Deutsche Bank: Wenig Substanz in der Bilanz


New York, 17. August 2011

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Ich habe mal nachgeschaut, wie es um die Bilanz der Deutschen Bank bestellt ist. Nach dem Kursrutsch ist das eine berechtigte Frage. Ich war überrascht über den extremen Hebel, mit dem der deutsche Primus sein Geschäft betreibt. Die Bilanz ist im Verhältnis 1 zu 40 brutal gehebelt. Wahnsinn! Wie kann Josef Ackermann nach einer Finanzkatastrophe, wie wir sie gerade erlebt haben, eine so niedrige Substanz in den Büchern haben? Mit anderen Worten beträgt die Eigenkapitalquote lausige 2,5 Prozent. Amerikanische Großbanken kommen auf deutlich mehr.
Schauen Sie in meine Grafik. So hat der US-Riese Wells Fargo eine Eigenkapitalausstattung von zehn Prozent. Sprich vier Mal so viel wie die Frankfurter. An dem Traditionshaus aus San Francisco ist Value-Investor Warren Buffett im großen Stil beteiligt, die Bilanz ist bärenstark. Wenn Sie sich den Langfristchart der Kalifornier anschauen, sehen Sie, dass sich ein solides Geschäftsgebaren auszahlt. Obwohl die Deutsche Bank mit den ganz Großen mitspielen will, hat sie in puncto Bilanz gehörig Nachholpotential. Gerne wird bei dem Thema mit verschiedenen bereinigten „unversicherten“ oder haftungsrechtlichen Zahlen hantiert. Das interessiert mich bei meiner Analyse nicht. Ich blicke in die Bilanz und nehme die reinen Daten.
Über dieses wichtige Thema wird in Deutschland kaum gesprochen. Komisch! Ich habe die Zahlen in der Grafik selbst ermittelt. Basis war der Jahresabschluss 2010. Gehen Sie mal zu Ihrer Bank und fragen nach, ob Sie mit einem Eigenmittelanteil von 2,5 Prozent Ihr Eigenheim finanziert bekommen. Das Institut würde Sie vermutlich hochkant rauswerfen, weil so etwas einfach zu riskant ist.

Im Rampenlicht steht derzeit die Société Générale. Es ist Frankreichs drittgrößtes Institut. Seitdem Griechenland wackelt, sind die griechischen Anleihen in den Bilanzen der Pariser brüchig geworden. Bei Derivaten sind die Franzosen zudem einer der größten Spieler rund um den Globus. Wichtige Kunden sind hier die Deutsche Bank, JPMorgan Chase und Goldman. Manch ein Experte sieht in der Verflechtung eine große Gefahr für das Finanzsystem.
Der Ruf ist nicht der beste: Können Sie sich noch an den Namen Jérôme Kerviel erinnern? Der Trader hat auf einen Schlag bei seinem Arbeitgeber knapp fünf Milliarden Euro verzockt. Auch bei dem größten Versicherer AIG, der in der Finanzkrise fast unterging, war die Société Générale mit im Boot. Nur weil die US-Regierung AIG vor drei Jahren aus der Patsche half, kamen die Franzosen mit einem blauen Auge davon. Angeblich haben sie 11,9 Milliarden Dollar indirekt aus dem Rettungsfonds Washingtons kassiert. Das berichtete die „New York Times“ in Ihrer Samstagausgabe. Jetzt sieht der Kurschart der Franzosen wirklich fürchterlich aus. Wenn man wenig Substanz in den Büchern hat, ist das auch nicht verwunderlich. Fazit: Qualität kommt von Quälen!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deutsche Bank: Wenig Substanz in der Bilanz

  1. Matthäus Piksa

    Hi Tim!

    Kann es sein, dass in die Bilanz aus dem letzten Jahr noch nicht die Postbank-Übernahme mit eingeflossen ist? Durch die PB-Aquisition hat sich nämlich die DB die Spareinlagen von mehreren Millionen Sparern und Privatanlegern „gesichert“ und damit schon lange vor Basel III deren Kriterien erfüllt, so hatte ich das nämlich in Erinnerung – die Übernahme aus dem letzten Jahr habe ich als starken zukunftsorientierten Schachzug interpretiert^^

    … herausgekommen ist jetzt, wie es zu dem Kurssturz der SocGen kam – das Sommerloch ist für die Vernichtung von Millarden an Marktkapitalisierung zumindest teilverantwortlich. Das Sommerloch wird, wie in folgendem Blogeintrag ausführlich geschildert wird http://www.czyslansky.net/?p=4582, in Frankreich dazu genutzt, in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen fiktionale Geschichten abzudrucken, nach dem Motto „Wie könnte es denn weitergehen?“ – lesen Sie selbst. Schon wieder so eine folgenschwere Kuriosität, das wirft nicht gerade einen guten Schatten auf die Börsenprofis…

    Am Sonntag habe ich nun meinen zweiten Ironman 70.3 gefinisht, jetzt folgt nahtlos die Vorbereitung für den ganzen Ironman am 8.07.12 in Frankfurt (www.ironman.de)

