Der tägliche TV-Unsinn


New York, 15. August 2014

Wir werden täglich mit zu vielen Informationen bombardiert. An einem typischen Tag nehmen wir zu viel Datenmüll auf. Die tägliche Datenmenge würde 174 Zeitungen füllen. Irre. TV, Magazine, Internet, Radio, Facebook, Twitter usw. Es ist zu viel geworden. Das menschliche Gehirn kann die Datenflut nicht mehr richtig verarbeiten. Wir schauen im Schnitt vier bis fünf Stunden täglich TV. Allein das ist ein Wahnsinn.

 

Als Anleger besteht die Gefahr, zu schell aktiv zu werden. In der Ruhe liegt dagegen die Kraft an der Börse.

 

Müssen wir wissen, wie ein Quartal eines Unternehmens verlaufen ist? Welchen Informationsgehalt hat eine tägliche Kursschwankung? Was sagen uns die neuesten Inflationsdaten, was der Goldpreis, was der DAX-Stand? Es wird viel Unfug jeden Tag verbreitet. Niemand weiß, wo der DAX in einem Jahren stehen wird. Trotzdem fabulieren darüber „Experten“ das ganze Jahr lang. Die Kommentare jeden Tag warum der DAX oder Dow Jones gerade rauf oder runter saust, sind nervtötend. Merken die Zuschauer nicht, dass sie an der Nase herumgeführt werden? An dem einen Tag marschieren die Kurse rauf, am anderen Tag runter. Was soll da groß interpretiert werden?

 

2010 drehte Jeff Macke live im TV völlig durch angesichts der dämlichen Fragen des Reporters. Niemand weiß nichts. „Ich habe keine Ahnung“, schimpfte Macke. „Diese Leute sind Idioten.“ „Ich lehne dieses dämliche Spiel ab“, Prognosen abzugeben, polterte er. Er verglich das Börsen-Gewäsch mit dem Gerede eines Autohändlers.

 

Das Witzige an der TV-Schalte war, dass die anderen „Experten“ munter in die Kristallkugel blickten. Es ist so, als ob Sie jemanden aus der Hand lesen würden. Wer glaubt diese alltäglichen Börsenprognosen im Fernsehen? Ich nicht. Auch die Krisenpropheten, die gebetsmühlenartig seit Jahrzehnten vor dem nächsten Crash warnen, reden dummes Zeug. Es ist die reinste Zeitverschwendung.

 

Hier schauen Sie sich selbst Macke im Börsensender CNBC an:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der tägliche TV-Unsinn

  1. Geld schläft nicht - Blog

    Also vier bis fünf Stunden Fernsehen am Tag finde ich schon ordentlich. Da komme ich auf jeden Fall nicht hin. Aber was du über die Datenflut sagst stimmt natürlich. Alleine was ich täglich an Werbung im Radio höre (ich fahre eine halbe Stunde mit dem Auto zur Arbeit und eine halbe Stunde wieder zurück) ist Wahnsinn. Und in der Arbeit lese ich pro Tag auch unzähliche DIN A4 Seiten Text. Von Excel-Tabellen ganz zu schweigen…

  2. StefanStefan

    Ich komme auch garantiert nicht auf diese TV Zeiten! Ich finde, dass das angebotene Programm immer schlimmer wird. Auch in den öffentlich-rechtlichen. Die eifern den privaten nach und bringen auch immer mehr Schrott.

    Ich frag mich wer Big Brother schaut! Wenn ich die Titten von Mia Magma sehen will geh ich doch einfach auf youporn.com…  🙂

  3. Mario

    Wir haben seit der Umstellung des analogen auf das digitale Fernsehen im Jahr ???? keinen Fernseher mehr. Natürlich schauen wir mal eine Fußball WM im Vereinsraum oder im Urlaub. Jedoch gehen viele Ereignisse einfach an einen vorbei. Vor allem die Katastrophen sind nicht so präsent.

    In der Zeitung kann ich mir auswählen welchen Artikel ich lesen möchte. Das Leben geht auch so weiter. Hatte ich am Anfang nicht so gedacht.

    Schönes WE
    Mario

  4. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Wenn jemand mit dem Medium TV nicht sinnvoll umgehen kann, dann ist das halt wie mit hemmungslosem Essen, Trinken, Rauchen usw. Entweder man ist erwachsen genug,mit sich selbst verantwortlich umzugehen, oder man ist es eben nicht. Nur weil man selbst unfähig ist, darf man es nicht auf die "böse" Beeinflussung von außen schieben. Es gibt einen Aus-Schalter an der Fernbedienung, und Programmübersichten, nach denen man sich Sendungen aussuchen kann. Dies für alle die meinen, dass man dem TV hilflos ausgeliefert sei. 😉

    Es gibt sehr gute Sendungen, auf die ich sehr ungern verzichten würde, und die unbezweifelbar bildenden Wert haben. Gerade heute mal wieder die Sendung über die Wasservermarktung von Nestle: future.arte.tv/de/wasser. Auch kulturelle Sendungen natürlich. Auch gibt es ab und zu auch mal tiefgründige Diskussionen. Heute kam ja Nachricht vom Tod Scholl-Latours, den habe ich auch immer sehr gern gesehen. Auch sehenswerte Filme sind mir immer eine Bereicherung. Aber jeder muss halt für sich selbst entscheiden. Nur pseudointellektuelle Dünkel gehen mir ziemlich auf den Senkel. Nun ja, was solls…

    MS

     

  5. MartinMartin

    @Tim

    "Merken die Zuschauer nicht, dass sie an der Nase herumgeführt werden?"

