Crocs: Bill Gates steigt ein


New York, 16. August 2008

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Nach einem heftigen Absturz ist die Gummilatschenfirma wieder ins Laufen gekommen. Heute explodierte das Crocs-Papier um neun Prozent auf 4,69 Dollar. Grund: Der Bill und Melinda Gates Foundation Trust hält nun eine Million Aktien des Sandalenproduzenten. Das Unternehmen aus Colorado stürzte tief. Ende 2007 überschritt die Notiz noch die 70-Dollar-Marke. Seither marschierte der Kurs stetig tiefer, die hohen Erwartungen konnte die Führungsspitze nicht erfüllen. Gates steigt nun zum Tiefpunkt ein. Daran sehen Sie wieder einmal, dass die Superreichen bevorzugt antizyklisch handeln. Crocs war ein Massenphänomen, ein Kultobjekt! Die Latschen bekommen Sie mittlerweile rund um den Globus in Schuhgeschäften, Boutiquen, Sportläden. Die Wachstumsraten lagen vor einem Jahr bei weit über 100 Prozent. Viele Promis tragen die Schuhe mit dem Krokodil, selbst George Bush mag sie.
Die Firma wurde 1999 gegründet. Die Kernidee war, einen rutschfesten und bequemen Schuh für den Boot- und Outdoorsport zu entwickeln. Zur Überraschung der Gründer entwickelte sich die Nachfrage im Massenmarkt sprunghaft, selbst Krankenhauspersonal trägt mittlerweile die knallbunten Sandalen. 2007 explodierte der Umsatz auf 847 nach zuvor 354 Millionen Dollar. Der Überschuss kletterte auf 168 nach vormals 64 Millionen Dollar. Doch dann kamen die Schuhe aus der Mode. Im ersten Quartal lief ein Verlust von 4,5 Millionen auf bei 198 Millionen Dollar Umsatz. Derzeit ist der Börsenwert auf 368 Millionen Dollar abgerutscht. Ein Witz. Bill Gates hat Recht: Selbst wenn Sie im laufenden Jahr einen Umsatzrückgang auf 750 Millionen unterstellen, wird die Gesellschaft mit nur einem halben Jahresumsatz bewertet. In der Bilanz schlummern keine Schulden, sondern 46 Millionen Dollar Cash. Zudem sollte Crocs dieses Jahr trotz der Wachstumsschmerzen positiv abschließen. Die Gesellschaft weist ein Eigenkapital in Höhe von 453 Millionen Dollar aus. Kaum zu glauben, aber der Börsenwert liegt darunter. Insofern kriegen Sie die den Modehersteller mit einem Discount von gut 20 Prozent zum Buchwert. Eine solche Unterbewertung finden Sie selten. Mein Fazit: Kaufen! Folgen Sie einfach Bill Gates.
Grundsätzlich ist es mit Modekonzernen immer riskant: Denn gewisse Trends sind schnell mal out. Sie kennen sicherlich auch die deutschen Birkenstockschlappen. Diese Öko-Schuhen waren mal richtig in. Dann interessierte sich eines Tages kein Mensch mehr dafür und sie kamen aus der Mode. Seither kam der Trend nie mehr zurück. Das sollten Sie immer im Hinterkopf haben, wenn Sie Aktien von Modefirmen kaufen. Zudem hatte es Crocs versäumt, mit dem schnellen Wachstum eine „echte Marke“ aufzubauen. Um dies zu schaffen, brauchen Sie eine clevere Marketingstrategie.
Beide Technologie-Giganten Apple und Google können Sie fast mit einem Modeunternehmen gleichsetzen. Um die beiden Konzerne hat sich ein regelrechter Hype entfacht. Apple und Google weisen einen nahezu gleich hohen Börsenwert von derzeit rund 158 Milliarden Dollar aus. Microsoft ist mit einer Marktbewertung von 254 Milliarden dagegen unangefochten die Nummer eins in dem Trio.
Auf der Erfolgswelle schwimmt Apple: Das Musikabspielgerät iPod, das Handy iPhone oder die MAC-Computer gehen weg wie warme Semmeln. Ob die Produkte des Steve Jobs noch in fünf oder zehn Jahren so gefragt sind wie heute, ist fraglich. Vielleicht taucht ein anderer Technologiekonzern auf, der plötzlich in Mode kommt. Ebenfalls ist es gut möglich, dass in ein paar Jahren eine neue Suchmaschine aufkreuzt, die den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page die Butter vom Brot nimmt.


tim schaefer (Author)

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