Das gefühlte Risiko, das echte Risiko


New York, 22. Oktober 2012

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Wir Menschen neigen zu Übertreibungen. Ich habe eine Bekannte, die überrascht mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich sie sehe. Sie ist 59 Jahre alt. Wenn sie im Flugzeug sitzt, zittert sie vor Angst. Sie hasst enge Räume und Flugzeuge. In der New Yorker U-Bahn bekommt sie Angstzustände, weil es ihr zu eng ist.
Wer sich die Situation rational anschaut, der wird schnell feststellen: Autofahren ist um einiges riskanter als zu fliegen oder mit der U-Bahn zu fahren. Weit über 90 Prozent der Verkehrstote treten statistisch auf der Straße auf.
Kaum jemand sitzt zitternd im Auto, nur im Flugzeug gibt es einige. Es sind unsere Gefühle (Sorgen, Ängste, Gedanken), die verrückt mit uns spielen. Die Fakten spielen bei uns Menschen keinerlei Rolle in solchen Situationen. Wie viele Leben sind in Deutschland durch einen Flugzeugabsturz ausgelöscht worden in den vergangenen Jahren und wie viele auf der Straße? Es ist statistisch betrachtet ein gewaltiger Unterschied, nur begreifen das viele Menschen nicht.
Die Wissenschaft spricht vom „Risiko-Empfinden“ beziehungsweise „Risk Perception Bias“. An der Börse treffen Sie diese falsche Risikowahrnehmung überall an.
Da gibt es jene, die kaufen wie im Rausch hochriskante Aktien, Pennystocks, windige Biotechs und Schatzsucher. Und blenden hierbei völlig die Risiken aus.
Die Mehrheit der Deutschen hat indes Angst vor Aktien. Deshalb horten sie ihr Hab und Gut auf dem Sparbuch, auf Festgeldkonten, in Lebensversicherungen, Bausparverträgen und so weiter. Die Mehrheit der Deutschen macht das so, obwohl der Aktienbesitz mehr Rendite verspricht als jede dieser gering verzinsten Produktkategorien, die ich oben erwähnt habe.
Wir Deutschen haben schlicht Angst vor Aktien. Es liegt an den Crashs, an den Krisen, den Pleiten, Pech und Pannen. Daher überschätzen wir die Risiken.
Ich glaube, wer sich mit konservativen Dividendentiteln eindeckt, der kann die Risiken eindämmen. Was soll bei Herstellern von Seifen, Sprit, Suppen für eine Gefahr bestehen? Wir müssen uns waschen, wir müssen tanken, wir müssen essen. Da können Krisen kommen und gehen. Die Nachfrage nach diesen Gütern wird nie auf Null sinken.
Für die „Euro am Sonntag“ schrieb ich einen Artikel über Campbell Soup. Und über den weltgrößten Gewürzhersteller McCormick.
Beim Suppen-König Campbell bekommen Sie 3,3 Prozent Dividendenrendite – das ist mehr als jedes Festgeldkonto abwirft. Campbell ist 1869 gegründet worden. Was soll da bitteschön anbrennen?
Ähnlich sicher sind Sie meiner Meinung nach bei etablierten Unternehmen im Öl- und Erdgassektor (sofern sie produzieren). Denn Energie wird immer gebraucht. Ich hatte im Dezember 2011 über den führenden kanadischen Erdgaskonzern EnCana geschrieben. Seinerzeit fiel die Aktie wie ein Stein. Der Chart war angsteinflössend.
Durch neue Bohrtechnologien und das sogenannte „Fracking“ in Schiefergestein sind massenweise neue Vorkommen entdeckt worden. Aus diesem Grund sank seinerzeit der Gaspreis auf ein Mehrjahrestief (auch weil der Winter nicht so kalt wie üblicherweise war). Hinzu kamen Vorwürfe, dass mit dem „Fracking“ die Umwelt verschmutzt wird.
Als Anleger ist es ratsam, langfristig zu denken und zu handeln. EnCana zahlt 3,3 Prozent Dividendenrendite. Erdgas wird noch in 100 Jahren gebraucht. Zu glauben, ein solch wichtiger Player sinkt auf Null Dollar, ist ziemlich unwahrscheinlich. Manchmal haben Börsianer solche Gedanken. Das Flugzeug kann ja auch abstürzen. Logisch. Jederzeit.
Der Gaspreis ist übrigens in der Zwischenzeit von einem Mehrjahrestief auf ein Zehn-Monats-Hoch gesaust.
Manchmal wundere ich mich über Analysten. Die finden eine Aktie wie EnCana zu Kursen von 60, 70 und 80 Dollar toll. Nachdem die Aktie auf 20 Dollar abgestürzt ist, raten sie das gleiche Ding zu verkaufen. Das macht keinen Sinn.
PS: Keine der Aktien befinden sich in meinem Depot.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das gefühlte Risiko, das echte Risiko

