Der Unsinn mit den Statistiken: 30 verlorene Jahre


New York, 6. September 2012

Wenn es um Performance-Vergleiche geht, fällt oftmals die Dividende bei der Betrachtung weg. Die Dividende ist aber ein wichtiger Bestandteil der Gesamtperformance, insofern sollten Sie auf sie achten.
So wird oft gewarnt, dass zwischen den Jahren 1912 und 1948 der Dow-Jones-Index nicht gestiegen sei. Nach dem Motto: „Mehr als 30 verlorene Jahre“. Das ist natürlich Quatsch. Bei dieser Betrachtung bleiben die Dividenden außen vor.
Wer jedoch die Ausschüttungen der Unternehmen in dieser Zeit berücksichtigt, stellt fest, dass sich die Kurse verfünffacht haben (eine Reinvestition der Dividende unterstellt). Selbst wenn Sie die Inflation berücksichtigen, haben sich die Aktien-Depots in dieser Zeitspanne verdreifacht. Morgan Housel hat das sehr schön in einem Artikel herausgearbeitet.
Man darf nie solche wichtigen Aspekte wie die Dividende außen vor lassen. Es ist so, als ob Ihnen ein Trader vorrechnet, wie viel er verdient hat – ohne die Transaktionskosten und Steuern zu berücksichtigen. Das ist natürlich kalter Kaffee.
Sie müssen an der Börse aufpassen, welche Interessen die Menschen (Experten etc.) verfolgen. Wenn jemand ein Bond-Trader wie Bill Gross ist, macht der natürlich die Aktien schlecht und sucht nach Gründen, warum die Börse angeblich Unfug sein soll. Wenn jemand ein Goldhändler ist, lobt der logischerweise sein Gold. So ist es eben immer im Leben. Was Leuten wie dem Bill Gross hilft: Wir wollen ja eh immer nur das hören, wovon wir felsenfest überzeugt sind. So findet jeder seine Fans.
Nur ist es wichtig, dass wir bei den Fakten bleiben.
Wenn Sie eine schöne Aktie besitzen, die ordentlich Dividende auskehrt, braucht Sie es nicht zu stören, wenn der Kurs zehn Jahre lang seitwärts läuft. Denn Sie kassieren ja für das Warten drei, vier oder fünf Prozent (Dividenden-)Rendite jedes Jahr. Irgendwann folgt ohnehin der Ausbruch nach oben, wenn es sich um eine Qualitätsfirma handelt. Schauen Sie sich diese tollen Charts von Coca-Cola oder Wal-Mart nur an. Hier sehen Sie glasklar, was nach ein paar Jahren Seitwärtsbewegung passiert. Die Geduldigen gewinnen immer.
Die meisten Menschen können eine Aktie nicht länger als ein Jahr halten. Es ist der Wahnsinn. Die Masse hat meiner Meinung nach die Börse nicht verstanden. Es ist zum Haare raufen, wenn die Anleger den Einfluss der Dividende, Inflation, des Zinseszinses, die Steuer, Transaktionskosten – all das durcheinander bringen.
Angefeuert wird die Unkenntnis ja durch die Werbung und Angebote der Broker, die aktive Kunden haben möchten. Die Banken pumpen zig Millionen in die Werbung und wollen uns erklären, dass wir die Performance mit deren Instrumenten selbst in der Hand haben. Die Banken erklären uns ungern, dass es sich auszahlt, an soliden Wertpapieren festzuhalten.
Ein weiteres Problem, das wir Menschen haben: Wir lesen verdammt gerne negative Nachrichten. Den Tages-Horror haben wir dann alle im Kopf: Kriege, Unwetter, Proteste, Morde und eben die Weltwirtschaftskrise. Die Menschen denken: „Oje, die Welt geht unter, alles fällt zusammen, der Euro zerbricht, die Wirtschaft endet im Dauerchaos, ein Weltkrieg bricht aus.“ Klar, dass so jemand keine Aktien kauft. Der hortet Hab und Gut unter der Matratze. Ein Marmeladenglas mit Goldmünzen ist im Garten längst vergraben. Man weiß ja nie. Oder wir traden eben. So sind wir (scheinbar) immer flüssig, sicher und klug.
Dann gibt es jene, die geben ihr Geld einem Fondsmanager oder Hedgefonds. Weil aber die meisten Geldverwalter schlechter als der Index abschneiden, macht das alles keinen Sinn. Trotz ihres Versagens kassieren die Profis gigantische Gehälter. Die Fondsmanager stört ihr eigenes Scheitern kaum, schließlich handelt es sich ja nicht um deren Geld, sondern um das Geld der Kunden.
Mein Rat: Stellen Sie ruhig Ihr eigenes Dividenden-Depot zusammen. Das spart Geld. Und macht Spass. Einen Profi brauchen Sie nicht unbedingt dafür. Alternativ kaufen Sie einfach einen supergünstigen Indexfonds. Blenden Sie den Stress an der Börse aus. Abwarten und Tee trinken sollte fortan Ihr Motto sein.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Unsinn mit den Statistiken: 30 verlorene Jahre

