Der Königsweg ist die Dividende


New York, 3. September 2012

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Lieber Leser,
mir geht es in diesem Blog in erster Linie darum, Ihnen das Value Investing nach dem Erfolgsrezept von Warren Buffett zu erklären. Wenn Sie sich die Strategie von Buffett anschauen, ist das Herzstück in seinem Depot die Dividende. Dank der üppigen Ausschüttungen seiner Lieblingsunternehmen erhält er stetig Geldzuflüsse, die er für neue Aktienkäufe verwenden kann.
Aus diesem Grund sollten Sie sich auf die Dividenden in Ihrem Depot fokussieren. Am besten werden Sie in den großen Indizes fündig, also im S&P-500, Dow Jones, DAX, MDAX und so weiter. Dort sind massenweise herrliche Dividendentitel.
Im Endeffekt funktioniert die Börse seit hunderten von Jahren auf Basis der Dividenden, Cashzuflüsse, Gewinne. Zu glauben, die Dividende sei ein Modethema, ist absurd. 40 Prozent der Gesamtperformance geht zurück auf die Dividende. Auf die Kurssteigerung entfällt ca. 60 Prozent.
Das Problem der Privatanleger ist, sie unterschätzen die optisch kleinen Dividenden. Ein weiteres Problem der Anleger ist, dass sie die alten Dickschiffe nicht sexy genug finden. Sie sind eher entzückt über eine Biotech-Bude, die in der Phase II der klinischen Erprobung einen Wirkstoffkandidaten testet. Ein Schatzsucher, der ein Kupfervorkommen aufspüren möchte, weckt ihr Interesse mehr als ein 150 Jahre alter Hersteller von Lebensmitteln. Eine junge Technologiefirma, die eine bahnbrechende Spracherkennungs- und Übersetzungssoftware entwickelt, ist für die Masse aufregender als ein Ölproduzent wie Exxon oder Chevron. Innovationen regen die Menschen auf, Internetstars wie Facebook entzücken sie. Dabei haben die meisten Pioniere im Rückblick nie das große Geld verdient. Sondern es vergehen oft viele Jahre bis zum Durchbruch. Irgendwann kommt die Konkurrenz auf den Geschmack und entwickelt eine bessere Lösung.
Folglich ist es ratsam sich auf die gute, alte Hausmannskost, sprich die profitablen Großkonzerne zu konzentrieren. So geht jedenfalls Warren Buffett vor. Die meisten Profianleger übrigens auch. Es mag langweilig erscheinen, aber es handelt sich meiner Meinung nach um die profitabelste Strategie.
Warum uns Banken sehr spekulative Instrumente empfehlen, leuchtet mir aus Anlegersicht nicht ein. Zum einen sind die Gebühren ziemlich hoch, zum anderen ist das Chance-Risiko-Verhältnis für mich nicht gut genug. Ich wundere mich immer wieder, warum uns Berater sehr riskante Produkte andrehen möchten. Es weckt das Gefühl in uns, dass wir viel Geld in kurzer Zeit verdienen können. Es handelt sich jedoch um eine Illusion. Jedenfalls ist das Risiko gleichzeitig enorm, einen Verlust zu erleiden. Der Trader leidet unter einer Selbstüberschätzung – das behaupten jedenfalls diese beiden US-Wissenschaftler in dieser Kurzstudie (PDF).
Ein Anleger kann ja durchaus ein paar Pennystocks, Optionsscheine oder Schatzsucher dem Depot beimischen, nur sollten Sie sich des Risikos bewusst sein. Ein Trick kann Ihnen hierbei helfen: Statt auf einen Explorer können Sie beispielsweise auf einen profitablen Bergbauer setzen, das senkt das Risiko. Statt einen Wirkstoffforscher zu kaufen, können Sie auf ein etabliertes Pharmaunternehmen (mit Labor) ausweichen.