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    Stichwort Schiefergas. Scheint so, als hätten die Amerikaner riesiges Glück. Was ich so gelesen habe führt mich zu der Annahme, dass das Gas für viele Jahrzehnte reicht, mehrere Hundert Tausende Arbeitsplätze schafft und in der Summe zu erheblich niedrigeren Energiekosten der, vor allem energieintensiven, Unternehmen, aber auch der Verbraucher führt.

    So lassen sich wirtschaftliche Probleme natürlich (natürlich im wörtlichen Sinne) auch lösen.
    Da das Gas im Vergleich zu Kohle auch weniger CO2-Emissionen verursacht, verbessert sich hierdurch automatisch auch die CO2-Bilanz der USA, die in Europa, insb. bei uns in Deutschland, lange Zeit als Dreckschleuder galt, die sich um Kyoto und andere Umweltprogramme wenig scherte.

    Gruß Matthäus

  2. david

    Hallo Tim
    Ein Punkt, der mich aktuell von den Energieunternehmen abhält ist die starke Entwicklung der regenerativen Energien (gerade von Solar). Man muss sich nur einmal überlegen, dass diese Energie aktuell exponentiell wächst und aktuell im Sommer schon ca. 30% der deutschen Energieversorgung deckt. Man kann hier denke ich davon ausgehen, dass diese Entwicklung noch weiter geht, was dann aber bedeutet, dass sich der output alle paar Jahre verdoppelt. Die Konsequenz davon wäre aber ein stark abnehmender Bedarf der Nachfrage nach den fossilen Rohstoffen. Dies sollte man bei einer Langfristanlage auf jeden Fall berücksichtigen.Ich weis nicht, wie rosig die Zukunft dieser Unternehmen dann aussieht.
    Grüße
    David

  3. Turing

    Was die „erneuerbaren“ Energien angeht, bin ich sehr, sehr skeptisch. Es gibt eine typisch deutsche und verklärte Sichtweise darauf, aber die Realität ist eine andere.

    Solarenergie und Windenergie boomen alleine der Subventionen wegen und der Bevorzugung im Wettbewerb (Einspeisezwang). Die Kosten sind enorm und führen zu sozialen Härtefällen in Deutschland. Offshore-Pläne gab und gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien. Die Briten haben sich längst verabschiedet, weil es sich schlichtweg nicht rechnet, Stahl und hochwertiges Getriebe im Meer zu verankern. Der Salzgehalt der Luft macht diese Investition sehr schnell zunichte.

    Meine Prognose ist: Es wird wegen der „erneuerbaren“ Energien mächtig krachen. Die EEG-Umlage übersteigt die 5 Cent (vor Steuern). Die EEG-Umlage ist eine „Umverteilung von unten nach oben“ und ist sozialer Sprengstoff. Die Blackoutgefahr sollte man auch nicht vergessen. Deutschlands Nachbarländer sind erbost über den deutschen Zufallsstrom, der kommt, wann will und nicht, wann man ihn braucht. Und somit ist die deutsche Energiewende auch ein außenpolitisches Problem.

