„Das ist unnötig. Das brauchst Du nicht!“


New York, 28. Januar 2014

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Um finanziell sorgenfrei leben zu können, ist weder ein Harvard-Abschluß noch ein Vorstandsjob, noch hoher IQ nötig. Nein, ganz und gar nicht.
Sie brauchen einen gesunden Menschenverstand. Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, der teilte die Welt in „nötig“ und „unnötig“ ein. Oft hörte ich ihn sagen: „Das ist unnötig. Das brauchst Du nicht“. Manchmal sagte er über die Arbeit: „Das ist unnötig. Das gehört abgeschafft.“ Es stimmte. Es gab Arbeiten, die waren in der Tat ziemlich sinnlos. Mein Kollege hatte frühzeitig finanziell ausgesorgt gehabt. Er war, glaube ich, 50 Jahre alt und konnte seinen Job an den Nagel hängen. Ist es nicht herrlich, frei darüber entscheiden zu können, ob man in den Vorruhestand geht oder nicht?
Wer mit diesen beiden Begriffen (nötig und unnötig) im Hinterkopf einkaufen geht, legt sich nur zu, was wirklich im Haushalt benötigt wird. Ich denke, der Durchschnittskonsument kauft viel mehr ein, als er braucht. Vollgestopfte Schränke, Kammern, Garagen und Kellerräume sind ein Beleg dafür. Das fängt schon bei Kleinkindern an. Was Eltern für ihre Dreikäsehochs an Spielzeug kaufen, ist manchmal zu viel. Es wandert irgendwann in die Mülltonne.
Das meiste im Leben, was wir geniessen, kostet wenig oder gar nichts. Es ist selten in einem Leben nötig extrem hohe Summen auszugeben.
Es fängt schon beim Autokauf an. Ein gebrauchtes Fahrzeug, das drei Jahre alt ist, fährt auch. Ein gebrauchtes Auto für 10.000 Euro fährt sicher gut, es muss kein Neuwagen für 50.000 Euro sein. Sie können mit bodenständigen Autokäufen nach einigen Jahrzehnten eine gigantische Summe sparen.
Eine kleine Wohnung/Haus kann genügen. Es müssen nicht übermäßig viele Räume vorhanden sein. Die meisten Zimmer bleiben eh leer.
Als Warren Buffetts Tochter Alice ihre Küche erweitern wollte, bat sie Warren um Geld. Sie wollte sich von ihrem superreichen Vati 41.000 Dollar für den Umbau leihen. Buffett sagte sinngemäß: „Ich kann Dir nicht helfen. Schaue, wie Du selbst damit klar kommst.“
Ich halte überspannte Urlaube, häufige Restaurantbesuche, teure Handyverträge für Verschwendung. Konsumelektronik sollte nicht sofort nach der Einführung gekauft werden. Erstens stecken oft Kinderkrankheiten in der neuen Technik und zweitens ist sie zu teuer. Niemand braucht alles sofort. Ich wundere mich über Leute, die 70 Euro für ihr Handy im Monat ausgeben und gleichzeitig nichts übrig zum Sparen haben. Ziemlich unnötig bzw. ungesund ist das Rauchen und der Alkohol – das dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.
Ich verbrachte mit meiner Familie in Italien in einer kleinen Pension einen herrlichen Urlaub. Dort fragte mein Vater an der Rezeption, wo die Einheimischen ins Restaurant gehen. Gut, das Lokal befand sich nicht direkt am Strand, es lang versteckt am Ortsrand. Dafür war das Essen lecker, die Portion groß, der Preis mini.
Kaufen Sie besser nichts auf Pump. Kredite sollten Sie nach Möglichkeit vermeiden. So viel zum Konsum. Nun zum Investieren.
Sparen Sie regelmässig. Gute Dividendenzahler bilden ein gutes Fundament in Ihrem Depot. Indexfonds bzw. kostengünstige Aktienfonds können eine schöne Ergänzung sein. Vermeiden Sie das Zocken. Selbst Profis fallen mit dem Traden auf Nase.
So verzockte sich Goldman Sachs, als es Gelder des libyschen Staatsfonds verwaltete. 98 Prozent des 1,3 Milliarden Dollar schweren Portfolios waren Anfang 2010 plötzlich weg. Die Goldmänner hatten mit Optionen auf Währungen und sechs Aktien gewettet. Unter den Aktien waren Allianz, Citigroup, UniCredit, Banco Santander, Electricite de France und die italienische Eni. Die libysche Regierung reichte in London eine Schadenersatzklage gegen Goldman ein. Darüber berichteten die US-Medien in epischer Breite.
Dass sich smarte Trader verzocken, kommt immer wieder vor. Denken Sie an Hegefondsmanager Bruno Iksil, der den Spitznamen „Londoner Wal“ hatte. Zig Milliarden setzte der Trader bei JP Morgan Chase in den Sand.
Mein Rat: Das finanzielle Polster wächst mit den Jahrzehnten. Den Prozess des Sparens können Sie kaum mit der Spekulation beschleunigen. Das geht meist schief. Wer unbedingt den Nervenkitzel braucht, kann dem Depot ein paar heiße Aktien als kleine Beigabe beimischen. Generell wäre ich jedoch vorsichtig. Zumindest sollten Sie auf eine gute Streuung achten, wenn Sie hohe Risiken eingehen. Sparen Sie besser langsam, sicher, stetig. Nur nichts überstürzen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „„Das ist unnötig. Das brauchst Du nicht!“