    Deine Offenheit ist erfrischend. Du arbeitest selber in der Branche, die "Leute an der Nase rumführt" und Du weisst, dass es sich gut verkaufen lässt.

    There is no business like show business, right?

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Martin

    Nun. Ich schreibe nur, wovon ich überzeugt bin. Und ich denke, die ganz große Mehrheit der Journalisten macht das.

    Beim Börsenfernsehen sehe ich insbesondere in den USA die Gefahr, dass es hier nur um kurzfristige Trends und Einschätzungen geht. Irgendwie ist das so, als ob alle in eine Kristallkugel schauen. 

    Bloomberg TV ist besser gemacht, finde ich. Sie haben nicht mehr den Ticker-Streifen, der alle Sekunde neue Kurse einblendet. Die Redaktion hat einen anderen Stil, der mir besser gefällt.

  7. Couponschneider

    Wer schaut denn so viel fern? Vier bis fünf Stunden täglich? Wahnsinn. Ich habe mal eine Statistik ergoogled: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/118/umfrage/fernsehkonsum-entwicklung-der-sehdauer-seit-1997/

    Ich kann eigentlich kaum glauben, dass die Sehdauer hoch- statt runterging. Das widerspricht meinen gemachten Erfahrungen. Ich erinnere mich, dass ich um die Jahrtausendwende recht viel fernsah, aber dann häufig Dokumentationen, Reportagen und Politikformate. Ich schäme mich nicht dafür, weil es nicht nur billige Unterhaltung war. Fan von Harald Schmidt wurde ich auch. Das war ein Unterhaltungsformat, aber auch bildend, wenn Schmidtchen beispielsweise König Ödipus mit Playmobil nachstellte.

    Mein Fernsehkonsum sank mit Studienbeginn aber drastisch aus unterschiedlichen Gründen. Kommilitonen schauten auch kaum fern. Heute sehe ich ca. 3 Stunden pro Woche fern. Die Fußball-WM war die große Ausnahme. Das Interesse am Fernsehen hat aber auch Verwandten und Bekannten nachgelassen.

    Was ich häufig feststelle: Fernsehen hat sich zum Nebenbei-Medium entwickelt. Der Fernseher läuft nebenbei. Mir ist das nichts, denn wenn ich etwas sehe möchte, darf niemand dazwischenquatschen, denn jedes Wort und jede Szene gilt. Im Theater macht man schließlich auch das Telefon aus. Fernsehen kann, wenn man eine gute Sendung intensiv verfolgt, eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Medien sein. Verteufeln möchte ich es nicht.

  8. BabbelsackBabbelsack

    @Tim

    Kann es sein, dass die meisten Medien, die über jede Daxbewegung berichten eher auf Trader und "Profis" ausgerichtet sind? Oder das zumindest so vorgaukeln.

    Warum braucht es die Börse vor 8 auf ARD? Welchen Mehrwert hat der Zuschauer, besonders weil der Daxstand immer mit der Wirtschaftslage in Verbindung gebracht wird?

    Der Aktienkultur würde es gut tun, wenn es nur 1mal die Woche oder vielleicht sogar 1mal im Monat eine Info über den aktuellen Stand gäbe.

    So sollte man als Anleger selber die Disziplin haben, sein Depot nicht jeden Tag zu checken. Warum auch?

  9. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Babbelsack

    Stimmt. Die Medien versuchen uns Kursänderungen mit täglichen Fakten zu erklären. Aber die Zusammenhänge passen nicht so einfach zusammen. Wenn eine Aktie fällt, gibt es einfach mehr Verkäufer als Käufer. Man müsste dann die Verkäufer fragen, warum sie verkauft haben.

    Für einen Langfristanleger sind diese täglichen Sendungen Unsinn. Sie lenken von der großen Richtung, vom Langfristtrend ab. Wenn ich eine BASF, Berkshire, Exxon oder Nestle 25 Jahre lang besitzen möchte, brauche ich nicht täglich die Kommentare dazu hören. 

  10. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    "Wenn eine Aktie fällt, gibt es einfach mehr Verkäufer als Käufer. Man müsste dann die Verkäufer fragen, warum sie verkauft haben."

    Ich denke, es sind schon (indirekt) die Nachrichten. Denn mittlerweile werden alle News der Agenturen von Maschinen abgegrast, bevor man sie mitbekommt. Die Programme werten alles aus, und errechnen die wahrscheinlichsten Auswirkungen auf die Märkte, bzw. werden zu Ursachen. Zeitgleich werden dann automatisierte Handelsorders blitzartig ausgelöst, die dann noch sich verstärkende Wirkungen haben. Also; der Verkauf löst den Verkauf aus, der den Verkauf auslöst… und umgekehrt.

    Die wenigsten Orders sind von realen Menschen aufgegeben. 2012 sollen die Automatenorders laut ZeroHedge schon mal über 80% des Handelsgeschehens ausgemacht haben: -> http://goo.gl/ExyJ2f

    Das sieht man ja oft an den nahezu identisch verlaufenden Charts von S&P, Dow und Nasdaq. Das könnte so eigentlich nicht sein. 

    Mittlerweile liest man zwar, dass das zurück geht auf geschätzt "nur" noch ca. 50% des Volumens, aber wahrscheinlich nur, weil die hohen Kosten der technischen Aufrüstung wie HFT-Kabel, jeder Meter näher zum Börsenserver wird erkämpft, Mikrowellenmasten usw. einfach die Gewinne zu mühsam machen? Kaum Millionen ausgegeben für den Zugang, schon hat jemand anders wieder die Nase um Nanos vorn.

    MS

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