Deutsche Bank und Commerzbank überstehen den Sturm


New York, 7. Juni 2012

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Ich erhielt per Email die besorgte Frage, ob denn die beiden führenden deutschen Banken die Euro-Krise überleben werden. Ich denke ja. Es spricht jedenfalls sehr viel dafür. Sowohl die Deutsche Bank als auch Commerzbank überlebten das Lehman-Desaster. Dann werden sie auch dieses aktuelle Problem durchstehen.
An der Commerzbank ist mittlerweile die Berliner Regierung mit einem Viertel beteiligt. Die Deutsche Bank schaffte es durch die Finanzkrise ganz ohne Staatshilfe.
Die Deutsche Bank notiert derzeit zum halben Buchwert. Die Commerzbank taxiert gar 71 Prozent unter Buchwert. Das sind brutale Abschläge. Die Sorgen überwiegen, es dürften weitere Abschreibungen (Anleihen etc.) nötig werden.
Doch sind die Institute uralt, stark verwurzelt. Beide wurden 1870 gegründet. Nun müssen sie ihre Bilanzen stärken. Ihre Eigenkapitalausstattung ist zu dürftig, der Kredit-Hebel zu hoch. Das kann zu weiteren deftigen Verwässerungen führen. Das ist der Knackpunkt. Darunter leiden beide DAX-Titel.
Nachtrag: Vergessen Sie nicht, beide Häuser haben zwei Weltkriege und die Große Depression überlebt, da werden sie die Euro-Krise auch überstehen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deutsche Bank und Commerzbank überstehen den Sturm

  1. Stefan Schuetzinger

    Da wir davon ausgehen muessen, dass nicht auch noch Italien staerker in die Bredouille geraten wird, sollte die weitere Entwicklung der Spanienkrise fuer die DB aber vor allem fuer die COBA von funtamentaler Bedeutung sein. Beide haben ja ein Spanien-Exposure von je ca. 14 Mrd. Sollte sich das Thema beruhigen, d. h. Koennen dauerhafte Loesungen gefunden werden und kommt es gleichzeitig zu keiner wesentlichen Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage, kann man wohl davon ausgehen, dass die Coba-Aktie rasch wieder Richtung Buchwert gehen koennte. Die Rentabilitaet des Kerngeschaeftes liegt ja bei ca. 4 Mrd. Aktueller Boersenwert ist kleiner als 8 Mrd. Dass diese Annahmen nicht ganz falsch sind beweist uns der starke Kursanstieg der Coba-Aktie im ersten Quartal 2012 bzw auch die aktuell sehr starke Erholung nachdem es positive Signale zum Thema Spanien gegeben hat.

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke für die Info.

    Man kann rein technisch beide Konzerne im Endeffekt schützen. Es ist eben alles eine Frage der Verwässerung. Gegen die Ausgabe neuer Aktien kann der Vorstand jederzeit frisches Kapital einsammeln. Das muss man sich immer vor Augen führen.
    Ich denke, viele Anleger sehen derzeit überall die Katastrophe eintreten. Das ist eine zu emotionale Betrachtung der Dinge.
    Wenn Spanien mit einer Hauruck-Aktion gestützt wird, kann es schnell nach oben gehen.

  3. Robert Michel

    Bei der Bewertung der CoBa muss man noch die Stillen Einlagen abziehen. Das wird schnell übersehen. Das Engagement in Portugal würde ich auch vom Wert abziehen. Glaube nicht dass davon viel übrig bleiben wird.

