Das Ende des Ratten-Rennens


New York, 23. Juni 2013

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Ich bin ein Fan von Vorständen, die einen langen Zeithorizont verfolgen. Auf solche Manager kann ich mich als Anleger verlassen. Jene, die nur das nächste Quartal im Kopf haben, können einen großen Schaden anrichten. Es gibt genug Gierige, die denken bloß ans eigenes Gehalt mitsamt den Aktienoptionen – und spielen mit dem Gedanken, den Job zu wechseln, sobald die Stimmung dreht.
Paul Polman ist anders. Ich habe ihn in New York auf Präsentationen erlebt. Er war Finanzchef des Lebensmittelgiganten Nestle. Jetzt leitet er den Konsumgüteranbieter Unilever (Dove-Seife, Ragu-Soße, Lipton-Tee).
Er hat das langfristige Wohlergehen seines Unternehmens vor Augen. Er möchte seinen Endkunden hochwertige Produkte liefern. Er möchte glückliche Konsumenten. Das ist sein Oberziel. Er verfolgt ein nachhaltiges, faires Unternehmenskonzept. Er kämpft gegen Armut, gegen Umweltverschmutzung. Der Rest, sagt er, ergibt sich von selbst mit Blick auf den Gewinn und den Aktienkurs. Das stimmt.
Polman weiß: Unternehmen, die ihre Kunden über den Tisch ziehen, schlechte Qualität anbieten, die Umwelt verschmutzen, ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, sind auf dem Holzweg. Und deren Manager haben eben keine Zukunft.
Polman ist von der langfristigen Ausrichtung derart überzeugt, dass er die Quartalsberichte abgeschafft hat. Er nennt es „Drei-Monats-Ratten-Rennen“. Die mehrjährige Zielsetzung sei eine Sache, die einem der gesunde Menschenverstand sagt, behauptet Polman.
Ob ein Quartal einen Cent über den Analystenschätzungen oder einen Cent darunter liegt, ist in der Tat egal. Es zählt die Gesamtperformance über lange Zeiträume.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Ende des Ratten-Rennens

  1. finanziell umdenken

    Natürlich ist die langfristige Positionierung eines Unternehmens wichtiger als auf Sicht von Monaten oder Quartalen zu blicken.

    Allerdings, wer schon einmal im Management tätig war, der weiß, dass dort die Bilanzzahlen mindestens quartalsweise, oft sogar monatlich angeschaut werden. Das ist insofern auch notwendig, um bei ungewünschten Effekten rechtzeitig gegensteuern zu können.

    Dass die Quartalszahlen für den Aktienmarkt so wichtig sind, hat wohl mehr damit zu tun, damit Analysten etwas zu analysieren und Aktienhändler einen Grund zum Kauf oder Verkauf haben.
    Spaß beiseite, ich finde es besser, dass Quartalszahlen für alle offen gelegt werden als wenn man als Investor erst nach 6 oder 12 Monaten erfährt, warum der Kurs konträr zum Gesamtmarkt derart stark eingebrochen ist.

  2. Michael C. Kissig

    Sehr guter Beitrag, Tim!

    Quartalsberichte sind Mist, denn sie werden auf einige wenige Zahlen reduziert, die für die Entwicklung des Unternehmens eher unwichtig sind. Halbjahres- und Geschäftsberichte halte ich hingegen für wichtig, da man hier anhand des 6- bzw. 12-Monatszeitraums durchaus Entwicklungen ableiten kann.

    Das „Informationsdefizit“, das von Befürwortern von Quartalsberichten gerne ins Feld geführt wird, liegt allerdings überwiegend nicht in den Zahlen begründet, sondern in der Prosa. Und Angaben zur Geschäftsentwicklung und Hinweise auf neue Geschäftsfelder usw. kann ein Unternehmen auch geben, ohne es in ein starres Korsett namens Quartalsbercht zu quetschen. Das nennt man Investor Relations und mit Aktionräsmitteilungen kann man seine Aktionäre durchaus mit dem für sie wichtigen versogen, ohen dabei alle 3 Monate einen überflüssigen Wust von Zahlen auf sie niederregnen zu lassen.

    Ich meine, dass Quartalsberichte eher schädlich als sinnvoll sind. Sie befriedigen eher die Rezeptoren derjenigen, die ständig nach neuen Infos und Meldungen gieren, weil immer „etwas passieren muss“. Doch das Gegenteil ist der Fall: anstelle von Hektik sorgt Geduld für den langfristigen Vermögenszuwachs. Und ein 3-Monatsbericht hat nun wirklich keine Korellation mit einem langfristigen Anlagehorizont.

