Das Aktiendepot unterm Tannenbaum


New York, 14. Dezember 2012

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Weihnachten steht vor der Tür. Es ist die Zeit der Kerzen, der Wärme, der Familie, der Geschenke. Wenn Sie Kinder haben, rate ich Ihnen, anstatt einem Haufen Plastikzeug oder Konsumelektronik lieber ein „Aktiendepot für die Rente“ zu schenken. Zeigen Sie Ihrem Nachwuchs, wie man ein Polster für die Zukunft aufbaut.
Bei der Zinseszinsrechnung geht es um drei Faktoren: Den Zins, die Zeit und das Geld. Den Zins können Sie kaum beeinflussen. Im Schnitt wirft die Börse ca. zehn Prozent per annum ab. Nach Abzug der Inflation sind es vielleicht sieben Prozent. Die Zeit spielt bei der Zinseszinsrechnung eine Schlüsselrolle. Die Zeit ist meiner Meinung nach wichtiger als das Geld. (Das blenden ja die Daytrader aus.)
Ich schrieb in diesem Blog bereits den Beitrag „Mit 5.000 Euro ein Millionenvermögen für Ihr Baby aufbauen“. Ich schilderte in dem Beitrag, wie Sie aus einem Anfangsinvestment von 5.000 Euro ein Millionenvermögen aufbauen können, wenn Sie einfach die Zeit für sich arbeiten lassen. Es entfaltet sich eine gewaltige Hebelwirkung über die Jahrzehnte hinweg. Selbst Albert Einstein war vom Zinseszinseffekt beeindruckt. Das Genie hielt es für die „größte mathematische Entdeckung aller Zeiten“.
Ich rate Ihnen nun, ein Depot für Ihre Kinder einzurichten und Geld anzusparen. Ideal ist meiner Meinung nach ein kostengünstiger Indexfonds. Wer einzelne Aktien lieber hat, der kann das natürlich machen. Ich habe im Blog einmal vor Jahren „Meine vier Aktien bis zur Rente“ vorgestellt. Der Artikel ist nur ein Beispiel, wie Sie vorgehen können und keine Aktienempfehlung.
Nehmen wir an, dass Ihr Kind zwölf Jahre alt ist. Sie zahlen nun jährlich 3.000 Euro auf das Depot ein, bis Ihr Kind 18 Jahre alt ist. Das macht bei sieben Prozent Rendite nach sechs Jahren fast 23.000 Euro.
Wenn das Kind volljährig ist, sollte es das Depot unangetastet lassen. Es sollte einfach so wie es ist bis zur Rente schlummern. Nach 47 Jahren werden aus den 23.000 Euro Anfangskapital 553.000 Euro Endkapital. Davon sind 530.000 Euro Zinsen aufgelaufen. Unterstellt habe ich wieder die sieben Prozent p.a. Ist das nicht herrlich? Wenn das Kind eigenständig Geld kontinuierlich hinzufügt zum Depot, ist das natürlich umso besser. In diesem Fall würde ein Millionendepot entstehen.
Erklären Sie Ihren Kindern den Vorteil vom Verzicht auf Konsum, die Vorzüge von einem sparsamen Lebensstil. Am schlimmsten finde ich den Konsum, wenn er nicht mal gebraucht wird. Ich kenne Leute, die kaufen Zeug, das sie nie brauchen. Ob Schuhe, Elektronik oder Kleidung, all das liegt jahrelang ungenutzt im Schrank. Manchmal ist der Kram verpackt, das Preisschild klebt noch dran.
Erklären Sie, was die Gefahren von Schulden sind. Machen Sie deutlich, warum bei der Kreditaufnahme der Zinseszins gegen einen arbeitet.
Im Endeffekt ist der Kapitalismus ein Paradies, wenn man weiß, wie man den Kapitalismus für sich arbeiten lassen kann. Wer sein Kapital an der Börse investiert und Geduld hat, der kann von seiner Knete unglaublich profitieren.
Übrigens können Sie mit diesem Zinseszins-Rechner im Internet gut nachvollziehen, warum Albert Einstein den Zinseszins so bewunderte. Es fängt harmlos mit einem kleinen Schneeball an. Aus einem kleinen Schneeball wird mit der Zeit eine Lawine.
Ich finde so ein „Depot für die Rente“ ist ein sinnvolles Geschenk – jedenfalls besser als das zehnte Computerspiel oder irgend ein Plastikkram unterm Tannenbaum. An den meisten Spielen verlieren die Kinder ohnehin nach ein paar Wochen das Interesse. Kleidung in der falschen Größe und Farbe – das passiert oft. Die meisten Kinder haben sicherlich ausreichend Spielzeug.
Im Schnitt gibt ein Amerikaner für Weihnachtsgeschenke 854 Dollar aus. Wenn Sie das auf die Bevölkerung von über 300 Millionen Menschen beziehen, kommt schnell eine riesige Summe zusammen. Ökonomen schätzen, jedes Jahr werden 25 Milliarden Dollar für nicht gebrauchte Geschenke verschwendet.
Kurzum: Unsummen werden jedes Jahr für unnötige Geschenke zum Fenster hinausgeworfen. Schenken Sie besser Sinnvolles!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Aktiendepot unterm Tannenbaum

