Das Affentheater um die Quartalszahlen


New York, 23. April 2010

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An der Börse wird ein riesiges Affentheater um Quartalszahlen veranstaltet. Und die Aktien reagieren mit enormer Sprungkraft in beide Richtungen. So legte gerade Ebay die Zahlen vor und schwups verlor der Kurs sechs Prozent. Es wird sehr viel in Zahlen hineininterpretiert und analysiert. Der Ausblick des Vorstands wird Wort für Wort auseinandergenommen. Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Radio und Fernsehen berichten.
Als Langfristinvestor interessiert es mich nicht die Bohne, ob meine Firma nun auf Dreimonatssicht um sieben oder neun Prozent gewachsen ist. Hauptsache die Grundtendenz stimmt. Angenommen, Sie kauften Ihre Aktie, sagen wir Microsoft, vor 25 Jahren. Und dann meldet Microsoft morgen die Quartalszahlen. Das interessiert Sie nur am Rande, wenn überhaupt! So sieht der Microsoft-Chart aus auf Sicht der vergangenen Jahrzehnte. Wen juckt da ein Quartal? Falls Microsoft in einer schwierigen Unternehmensphase stecken würde, sind Sie als Value Anlager bereit, dies auszusitzen. Praktisch hat doch jeder Konzern eines Tages mit Problemen zu kämpfen. Warum sollten Sie in einer solchen Phase verkaufen? Meist hat doch der Kurs längst auf die Krise reagiert und notiert entsprechend tiefer. Warren Buffett sitzt solche Krisen einfach aus. Nehmen Sie etwa American Express: Der Kurs des Kreditkarten-Anbieters kollabierte während der Finanzkrise. Buffett verkaufte nicht eine einzige Aktie. Oder nehmen Sie derzeit Goldman Sachs. Buffett bleibt auch hier an Bord. Lediglich ließ sich Buffett am Freitag, als die Anklage der SEC gegen die Investment Bank publik wurde, telefonisch von Goldman-Chef Lord Blankfein informieren. Nicht mehr und nicht weniger.
Es wäre doch geradezu töricht, wenn Buffett inmitten dieses Skandals seine Anteile abstoßen würde. Aktuell notiert Goldman Sachs bei 158 Dollar. Am 14. April, also vor der Krise, markierte der Titel noch bei 185 Dollar ein Zwischenhoch. Trotz des Kursabschlags würde ich erst dann Goldman-Sachs-Papiere einsammeln, wenn sich die Insider eindecken. Bislang hat sich noch keiner der Manager nach vorne gewagt. Käufe durch Insider sind weit und breit keine in Sicht. Also abwarten und Tee trinken.


tim schaefer (Author)

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