Wenn Sie zum Ernährungsberater gehen, empfiehlt der Ihnen doch hoffentlich, auf gesunde Mahlzeiten sowie das Gewicht zu achten, Sport zu machen. Der Berater sagt Ihnen sicherlich nicht: „Essen Sie ruhig so viel Zucker und Fett wie Sie möchten. Sport brauchen Sie keinen zu machen. Wenn Sie dick werden – alles kein Problem. Dafür gibt es ja die Abnehmpillen.“ Aber so ähnlich scheint sich manch ein Broker beziehungsweise Bankberater zu verhalten.
Optionsscheine, Währungstrades und andere spekulative Produkte lohnen sich nach meinem Dafürhalten nicht wirklich, in der Summe verlieren die Trader. Natürlich gibt es einzelne, die extrem erfolgreich damit sind. Aber die sind die Ausnahme. Es gibt Finanz-Instrumente, die machen auf individueller Basis Sinn. Insofern lehne ich nicht alle Produkte kategorisch ab, rate jedoch zur Vorsicht.
Ich persönlich setze lieber auf Altbewährtes: Direkter Aktienbesitz mit Schwerpunkt auf den Gewinn, das Cash, die Dividende. Ich denke wie ein Unternehmer – nicht wie ein Spekulant.
Ich schildere Ihnen jetzt mal ein Beispiel: Ein Verwandter von mir besitzt in der Nähe von Stuttgart ein Hotel mitsamt einem Restaurant. Er hat das Gewerbe für eine Million Euro gekauft (ich schätze das jetzt mal). Wenn nun ein Kaufinteressent einen Monat nach dem Deal gekommen wäre und meinem Verwandten 1,2 Millionen Euro geboten hätte, hätte der das abgelehnt. Obwohl er also in vier Wochen 200.000 Euro hätte verdienen können, wäre er auf den Deal nicht eingegangen (ich klammere die Nebenkosten wie Notar, Grunderwerbsteuer, Grundbuchamt aus). Warum wäre er auf die Offerte nicht eingegangen? Ganz einfach, weil er einen langfristigen Plan vor Augen hat. Ihm geht es nicht um das schnelle Geld. Es soll Spass machen, der Betrieb soll langfristig einen gesunden Cash Flow für ihn abwerfen. Über die Jahre hinweg einen Überschuss zu verdienen, macht für ihn mehr Sinn – als die „schnelle Marie“. Die 160.000 Euro Überschuss, die das Hotel abwirft, kann er jedes Jahr reinvestieren, er kann die Zimmer renovieren, er kann das Restaurant ausbauen, er kann die Zimmerpreise erhöhen. Das Beispiel soll Ihnen zeigen, dass es Geschäftsleuten wie Buffett um den langfristigen Cashzufluss geht. Und nicht um schnelle Trades, weil die sich nicht mit großer Sicherheit wiederholen lassen.
Der Geschäftspartner von Buffett, Charlie Munger, hat einmal gesagt: „Du machst kein Geld, wenn du Aktien kaufst. Du machst kein Geld, wenn Du Aktien verkaufst. Du verdienst Geld, wenn Du abwartest.“
Achten Sie auf das Risiko. Die großen, alten Schlachtschiffe im DAX überstehen in der Regel jeden Sturm. Forschungsbuden haben dagegen mit allerlei Existenzsorgen zu kämpfen. Ein stetiger Fluss an Dividenden (über Jahrzehnte hinweg) zeigt Ihnen im Endeffekt mit hoher Wahrscheinlichkeit: Sie haben das Risiko unter Kontrolle. Nach unten sind Sie gut abgesichert. Es handelt sich um einen Sicherheitsanker. Buffett achtet auf ein extrem niedriges Risiko und einen möglichst hohen Return. Die Rendite rangiert auf Buffetts Prioritätenliste an zweiter Stelle, das Risiko an erster.
Am besten schauen Sie sich die Dividenden-Aristokraten an. Die Aristokraten sind diejenigen Unternehmen aus dem S&P-500-Index, die 25 Jahre lang ihre Dividende in Folge angehoben haben. Hier finden Sie ziemlich viele Perlen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Königsweg ist die Dividende

