Deutsche Bank auf dem Hackblock


New York, 15. April 2011

Jetzt wird die Deutsche Bank „geschlachtet“. Der Kurs fällt. Experten des US-Senats haben unangenehme Seiten in einem Spezialbericht über die Finanzkrise und die Rolle des deutschen Primus verfasst. So haben die Frankfurter an der Immobilienkrise zunächst über den Verkauf spezieller Instrumente mitverdient. Die Kritik des Senats saß. Entsprechend ging die Aktie am Donnerstag als Schlusslicht im DAX mit einem Minus von 2,5 Prozent aus dem Handel.
Es scheint, als bezieht Vorstandschef Josef Ackermann aus der ganzen Welt Prügel. In einem Interview mit der taz hatte der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Simon Johnson mit Schmutz auf die Deutsche Bank geworfen. Er sagte: „Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen. Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen.“ Ein so hoher Gewinn sei nur möglich, weil er genau wisse, die Deutsche Bank stelle ein Systemrisiko dar und müsse daher vom Steuerzahler gerettet werden – im Falle eines drohenden Konkurses.
Banken stehen seit dem Platzen Immobilienblase in den USA in der Kritik. Sie haben das Desaster mit verursacht und viele Hauskäufer in die Privatinsolvenz getrieben. Das gesamte Weltfinanzsystem wackelte, fast wäre es zu einer Panik gekommen. Deren Folgen kann man sich heute kaum ausmalen. Aber die Regierung schaffte es mit ihren Stützungsaktionen und Cash-Infusionen, weitere Großpleiten nach dem Fall von Lehman Brothers und Washington Mutual zu vermeiden. Die Banken erfüllen ja durchaus ihren Job, indem sie die Menschen mit Liquidität versorgen. Sie schaffen einerseits Girokonten, Sparkonten und so weiter. Sie gewähren andererseits Kredite und Hypotheken. So entsteht ein Geldkreislauf. Sie müssen aber sehen, dass die Geldhäuser den Kunden allerlei Schrott unterjubeln in diesem Geldkreislauf. Sie haben für die künstlichen Finanzprodukte sich allerlei schöne Namen einfallen lassen. Und bunte Prospekte gibt es auch. Mit jedem neu vermittelten Produkt verdienen die Banker Provision und Gebühren. Je mehr die Institute bei den Kunden hin und her schieben, desto mehr Bakschisch fließt am Ende des Tages. Manchmal vergessen es die Banker, die Kunden über alle „Risiken und Nebenwirkungen“ aufzuklären. Gewiss, der Apotheker macht das ja ebenfalls nicht immer. Und oft wollen die Kunden das gar nicht hören, was alles schief gehen könnte. Anleger unterschreiben häufig Dokumente, ohne den Inhalt gelesen zu haben. Nun braut sich also ein neues Kritikmonster zusammen. Ein Donnerwetter steht bevor. Der Börsenwert der Deutschen Bank deckt nur noch 80 Prozent des Eigenkapitals ab. Die Bank of America kommt auf lediglich 63 Prozent des Buchwerts. Ein Witz. Börsianer vermuten wohl, dass weitere Leichen in den Bilanzen stecken müssen. Es hat sich in der Tat der Immobilienmarkt von der Krise nicht wirklich erholt und der Schwung auf dem Arbeitsmarkt fehlt in den USA außerdem.
Die Kritik an den Banken ist nicht neu. Damit müssen die Geldhäuser seit hunderten von Jahren leben. In den USA erzählt man sich die Anekdote des New Yorker Geschäftsmanns William R. Travers. Der Promi wurde im Jahre 1885 von einem Wall-Street-Broker eingeladen. Der Broker wollte Travers beeindrucken und zeigte ihm seine private Yacht in einem kleinen Hafen. Tarvers schaute sich das Schiff an und entgegnete: Wo stehen die Yachten deiner Kunden? Und der Broker konnte ihm keine zeigen. So war das Vertrauen zerstört. Über diese witzige Geschichte entstand sogar im Jahr 1940 ein Buch. Die Original-Version gilt als Kultobjekt! Das Buch ist in einer deutschen Übersetzung erschienen: …Und wo sind die Yachten der Kunden? Es ist eine Abrechnung mit der Börse und den Banken. Dass den Kunden nur das Geld aus der Tasche gezogen wird, ist die Botschaft. In einem Kapitel geht es schlicht ums Münzwerfen. Wer zehn Mal in Folge immer wieder die gleiche Seite einer Münze werfen kann, wird übermütig und lehrt anschließend das Münzwerfen den anderen, fabuliert Autor Fred Schwed. Es handele sich um reinen Übermut. Ein reiner Zufall! Doch glaubten die Menschen in einer solchen glücklichen Situation daran, übersinnliche Kräfte zu haben. Das gleiche gelte an der Börse. Wer erfolgreich ist, habe schlicht Glück und keine Begabung, schlussfolgert der Autor. Das Buch entstand 15 bis 20 Jahre nach der Weltwirtschaftkrise. Das Desaster saß den Menschen also damals in den Knochen.
Aus diesem Grund können Sie davon ausgehen, dass die Banken die nächsten Jahre weiterhin richtig Prügel beziehen dürften. Zum Teil gießen sie ja selbst Öl ins Feuer. Wenn man sich die Rekord-Boni einmal anschaut, denkt man nur: Wahnsinn! Wie kann das sein? Auch die Manager an der Spitze: Glauben Sie, dass der Chef der Deutschen Bank sein 2010er Gehalt in Höhe von 8,8 Millionen Euro (beziehungsweise 12,6 Millionen Dollar) zurecht verdient hat? Nein, wohl kaum. Hat Ackermann einen höheren IQ, als etwa der Chef von Coca-Cola, Muhtar Kent, der „nur“ 7,7 Millionen Dollar verdient hat, also 40 Prozent weniger. Meinen Sie, dass der Coca-Cola-Chef weniger arbeitet? Wohl kaum! Oder nehmen Sie den Pfizer-Lenker Ian C. Read, der kassierte 2,7 Millionen Dollar, was fast einem Fünftel von Ackermanns Geldregen entspricht. Pfizer hat einen Börsenwert von 164 Milliarden Dollar, die Deutsche Bank kommt dagegen lediglich auf ein Drittel dessen mit 55 Milliarden Dollar. Es hängt schlicht und ergreifend mit der Zusammensetzung des Aufsichtsrats zusammen. In dem einen Kontrollgremium wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben und in den anderen Aufsichtsgremien ist man eben vorsichtiger. Bei Coca-Cola zum Beispiel gibt die sparsame Buffett-Familie auf Direktoren-Ebene die Marschrichtung als wichtigster Aktionär vor. Trotzdem: Wer die großen Banken mag, warum nicht ein paar Stücke jetzt zulegen für den langen Lauf? Schließlich notieren sie fast alle deutlich unterhalb des Buchwerts. Und die Medien verteilen Prügel. Was könnte einem da als Schnäppchenjäger besseres passieren? Wenngleich die Banken die Krise nach wie vor abarbeiten müssen. Geduld ist demnach Trumpf. Übrigens habe ich kürzlich einen Artikel über Rüstungsaktien verfasst. Im Kern sind die großen Waffenschmieden der USA gute Value-Aktien. Auf Sicht von 30 Jahren haben sich die Kurse exzellent entwickelt. Dazu kamen bombige Dividendenzahlungen für die Aktionäre. Nur moralisch tue ich mich schwer damit, Rüstungsaktien zu kaufen. Das muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.


tim schaefer (Author)

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