Der Dieb im Supermarkt


New York, 9. Januar 2009

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Gestern beobachtete ich einen Diebstahl im Supermarkt „Western Beef“. Ein Kunde steckte sich ein Stück Parmesankäse in seine Jackentasche. Die Rezession hinterlässt überall ihre Spuren. Wo ich wohne, ist ein Tante-Emma-Laden am Eck. Den ganzen Laden haben vorgestern Arbeiter geräumt und den ganzen Krempel in Container geworfen. Mit dabei waren drei Polizisten. Ich vermute, dass der Mieter nicht pünktlich zahlte und das dies eine Zwangsräumung war.
Über 4,6 Millionen Menschen bezogen per Ende Dezember Arbeitslosengeld in den USA. Eine Horrorzahl. Es werden immer mehr. 476.000 beantragten in der ersten Januarwoche Arbeitslosengeld. Vor einem Jahr füllten in der Auftaktwoche lediglich 330.000 Jobsuchende die Formulare aus. Das zeigt, dass es immer schwieriger wird, neue Arbeitsplätze zu finden. Wer rausfliegt, hat nur geringe Chancen kurzfristig fündig zu werden. Laut Forbes bauten die 500 größten US-Konzerne 217.453 Jobs binnen Jahresfrist ab.
Der Aktienmarkt hat böse Einbussen erlitten. Die Krise steckt in den Kursen. Ich halte es für nicht sehr clever, jetzt noch zu verkaufen auf dem niedrigen Niveau. Die Menschen verlieren einfach die Nerven und räumen ihr Depot gnadenlos leer. Es ist die beste Zeit, kontinuierlich Aktien einzusammeln. Natürlich nur mit Geld, dass man auf absehbare Zeit nicht benötigen. Ich glaube, dass es sich auszahlt, genau das Gegenteil zu tun, was die Masse macht. Als alle in den Jahren 1999 und 2000 Internetbuden kauften, wäre es smart gewesen, dem Wahnsinn fern zu bleiben. So brachte die Internetfirma AOL 200 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage. Es war eine Manie. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für AOL betrug 700. Sprich, Sie hätten 700 Jahre warten müssen, bis Sie Ihr Investment zurückverdient hätten. Ein Wahnsinn! Hätte das Kurs-Gewinn-Verhältnis -sagen wir mal vertretbare 30 betragen, was noch immer sehr ambitioniert ist, so hätte AOL 6,7 Milliarden Dollar netto verdienen müssen. So viel Geld hat damals nur General Electric an Land gezogen.
Alle rannten seinerzeit Aktien verlustreicher Firmen hinterher. Sie sagten, dass diesmal alles anders ist und die Bewertungen gerechtfertigt sind. Alles Quatsch! Es war Luft in Tüten. Die Kurse von Börsenaspiranten schossen am ersten Handelstag in die Höhe, als ob es sich um Gelddruckmaschinen handelte. Wenn neue Technologien entstehen – seinerzeit wuchs das Internet aus seinen Kinderschuhen heraus, dann kommt es oft zu Blasen. Zu einer Manie. Und diese Übertreibungen enden dann immer wieder in einem heftigen Abschwung, wie wir es derzeit am Immobilienmarkt in den USA sehen. Es folgt dann meist eine Übertreibung nach unten. Ich bin der festen Überzeugung, dass in dieser Krise clevere Anleger, wenn Sie gegen den Strom schwimmen, ein Vermögen machen können. Es herrscht in der Tat Panikstimmung. Wenn sich die Konjunktur erholt, dürften sich die Kurse längst erholt haben. In der Regel beginnt die Börse sechs bis zwölf Monate nach oben zu laufen, bevor sich die Wirtschaft erholt.


tim schaefer (Author)

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