Deutsche Bank steht am Pranger


New York, 17. Dezember 2012

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Für Value-Jäger wird es spannend. Bei der Deutschen Bank knallt es. Hausdurchsuchung wegen eines großen Steuerbetrugs mit CO2-Zertifikaten, vier Mitarbeiter sitzen in U-Haft. Verdacht von Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Geldwäsche. Massenhaft wurden Anleger und Häuslebauer hinters Licht geführt. Hinzu kommt die Manipulation des Libor-Zinssatzes. Hinzu kommt der Schwindel mit Hypothekenpapieren. Hinzu kommt der unappetitliche Kirch-Prozess. DER SPIEGEL zählt genüsslich einige Probleme auf.
Hinzu kommt: Bedeutende Kunden hat die Deutsche Bank wohlwissend mit dubiosen Hypothekenpapieren in den Ruin getrieben. Etwa die Industriekreditbank IKB, der Staat musste die IKB mit unseren Steuergeldern vor dem Konkurs retten.
Führungskräfte der Deutschen Bank haben intern Produkte als „Scheiße“ und „Dreck“ eingestuft und sie munter als werthaltige Anlage an Kunden verkloppt.
Das Frankfurter Institut hat einige Kunden grauenvoll behandelt. Der Ruf ist ruiniert. Das Image ist im Mülleimer. Gerade hat der SPIEGEL eine neue Titelstory: „Die Deutsche Skandal-Bank. Eine Institution ruiniert ihren Ruf“.
Sie kennen sicherlich das Sprichwort von Warren Buffett: „Es dauert 20 Jahre, um sich eine Reputation aufzubauen – und fünf Minuten, um sie zu ruinieren. Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie die Dinge anders machen.“ Leider haben die Frankfurter nichts dazu gelernt.
Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her. Mich wundert es, dass Anshuman Jain es an die Spitze geschafft hat. Jain hat als ehemaliger Chef der Investmentsparte einige der Skandale zu verantworten. Er war höchstpersönlich am Verkauf giftiger Papiere beteiligt. Er bot faule CDO-Hypothekenpapiere wie ein Teppichverkäufer Kunden an. Intern machte er über seine Akquiseanrufe Notizen. Ich hatte in diesem Blog über Jains Verkaufsversuch im Mai 2012 geschrieben. Wenn die Oberen kein Vorbild für die Mitarbeiter sein können, hat der Konzern ein gewaltiges Problem.
Für Value-Jäger sind solche Phasen natürlich spannend, es fliegen die Fetzen. Wenn der SPIEGEL die Skandal-Bank als Titelgeschichte bringt, ist das „herrlich“. Wenn sich der Hass auf die Frankfurter Banker auf den Höhepunkt hochschaukelt, womöglich ein Vorstand zurücktritt und ein neuer Skandal publik wird, kann ein Kursrutsch ein gefundenes Fressen sein. Ob der Kurs um fünf oder zehn Prozent an einem Tag abstürzt? Wir werden sehen. Die Skandale kommen nahezu wöchentlich. Schon jetzt notiert der DAX-Titel 45 Prozent unterhalb des Buchwerts. Der Kurs wird unter Druck bleiben. Aus den Schlagzeilen wird der deutsche Branchenprimus vorerst nicht herauszukommen.
Nicht alles, was die Deutsche Bank macht, ist Dreck. Im Gegenteil. Das Haus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ohne unsere Banken würde die Wirtschaft still stehen, wir würden auf den Bäumen sitzen. Wir brauchen sie, wir sollten dankbar sein.
Klar gibt es in kritischen Zeiten den Ruf, die EZB solle die Aufgabe von Privatbanken übernehmen und Hypotheken mitsamt Zahlungsdiensten anbieten. Klar könnte die EZB und Bundesbank das in die Hand nehmen. Aber wollen wir mehr Staat? Ich nicht.
Unsere Banken sind verdammt wichtig. Sie sorgen für viele Innovationen. Sie helfen uns. Die Deutsche Bank ist ein großartiges Institut. Einige Mitarbeiter haben sicherlich Fehler gemacht. Sie haben das Gehalt, den Bonus vor die Interessen ihrer Kunden gestellt. Sie haben den guten Ruf zerstört. Eine solche Verhaltensweise ist egoistisch und schadet allen. Es wird dauern, bis diese Wunden heilen. Es wird Jahre dauern.
Für Anleger kann es sich auszahlen, in einem dramatischen Szenario zuzuschlagen.
Es gibt so viele Baustellen, so viele fragwürdige Vorgänge bei der Deutschen Bank. Es wird mehr ans Tageslicht kommen. Da bin ich mir sicher. Legen Sie sich auf die Lauer. Es ist eine sehr emotionale Diskussion.
Klar, bleiben viele Fragen offen. Klar, muss die deutsche Nr. 1 umgebaut werden. Klar, brauchen wir mehr Kaufmannsehre, keine geldgeilen Manager, die sich die Taschen wie Dagobert Duck vollstopfen.
Was mich zudem stört, sind die Interessenkonflikte: Nämlich dann, wenn führende Staatsdiener plötzlich Honorare aus der Privatwirtschaft kassieren. Kaum ist BND-Chef Ernst Uhrlau (SPD) offiziell aus dem Amt, arbeitet er ein paar Tage später für das größte Geldhaus. Das riecht nach einer Gegenleistung für eine „Guttat“ eines hohen Beamten. Erst das schöne Beamtensalär kassieren, dann das „Honorar“ der Deutschen Bank.
Für ranghohe Staatsdiener sollte so etwas strikt verboten werden. Es muss eine “Frist des Anstands“ zumindest abgewartet werden. Ich denke an fünf Jahre oder mehr. Wir Steuerzahler finanzieren diese Beamte. Wo ist die Moral geblieben? Wenn Herr Uhrlau an einer Uni einen Lehrauftrag annimmt, für eine Stiftung arbeitet, an eine Hochschule ins Ausland geht, für einen guten Zweck sich einsetzt, ja das wäre wunderbar. Dass aber der BND-Chef wenige Tage nach der Pensionierung für eine Bank arbeitet, ist ein Unding. Ein Konzern sollte niemals hohe Beamte mit Geld ködern. Das gehört sich nicht.
Für Schnäppchenjäger können die kommenden Monate interessant werden. Ein Traditionshaus liegt selbstverschuldet am Boden.
Fazit: Leiden + Pleiten + Kritik = Chance.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deutsche Bank steht am Pranger