    Gruß Matthäus

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Matthäus für den informativen Zusatz. Gut möglich, dass hier mit Absicht falsche Gerüchte gestreut worden sind. Aber bei Gerüchten sind die Informationen ja immer ungewiss, das drückt ja schon das Wort „Gerücht“ aus.
    Ihr Link , was die Grundlage für die Gerüchte bei der französischen Großbank waren, ist lesenswert. Bei einer bärenstarken Firma würden allerdings solche Gerüchte abperlen wie bei Teflon, vermute ich mal.
    Bei der Deutschen Bank hat sich im ersten Halbjahr die Eigenkapitalausstattung leicht erholt. Der Zukauf der Postbank hat dem Verkäufer, der Deutschen Post, gutes Geld eingebracht. Das Timing war geradezu ideal, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise besiegelte die Post den Deal. Die Deutsche Bank hätte ein paar Monate später sicherlich viel günstiger zum Zuge kommen können. Aber wer hätte das wissen können, dass das Finanzsystem zu beben beginnt? Schließlich kocht auch ein Josef Ackermann nur mit Wasser.

  3. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus, ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Ironmen. Das ist ein zähes Training. Sie haben ja noch fast ein Jahr Zeit.
    Interessant fand ich diese
    neue Studie zum Thema Sport! Da macht das Training sicherlich gleich mehr Spass. Denn es macht ja durchaus Sinn. Allerdings würde ich streng nach einem Trainingsplan arbeiten.

  4. Matthäus Piksa

    Danke für die zügigen Antworten.

    Auf jeden Fall werde ich nach einem Trainingsplan arbeiten, bin gerade dabei mir einen herauszusuchen. Wahrscheinlich werde ich mich an dem Plan (3L-langsam,locker,lange => das passt zu mir) aus dem Buch Ole Petersens orientieren: http://www.amazon.de/Ironman-Anfang-Finish-8-Stunden-Triathlon-Programm/dp/3499194716/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1313608582&sr=8-3

    …8 Stunden pro Woche reines Training sollen ausreichen…
    Interessant ist, dass Ole Petersen den Angaben auf der amazon-seite zufolge bis zum Alter von 28 übergewichtig, starker Raucher und Nichtsportler gewesen sein soll, also ein klassischer Couchpotatoe… und seitdem 40 Ironmen gefinisht hat, puhh.

    Bis demnächst. Matthäus

  5. Max

    Hallo Tim!

    Ich wundere mich, dass weder auf der Deutsche Bank Hauptversammlung jemand dieses Thema angesprochen hat (wenn sie denn Recht haben) noch die mir zur Verfügung stehenden Analysen Ihnen zustimmen. Auch die im Geschäftsbericht bzw. den Quartalsberichten genannte Zahl von etwa 10% Eigenkapital ist Ihrer Aussage nach falsch. Des weiteren müssten beide großen Bankenstresstests übersehen haben, was Sie mit einem Blick auf die 2010er Bilanz gesehen haben.

    Auf welche Daten beziehen Sie sich denn? Was Eigenkapital (gerade bei Banken) ist, ist nicht wirklich pauschal zu beantworten, hier streiten sich Wissenschaft und Regulierer mit unter heftig. Was als solches klassifiziert wird und welches nicht, muss also ganz genau benannt werden.

    Grüße,

    von einem Aktionär der Deutschen Bank 🙂

  6. tim schaefertim schaefer

    Hallo Max, ich habe einfach das alte Kaufmanns-Handwerkszeug angewandt: Konzern-EK im Verhältnis zur Bilanzsumme = Eigenkapitalquote. Das ist eine sehr einfache Vorgehensweise. Ich wende diese Formel auch bei Finanzwerten an. Wenn Buffett in einen Finanzdienstleister investiert, dann hat der in der Regel eine EK-Quote, die an die 10% wie bei der Münchner Rück oder bei Wells Fargo (zwei seiner Aktienfavoriten) heranreicht. Ich glaube, dass Buffett ganz einfache Formeln anwendet.
    Hier der Geschäftsbericht der Münchner Rück.
    Dass die Deutsche Bank wenig Substanz in der Bilanz hat, ist schon lange ein Thema. Das „Capital“ hat das schon kritisiert.

  7. René

    Die DeuBa hat nur 2,5% Eigenkapital? Das ist schon krass! Wie Du richtig bemerkt hast, würde jeder mit einer solchen EK-Quote bei einer Bank im Rahmen einer Immo-Finanzierung lächelnd herauskomplimentiert werden. Dagegen ist ja sogar meine Sparkasse mit 5% EK-Quote als geradezu solide einzustufen…

  8. tim schaefertim schaefer

    Hi René, ja es sind nur 2,5 Prozent Eigenkapitalquote bei der Deutschen Bank. Es ist wirklich erstaunlich wenig. Mir ist das alles schleierhaft. Gerne wird mit Dingen wie Basel-Quote oder Kernkapital etc. argumentiert. Ich halte solche bereinigten Zahlen für gefährlich. Ich blicke lieber in die Bilanz. Und vertraue diesen Fakten bzw. Zahlen.

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