  4. Matthäus Piksa

    Hallo,

    nun hat sich auch der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer zu Wort gemeldet. In seinem Gastbeitrag warnt er davor, dass Deutschland mit seinem Spardiktat den wirtschaftlichen Abgrund Europas herbeiführen könnte. Der Berater zahlreicher deutscher Wirtschaftsunternehmen fordert nun die totale europäische Integration, Eurobonds, Fiskalunion etc. und notfalls das Einstehen mit dem gesamten deutschen Vermögen: http://www.sueddeutsche.de/politik/europaeische-finanzkrise-europa-steht-in-flammen-1.1373683

    Ich lasse den Gastbeitrag jetzt mal unkommentiert, möchte aber erwähnen, dass wir uns zumindest in Deutschland in einer wie ich finde recht ambivalenten Situation befinden. Einerseits werden wir im Grunde seit Jahren mit Hiobsbotschaften überschüttet, andererseits geht es den meisten ziemlich gut, Stichwort Jobsicherheit, Gehälter, Freizeitvergnügungen etc.

    Ganz anders sieht es außerhalb Deutschland aus. Im griechischen Wahlkampf liegen die Nerven blank, siehe hier: http://mobile.bloomberg.com/video/94270939-fight-breaks-out-on-greek-tv-talk-show.html/

    Gruß Matthäus

  5. deathproof

    Und trotzdem geht dem Griechen immer noch besser als die meisten Menschen in Afrika bzw. Slums in Brasilien, Indien oder auch in Bangladesch. Die Liste lässt sich sicher noch ein paar erweitern 😉

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Robert Michel

    Danke für den Hinweis. Die „Stillen Einlagen“ sind ein gutes neues Thema.

    Ich habe in dem Beitrag oben lediglich das Kurs-Buchwert-Verhältnis geschildert. Sprich, mir ging es darum: Was für einen Wert (Buchwert) hat die Bank „offiziell“ gemäß Bilanz. Und was billigt die Börse zu. An der Diskrepanz zwischen beiden Zahlen sieht man sehr schön, dass die Banken Probleme haben und sich entsprechend die Börsianer Sorgen machen.

    Ich glaube, dass beide Häuser eben nicht untergehen. Das wird erstens Berlin nicht zulassen. Und zweitens schaffen die das.

    VG

  7. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    den einen geht es gut. Den anderen eben nicht.

    Daher ist es ja auch so gefährlich. In Ländern wie Griechenland oder Spanien kann schnell ein Kampf der Klassen ausbrechen. DIe Regierung muss für Klarheit sorgen, die Menschen beruhigen. Und man kann so ein Land auch kaputt sparen. Wenn alle auf der Straße kämpfen, ist es zu spät. Viele EU-Regierungen wissen nicht, wie man in solchen Situationen reagiert. Woher denn auch? Das ist eine der schwersten Krisen, die es seit der Großen Depression gab.

    Den Mächtigen geht es natürlich auch in erster Linie darum, an der Macht zu bleiben.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ deathproof

    Ich finde der Vergleich von Griechenland mit Afrika ist etwas merkwürdig.

    Natürlich geht es den Griechen besser, das bestreitet doch gar niemand. Sollen die Griechen jetzt bettelarm werden oder sich einfach nicht mehr beschweren? Ich verstehe die Argumentation nicht. Helfe mir bitte auf die Sprünge…

    VG
    Tim

  9. Deathproof

    Es ist in der Tat kein Vergleich, aber psychologisch betrachtet, geht es uns Vielen hier recht gut im richtigen Land geboren zu sein und entsprechenden Lebensstandard aufzubauen. Wenn ich ganz normaler Grieche wäre, würde mir auch schlecht werden, aber ich muss mir dann auch für mein Leben kämpfen um essbares usw. zu erhalten. Dann erst denke ich mir mal so, die noch ärmeren Menschen vom 3. Welt oder Slums haben leider härteres Los erwischt als mir und daher sollte man das immer vor Augen führen und sich glücklich schätzen, anstatt zu jammern.
    Ich sehe bei vielen Menschen bei der jetzigen Krisen, wie verrückt die meisten das Geld verzocken, weil Geld anscheinend das Heiligstes ist und auch die Gier ist mir da zu unverständlich.
    Nicht für ungut und danke für deinen sehr lesenswerten Blog 😉

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