    Die Energiewende findet auch nicht in Deutschland statt, sondern in Nordamerika. Wie bereits im Artikel angesprochen, ist man mittlerweile sehr erfolgreich bei der Gewinnung von Schiefergas und der Nutzung von Ölsanden. In den USA purzeln die Energiepreise, die USA importiert auch immer weniger Energieträger und die Abhängigkeit von Saudi-Arabien und anderen Staaten zweifelhaften Rufs sinkt. Besonders lustig: Aufgrund der Nutzung des billigen Schiefergases zu Lasten von Öl und Kohle sinkt ausgerechnet der amerikanische CO2-Ausstoß zur Zeit am stärksten. Jahrelang hat die europäische Linke besserwisserisch die USA verurteilt, weil die USA bei Kyoto nicht dabei ist. Von Jakob Augstein stammen die Worte: „Es ist besser, wenn man gemeinsam das falsche tut, als alleine auf das richtige zu beharren.“ – Besser kann man Linkssein nicht definieren. Die Linken haben sich auch darüber echauffiert, dass Joseph Ackermann als Manager der Deutschen Bank Hilfen für die Deutsche Bank abgelehnt hat. Hätte er Hilfen für die Deutsche Bank gefordert, hätten die sich genauso echauffiert. – Der Linke ist ein rätselhaftes Wesen.

    Zurück aber zur Energie: Ich kann nur raten, jetzt wie bekloppt Versorger zu kaufen und alles, was mit konventionieller Energieerzeugung zu tun hat. Die Unternehmen sind gut aufgestellt und die Politik wird ihr grünes Wolkenkuckucksheim niemals umsetzen können. RWE musste nach Fukushima enorme Kursabschläge hinnehmen und auch Gewinneinbußen, aber die machen trotzdem Milliardengewinne. Die Abschaltung der Kernkraftwerke wiegt wirtschaftlich so schwer nun auch wieder nicht, denn es sind ja nach wie vor nicht alle abgeschaltet und die Ablaufzeit lag schon zu Trittins Zeiten um den Dreh bei 2020. Die heutigen Kernkraftwerke kommen sowieso in eine Phase, in der sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könnten.

    Ich habe im Depot:

    Enel
    RWE
    Veresen Inc.
    Phillips 66
    Ecana

    In Europa ist Schiefergas noch ein heikles Thema, aber es wird kommen, weil Europa sonst noch weiter zurückfiele. Nicht jeder in Europa ist so wohlstandsverwöhnt wie ein grün wählender deutscher Beamter.

    Die Entwicklung mit Schiefergas und Ölsanden war schon vor acht Jahren absehbar. Jedenfalls habe ich damals schon darüber gelesen, aber leider war ich noch Student, hatte kaum Mittel, denn sonst hätte ich vielleicht investiert und den Reibach gemacht. Ich habe darüber gewiss nicht im Spiegel oder in der ZEIT darüber gelesen. Die ZEIT hatte ich eine lange Zeit sogar abonniert. Ich meide diese Publikationen, denn sie sind mir zu links, so doktrinär, wenig rationial und wenig optimistisch. Ich kann nur das Magazin „Novo Argumente“ empfehlen, denn da findet man sehr interessante Essays, übersetzt aus dem Englischen. Ich finde, der Erfolg seiner Investitionen hat auch etwas damit zu tun, was man liest. Mit linken Flaggschiffen der deutschen Presse kommt man bestimmt nicht weit.

    Das war jetzt aber ein Rundumschlag…

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus,

    Schiefergas hat durchaus Vor- und Nachteile. Ich glaube, es gibt schon krasse Umweltschäden. Gleichzeitig ist Erdgas, wie Du sagst, effizienter und sauberer als so manche Alternative (wie Kohle etc.).