  1. Alex

    Ich seh das im Moment etwas anders… natürlich ist das was im text steht richtig, jedoch haben sich value investoren so sehr auf diese „unsexy“ Unternehmen versteift, dass sie sich gar nicht trauen in andere richtungen zu blicken…
    wie ein Mantra wird ständig vorgebetet: wir kaufen langweilige Haushaltsunternehmen weil nur diese versprechen value… technologie ist böse. nestle zu KGV von 20 ist value!

    natürlich sind diese unternehmen super, haben eine marktbeherschende stellung und und und…

    Vielleicht hat Dell, die Firma die seit über 25 Jahren Computer verkauft, ja ein besseres Chancen/Risiko-Verhältniss als die üblichen Value-Investor-Ziele…
    Vielleicht ist Cisco nicht mehr das überbewertete Zukunftsunternehmen sondern einfach der größte hersteller einer Massenwahre (Ähnlich wie Gilette, es gibt noch mehr Moats als Markennamen)
    Vielleicht ist Google bei gleichem KGV ein besserer Kauf als P&G?

    Tweedy, Brown hat vor kurzem Cisco und Siemens gekauft, Warren hat IBM gekauft… bereits entwickelte Technologie Unternehmen sind freigegeben…

    Momentan laufen ja alle an der Börse in die sicheren Häfen … und sind Valueinvestoren nicht immer gegen die Massen geschwommen?

  2. Alex

    Dazu fällt mir gerade ein:

    In meiner Kopie von Grahams „Intelligent Investieren“ steht in einem Komentar von Jason Zweig über die dot.com-blase sinngemäß etwas wie:

    Die gleichen Leute die vorher Internetunternehmen zu überhöhten KGVs gekauft haben flüchteten nun verängstlicht in vermeindlich sichere Versorger und kauften diese zu teueren Preisen

  3. StefanStefan

    Hi Tim!

    Guter Artikel. Dividenden Aristokraten sind mit Sicherheit ein sehr sehr guter Start um sich Unternehmen auszusuchen. Beim Durchschauen der Liste fällt auch auf, dass Buffett an etlichen Unternehmen aus dieser Liste Anteile hält.

    Gibt es denn eine vergleichbare Liste mit europäischen Titeln?

    Nur rein US-Titel zu kaufen…man hat dann halt zusätzlich das volle Währungsrisiko.

    Es muss doch in Europa auch Unternehmen geben, die seit 25 und mehr Jahren jedes Jahr die Dividende anheben?!

    Gruss

  4. Michael C. Kissig

    Prima Artikel, Tim, kann man als „Augenöffner“ bezeichnen!

    Dividenden sind wesentliche Bestandteile der Gesamtperformance eines Investments und natürlich sehen kurzfristige Spekulanten und/oder Anhänger der Chartanalyse in ihnen ein antiquiertes Element, das in etwa so nützlich ist, wie ein zweiter Blinddarm.

    In einem gut sorterten langfristigen Depot sollten solide, große Dividendentitel die Basis bilden, möglichst solche, die man nicht öfter umschichten muss. Die Amis sind mir dabei lieb(er), weil sie oft Quartalsdividenden ausschütten und daher mehrmals im Jahr Geld zurückfließt und nicht einnalig ein großer Abschlag erfolgt – der bisweilen verherend sein kann, was die technische Analyse betrifft. Denn ein Dividendenabschlag von 8% ist nunmal technisch gesehen ein schwerer Rücksetzer und kann schon zu (ungewllten) weiteren Verwerfungen im Kurs führen. Der Hinkefuß an den Amis ist das – hier bereits erwähnte – Währungsrisiko.

