Das Auf und Ab der Hedgefonds: George Soros der große Gewinner


New York, 20. Januar 2011

Hedgefonds bewegen gigantische Vermögen. Jeder Mensch auf der Erde wird irgendwann einmal direkt oder indirekt von den Geschäften dieser Geldzauberer betroffen sein. Trotz des großen Einflusses ist die Branche öffentlichkeitsscheu. Die wenigsten Hedgefonds sind uns beim Namen bekannt. Selbst die größten kennt kaum jemand. Es gibt etwa 10.000 Hedgefonds weltweit. Sie verwalten zwei Billionen Dollar. Die Anlagesumme ist in den vergangenen zehn Jahren explodiert. Einen großen Zulauf bescherten ihnen in den vergangenen Jahren Pensionskassen, Stiftungen und die Superreichen. Diese Geldspeicher tendieren dazu, ihr Vermögen von verschiedenen Adressen verwalten zu lassen – auch eben von Hedgefonds. „To hedge“ (englisch) heißt so viel wie „absichern“. Insofern muss ein solches Vehikel nicht zwangsläufig hochriskant sein, denn die Portfoliomanager sichern gerne ihre Positionen mit Gegengeschäften (Optionen, Leerverkäufen) ab.
Mit der Wirtschaftskrise gerieten viele Hedgefonds unter Druck. Insgesamt verlor die Branche im Jahr 2008 Schätzungen zufolge 18 Prozent. Ein paar wenige fuhren dennoch erstaunliche Erträge in die Scheune. Als die Talfahrt begann, zogen die Investoren reihenweise ihr Geld ab. So ist beispielsweise auch das Auffliegen zahlreicher Betrugsfälle (Bernie Madoff etwa) zu erklären, denn den Gaunern ging blitzartig das Geld aus. Im Jahr 2009 drehte dann aber wieder die Performance mit der breiten Markterholung ins Positive. Viele Fonds explodierten regelrecht. Im Jahr 2009 strichen daher die 25 best bezahlten Hedgefondsmanager 25 Milliarden Dollar ein, also pro Person machten sie im Schnitt eine Milliarde Dollar. Es ist ein Wahnsinns-Salär pro Kopf! Und war ein neuer Zahl-Rekord. David Tepper von Appaloosa Management strich gar im Jahr 2009 vier Milliarden Dollar ein – er setzte mit Erfolg auf eine Erholung der ausgebombten Bank-Aktien. Außerdem schnitt George Soros exzellent ab. Der aus Ungarn stammende Milliardär, der in New York lebt, baute das Vermögen seines Quantum-Endowment-Fonds um 29 Prozent aus. Dank der guten Performance verdiente Soros, ein Fan der Demokratischen Partei, 3,3 Milliarden Dollar an Gebühren. James Simons und John Paulson folgten auf der Liste der Top-Verdiener auf den Rängen drei und vier. Auch das nicht von schlechten Eltern.
2010 begann jedoch eine Diskussion, wie viel Gehalt ist eigentlich ein Fondsmanager wert? Üblich sind in der Brache zwei Prozent des verwalteten Vermögens per anno zu bezahlen. Darüber fließen 20 Prozent der Jahres-Performance. Nehmen wir also an, Sie hätten einen „kleinen“ Hedgefonds mit 100 Millionen Dollar und Sie würden eine Performance von durchschnittlich zehn Prozent nachweisen. Dann dürfen Sie mit insgesamt vier Millionen Dollar Jahresgehalt rechnen. Nicht schlecht, oder? Anleger fragen sich, ob es nicht kostengünstiger ist, anstatt einem teuren Manager das Geld anzuvertrauen, besser mit einem Indexpapier zu fahren, das beispielsweise auf den S&P-500 setzt. Durchschnittsanleger können ohnehin nicht in Hedgefonds investieren. Nur wer im Geld schwimmt, dem öffnen sich die Türen zu dieser glamourösen Welt. Was also tun? Ich rate solide Dividendenpapiere zu kaufen und einen eigenen Fonds aufzubauen: Marke Eigenbau. Auf Absicherungsgeschäfte (Optionen, Puts) würde ich wegen der zusätzlichen Kosten verzichten. Wer einen langen Atem hat, kann mit grundsoliden Aktien eigentlich nichts falsch machen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Auf und Ab der Hedgefonds: George Soros der große Gewinner

  1. Max

    Hallo Tim,

    ich lese deinen Blog schon eine ganze Weile. Erstmal möchte ich für die Mühe und die guten Denkanstöße danken und zum anderen habe ich eine Frage zu deiner Anlagestrategie (im Börsenspieldepot von Martin Blümel). So wie ich es verfolgt habe, liefen die Sky-Aktien bis jetzt prächtig aber die Pfleiderer-Aktien sind wohl mit Verlust wieder aus dem Depot geflogen. Klar, (d)eine Präferenz für tief gefallene Werte hast du in deinem Blog schon oft kundgetan und dass mit Chancen auch hohe Risiken verbunden sind. Mich würde interessieren, was die Gründe waren, dass du die Pfleiderer-Aktien verkauft hast und wann trennst du dich allgemein wieder von anderen tief gefallen Aktien, wenn sie weiter fallen?
    Ich muss schon sagen, dass mich es ein wenig gewundert hat, dass du die Pfleiderer-Aktien überhaupt ins Depot genommen hast. Außer die ganzen Probleme mit den Banken hat Hans Overdiek von Pfleiderer (CEO) selbst einen ganzen Schwung Aktien Ende Dezember 2010 verkauf. Keine vertrauensbildende Maßnahme an die Aktionäre. Muss man sich in solchen Situationen nicht die Frage stellen, ob das Risiko für ein Investment doch höher ist als die Chance? Ich sehe es eher als ein spekulativen Zock an und würde dieses Risiko nicht eingehen. Auch an das Geschäftsmodell von Sky glaube ich persönlich nicht so recht.

    Grüße Max

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke Max für deinen guten Beitrag. Ich wollte hier in diesem Blog anhand von ein paar Extrembeispielen zeigen, was ich als Kernbotschaft transportieren möchte. Der Holzverarbeiter Pfleiderer ist riskant, keine Frage. Es handelt sich um ein hochverschuldetes Unternehmen in einem von Überkapazitäten geprägten Markt. Mich hat in der Tat nachdenklich gestimmt, dass der Pfleiderer-Vorstandschef sich von einem großen Aktienpaket getrennt hat. Hinzu kam: Der Kurs hat noch keinen Boden ausgebildet. Vielleicht gelingt noch der Turnaround? Einfach wird es wohl nicht. Pfleiderer ist keine Mini-Firma, das wollte ich noch einmal hervorheben: Die Gruppe stemmt immerhin 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Sky Deutschland macht ca. eine Milliarde Euro Umsatz. Auch das also kein kleiner Fisch. Ich finde es spannend, dass Rupert Murdoch die Mehrheit hält. Das Geschäftsmodell ist in Deutschland wegen der Vielzahl frei empfangbarer Kanäle nicht einfach, aber es sieht so aus, als ob dennoch der Turnaround gelingt. Zumindest verlief das vierte Quartal vielversprechend. Warten wir es ab.

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