    @ David, guter Punkt. Die grünen Energien werden weiter massiv aufholen. Gleichzeitig ist jedoch der Energiehunger gigantisch. Gerade in den Schwellenländern. Diese explosive Nachfrage können Solar, Wind, Wasser etc. nicht abdecken. Insofern haben die traditionellen Energieträger und die neuen nebeneinander Potential. Das ist meine Vermutung.

    @ Turing
    Dein Depot scheint sehr spannend zu sein. Energie läuft immer. Buffett hat übrigens auch jede Menge Energie-Konzerne im Portfolio.

  5. david

    Hallo ihr beiden,
    ja der Rohstoffsektor ist im Moment wirklich sehr interessant. Vor allem Enel ist sehr verlockend. Ansonsten schaue ich mir gerade Total und E.ON näher an. Gerade bei letzterer frage ich mich, warum du RWE bevorzugst?
    Grüße
    David

  6. Matthaeus Piksa

    @Tim

    Es ist wie bei Finanzprodukten. Ohne Haken geht es nicht.
    Wie schwerwiegend die Umweltschäden, die durch das Fracking entstehen, sein können, weiß ich nicht.
    Es wird mit Sicherheit zu Naturkatastrophen oder anderen Problemen kommen.

  7. Olga

    @Tim

    Das ist richtig. Langfristig zu denken fällt manchen Menschen allerdings schwer.

    Ein Beispiel: Apple hat meines Erachtens kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Die Firma hat einen hype um sich selbst herum aufgebaut, welcher jeglicher logischen Grundlage widerspricht. Einen technischen Vorsprung vor der Konkurrenz kann ich auch nicht mehr erkennen, ganz im Gegenteil. Die Konkurrenz legt inzwischen vor.

    Gerade im Hightech bereich sehe ich bei genauer Betrachtung ein stetes kommen und gehen. Dies ist auch logisch, denn der technologische Fortschritt vollzieht sich derart rasant, daß es nur wenige Unternehmen schaffen, langfristig im Rennen zu bleiben.

    Selbst IBM wäre beinahe pleite gegangen, weil sie der Meinung waren, sie könnten eigene, nicht mit anderen Herstellern kompatible Hardware am Markt durchsetzen.

    Firmen wie Research in Motion, Nokia und AMD werden vielleicht schon in ein paar Jahren von den Kurszetteln verschwinden und dafür werden neue Stars am Himmel leuchten.

    Natürlich kann sich auch ein Engagement im Hightech-Bereich lohnen, der Spaß ist jedoch meist mit Ablaufdatum versehen (dummerweise wird das MHD nicht aufgedruckt).

    @Turing
    Risikostreuung sieht anders aus!

    Viele Grüße

    Olga

  8. Stefan

    Liebe Anleger,

    Ich schreibe hier zum ersten Mal. Ich bin wirklich ein riesen Fan von Tim's Blog, würde sogar sagen, dass das hier der beste deutsche Value-Investing Blog überhaupt ist.

    Was mich allerdings immer wieder stört ist eine Empfehlung (oder vielleicht besser gesagt ein Hinweis, Ölfirmen ins Depot zu nehmen). Vielleicht darf ich dies ein wenig erklären und meine Meinung dazu darstellen.

    Als Investoren sind wir daran interessiert, dass wir in der Zukunft finanziell abgesichert sind, sei es für die Rente, oder vielleicht auch unseren Kindern später etwas zu überlassen, damit es ihnen finanziell gut geht.

    Es gibt so viele Value-Perlen, nur Ölmultis und Kernkraftwerkbetreiber sind es meiner Meinung nach nicht.
    Die Bilanzen mögen gut sein, das Geschäftsmodell ebenso, die Dividenden passen auch und keiner wird so schnell pleite gehen.