    Eine Anmerkung noch zu Alex: ein Konsumgüterwert mit einem KGV von 20 ist wohl kaum als günstig zu bezeichnen und wen man dort jetzt einsteigt, dann mit erhöhtem Kursrisiko. Andererseits hast Du Recht, dass es inzwischen viele solide Techwerte gibt, deren Geschäftsmodell erporbt ist und die stetige Renditen abwerfen – und daher auch für Valuinvestoren interessant sien können. Cisco hast Du ja schon genannt, den Wert habe ich vor einigen Wochen selbst gekauft wegen der niedrigen Bewertung (z.B. einstelliges KGV), der Dividende und der nachhaltigen Ertragslage. Eine attraktive Bewertung ist allemal eher ein Kaufgrund als eine langweilige Branche. 😉

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Alex

    Ich glaube, wir liegen gar nicht so weit auseinander.

    Ich habe ja nicht Technologie-Aktien verdammt. Ich rate jedoch zur Vorsicht bei Tech-Würstchenbuden, die nur forschen, kein Geld verdienen und nix ausschütten.

    Microsoft war eine beispielsweise eine der besten Aktien weltweit. Wer seit dem Börsengang im Jahr 1986 die Aktie gehalten hat, konnte 35.000 % Rendite erzielen. Wahnsinn! Mit anderen Worten: Wer 10.000 Euro investierte, kann sich heute über 3,5 Millionen Euro freuen.

    Deine Angaben zu Nestle stimmen nicht. Das KGV beträgt nicht 20, sondern ca. 18. Die Dividendenrendite ist mit 3,5% ziemlich schmackhaft. Übrigens habe ich Nestle in dem Beitrag gar nicht erwähnt.

    Cisco finde ich spannend: KGV um 12 oder 13. Dividendenrendite 2,9%. Keine Schulden. 30 Milliarden Dollar Cash.

    Dell kann ich persönlich nicht einschätzen. Keine Ahnung. Die einen sagen spottbillig und Value pur. Die anderen behaupten, es handele sich um einen Sanierungsfall. Immerhin hat Dell keine Schulden, 3 Milliarden Dollar in der Kasse.

    Siemens finde ich auch spannend. Das Konglomerat gibt es ja schon seit dem Jahr 1847. KGV 15, Dividende 3%. Ist also auch Hausmannskost.

    IBM zahlt seit dem Jahr 1913 Dividende. Insofern auch keine Neugründung, sondern Hausmannskost in meinen Augen.

    Viele Grüße
    Tim

  6. Alex

    @Tim
    Gerade musste ich wieder an deinen Blog denken.
    Ich öffne finanzen.net und die Top-News ist:
    „…US-Autoabsatz steigt um 20%…“
    Hat Warren wieder mal recht gehabt? Mit GM?
    Ich wollte auf dieser Welle nicht mitschwimmen und wie (fast) immer sieht es nun so aus als ob er wieder mal recht behalten wird 😉
    Soviel zum Thema, wenn Buffet was kauft und man ist anderer Meinung…

    Nestle war nur ein Beispiel für eine hochqualitative Aktie die mir als Geizkragen momentan etwas zu teuer ist 😉

    Aber ich weiß, dass wir ähnlich ticken… du hast hier ja mal SAP empfohlen/erwähnt… ist ähnlich wie IBM…(ist ja auch aus IBM „geboren“ worden :D)
    Wenn ein großer Konzern seine ganze interne Organisation, Lagerverwaltung, Abrechnung, Kassenverwaltung auf ein SAP-System gestellt hat und alle Bürodamen und Herren darauf geschult sind, ist ein Wechsel schon schwer vorzustellen.

    @Michael
    Ich hab deinen Blogpost bezüglich Cisco schon verfolgt… wünsche dir viel Spaß mit deiner Errungenschaft; im gleichen Boot zu sitzen wie Tweedy,Brown ist sicher nicht das schlechteste 🙂
    Ich denke war ein guter Einstiegspunkt in ein tolles Unternehmen!

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