Deal, Deals, Deals an der Wall Street


New York, 29. Juli 2014

Vor ein paar Tagen schrieb ich über den Discounter Family Dollar Stores. Es war offenkundig, dass der Einzelhändler mit seinen 8.100 Filialen vor dem Verkauf steht. Die Milliardäre John Paulson, Carl Icahn und Nelson Peltz besaßen fast ein Fünftel des Grundkapitals. Sie drängten auf einen Verkauf.

 

Insbesondere Icahn und Peltz waren richtig sauer. Sie waren sauer auf Vorstandschef Howard Levine, weil der sich heftig wehrte, sein Unternehmen zu verkaufen. Schließlich hatte Levines' Vater den Billigheimer 1959 gegründet. Doch am Ende setzten sich die Großaktionäre durch.

 

Das reiche Trio streicht eine Prämie auf den Kurs von 25 Prozent ein. Manchmal sind Deals ziemlich offenkundig. Natürlich besteht ein kleines Restrisiko – eine Transaktion kann scheitern. Aber hier zeichnete es sich ziemlich klar ab.

 

John Paulson (auf dem Foto oben) hat sich darauf spezialisiert, potentielle Übernahmekandidaten aufzustöbern. Meist handelt es sich um traditionsreiche, profitable Mittelständler, die kaum jemand an der Wall Street auf dem Radarschirm hat. Nach seinem Einstieg wartet Paulson geduldig ab. Im Energie- und Pharmabereich (Öl, Gas, Service) hat er einige Beteiligungen eingesammelt.

 

Ich erlebte Paulson auf der "Delivering Alpha"-Konferenz des Fernsehsenders CNBC und Magazins "Institutional Investor" in New York. Ich fand es fasziniered, was er sagte. Paulson ist ein Zahlenmensch. In aller Ruhe kann er erklären, wie er Aktien für seinen Hedgefonds auswählt. Alles, was er sagt, leuchtet ein.

 

Selten tritt Paulson in der Öffentlichkeit auf. Es war sein zweiter öffentlicher Auftritt überhaupt. Sein Idol ist übrigens Warren Buffett. Viele der Hedgefonds-Könige sind von Buffett hellauf begeistert.

 

PS: Das Foto hat Heidi Gutman (CNBC) gemacht.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Deal, Deals, Deals an der Wall Street

  1. "Geld schläft nicht" - Blog

    Mit Übernahmen habe ich bislang keine Erfahrung. Ich hatte nur Heinz im Depot, bevor das Unternehmen an Berkshire Hathaway ging. Schade, denn ich hätte Heinz gerne behalten. War eine meiner Lieblingsaktien.

    Grüße

  2. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Ja, da kann es immer mal wieder zu einer netten Überraschung kommen. Mein letztes Erlebnis war die Integration von KFN (KKR Financial Holdings LLC, davon hatte ich welche) in die Mutter KKR (KKR & Co L.P.). Da gab es einen Schnaps oben drauf und nun habe ich KKR & Co L.P. (macht gerade Schlagzeilen wegen restlicher Übernahme von WMF).

    Ein Unternehmen wurde mir gerade von der Wishlist geklaut. Hatte QRE (QR Energy LP auf dem Zettel, aber man hat halt nie genug Cash). Wird nun von BBEP (BreitBurn Energy Partners LP aufgekauft. Na dann, wohl bekomm's…

    MS

  3. John Doe

    Guten abend Tim,

    Da du ja auch ein Langfristaktionär bist (willkommen im Club) und somit interessierter Mitinhaber an einem Unternehmen,möchte ich dich fragen, ob es dir nicht auch gegen den Strich läuft, wenn ein florierendes Unternehmen, welches seit 55 Jahre besteht, für den schnellen Gewinn verschachert wird. Howard Levines Vater hat dieses Unternehmen gross gemacht und der Sohn hat es noch lukrativer gemacht, dann kommen irgendwelche "sogenannten Starinvestoren" und schlachten die Goldene Gans.

    Ich persönlich heisse das nicht gut und du?   

     

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Hi "John Doe",

    toll ist es nicht. Das ist aber der Kapitalismus. So tickt die Wall Street nun mal. Wenn Du Dich als Unternehmen an der Börse listen lässt, musst Du wissen, was passieren kann. Sobald Du als Geschäftsmann die Mehrheit Deiner Aktien verkaufst (oder Du verwässert wirst), läufst Du Gefahr, dass ein anderer die Mehrheit erwirbt und das Sagen hat.

    Buffett macht übrigens das gleiche. Er schluckt Firmen wie Heinz.

    Daher mögen wohl Firmen wie Haribo, Aldi, Lidl, Rewe, Bosch, Bertelsmann, Otto, Würth, Tengelman oder Schaeffler privat bleiben.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 30. Juli 2014 | Die Börsenblogger

  6. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tobias (Geld schläft nicht")

    Warum würdest Du denn gern in die Unternehmen investieren? Weil Du sie siehst und Dir was drunter vorstellen kannst? Ich würde in keines investieren. Du kennst doch die Lage der Unternehmen gar nicht (ich natürlich auch nicht). Lego stand 2004 vor der Pleite. Die 3D-Drucker werden denen den Garaus machen, wenn kein Wunder geschieht, auch wenn es jetzt wohl gerade wieder besser geht. Ein bekannter Name nützt nicht viel. Siehe Märklin usw. Aldi verliert gegen Lidl. Überall im Ausland breitet sich Lidl (eine "Stiftung") aus, Aldi zieht sich zurück. Und Haribo… wem gehören die eigentlich? In der Bilanz 2012 liest man im Bundesanzeiger, dass sie den ganzen Gewinn von >4 Mio durch einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag überweisen mussten. Wem gehört also Haribo (Rechercheaufgabe, habe kein Zeit)? Man müsste also der Spur des Geldes folgen, und die Firma kaufen, die die Mehrheit hält. Wahrscheinlich eine Private Equity, bzw. Beteiligungsgesellschaft wie KKR usw. Es gibt einige Firmen dieser Art, die Du börslich erwerben kannst. Vielleicht schaust Du auch einfach nach den "Hidden Champions": http://www.n-tv.de/wirtschaft/Das-sind-die-Hidden-Champions-2014-article12885711.html. Alles was an der Börse gelistet ist, kannst Du schon mal kaufen. Beispiel "Uzin Utz" von der Liste. Ansonsten eben einfach die Portfolios der Beteiligungsfirmen absuchen. Viel Glück.

