Der Berater, mein Problem: Hohe Gebühren, Missmanagement


New York, 23. November 2012

Ich glaube, wenn Sie die Verbraucher fragen würden nach der Zufriedenheit mit ihrer Bank und Versicherung, ist die Mehrheit enttäuscht. Es liegt einfach an der hohen Intransparenz in der Branche. Es gibt zu wenig Klarheit. Was kostet der Berater? Wie verdient der? Wessen Interessen stehen an erster Stelle – die des Kunden oder die des Vermittlers?
In der Branche lauern überall Interessenskonflikte und versteckte Gebühren. Auf den ersten Blick ist das kaum erkennbar.
Wer weiß schon, wie viel Geld der Vermittler einer Riester-, Rürup- oder Kapitallebensversicherung verdient. Was kassiert die Assekuranz über die gesamte Laufzeit? Wer weiß, wie sich die Kosten eines Investmentfonds oder Zertifikats zusammensetzen? Nicht alles ist schlecht, es gibt exzellente Produkte. Nicht jeder Berater ist ein Egoist – doch sollte mehr Licht in das Dunkel der Kosten kommen. Es müsste einen strikten Standard geben: Einfach, verständlich, klar strukturiert. Der Kunde muss wissen, wie viel Provision der Berater nach Vertragsabschluss kassiert. Statt dessen haben wir diesen riesigen Spaghetti-Topf, in dem keiner mehr durchblickt.
AWD- oder MLP-Vertreter, der Mann von der Allianz, der Bankberater, die Comdirect oder DAB Bank – was verdienen die eigentlich? Es ist ein Zoo. Es gibt so viele Tiere (brave und wilde), es gibt die Zoobesucher. Alle laufen frei herum. Aber keiner bringt Ordnung in das Durcheinander. Wo sind die Wärter? Wo sind die Regeln?
Das Verbraucherschutzministerium und die Bafin tanzen nach der Pfeife der Finanzbranche. Zu glauben, der Konsument steht an erster Stelle aller Tätigkeiten der Behörden, der irrt. Im Endeffekt richtet die fehlende Transparenz Schäden an. Es gehen Millionen-, ja Milliardensummen unnötigerweise bei den Kunden verloren. Gerade der „normale Anleger“, insbesondere Senioren, werden Opfer von Provisionsschindern.
Ich fand diesen Erfahrungsbericht aus dem SPIEGEL wirklich erschreckend. Darin schildert ein Journalist, wie seine Mutter von einem Banker zum Zocken motiviert wurde, obwohl sie das immer wieder abgelehnt hat.
Zu hohe Kosten können einen dramatischen Schaden in Ihrem Depot anrichten. Versicherer spielen gerne mit der Angst der Menschen, um ihre Produkte zu vermarkten. Banken verkaufen gerne „Sicherheitsprodukte“, obgleich denen die Chancen fehlen.
Denken Sie immer daran: Es ist Ihr Geld. Also sollten Sie wissen, was ein Service, eine Beratung, ein Produkt exakt kostet. Rat durch einen Profi ist nicht per se schlecht. Im Gegenteil. Es dürfte eine große Hilfe für die meisten sein, einen Profi zu haben. Die Crux ist, den richtigen zu finden. Wie das in allen Bereichen des Lebens ist: Es gibt gute und es gibt schlechte Berater.
Wenn Sie zu einem Architekten, Rechtsanwalt oder Arzt gehen, bekommen Sie nach der Beratung (Auftrag) eine Rechnung direkt vom Profi. Sie sehen den Gesamtrechnungsbetrag, den Sie zu bezahlen haben. Da fließen keine Provisionen hinter Ihrem Rücken hin und her. Wenn das der Fall wäre, würden sie das wohl als schäbig empfinden. Wenn etwa der Architekt still und heimlich vom Baustofflieferanten Geldgeschenke für den Auftrag erhält, wäre das nicht fair. Das ist in der Finanzbranche Usus. (Dafür bekommen Sie keine Rechnung von der Bank.)