    ABER: Ich findet man sollte zukunftsorientiert und ethisch halbwegs korrekt investieren (was manchmal schwer ist). In BP nach der Katastrophe im Golf von Mexiko einzusteigen od. nachzukaufen, weil der Kurs einbricht halte ich für nicht ethisch. Ebenso in Erdöl/Erdgasfirmen einzusteigen, die neue Felder zur Förderung erschließen und damit der Umwelt Schaden zufügen halte ich ebenso für nicht ethisch.
    Ob Erdöl oder Ergab ist meiner Meinung nach egal. Bei der Verbrennung entsteht CO2 und ist daher dreckige Energie.

    Vielleicht bin ich naiv. Aber wenn wir auf den Mars fliegen können, müssten wir doch auch in der Zukunft unser Energieproblem sauber lösen können.

    Ich persönlich werde deshalb niemals in Öl/Erdgas/Atomkraftwerk (auch wenn CO2-frei)-Firmen investieren, weil ich meinen Nachkommen gerne sauberes Geld aus möglichst ethisch korrekten Investments überlassen möchte.

    Ein Beitrag über Ethik & Investments würde mich deshalb sehr freuen!

    Liebe Grüße,

    Stefan

  9. Makrointelligenz

    Was die Rohstofftitel anbelangt wäre ich grundsätzlich etwas zurückhaltender, denn beim Ölpreis sagen die Forwardkurven bereits einen Fall auf 90$ in den kommenden Jahren vorraus. Überhaupt sollte das derzeitige Umfeld niedriger Realzinsen für eine Zunahme der Hortung von Rohstoffe sorgen. Der Preis muss ja in der Zukunft reale kaum steigen oder kann sogar fallen fallen um mit alternativen Investitionen in niedrig verzinsten Anleihen mithalten zu können. Natürlich wird das im Wesentlichen schon eingepreist sein, aber man sollte es bei der Bewertung im Hinterkopf haben.

  10. Mario

    @Stefan,

    soviel Ethik ist lobenswert. Allerdings gibt es bei Alternativenergien ebenfalls Probleme. Bei Windkraftherstellern sind es die Rotorblätter die den Arbeitern in den Fabrikhallen zu schaffen machen. Da es Verbundwerkstoffe sind, werden hier riesige Mengen Schadstoffe (Chemikalien) eingesetzt. Diese sind sehr gesundheitsschädlich. Es kommt massenhaft zu Problemen.

    In der Solarindustrie ist es Quecksilber. Wenn Leute dort angestellt werden, werden sie vorher auf diesen Stoff untersucht. Beim Ausscheiden dann ebenfalls.

    In der Nahrungsmittelindustrie ist es die Massentierhaltung. Hier wären bestimmt noch viele Beispiele zu nennen.

    Natürlich ist das Problem mit der Endlagerung von Atombrennstoffen nicht gelöst. Es wird auch immer der Makel bleiben. Ich bin da ebenfalls skeptisch. Doch soweit ich die Sache überblicken kann findet sich in jedem Produkt / Produktionszweig etwas Umweltschädliches.

    Mario

  11. Turing

    @Olga

    Ich habe noch viel mehr im Depot, aber Energiewerte sind mir schon wichtig. Der Energiebedarf wächst genauso wie der Bedarf an Nahrungsmitteln.

  12. Turing

    @Stefan

    Ethik spielt eine Rolle, na klar, deshalb sind Alkohol und Tabak für mich tabu. Ich halte Ölmultis aber keineswegs für unethisch, denn kann es unethisch sein, wenn man für Millionen von Menschen Wohlstand schafft? Genau das haben diese Firmen geleistet.

    Es ist modern geworden, diesen Firmen und der Marktwirtschaft und dem Fortschritt generell Umweltzerstörung anzukreiden und die Vergangenheit zu verklären. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Durch die Industrialisierung wurde die Natur massiv entlastet, der europäische Wald erholte sich massiv und die Gewässer sind sauber geworden. Man sollte bloß nicht dem Gedanken aufsitzen, vor der Verschmutzung der Gewässer durch Industrieabfälle wären die Gewässer sauber gewesen.