  1. Turing

    Der ständige Handel mit Aktien ist natürlich Unfug. Das ist in etwas so, als ob man jedes Mal eine neue Ausbildung beginnt und wieder abbricht. Sowohl eine Ausbildung als auch Unternehmensanteile sind Investitionen.

    Kostolany hat von den vier Gs gesprochen, die man braucht, um erfolgreich an der Börse zu sein: Geld, Geduld, Gedanken und Glück.

    Damit ist auch schon klar, warum Fonds-Manager niemals erfolgreich an der Börse opererieren können. Es fehlt ihnen das (eigene) Geld, denn sie müssen jederzeit die Aktien zu einem guten Preis verkaufen können, um Kunden auszuzahlen. Mit diesem Anspruch kann man fallende Kurse nicht einfach aussitzen.

    Und dem Privatanleger fehlt oftmals die Geduld. Ich stoße auch oft auf Unverständnis, sobald ich auf das Thema Dividende komme. Viele erträumen den schnellen Reibach: Kursverdopplung innerhalb von vier Wochen, bekommen oft die Panik, wenn es in die andere Richtung geht… Es ist zum Mäuse melken. Ich würde niemals meine geliebten Dividenden unter den Tisch fallen lassen. Beipsielsweise bei meiner SAP-Aktie, die ich seit drei Jahren habe. Viermal bekam ich Dividenden: 0,50 €, 0,50 €, 0,60 € und 1,10 €. Das sind schon 2,70 €. Bei einem Kaufkurs von 30 € sind das knappe 10 %, die ich durch Dividenden wieder heraus habe. Dabei sah es mit der SAP-Aktie, als ich sie kaufte, anfangs nicht sehr rosig aus. Sie krebste lange vor sich hin, aber sie ist super, d.h. gestärkt, durch die Krise gekommen.

  2. Matthias

    Kann dem Inhalt deines Beitrages vollkommen zustimmen. Besonders für den Kleinanleger, der kein umfangreiches Fachwissen und die nötige Zeit mitbringt, ist ein Depot mit zuverlässigen Dividendenzahlern ratsam. Selbst in Deutschland gibt es genug Titel, die in so ein Depot passen. Meiner Meinung nach kann man sogar Werte wie SAP, Adidas oder Fresenius als gute Dividententitel bezeichnen, obwohl die Dividendenrendite aktuell unter 2% liegt. Hier ist nämlich die jährliche Steigerung enorm, die Dividende verdoppelt sich bei diesen Werten alle 4-6 Jahre, sodass, in Bezug auf den einstandskurs nach einer gewissen Wartezeit ziemlich interessante Renditen zustande kommen.
    Ich denke, der Faktor Dividendenwachstum wird von vielen noch stark unterschätzt.

  3. Jack

    Als Börsenneuling muss man das Glück haben früh von der Macht der Dividenden zu erfahren.
    Den das Thema Dividende wird in vielen Artikeln nur nebenbei als etwas unwichtiges behandelt.