  1. Sebastian

    Hallo Tim,

    Ich lese regelmäßig Deinen Blog und finde Deine Prinzipien ähnlich den meinen. Wenn ich mir allerdings die letzten Einträge anschaue wiederholst Du Dich sehr oft. Ich lese es trotzdem 😉 Allerdings wäre es mal interessanter etwas von Dir über aktuelle Ereignisse zu lesen ( z.B. die Erpressung der FED durch die Märkte die monatlichen Anleihekäufe nicht zu senken, die Abwertung der Schwellenländerwährungen etc.). Oder mal wieder einen schönen Artikel über New York, wie Du dort lebst, nicht wie Du dort sparst… Posts über spezielle Aktien finde ich unnötig, da hat sowieso jeder seinen Stil oder braucht sich nur von den bekannten Valueinvestoren inspirieren zu lassen!

    Weiter so!

    btw. Ich bin Long mit Reckitt Benkiser, PepsiCo und Fuchs Petrolub. Aktien vom Arbeitgeber zu halten finde ich eh toll.

    Viele Grüße

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Sebastian
    Danke. Die vorgeschlagenen Themen kommen.

    Nach der schweren Finanzkrise sind die Themen Konsum und Sparsamkeit in den USA ein riesiger Trend. Es liegt daran, weil die Arbeitslosigkeit bedrohlicher war in Verbindung mit der hohen Verschuldung der Privathaushalte.

  3. Friedrich

    @Sebastian
    schöne Aktienauswahl, ich nehme an du arbeitest bei Fuchs Petrolub.
    Ein tolles Unternehmen und ein gutes Investment.

    @Tim
    Ich lese Deinen Blog sehr gerne, auch wenn ich findes dass du dich in letzter Zeit zu oft wiederholst mit Deinen Spar-Mantras, den Index-Fonds, Aktiensparen in USA usw.
    Schreib doch lieber etwas aktueller.
    Gerne auch mal wie du die aktuelle Marktlage einschätzt. Wann für dich Kaufgelegenheiten vorherschen usw.

    Vielen DANK
    Friedrich

  4. Markus

    @Friedrich

    Was erwartest Du dir von einer Markteinschätzung von Tim???