Wie kann der Anleger die Kostenfalle umgehen? Das ist eine schwierige Frage. Eine Überlegung wert sind grundsätzlich kostengünstige ETFs oder Indexfonds. Ebenfalls sind hochsolide Standardaktien, die hohe Dividenden ausschütten, eine gute Basis für Ihr Depot. Die Mehrheit der Anleger scheitert jedoch an sich selbst. Die Anleger reagieren zu emotional, zu hektisch. Das kostet Rendite, kann Vermögen vernichten.
Wer sich in die Materie einarbeitet, der kann sehr wohl Fehler vermeiden und braucht nicht unbedingt die Hilfe eines Profis. Das Internet ist hierbei eine große Hilfe. Do-it-yourself ist in vielen Sektoren ein Trend. Bei Geldangelegenheiten macht das Sinn. Sie sollten sich Zeit nehmen, um sich tief einzuarbeiten.
Fehler sind Teil des Investierens, die machen auch die Profis. Warum wollen Sie jemanden bezahlen, der Ihr Geld verplempert? Oft sind ja die Berater nichts anders als Vertreter, reine Verkäufer, die sich als „unabhängige Berater“ tarnen.
Die Interessen zwischen dem Kunden und dem Verkäufer können konträr verlaufen. Der Berater hat ein Interesse an Aktivität. Dabei wissen wir, dass Aktivität wegen der hohen Kosten (und Emotionen) schädlich sein kann.
Wenn der Markt nach oben läuft, behauptet der Berater: „Schauen Sie, wie ich Sie reicher gemacht habe.“ Wenn der Markt nach unten geht, behauptet er: „Ich habe das beste daraus gemacht. Ich kann nichts machen, wenn die Börse fällt.“
Kein Mensch kann hellsehen, auch ein Profi nicht. Niemand kennt die Zukunft. Es geht letzten Endes nur darum, den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Fangen Sie früh mit dem Lernen an. Beginnen Sie so früh wie nur möglich, zu investieren. Wer eigenständig sein Geld an der Börse anlegen möchte, der sollte meine „Zehn Börsentipps“ beachten.
Ich habe eine Bekannte, die hat etliche 100.000 Dollar angespart. Sie möchte in ein paar Jahren in Rente gehen und hofft, das Ersparte wird Ihr das Leben leichter machen. Schon vor einigen Jahrzehnten hat Sie eine ganz bekannte Vermögensverwaltung beauftragt (ich nenne besser nicht den Namen).
Ach, wenn Sie es unbedingt wissen wollen, ich habe ein kleines Youtube-Video dazu aufgenommen.
Was mich schockiert hat, die schieben ihr Geld von einem Fonds in den nächsten. Die Fonds sind zum Großteil hauseigene. Ihre Aktien drehen sie ebenfalls hin und her. Das kostet meiner Meinung unnötig Gebühren. Ich möchte nicht wissen, wie viel Geld flöten ging in den vergangenen Jahrzehnten mit diesem Unfug. Sie wissen, ich bin kein Fan von hoher Aktivität, sondern ein Befürworter von „Buy and Hold“, eben Kaufen und Liegenlassen.
Alles in allem habe ich kein Patentrezept. Wir können alle nur mehr Transparenz einfordern.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Berater, mein Problem: Hohe Gebühren, Missmanagement