  1. Chris2

    Hallo,

    ich habe gesehen, hier schreibt noch ein „Chris“. Daher nenne ich mich mal „Chris2″… 😉

    „Ich werde weiterhin nicht in Bank Aktien allgemein investieren. Für mich sind weiterhin nur wahre Value Werte mit einer sehr guten Dividenden Rendite interessant.“

    Die Kanadischen Banken (Nova Scotia, Bank of Montreal, …) sind da sehr interessant. Die schütten teilweise seit einem Jahrhundert Dividenden aus, haben aktuell Renditen von 4-5% (Achtung Quellsteuer) und der Kursverlauf spricht für sich. Diese Banken haben sich im wahrsten Sinne des Wortes „durch die Bank“ schnell von den Tiefs in 2009 erholt. Ich kenne mich mit dem Bankensystem in Kanada kaum aus, aber die scheinen dort vieles richtig zu machen.

  2. Matthäus Piksa

    Ich mag die Zitate des Berliner Schriftstellers und Gesellschaftskritikers Kurt Tucholsky (1890-1935), Sohn eines jüdischen Bankkaufmanns. Im Jahr 1930 veröffentlichte er dieses witzige Gedicht.

    Da könnte man meinen, dass die Zeit stehen geblieben ist.

    Es bringt sicherlich mehr dieses Gedicht auswendig zu lernen, als sich über Banken zu ärgern.

  3. ZaVodou

    Als Schnäppchenjäger sollte man überdenken, ob man Miteigentümer an solch einer Firma werden möchte.

  4. Anna

    Hi,
    als Aktionär der Dt. Bank bekommt man langsam Hornhaut auf der Seele, man fragt sich was kommt als nächstes ans Tageslicht.

    @ Matthäus,
    das Gedicht ist ja zeitlos. Wenn ich die Sache mit den Leerverkäufen mal mit Nachbars Auto versuche ist das wohl was anderes …

    zu Dividende der Banken: Die Bank of America zahlt seit einigen Jahren nur 1 US-Cent pro Quartal als Dividende.
    In einigen Jahren können sich die Jungs auf die Brust hauen und sagen:
    Wir haben immer Dividende gezahlt.“
    Ob aber dann mein Einstiegskurs erreicht ist??

  5. Matthäus Piksa

    @Anna

    Ja das stimmt. Das Gedicht ist zeitlos! Ich muss auch zugeben, dass es Ende 2008 besser passte, im Vergleich zu heute… Leerverkauf auf Nachbar's Auto? Fährt ihr Nachbar einen Opel? 😉

    Übrigens: Die Deutsche Bank feiert 2020 ihr 150-jähriges Jubiläum. Die Doppel-Spitze Fitschen/Jain sollte sich mal über ein „Zukunftskonzept 2020“ Gedanken machen…

  6. Reinhard

    Mit der Deutschen Bank hat man als Aktionär nur dann Freude, wenn man sie nicht im Depot hat.
    Der vormalige Chef Ackermann galt ja lange Zeit als hochangesehener Banker mit hochkarätigen Connections in die Politik (Geburtstagsfeier im Kanzleramt). Genau genommen hat er einen Saustall hinterlassen. Der jetzige Chef ist zumindest in Deutschland ein Nobody.
    Eine Bank mit einen derartigen Ruf würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen, auch wenn sie ein Schnäppchen ist.
    Dann lieber seriös arbeitende Firmen mit soliden Produkten, eben Value. Zu dieser Kategorie gehört die Deutsche Bank sicher nicht mehr – eben ein Zockerpapier. Auf Spiegel-Online wird mittlerweile die Zerschlagung des Instituts gefordert.