  3. Martin

    Mehr Transparenz kann in meinen Augen nicht schaden. Ich wäre sogar für eine Bilanz, welche in Echtzeit berechnet wird. Quartalszahlen, welche unter den Erwartungen liegen, bieten doch gute Einstiegsgelegenheiten. Weniger Transparenz führt doch nur zu mehr Insiderskandalen.

  4. willihope

    bei cola brauche ich auch keine quartalsberichte aber bei vielen firmen sind die schon nützlich!

    meine rede @tim, das management soll sich um die firma kümmern und nicht um den aktienkurs!

    leider sind deren optionen vom kurs abhängig und so wird fleissig gekauft um die eigenen optionen teuerer an den mann zu bringen.

    selbst der „gott“ von apple konnte da nicht die finger von lassen, milliardäre die an optionen drehen nur um einige millionen merh zu bekommen, auf kosten der anderen aktionäre natürlich.

  5. Hubsen

    Nestle mit supersauberer Weste ?

    – das klingt wie die Beteuerungen unserers ehemaligen österr. Finanzministers Grasser, dass alles immer supersauber abgelaufen sei…

    Seine Selbstsanzeige für nicht bezahlte Spekulationssteuer für Aktiengewinne natürlich auch nur „ein reines Vergessen“ …der Rest des Steuerhinterziehungsverdachts noch in Aufarbeitung wegen Abwicklung über zahlreiche Auslandsfirmen in Ländern mit bekannter Nutzung zur Steuerverschleierung…

    ..und ein Finanzchef bei Nestle der nichts von den Machenschaften des Konzerns weis ????… z.B. in Bezug auf Ausbeutung der Wasserquellen
    http://www.bottledlifefilm.com/index.php/id-10-wissenswerte-dinge.html

    -> DOKUS googeln -> ansehen.
    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/Dokufilm-uebt-massiv-Kritik-an-Nestle/story/31103319

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/hintergrund/wasser221.html

    ODER

    bewussst billigere Nicht-Fair-Trade-Schokoalde bezieht, dafür aber die Kakaobohnen aus Ländern mit Kinderarbeit etc.

    http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/schmutzige-schokolade-nestle-co-fordern-kinderarbeit

    Das nennt man dann wohl gelungenes Verantwortungssplitting, wo jeder nur genau weis was er wissen soll für seinen Handlungsbereich und vor kritischen widersprüchlichen Infos die Augen verschließt (hat geschichtlich schon mal ganz gut funktioniert..).

    Man darf sich als Österreicher echt schämen, dass hier ein Österreicher (der Villacher Peter Brabeck-Letmathe) bei Nestle im Vorstand die Fäden zieht.

    lg
    Hubsen

    PS: Den Investoren viel Kraft zum Wegschauen um kognitive Dissonanzen zu vermeiden!! … also am besten nur die authorisierten Werbevideos der Firma selbst anschauen – wo die Selbstlob-Beweihräucherung voll ausgelebt werden kann.

  6. willihope

    @Hubsen

    du hast dich hierher verirrt! mit dem gestammel können wir nichts anfangen.

    geh mal zu den anderen spinner und tu dich dort fleissig fremschämen!

  7. Hubsen

    @willihope

    ich beziehe mich auf die ersten 3 Absätze des Blogeintrags von Tim

    wo er sich klar als Fan von gewissen Vorständen outet, welche angeblich ganz bestimmte kunden- und investorfreundliche Eigenschaften aufweisen (sollen).

    Ist das wirklich so schwer zu verstehen, dass ich diese positiven Eigenschaften – insb bei Paul Polman als ehemaliger Finanzchef des Lebensmittelgiganten Nestle! – stark bezweifle und hierfür auch gute nachvolziehbare Gründe liefere???

    Mein Analogieschluss von Polman zum österr. Finanzminister (bezüglich der klaffenden Lücke zwischen deren Selbstdarstellung und der Realität)ist zugegebenermaßen ohne Hintergrundwissen etwas verwirrend.

    „fremschämen“ ohne d tut man – meines Wissens – nicht mal in Deutschland –

    auf ähnlichen Niveau selbstgefällig zurückpöbelnd

    Hubsen

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