  1. Reinhard

    Hallo Tim,
    wer wollte da wiedersprechen, sparen statt konsumieren.
    Ob allerdings der unterstellte Zeitraum zur Verfügung stehen wird, um den Zinseszins so richtig wirken zu lassen, ist ungewiss. Das Handelsblatt druckt z.Zt. eine interessante Serie „VISION 2030“ ab, in der möglich Szenarien für diesen Zeitraum beschrieben werden.
    Ein Autor, Geschichtsprofessor, vergleicht darin den Niedergang Amerkias als Weltmacht und -polizist mit der entsprechenden Entwicklung von vor 100 Jahren mit der damalig vorherrschenden Weltmacht Großbritannien. Als diese ihre Vormachtstellung verlor, kam es zu den bekannten kriegerischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts. Das gleich prognostiziert er für die erste Hälfte dieses Jahrhunderts. Nur dass diesmal nicht Europa der Kriegsschauplatz sein wird, sondern vermutlich der Nahe oder fernere Osten (Iran – Israel / Pakistan – Indien). Und es wird in einem atomaren Schlagabtausch münden, so die Prognose.
    Sollte es so kommen und Vorzeichen dafür gibt es zuhauf, dann ist sind das Rentenproblem und der Vermögensstand plötzlich ziemlich bedeutungslos.
    Alles, worrüber wir uns hier den Kopf zerbrechen, ist dann ziemlich wertlos. Was ich damit sagen will, es wäre verwunderlich, wenn es daurend bergauf ginge. Die Menschheitsgeschichte jedenfalls sieht bislang anders aus.
    Ob man dann ein Sparbuch, die hochgelobten ETFs oder was auch sonst hat, macht keinen großen Unterschied.

  2. Constantin

    Hallo Tim,

    ich möchte nicht in die Augen eines 5-jährigen blicken, der ein Aktiendepot geschenkt bekommt. Das bringe ich nicht übers Herz.

    Sinnvoll ist die Idee natürlich trotzdem – vielleicht kann man es etwas weniger herzbrecherisch über die Bühne bringen.

  3. StefanStefan

    Die Rendite von 7 % erscheint mir schon sehr hoch. Zumindest nach Steuern muss man das erst mal schaffen.

    Und man darf natürlich keine Telekoms, Enrons, Worldcoms, Freddie & Fannies, Eons, Eastman Kodaks usw usw erwischen.

    Mein Sohn ist 2,5 Jahre alt und hat schon ein Depot bei comdirect. Allerdings noch nicht sonderlich bestückt. Das mache ich stückchenweise. Allerdings glaube ich nicht, dass ihn das wirklich interessiert. Sein Bagger ist ihm da doch um einiges wichtiger 🙂 Gut so!

    Eine Horrorvorstellung wäre es wenn man 20 Jahre für das Kind spart und deses das Geld bei der nächstbesten Gelegenheit z.B. in ein teures Auto „investiert“. Dann hätte man jedoch wohl auch was in der Erziehung falsch gemacht…

    Gruss

    P.S.: Mir tun diese Familien leid, die jetzt Weihnachten ohne ihre Kinder feiern müssen! Eine schlimme Tragödie, was da gerade wieder an dieser Grundschule passiert ist.

  4. Markus

    Ob die nächsten 30 Jahre jetzt 12, 7, oder 3 Prozent pro Jahr real oder nominal rauskommen kann keiner sagen. Fakt ist, das Aktien in der Vergangenheit mit die beste Anlageform nach Inflation waren. Ja, die langen Zeiträume 1960 – 1980 und ab 1928 mit plus minus null waren nicht berauschend, aber… das passiert nur, wenn man mit seiner ganzen Anlagesumme ein einziges mal und genau zu diesem tollen Zeitpunkt investiert und auch keine Reinvestitionen in Form von Dividenden vornimmt. Laut J. Siegel waren sogar 6 % nach 1928 mit langweiligen cost average bzw. Reinvestitionen von Dividenen möglich. Weltkriege und Naturkatastrophen zum trotz waren die Gesamtmärkte besser als Anleihen nach schönen Währungsreformen. Ein bisschen timen kann man, wenn man sich auch am 10 Jahres-KGV von Shiller orientiert. Procter, Nestlè, Heinz, Kraft, Unilever sind Brocken, die so schnell nichts umwirft. 3000 € Weihnachtsgeschenk ist allerdings etwas übertrieben. 😉 Zumindest die Vorteile von den langen Zinseszins-Zeiträumen und den Freibeträgen klingen gut. Was ich mich allerdings frage: Kann das Vermögen immer weiter mit dem exponentiellen Zinseszins sich von dem realen Wirtschaftswachstum entfernen ohne das die Unterschiede zu einem fetten Zusammenbruch führen? Nach normalem schwäbischen Hausverstand muss ein Reset in Form von Währungsreformen kommen.