    Als ETF Investor finde ich folgendes recht spannend:

    Dividendenentwicklung S&P 500

    1977 betrug die „Dividende pro Aktie in USD“ 1,30$
    2011 7,28$

    Das macht einen Anstieg der Dividende im Durchschnitt von 5,20 % im Jahr
    Selbst wen man die Dividenden nicht reinvestiert hätte, erhält man durchschnittlich jedes Jahr eine höhere Dividende. Bei einer reinvestition ist dieser Effekt noch viel, viel, viel stärker!

    Ich bin 22 und erhalte bereits jetzt eine durchschnittliche Ausschüttung von 100 € im Monat!
    Ich bin echt froh früh auf die „langweilige“ Strategie des Buy and Holds gestoßen zu sein! 🙂

  4. tim schaefertim schaefer

    @Turing
    Danke für die 4 Gs.

    Sehr guter Punkt mit den Fonds. Sie müssen zudem Cash vorhalten. Fondsmanagement kostet auch jede Menge Geld. Diese Kosten werden dem Topf entnommen, insofern müssen ja die Fonds ihre eigenen Mehrkosten erst mal aufholen. Und wenn Sie das geschafft haben, sind sie erst auf Markt-Niveau.

    Alle Fonds zusammen können kaum den Markt schlagen, denn sie sind ja selbst der Markt.

    Gratulation zur SAP-Aktie und der schönen Dividende. Du hast es verstanden, du lässt den Schneeball rollen.

    @Matthias
    Ja klar, die Leute unterschätzen die Dividende, weil ihnen die jährliche Zahlung im Vergleich zum Kurs mickrig erscheint. Es macht aber keinen Sinn: Wenn der Besitzer von Staatsanleihen seine Zinszahlungen übersieht, dann steht der vor dem Nichts.

    @Jack
    Danke für diese beeindruckende Statistik. Da kommen der Kurs und die Dividenden so richtig ins Rollen. Der Schneeball eben.

    @ Reinhard
    Genau! Wenn ich mir als Anleger Ein-Wochen- oder Ein-Monats-Charts anschaue, hilft mir das nicht weiter. Da spielen einfach zu viele Zufälle rein. Am besten sind solche Langfristcharts über mehrere Jahrzehnte hinweg. Nur so kann ich erst die gewaltige Dynamik erkennen. Alles andere ist Unfug.

  5. Frank

    Hallo,
    schön daß buy and hold wieder mehr Anhänger findet.
    Das Schöne ist für mich daß es viele Companys gibt mit denen man diesen Anlagestil verfolgen kann, noch wichtiger ist daß es von diesen auch immer einige gibt die eine Underperformance aufweisen und man damit mit etwas Glück auch beim Einstiegszeitpunkt richtig liegen kann.
    Frank

  6. Ulf Cihak

    Könnten Sie bitte kurz darstellen, wie sich Dividenden für einen Aktienfonds bzw. einen Aktien-ETF auswirken ?
    Fließen die „in den Topf“ ?
    Erhöhen sie den Wert des Fonds ?
    Ist es richtig, daß die Aktienerlöse eines Aktienfonds normalerweise automatisch wiederangelegt werden ?

    Danke schön für die Aufklärung.

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Frank
    Ich glaube die Zeit zum Aktienkauf ist super. Denn die Masse ist noch nicht zurück an der Börse. Die Meute hortet Cash, Gold, Anleihen usw. Von Aktien will niemand etwas wissen. Das ist immer ein gutes Zeichen.

    @Ulf Cihak
    Jeder Aktionär erhält in der Regel die Dividende. Auch ein Aktienfonds. Bei den ETFs werden die Dividenden (soweit ich das vermute) eingerechnet.

    Ein ETF kann teilweise synthetisch aufgebaut sein, das heißt, das Vehikel muss in Nordamerika nicht 100 Prozent die reellen Werte nachbilden. Aber das hängt vom Konstrukt ab und vom Anbieter. Am besten schauen Sie sich den Einzelfall an. Es gibt Gold-ETFs, die haben nur einen kleinen Teil des Konstrukts mit echtem Gold unterfüttert.

    Vielleicht kennt sich hier jemand besser aus mit den ETFs?

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