    Was sich heute als ethisch verkauft, ist meist äußerst zweifelhaft. Solarenergie – uneffizienter Elektroschrott und ein enormes Problem für die Feuerwehr, falls der Dachstuhl mal brennt. Windenergie – Massenvernichtung unserer gefiederten Freunde, Lärmverschmutzung, Verschandelung der Landschaft. Und dann ist auch die Windkraft nicht einmal effizient. Biogas – die Landwirtschaft nimmt zu und das ist nicht gut. Das Grundwasser leidet, die Natur leidet. Auch die Form der Energiegewinnung ist nicht effizient und obendrein auch noch gefährlich, denn ständig kommt es zu Zwischenfällen.

    Sämtliche Argumentationen, die auf CO2 aufbauen, sind ohnehin nicht haltbar. Dahinter steckt eine antiaufklärerische Haltung. Wir wissen nicht, wie das Klima funktioniert, aber die Grünen meinen, wir sollte es schützen und Vermindern den CO2-Ausstoß.

  13. Thomas

    Ethik:

    Wenn ich selbst Alkohol trinke und/oder Tabak zu mir nehme ist es dann immer noch unethisch in Firmen zu investieren die diese Produkte vertreiben?

  14. Sams

    @ Ethik und Moral
    Da ich als Christ getauft wurde hatte ich in der Schule Religion und keinen Ethikuntericht.
    BP und z.B. Eon habe ich gekauft.
    Ich gebe es zu, ob es klug war oder ob ich mich verschätzt habe wird die Zeit zeigen.
    Nennt mich einen Zyniker, aber ich rauche und trinke auch Alkohol, deshalb würde ich auch in BAT, Altria usw investieren.
    Ich halte Menschen die nach ethik und moral streben weder für lästig noch für dumm.
    Ich hege für jeden Menschen der progressiv weiterschreiten will, für jeden der eine Utopie verfolgt Respekt.
    Nur leider kriege ich für mich Moral und Ethik nicht zu fassen.
    Weder ist für mich der Mensch rein Vernunftbegabt noch sehe ich in ihm etwas Göttliches.
    Ich kann für mich also den Menschen weder für gut noch für bösse halten.
    Genau dort hör ich dann auf nachzudenken und sage solche Schenkelklopfer wie „Liebe ist… mir zu philosophisch, ich bleib beim Bier!“.
    Was ich damit sagen will ist eigentlich ganz simpel, um moralisch handeln zu können muss klar sein was richtig und was falsch ist.
    Das klingt nach schwarz und weiß, bipolares Denken mag nützlich sein aber ob das zur lieben Wahrheit führt. So wird aus richtig schnell falsch ich kann nicht sagen was richtig und was falsch ist. Ich habe nur meine sicht der Dinge.
    Klar kann man sagen Eon betreibt z.B. IsarI und IsarII, klar kann man sagen die Dreckschleuder Datteln will ich gar nicht haben.
    Nur lösgelöst von Wirkungsgraden von Kohlekraftwerken, kann man auch sagen Eon betreibt auch einige saubere Wasserkraftwerke. So jetzt gibt es auch menschen die sagen die Isar war einmal ein so schöner bewegter Gebirgsfluss, jetzt ist es mehr so ein Stausee. Ist der eingriff in die Natur Ethisch und Moralisch korrekt?
    Klar sind Solaranlagen eine tolle sache, wenn sie weit weg sind. Will ich persönlich wenn ich unter dem Dach wohne 60 cm von meinen Kopf weg diese ganze Elektrik brummen lassen? Nein.
    Muss jetzt arbeiten gottseidank sonst würde es noch länger.
    mfg

  15. tim schaefertim schaefer

    @ Olga
    stimmt. Tech-Aktien sind für Buy and Hold ziemlich riskant, weil die Trends sich so schnell ändern. Deshalb sind Lebensmittel-, Seifenhersteller und Energiefirmen wohl besser für das Rentendepot.