  5. Finanzielle Freiheit mit Dividenden

    Ich glaube das man mit einem sehr gut aufgestellten Dividenden Depot langfristig sehr gut fährt und ein Dividenden Depot wird auch einen potentiellen Krieg in Iran/Israel überstehen. Wenn man sich einfach mal die US Dividenden Aristokraten mit 50 Jahren und längerer Dividendenhistorie anschaut, wo diese Unternehmen seit über 50 Jahren Jahr für Jahr ihre Dividende erhöht haben.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Reinhard

    Wir können nur hoffen, dass wir keinen dritten Weltkrieg erleben werden.

    In der westlichen Welt gibt es immer weniger Kriegstreiber. Zum Glück ist die Bush-Ära vorüber. George Bush war ein Kriegsherr. Er ließ foltern, errichtete Geheimgefängnisse in Europa, betrieb Folter-Kammern in Kuba, führte unnötige Kriege (Irak). Er war nur mit sich selbst unzufrieden (Bushs Alkohol- und Drogensucht sind ja bekannt).

    Ich glaube, wir werden eine tiefe Demokratisierung sehen. Despoten und Kriegstreiber werden es schwerer haben. Die Menschen gehen doch schon überall auf die Straßen und werfen die Diktatoren raus. Welche Eltern möchten ihre Kinder in den Krieg schicken?

    @ Constantin
    Ja, stimme zu. Auf den Mix kommt es an.

    @ Stefan
    Die Telkos und Freddies sind Teil der Indizes. Insofern keine Sorge. Streuen ist natürlich wichtig. Gratulation zu dem Depot für den Sohn. Das klingt super.

    Ja, das Schul-Masaker ist eine Tragödie. Hoffentlich schränkt Amerika endlich den Schusswaffenverkauf ein. 300 Millionen Waffen sind zu viel.

    @ Markus
    Der 7% Zins wirkt massiv über die Jahrzehnte. Die Masse versteht das nicht. Das Volk hat Sparbücher, Lebensversicherungen, Immobilien. Der Rest tradet. Insofern schaffen das nur die wenigsten.

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden
    Oh ja, die Aristokraten sind Raketen. Die Dividende wird oft unterschätzt.

  7. Martin

    Ich finde das sehr löblich. Natürlich kann ein Kind so etwas abstraktes wie ein Depot noch nicht erfassen. Daher ist es auch egal, ob man es Weihnachten macht. Besser so früh wie möglich.
    Da Kinder wie jedermann einen Freibetrag haben, welcher auch nächstes Jahr erhöht wird, macht es mehr Sinn frühzeitig zu schenken statt zu vererben oder dem Kind etwas zu kaufen.

    Könnte man statt mit dem Depot des Kindes Aktien zu kaufen, nicht auch Aktien mit aufgelaufenem Gewinn übertragen, welche man eh verkaufen will? Dann werden die verkauft, der Gewinn steuerfrei realisiert und für das Kind neu angelegt. Das Geld gehört dann aber dem Kind und man kommt nicht wieder ran. Besser das Kind kauft sich dann selbst Geschenke aus den steuerfreien Gewinnen als, dass man es beschenkt 🙂

  8. finanziell umdenken

    Hi Tim,

    im Grunde ist ein globaler Aktien-ETF einer der sinnvollsten Geschenke, den man kleinen/mittelgroßen Kindern oder Jugendlichen machen kann. Anstatt ein Teil des Taschengeldes oder die Scheine von der Großmutter ins Sparschwein gesteckt werden, sollten Eltern lieber von Zeit zu Zeit einen Aktien-ETF besparen.
    Vielleicht sogar einen mit regelmäßigen Dividendenausschüttungen. Denn das motiviert den Nachwuchs in frühen Erwachsenenalter noch mehr als wenn dieser erst in 40 Jahren an des Geld herangehen soll.

    VG
    Lars

  9. Anna

    Hallo,
    richtig ist es schon im Kindesalter mit einem Depot anzufangen.
    Aber man stelle sich folgendes nach Weihnachten vor: Was hast Du denn so alles bekommen? Der Zehnjährige erzählt dann in der Schule, er hätte nur Aktien zu Weihnachten bekommen. Ich glaube, da tut man dem Kind keinen Gefallen. Mobbing ist da vorprogrammiert. Diese Seite muss man mit betrachten.

    VG
    Anna

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