  1. Chris

    Fidelity ist ein Vermögensberater? Mir ist lediglich der Investment-Arm bekannt. Das die auch Wealth-Management machen habe ich noch nie gehört. Aber ist wohl auch besser so.

    Was ich empfehlen kann, wenn man Beratung möchte, ist die Quirin Bank. Die kümmern sich aber auch erst um ein Nettovermögen von 100T€+.

    Viele Grüße, Chris

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Chris,

    ja, Fidelity schiebt auch das Geld hin und her.

    Mir geht es nicht um diese Firma, sondern generell um Interessenkonflikte. Erstens schadet eine hohe Aktivität den Menschen, zweitens zehren Gebühren / Kosten am Vermögen.

    Wenn ein neutraler Berater seine eigenen Produkte massenweise in die Depots der Kunden bucht, habe ich ein Problem damit.

  3. Ulrich

    Ob das Missmanagement immer Abischt ist will nicht mal behaupten, obwohl es natürlich bei den meisten „Beratungen“ darum geht möglichst hohe Provisionen und Aktivität zu erzeugen.

    Der andere Punkt ist, dass eben einfach fast alle der toll ausgedachten Finanzstrategien auf dauern gegen das Buy and Hold versagen. Was ich da alles in amerikanischen Foren lese, da überlegen die sich wie sie eine 40 $ Aktie mit zig Optionsscheinstrageien vielleicht nächstes Jahr für 39$ kriegen. So ein Aufwand und Risiko bei Aktien, die langfristig sowieso gewinnen ???

    Gruß Ulrich

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich

    Oh ja. Die Aktivität nutzt meiner Meinung nach nichts, sie schadet eher.

    Das ständige Rennen nach einer besseren Aktie kostet Geld. Es lauern gewaltige Gefahren in diesem ständigen Hin und Her. Ich glaube, dass ein guter Vermögensverwalter die Aktivität massiv eindämmt und das Depot mit extrem ruhiger Hand führt.

    Ein guter Vermögensverwalter ist für die meisten Anleger ein enormer Vorteil.

    Ich kenne einen Rentner, der hat seine Lebensersparnis von ca. 300.000 Dollar kurz nach dem Beginn seines Ruhestands bei einem Direktbroker verzockt. Nach ein paar Monaten war alles weg. Der Verlust der Ersparnisse hat seine Familie und ihn sehr belastet. Er hat eine schwere Depression bekommen.

  5. Ulrich

    @Tim: Das ist wirklich eine üble Geschichte. Aber wie kann man in dem Alter auf so eine riskante Geschichte setzten?

    Ist wahrscheinlich wie bei Roulette, wenn man da erst mal ans Zurück-Gewinnen-Phase ist 🙁 .

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich

    Ja, der Renter fing an mit Aktien, Währungen usw. zu traden. Jetzt ist er nach einer schweren Depression in psychologischer Behandlung. Die Familie macht ihm Vorwürfe, seitdem die Ersparnisse alle weg sind.

    Es ist ein Traum vom schnellen Geld gewesen. Es mag ein krasser Fall sein. Es mag erfolgreiche Trader geben, aber die sind meiner Meinung nach die Ausnahme. Anleger müssen aufpassen.

    Im Endeffekt ist es ja logisch, dass der Retail-Trader auf lange Sicht gegenüber dem Profi-Trader unterlegen sein muss. So hat der Profi viel geringere Kosten und mehr Kenntnisse vom Markt und seinen Marktteilnehmern. Auch ist der Profi viel schneller. Die Differenz zwischen Bid und Ask ist für den Laien nicht zu unterschätzen. Es ist alles in allem kein faires Spiel. Zumal der Profi viel mehr Kapital hat und dem Laien allein deshalb schon überlegen sein muss (geringere Kosten, mehr Einfluss auf Kurse).

  7. Martin

    Normalerweise müssten die, wenn sie Vermögensverwaltung machen, zumindest die Bestandsprovision der Fonds als Kick-Back gutschreiben. Sonst kassieren die in der Tat doppelt (1% reicht), was in meinen Augen nicht seriös wäre.

    In den USA hat man doch viel bessere Möglichkeiten als in Deutschland. Die ETFs sind wesentlich günstiger und der Aktienhandel ist wesentlich günstiger als bei uns. Dann sind auch noch die Steuern wesentlich geringer. Die können sogar ETFs im Depot beim Anbieter gratis erwerben und umschichten und die TER ist 0,0x%. Ein MSCI World ETF, der in Deutschland zugelassen ist, ist einfach zu teuer im Vergleich. Nur den bräuchte ich wegen der Abgeltungssteuer, da es mir zu aufwendig ist, mich in die Besteuerung von intransparenten ausländischen Fonds einzuarbeiten. Bei den deutschen Fonds geht das automatisch. Insgesamt sind wir in Deutschland für den kleinen Mann bezüglich Aktienanlagen ein Entwicklungsland. Wie lange gibt es z.B. schon Vanguard in den USA mit günstigen Fonds, auch für Privatanleger? Wenn ich mir anschaue, wie hoch die Gebühren bei uns vor 30 Jahren bis das Internet kam noch waren, kann man die Amerikaner da nur umso mehr beneiden. Insgesamt verwundert es dann wenig, dass Gebühren, Steuern und ein minderwertiges Produktangebot die Aktienkultur in Deutschland nicht zum Florieren gebracht haben.

  8. Martin

    Wegen Haftungsfragen ist eine Beratung bezüglich Aktienauswahl, wohl auch etwas heikler geworden.

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