    @ Stefan
    Ich verstehe Deinen Einwand. Diese ethische Frage muss sich jeder selbst stellen. Das gilt bei vielen Aktien. Insbesondere natürlich bei Kernkraft, Waffen, Zigaretten, Öl, Bergbau etc. Mir gefallen die Cash Flows bei den Ölmultis. Ich bestreite nicht, dass die Umwelt darunter leidet.

    @ Makrointelligenz
    Ich finde die Öl-Aktien einfach spannend. Die Charts sehen toll aus. Ein Rücksetzer ist natürlich immer drin.
    Der Exxon-Chart ist einfach stark.

    @ Mario
    Das stimmt. Umweltschäden sind überall ein Problem. Da gibt es keine Ausnahme.

    @Turing
    Das stimmt. Es gibt beim Umweltschutz Fortschritte. In New York waren der East und Hudson River vor 100 Jahren grün und gelb vor lauter Chemikalien. Jetzt kann man wieder darin schwimmen.

    @Thomas
    Der Gedankengang leuchtet ein.

    @ Sams
    Das sind gute Fragen. Nicht einfach zu beantworten: Kohle oder Atom? Solar oder sonst was? Kann ich aus moralischen Gründen die Altria-Aktie kaufen?

    Das „Gemeine“ ist: Aktien, die auf Gewohnheiten der Menschen setzen, laufen am besten: Zigaretten, Alkohol, Schokolade, Kaffee, Energydrinks, Eiscreme, Spielkasinos, Lotto…

  16. Matthäus Piksa

    @Tim

    Nochmal zum Energiesektor: Also ich finde derzeit aber auch schon seit Längerem einen reißerischereren Artikel zu den Entwicklungen im Commodity-Sektor nach dem Nächsten. Das ist dir sicherlich auch nicht entgangen, ich weiß.

    Auffällig ist der Vergleich mit der Ölmacht Saudi-Arabien, hier zB von deinen Kollegen der Financial Times.

    Ich habe dazu auch einen eigenen Blog-Artikel geschrieben, weil es auffällig ist, wie sich der Spread zw. Brent und WTI entwickelt, zZ ca. 20 Dollar.

    Stellt sich nunmehr die Frage, ob die Kursphantasie der Rohstoffkonzerne in diesen Bereichen jetzt erstmal für lange Zeit gedeckelt ist. Das könnte mEn durchaus der Fall sein, gleichwohl dürften die Dividenden auch weiterhin enorm sprudeln.

    Nicht verwunderlich ist, dass die OPEC-Staaten die pessimistischsten Prognosen zu den „neuen“ Funden abgeben. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

    Der letzte Zusammenhang, den ich aus den vielen gelesenen Artikeln ziehe ist. Wenn es stimmt, dass der Irak ebenfalls große Ölvorkommen hat und die USA letzten Endes immer weniger Öl aus dem Ausland nachfragen muss, dann kommt das Öl letzten Endes anderen Wirtschafts- und Wachstumsregionen (Europa/China etc.) zugute.

    So gesehen, kann man den Irak-Krieg als „Investition“ in die Versorgungssicherheit dieser Regionen ansehen, die Kosten hatten jedoch die Amerikaner selbst, nicht nur finanziell betrachtet, sondern auch bzgl. ihrer Truppen (Gefallene/Verwundete).

    Auch wenn der Irak-Krieg auf einer Lüge hinsichtlich des Vorhandenseins von Massenvernichtungswaffen aufgebaut war, so zählte ich mich nie zu den Gegnern des Einsatzes. Letztlich muss konstatiert worden, dass ein Diktator verschwand.

    Gruß

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