Der arme Tropf von der Schweizer Bank


New York, 13. Dezember 2011

Ich traf vorige Woche einen Banker, Anfang 30. Er sprach über seinen Job bei einem Schweizer Geldhaus in New York. Eines Tages wurde er gefeuert. Da war der indisch-stämmige Immigrant bitter enttäuscht. Was tun? Er hatte 12.000 Dollar auf dem Girokonto schlummern. Er lieh sich also bei seinem Broker das neun-fache Kapital dazu. So hatte er insgesamt um die 120.000 Dollar auf dem Konto.
Wie er an den hohen Hebel (Kredit) kam, ist mir schleierhaft. Sei es drum. Jedenfalls begann er, wild zu Traden. Was passierte, dürfte Ihnen wohl klar sein: Er erlitt Schiffbruch. Nicht nur sein Erspartes war ruck, zuck futsch. Übrig blieb zu allem Übel noch ein fetter Kredit.
Ich wundere mich immer wieder, was für einen Mist selbst hochintelligente Menschen bauen. Solche Anekdoten kann ich Ihnen einige erzählen. Es entspricht der Wahrheit.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Mehrheit der Hobby-Trader Geld verliert. Und zwar nicht wenig. Wer schon das Abenteuer wagen möchte, der sollte doch wenigstens nur sein eigenes Kapital einsetzen. Zusätzlich einen Kredit aufzunehmen, halte ich für einen Irrsinn. Das Risiko ist nämlich enorm. Kein Mensch weiss, was kurzfristig an den Börsen passiert. Solche Geschäfte sind ein reines Glücksspiel. Sie lassen den Zufall über Ihr Vermögen entscheiden und nicht die Vernunft.
Zurück zu dem indischen Banker. Die Geschichte hat ein Happy End. Das Schweizer Institut stellte ihn nach einigen Monaten in der Arbeitslosigkeit wieder ein. Seine Konten sind jetzt im grünen Bereich. Noch einmal gut gegangen.
Ich finde es wirklich super, dass er seinem Umfeld erzählt, was ihm widerfahren ist. Die meisten Menschen können nicht über ihren Schatten springen und offen ihre Misserfolge an der Börse sprechen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der arme Tropf von der Schweizer Bank

  1. willihope

    habe ich jetzt auch gemacht obwohl ich immer dagegen war! bin mit allem was ich habe in aktien investiert und die sind jetzt so unglaublich billig! hatte fast nichts mehr flüssig und dann habe ich in buffets buch gelesen dass er auch am anfang mit bis zu 25% fremdkapital gearbeitet hat. 🙂
    jetzt ist die frage, wie lange braucht die saat? 🙂

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi willihope,

    oh das ist mutig. Sie haben mit einem Kredit Aktien gekauft?

    Ich drücke Ihnen fest die Daumen. Ich persönlich würde nicht auf pump Aktien kaufen. Mir ist das zu brisant.

    Buffett hat immer wieder Phasen erlebt, in denen seine Aktie nach seinem Einstieg weiter eingebrochen sind. Das war so im Oktober 2008, als er nach dem Crash zum Aktienkauf aufrief. Er schrieb für die New York Times einen spannenden Gastbeitrag. Den ich immer und immer wieder lese.

    Anschließend brachen die Kurse weiter ein. Es ging eine ganze Weile abwärts. Buffett hat einfach die Geduld, weil er so felsenfest von seiner Strategie überzeugt ist. Die Zeit gab ihm immer recht. Bislang zumindest. Er ist eben ein Genie.

  3. willihope

    ja vielen dank! es geht schon lange bergab, zumindest bei den finazwerten und versicherungen, ich kaufe immer nach. im unterschied zu buffet habe ich leider kein unbegrenztes konto sondern das gegenteilige problem. 🙂 manche titel halte ich schon seit 2008 und habe bisher gute dividenden bekommen, jetzt ist die zeit aber wo man unbedingt kaufen muss, wenn man die zeit hat die saat reifen zu lassen!

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