  7. tim schaefertim schaefer

    Was sich bei der Deutschen Bank abspielt, ist ein Desaster. Es wird Jahre dauern, bis das Image wieder hergestellt ist.

    Sind Jürgen Fitschen und Anshuman Jain ein Vorbild? Ich glaube kaum. Sie haben verbrannte Erde hinterlassen.

    @ Matthäus, danke für das Gedicht. Das ist echt klasse.

  8. chris2

    Das Gedicht ist super. Wenn man bedenkt, wann es geschrieben wurde, fühlt man sich mit seinen Aktien noch viel wohler. Zumindest geht es mir so. Krisen gab es schon vor der Börse. Aber Halter solider Titel waren immer die Gewinner, auch wenn es schon Zeiten gab, wo man 20 Jahre warten musste.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus

    Kurt Tucholsky hat ein schönes Gedicht über den Banken-Wahnsinn geschrieben. Seine Schlussfolgerung, dass der Sozialismus das bessere System ist, hat sich ja bislang nicht als richtig erwiesen. Der Kapitalismus ist meiner Meinung nach das „bessere“ System.

    Aber, der Kapitalismus braucht einen Schiedsrichter: Ohne Aufsicht, ohne Regulierung, ohne Härte funktioniert der Finanzmarkt nicht.

    Leute, die glauben, mit Spenden und großzügigen Honoraren Parteien, Politiker, Ex-Beamte in ihre Richtung biegen zu können, irren sich. Sie schaden der Wirtschaft, sie schaden dem ehrhaften Kaufmann, sie schaden der Demokratie, sie schaden dem gesamten Markt.

    Wir brauchen Integrität, Moral, Fairness.

    Lobbyismus kann nicht die Gesetze aus dem Weg räumen. Das funktioniert nicht. Das rächt sich. Wir brauchen ein System der Fairness.

    Es sprudelten viele Jahre lang fette Gehälter in den oberen Banketagen. Das förderte eine enorme Arroganz. Sie glaubten, besser als der Rest der Welt zu sein. Der Volksmund sagt dazu: Hochmut kommt vor dem Fall.

    Für Aktionäre gilt: Sie müssen solche Abstürze aushalten können. Der Kapitalmarkt schwankt. Das ist die Natur des Aktienmarkts. Die Weisen kaufen in Krisen, sie sitzen solche kritischen Phasen aus. Und warten auf bessere Zeiten.

  10. Matthäus Piksa

    @Tim

    Ich teile deine Schlussfolgerungen!

    Ich bin kein Tucholsky-Experte. Ich habe weder eines seiner Werke gelesen noch irgendein Werk über ihn. Allerdings bin ich von seiner Berliner Schnauze beeindruckt. Der promovierte Jurist (ohne abgeschlossenem Jura-Studium – wie das geht weiß ich nicht) war ein heftiger Kritiker seiner Zeit, des Militärs, von Parteifunktionären etc.

    Sein berühmtestes Zitat lautet „Soldaten sind Mörder!“ – Noch heute lernt jeder Jura-Student in der Grundrechtsvorlesung im 2.Semester dieses Zitat und das dazu gehörende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Meinungsfreiheit kennen.

    Politische Gegner strengten immer wieder Prozesse gegen ihn an, um ihn mundtot zu machen. Auch wegen Gotteslästerung wurde gegen ihn prozessiert.

    Das zumindest steht so alles in wikipedia…

    Auch wenn er kein hundertprozentiger Kommunist war, so stand er diesem System scheinbar nahe. – Er wurde auf DDR-Briefmarken abgebildet. – Zugute halten muss man ihm aber, dass er, wenn auch erfolglos, vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnte.

    Das Gedicht zeigt, dass er die Missstände im damaligen Finanzsystem zumindest im Ansatz verstand.

    Gruß Matthäus

  11. Markus

    Mein hart erarbeitetes Geld Leuten anzuvertrauen, die Ihre eigenen Kunden übers Ohr hauen…

    Auch wenn sie noch so viel unter Buchwert notieren, ohne gesunde Werte des Managements gehe ich keine Einzelwetten auf preiswerte Aktien ein.

    Einzige Ausnahme wäre breit gestreut auf „billig“ , wenn nötige auch ohne „meaning“ über strong value oder rafi indices als Beimischung zu setzen. Ob das Valuepremium sich auch bei Banken wieder blicken lässt???

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