Das Märchen vom Trading


New York, 11. Juli 2013

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Die Werbung der Discountbroker klingt manchmal verlockend. Da wird ein Trader in seinem Loft vorgestellt, der am Rechner sitzt und erfolgreich Positionen tradet. So jedenfalls klingt die Botschaft. Es ist wohl nur eine Scheinwelt. Schauen Sie sich diese Werbung an:

Was die Werbung zeigt, entspricht nicht der Realität, wenn Sie sich die Masse der Anleger anschauen. Statt auf die Botschaften in der Werbung, vertraue ich lieber auf Fakten, auf Studien, auf Zahlen.
Die Investmentfirma SigFig blickt einer halben Million Aktiensparer in die Depots und wertet die Daten aus. 45 Milliarden Dollar schlummern in den beobachteten Portfolios. Der Datenspezialist stellt nahezu immer den gleichen Zusammenhang fest: Je intensiver die Anleger traden, desto mehr Geld verlieren sie. Je mehr Geduld Aktionäre haben, desto besser schneiden sie ab. Sehen Sie hier.
Die Tageszeitung „USA Today“ veröffentlicht häufig die Daten von SigFig. Sehen Sie oben meinen Mini-Ausschnitt aus der Zeitung. Dabei unterscheidet SigFig zwischen „Buy-and-Hold-Anlegern“ sowie aktiven, sehr aktiven und aggressiven Tradern. Ich bin immer wieder von den Socken, wenn ich den Renditeunterschied dieser Anlagephilosophien sehe. Es besteht ein glasklarer Zusammenhang: Geduld wird an der Börse belohnt.
USA-Today-Redakteur Matt Krantz beschreibt anschaulich, wie schwierig die Strategie des „Kaufen und Liegenlassen“ ist. Ständig werden wir von Tagesmeldungen und irgendwelchen Ereignissen abgelenkt. Die Volatilität an der Börse ist eben nicht so einfach zu ertragen. Oh ja, das stimmt.
Zwei Professoren haben in einer großen wissenschaftlichen Arbeit Ähnliches nachgewiesen. Deren Botschaft lautet: Traden ist schädlich für Ihr Vermögen.
Schade eigentlich, dass uns manche Discountbroker ein Märchen erzählen möchten. Die Banken sollten uns Anleger lieber helfen, ein Vermögen an der Börse aufzubauen, für die Rente ein Polster anzusparen. Am Ende wäre es eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Mehr Bürger würden an der Börse ihr Geld sinnvoll anlegen. Das Vertrauen in die Institute wäre enorm. Sowohl die Bank als auch der Endkunde könnten langfristig voneinander profitieren. Leider hat das Kurzfristdenken in vielen Banken Oberhand gewonnen.
PS: Natürlich gibt es ein paar wenige sehr erfolgreiche Trader. Aber die bilden eine ganz kleine Gruppe, haben die beiden Wissenschaftler in ihrer Studie festgestellt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Märchen vom Trading

  1. Jan

    Hallo,
    ich glaube beim Traden gibt es eine ganz andere Varianz in den Renditen, da gibt es wenige die 100% und mehr im Jahr schaffen (sehr wenige) und viele die mehrfach im Jahr ihr gesamtes Konto auf Null setzen. Beides ist mit Buy and Hold zwar theoretisch möglich, bei einem gut diversifizierten Portfolio aber sehr selten. Natürlich will jeder ein Stück vom Kuchen abhaben und eben solche Renditen erwirtschaften. Die Banken spielen in dieser Situation die gleiche Rolle wie jedes Unternehmen. Sie versuchen ihren Umsatz durch Handelsgebühren, Spread usw. zu maximieren indem sie dem Anleger einreden, dass er unbedingt traden muss um reich zu werden. Im Grunde genommen ist das nichts anderes als jedes andere Technologieunternehmen oder Modeunternehmen auch macht: Marketing. Kauf das und du bist cool.

    Deinen letzten Punkt sehe ich kritisch, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bank mit einem normalen Buy and Hold Kunden langfristig mehr verdient als mit einem Trader. Selbst wenn der Buy and Hold Anleger 20 Trades im Jahr macht, das ist eine Zahl die viele Trader an einem oder vielleicht an zwei Tagen schaffen. Ich glaube das sind ganz andere Dimensionen.

  2. Markus

    Mit einem gut diversifizierten buy & hold Depot das ganze auf Null zu setzen…???
    Das ist dann eindeutig menschliches Versagen. Selbst bei einer erneuten Weltwirtschaftskrise sind DrawDowns von 80 % unwahrscheinlich. Mit Mix aus Rohstoffen, Cash und Immos eher im Bereich von 50 % und dass auch nur bei ganz heftigen Verwerfungen.
    Das Kommer-Depot hatte 2001 /2002 bei 100 % Risikoanteil glaube so ca. 27 % Volatilität. Müsste ich aber nochmal nachlesen.

    Es kann ja sein, dass es 5 % Trader gibt, die eine gute Rendite erwirtschaften, aber der Großteil ist nur zum abmelken da.
    Für meinen persönlichen Anlagetyp ist Trading nicht geeignet.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Jan
    Danke für die gute, kritische Anmerkung.

    Ich finde schon, Unternehmen sollten dem Kunden einen Nutzen stiften. Fairness und Ehrlichkeit sind wichtig für den langfristigen Erfolg. In dem Werbevideo ist es spannend, auf die Aussagen des Brokers zu hören. Da wird eine falsche Hoffnung geweckt. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

    Vorbildlich hat sich zum Beispiel Vanguard verhalten. Aus einem Startup ist eine der größten Investmenthäuser der Welt herangewachsen – der Zweck der Firma ist ausschließlich am Nutzen des Kunden ausgerichtet.

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