    MS

  7. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Nachtrag, habe wohl bei der falschen "Haribo" nachgeschaut, nicht bei "Haribo GmbH & Co. KG", sondern beim ersten Eintrag; "Süßwarenfabrik HARIBO Wess GmbH Wilkau-Haßlau. Da müsste man überhaupt erstmal die Firmenstruktur rausfinden, was wie und mit wem verbunden ist, wo und welches Geld anfällt und es kassiert.

    MS

  8. Obi van Knobi

    Die Großen kaufen, die Kleinen gucken (wie so oft) vor lauter Angst vor dem großen, bösen Crash nur zu.

  9. Lexxi

    @Tim

    Hast Du eine Möglichkeit, die ganzen kommerziellen "Werbe-Blogger" hier zu unterdrücken bzw. zu schauen, dass es nicht ausufert?

    Wenn jemand eine Meinung hat, dann soll er diese doch bitte hier auf Deinem schönen Blog mitteilen, aber muss es dann der xyz von Dividenden-xyz sein?

    Danke + weiter so!

     

  10. Dr.FlotteDr.Flotte

    Lexxi,

    ich stimme Dir zu. Das nervt mich auch. Sonst könnte hier ja bald der Helmut von Aldi/Lidl/etc. seinen kostenfreien Werbekommentar reinstellen.

     

  11. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Lexxi

    Es hält sich noch in Grenzen. Ich möchte eigentlich jeden Kommentar zulassen. Ich bin diesbezüglich liberal. Extremfälle (Spam, Betrug bzw. Verunglimpfung) fliegen raus.

  12. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Eigentlich ist an der Wall Street einiges glasklar. Viel mehr, als man denkt. Anleger müssen sich nur einlesen. Zwischen den Zeilen steht einiges. So war mir ziemlich klar, dass Twitter im laufenden Jahr in die Profitzone kommen wollte. Sie taten alles dafür. Ich schrieb daher diesen kleinen Text:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/US-Aktientipp-Hot-Stock-der-Wall-Street-Twitter-3699951

     

    Jetzt sprang die Twitter-Aktie um 30% nach oben. Endlich schreibt Twitter schwarze Zahlen. Alle scheinen überrascht zu sein. Ich finde, das ließ sich erkennen.

    http://www.billboard.com/articles/business/6193565/twitter-stock-rises-30-percent-second-quarter-earnings

     

    Gut, niemand sollte eine Hausse mit Intelligenz verwechseln. Glück spielt natürlich manchmal eine Rolle im Leben.

     

    Fehler und Missgriffe gehören dazu. Diese Gold-Aktie lief überhaupt nicht:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/US-Aktientipp-Hot-Stock-der-Wall-Street-McEwen-Mining-3364651

     

    Wichtig ist, sich auf wenige Aktien zu konzentrieren. Es geht ja im Grunde nur darum: Zwei oder drei gute Aktienpositionen pro Jahr kaufen und das durchziehen bis zur Rente. Mehr ist gar nicht nötig. Oder gleich einen Index kaufen. Natürlich gehören Fehlgriffe dazu. Verkaufen würde ich nach Möglichkeit nie. Den Rest erledigt der Zinseszins.

  13. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim, das finde ich sehr nobel. Ich für meinen Teil bitte darum, dass meine Einträge im Fall der Fälle entsprechend kommentiert würden, falls etwas als unangemessen gesehen würde. Ich versuche mich allenthalben an die Regeln des allgemeinen Anstandes zu halten.

    Ich finde es z.B. unter aller Kanone, dass in einem anderen Blog einfach Einträge sang und klanglos nicht veröffentlicht werden, wenn sie dem Betreiber (der hier auch anwesend ist, um auf sein Blog aufmerksam zu machen) nicht genug wohlwollend erscheinen. Das Üble daran ist, dass die Leute, denen man eigentlich antworten wollte, ja nichts davon wissen, und einen für dämlich halten müssen, weil mitunter Bezüge fehlen, bzw. sinnfreie Einträge, die die Gnade der Freischaltung erreichen, aber dann völlig blöd im Raum stehen. Das hat wahrscheinlich auch die Absicht, entsprechende Leute blöd aussehen zu lassen. Irgendwie krank.

    Ich fände es gut, wenn gelöschte oder nicht veröffentlichte Einträge zumindest als gelöscht gekennzeichnet würden.

    MS

  14. "Geld schläft nicht" - Blog

    @Matthias:

    Ich habe keine der Unternehmen bzw. deren Beteiligungsstruktur überprüft, da sie ja nicht börsennotiert sind. Aber ich finde, dass Haribo und Lego bekannte Marken sind. Genau wie Dove, Penaten, Pampers, Heinz, Kraft, Adidas, Nike, Walt Disney, Nivea, Coca Cola, Milka, Mars, Nescafe oder Gillette. Darauf achte ich bei meinen Investments.

    Grüße

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