Der Fisch stinkt vom Kopf her


New York, 12. August 2012

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Wenn Sie sich auf dem deutschen Kurszettel umschauen, schneiden Konzerne mit einem historischen Familienanteil phantastisch ab. Mir gefallen jedenfalls die Familien-Imperien am besten. Gerhard Weber hätte längst in Rente gehen können. Doch er führt seine Modefirma Gerry Weber weiter. Der Erfolg gibt ihm Recht.
Ähnlich ist das beim Brillen-Giganten Fielmann. Gründer Günther Fielmann besitzt mehr als 70 Prozent der Anteile (inklusive einiger Stiftungen, die in seinem Einflussbereich liegen). Und obwohl er 72 Jahre alt ist, steuert er den Marktführer. Schauen Sie sich den Fielmann-Kurs oder den Chart von Gerry Weber an. Einfach blitzsauber!
Oder nehmen Sie BMW. Hier haben die Familien Quandt und Klatten die Oberhand. Allerdings haben sie externe Vorstände beauftragt, ihren Autohersteller zu führen. Mit der Familie im Hintergrund an den Schalthebeln werden keine verrückten Deals gemacht, keine verrückten Pläne umgesetzt. Denken Sie an Henkel, Volkswagen, Samsung, Wal-Mart oder SAP – das sind ebenfalls exzellente Konzerne mit den Gründern (oder Nachfahren) im Hintergrund und einem externen Management.
Bauchschmerzen bekommen ich, wenn externe Vorstände an Bord sind und kein starker Großaktionär oder Familie die Geschicke kontrolliert. Dann steckt sich oftmals die Führungsspitze die Taschen voll und macht verrückte Deals. Sie kassieren üppige Gehälter, schanzen sich Optionen gegenseitig zu. Und nehmen andere „Vorteile“ in Anspruch. So kassierte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein über eine halbe Milliarde Dollar in seiner Zeit bei der Investmentbank. Das ist ziemlich viel, wenn ich mir den schlechten Zustand der New Yorker Bank anschaue.
Bei solchen Managern kann man den Eindruck gewinnen, dass es ihnen Wurst ist, was langfristig aus der Firma wird. Hauptsache sie kriegen genug Geld, solange sie an der Spitze sind. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Selbst wenn der Konzern in Probleme geraten sollte, scheint es ihnen egal zu sein, schließlich ist nicht ihr Privatvermögen davon betroffen. Ich muss hinzufügen: Wie Lloyd Blankfein tickt, kann ich nicht beurteilen. Ich vermute mal das beste und unterstelle, er hat ein langfristig starkes Interesse am Wohlergehen von Goldman. Ich finde nur: Sein Gehalt ist astronomisch. Das lässt sich nicht begründen. Da ist eine Diskrepanz zwischen den Interessen der Aktionäre und der Führung entstanden.
Manchmal habe ich das Gefühl, manch ein Vorstand denkt sich: „Nach mir die Sintflut!“
In den USA finden Sie etliche Dickschiffe mit den Gründern auf der Kommandobrücke: Starbucks, Google, Oracle, Whole Foods, Berkshire Hathaway, News Corp. usw. Diesen Menschen geht es eben nicht in erster Linie darum, ihr Gehalt zu maximieren. Viel wichtiger ist ihnen eine erfolgreiche Organisation aufzubauen. Der Kunde ist hier König. Sie bauen ihr Leben lang ein Unternehmen auf und lassen es nicht wie eine heiße Kartoffel fallen.
Fazit: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Den Typ auf dem Foto mit dem roten Plastikdeckel auf dem Kopf fotografierte ich in Toronto.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Fisch stinkt vom Kopf her

  1. Ulrich

    Ja, es ist wirklich ein Graus was manche Vorstände langfristig ihrer Firma und der Marke antun.

    Allerdings sehe ich hier auch die Aktionäre in der Pflicht und kann es oft nicht nachempfingen was größere Aktionäre hier oft zulassen. Die kurzfristigkeit im Handeln kann doch nicht in deren Interesse sein…

  2. Frank

    Hallo,
    wenn sich Firmenlenker großzügig selbst bedienen, dann fehlt ein kritischer Aufsichtsrat. Als Kleinanleger beteilige ich mich nicht an solchen Firmen.Mehr kann man nicht tun denke ich.
    Frank

  3. Jack

    Bezüglich Aktionäre und deren Einfluss

    Mein Depot besteht zu 100% aus iShare ETF´s. Das bedeuted Blackrock hat die Stimmrechte für „meine“ Aktien.

    Weis einer von euch wie der Kurs bezüglich Einflussnahme von Blackrock ist?

    In diesem Artikel:
    http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/aktionaere-die-heimliche-macht-der-fonds/6088556.html

    Steht das die Vertretung auf HV´s meist durch Unternehmen durch geführt wird (bei Blackrock die Frima ISS) und laut Blackrock im Interesse der Anleger gehandelt wird.

    Doch was genau heißt das in der Praxis?

    Eine sehr spezielle Frage doch findet man darüber im Internet kaum etwas obwohl es wie ich finde sehr wichtig ist!

  4. Tim

    @ Jack

    Ich glaube die meisten großen Vermögensverwalter und Fonds sind passive Investoren. D.h. sie mischen sich selten bzw. gar nicht ein. Bei Blackrock ist das vermutlich ähnlich. Eventuell weiss jemand hier im Blog mehr…bitte melden.
    VG

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