbst. Ich brauche keinen teuren Fonds-Manager. Auch die Beträge kann ich variieren. Habe ich in einem Jahr mehr Geld übrig, fließt mehr hinein. Ich kann monatlich oder jährlich sparen. Ich kann auch mal ein paar Jahre nichts zurücklegen. So wie ich es eben möchte. Der Plan kostet mich keinen Pfifferling. Wenn ich eine Aktienposition ordere, fallen 7 Dollar an. Das wars.

    Dieser steuerlich geförderter Spar-Plan für die Rente heißt SEP IRA.

    VG
    Tim

  16. Flux

    Hallo Tim,

    das Konzept mit dem Depot für die Rente klingt sinnvoll und vor allem nicht so bevormundend wie das bei den mehr oder weniger komplizierten Konstrukten hierzulande der Fall ist. Einseits wird verlangt die Altervorsorge doch bitte selbst in die Hand zu nehmen, gleichzeitig wird man jedoch in ein regulatorisches Korsett gezwängt.

    Über solche Depots würden sich vermutlich viele von uns (den Blog-Lesern) freuen. Ob sie breit angenommen und damit volkswirtschaflich relevant würden, lässt sich allerdings angesichts der kümmerlichen Aktienkultur bezweifeln.

    Weiß jemand, ob das Modell aus USA für Deutschland schon mal im Gespräch war?

    Grüße

  17. Turing

    Vielleicht war das mal in FDP-Zirkeln ein Gespräch. Ich habe noch gut im Ohr, wie Dr. Guido ein Volk von Eigentümern als Ziel liberaler Politik ausrief.

    In Deutschland herrscht allgemein eine Versicherungsmentalität. Als mein Vater starb, durfte ich mich um Abmeldungen usw. kümmern. Wogegen er so alles versichert war. Er hatte u.a. eine Versicherung für Reisegepäck, dabei ist er fast nie verreist.

    Und ich dachte auch, es hätte sich herumgesprochen, dass Sterbeversicherungen Humbug sind. Sowas schließen meistens Leute ab, die nicht in den Tag hineinleben und sowieso einen netten Betrag auf dem Girokonto hinterlassen, der auch nicht viel niedriger ist, als das, was man aus der Sterbeversicherung erhält. Und gerade neulich habe ich jemand mit Stolz erzählen hören, wie dieser jemand eine Sterbeversicherung abgeschlossen hätte.

    Da möchte man doch glatt Allianz-Aktien kaufen und an der Dummheit der Leute verdienen.

    Mit Verwunderung habe ich auch zur Kenntnis genommen, dass viele Deutsche keine Senkungen ihrer Krankenkassenbeiträge wollen. Die Kassen mögen lieber vorsorgen und noch mehr in Prävention stecken. Das Geld versickert regelrecht. Dabei verringern die höhere Beiträge den Wohlstand, weil sie die finanziellen Spielräume der Bürger einengen. Das Geld fehlt für Investitionen. Das kann auch genau der Betrag sein, mit dem Lieschen Müller regelmäßig im Dispo steht.

    Von Linken wird immer wieder verlautbart, Gesundheit und Lebenserwartung hänge vom Wohlstand ab. – Lasst doch die Menschen wohlständiger werden! Dann werden die tatsächlich gesünder.

  18. tim schaefertim schaefer

    @ Flux

    Stimme Dir zu.

    Das Problem ist ja, wenn man die Menschen in diese Verträge drängt, dass dann jemand Gebühren kassieren kann.

    Das mag gut für die Finanzdienstleister sein, ist aber nicht förderlich für den Anleger. Denn der muss auf Rendite verzichten. Wenn ich mir allein anschaue, was für Vertriebsprovisionen beim Abschluss eines solchen Vertrags fließen, wird vieles klar.

    VG
    Tim

  19. tim schaefertim schaefer

    @ Turing,

    oh ja, diese ganzen Versicherungen. Wie Recht Du hast. Da wird ziemlich viel Geld zum Fenster hinaus geworfen.

    Glasversicherung und so weiter.

    Wenn es um ganz große Schäden geht, drücken sich die Versicherer ab und an drum, den Schaden auszugleichen. Je mehr die Assekuranzen ablehnen, desto besser sieht deren Erfolgsrechnung aus. Die wenigsten Menschen klagen gegen die Versicherungen. Erstens sind Anwälte teuer, zweitens können sich solche Verfahren ewig hinziehen.

    Fazit: Einer gewinnt immer. Die Versicherung.

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