    Horoskope kann man auch zum Zeitvertreib lesen! Sorry, ich bin direkt, unhöflich oder ehrlich. 😉

    USA ambitioniert, Emerging ein Großteil günstig, Europa ein Großteil günstig (speziell der Süden), Deutschland moderat. Smallcaps und die Dickschiffe mit Marke sind schon moderat bis sehr teuer.
    Das beruht auf 10 Jahres-KGV`s…

    Ob die langfristigen kgv`s mehr Aussagekraft als die 1-Jahres-Dinger haben? Ich denke ja, aber Garantien gibt niemand.
    Es hängt vieles von der zukünftigen Gewinnentwicklung ab. Makroökonomisch gibt es auch sehr brisante Baustellen…

    Experten in wirtschaftlichen Dingen liegen extrem häufig daneben.

    Wie der Privatanleger mit der Unsicherheit umgeht oder umzugehen lernt ist der interessante Aspekt.

  5. Tino

    Sammel- und Herdentrieb sind für mich zwei Punkte, die das Sparen erschweren.

    Häufig erlebt, günstige Angebote muss ich kaufen, weil jetzt gerade günstig. In der Summe hab ich mehr für's gleiche Geld, aber brauch ich das? Will ich nicht lieber dadurch sparen, anstatt mehr zu haben?

    Auf Angebote schauen allein reicht nicht, weil damit der Schein der Steigerung der Lebensqualität entsteht, der auch dazu führen kann, dass man letztlich sogar teurer lebt, als wenn man nur wenige teure Produkte kauft, dafür aber wohl überlegt.

    Ich kaufe selbst auch meist Jahre nach der Einführung von Technologie. Die Konsumerfahrung ist dann m. E. wesentlich besser, das Beta-Testing haben die Erstkäufer übernommen. Die Produktpalette ist entschlackt, die besten haben überlebt. Die Auswahl fällt leichter, weil mehr Testberichte und weniger, aber ausgereifte Produkte existieren und die Preise natürlich wesentlich geringer sind. Man kann halt nur nicht mehr mitreden bei den Technikfreaks der ersten Stunde, aber das nehm ich gern in Kauf.

    Schon allein der massive Wertverlust direkt nach Kauf eines Neuwagens sollte einem zu denken geben. Das ist wie ein großen Stapel 100Euro-Scheine zerreißen.

    Die bewußte Entschleunigung, die Geduld und das Vertrauen über Jahrzehnte an seinen Prinzipien festzuhalten ist m. E. die große Herausforderung die jedem gestellt wird, sei es beim Investieren in Aktien wie auch beim privaten Konsum. Der Aufbau eines Vermögens kann so mühselig und kräftezehrend sein, die Kreditkarte an der Kasse hingeben so einfach und der Rausch des Konsums so großartig.

  6. Ulrich

    @Tim:

    Wie mein Vater schon vor Jahrzehnten immer sagte: nach 5 Jahren fangen beim Auto die Reparaturen an. Und da hat er Recht. Müssen noch gar keine „richtigen“ Schäden sein (die kommen dann auch irgendwann), aber der Monster-Kundendienst bei 50.000 oder 60.000 km, die früher oder später abgefahren Reifen etc.

    Ein Gebrauchtwagen ist längst nicht so günstig wie du vielleicht glaubst. Tageszulassungen haben nach meiner Erfahrung das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

    Aber da du kein Auto hast, hast du leicht reden.

  7. Tino

    Auch ein Auto mit 10k,20k o. 40k km kann es lange gut tun ohne Reparaturen. Das ist abhängig vom Vorbesitzer, der eigenen zukünftigen Fahrleistung und der Produktqualität allgemein u. a., kann individuell immer ganz anders ausfallen. Bei Tim ist es optimal, seine Fahrleistung = 0km 🙂

  8. Stefan Müller

    Neuwagen: Inspektionen durch Vertragswerkstätten zum Horrorpreis, hoher Wertverlust in den ersten drei Jahren (ca. 50% und mehr), dafür Garantie und wenig Verschleißteile, Wunschkonfiguration

    Gebrauchtwagen: Inspektion durch Discounter möglich, viel weniger Wertverlust, günstiger Kaufpreis, höhere Kosten durch Verschleißteile-durch günstige Autowerkstätten nicht so teuer wie bei Neuwagen.

    Ich kaufe immer nur Autos ab 3 Jahre und bin bestens damit gefahren.

  9. Felix

    Wenn ich die Zeitung aufschlage, lese ich oft vom Konsumrausch, den manche beispielsweise um Weihnachten herum verfallen. Komisch, ich hatte noch nie in meinem Leben einen Konsumrausch, noch nicht mal einen -schwips.
    Mir bereitet Geldausgeben seelische Schmerzen; es tut mir weh, wenn ich mit einer Unterschrift ausgebe (z.B. für einen Autokauf), was ich über Jahre angespart habe. Also mir bereitet auch das Shoppen keinerlei Freude; es muss halt sein (Kleidung, Nahrungsmittel, …).
    Richtig Freude hingegen bereit mir das Geldeinnehmen, nicht das Ausgeben.
    Offensichtlich gibt es doch sehr verschiedene Charaktere.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Friedrich
    wird gemacht.

    @ Ulrich
    Ich bin kein Autoexperte. Ich denke, die heutigen Motoren, wenn sie gepfelgt werden (Inspektion, Ölwechsel), laufen sehr lange.

    Ich bin der Meinung, es lassen sich über die Nutzung von Gebrauchten (sofern sie solide sind) erhebliche Beträge auf Sicht von 4 Jahrzehnten einsparen. Es geht um Einsparungen, die eventuell sechsstellige Beträge erreichen können.

    Buffett liebt Gebrauchtwagen. Der kann das besser durchrechnen.

  11. Martin

    Der Gebrauchtwagen spart auch Vollkasko und Opportunitätskosten auf das gebundene Kapital ein.

    Gebrauchtwagenkauf ist allerdings nicht jedermanns Sache, da Wissen und Erfahrung vorhanden sein muss.

  12. Anna

    Thema: alte Autos
    Hallo,
    mein Saxo ist am 24.1. siebzehn Jahre geworden und einige Tage vorher ohne Mängel durch den TÜV gekommen. Reparaturen, die bei diesen Autos noch problemlos gemacht werden können (ohne Elektronik u.a.), erledigt mein Ehemann mit seinen „goldenen Händen“. (Der Arbeitsmarkt will dieselben ja nicht mehr.)
    Ansonsten habe ich da nur die Haftpflicht incl. Schutzbrief drauf.
    Bei 1x Volltanken haben wir 'ne Wertverdopplung. Der wird solange gefahren wie er mitmacht. Der ÖPNV ist auf dem Dorf ausgedünnt worden.

  13. StefanStefan

    Ich habe auch einen 17 Jahre alten Benz. Hat aber erst 100.000 km auf dem Tacho. Den fahre ich quasi ohne Wertverlust. Hab ich für 1.500 € von einem alten Mann gekauft. Wenn man bedenkt was man bei neueren Autos jedes Jahr an Wert verliert dann kann man davon sehr viele Reparaturen bezahlen! Nur checken das viele nicht weil man den Wertverlust halt nicht so sieht! Bei einem Neuwagen sind schnell über 5.000 € weg.
    Bis jetzt hatte ich keine größeren Reparaturen. Wenn die Qualität stimmt kann man schon ein altes Auto fahren. O.k.. Einen Peugot oder Citroen wollte ich mit diesem Alter jetzt auch nicht.

    Außerdem hab ich nur eine Haftpflichtversicherung. Vollkasko und Teilkasko spare ich mir…

  14. Finanzielle Freiheit - Dividenden Depot

    Persönlich fahre ich einen 3er BMW der jetzt 12 Jahre alt ist und bin sehr zu frieden und hatte in der ganzen Zeit 2 Reparaturen !! Das gesparte Geld für einen Neuwagen, oder Gebrauchtwagen investiere ich lieber in meinem Dividenden Depot. In naher Zukunft kann ich mir, wenn ich will – jedes Jahr einen neuen gebrauchten Wagen kaufen und zwar von den Dividenden Einnahmen. 😉

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