Crash! Was tun?


New York, 28. Juni 2008

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Ständig neue Rekordmarken beim Öl verunsichern die Börsianer. Der Preis für Öl hat erstmals die Marke von 140 Dollar je Barrel geknackt. Es besteht die Sorge, dass das teure Öl die Konjunktur abwürgt und die USA in eine schwere Rezession treibt. Binnen eines Jahres hat sich der Preis für das schwarze Gold verdoppelt. Einen so extremen Anstieg hält kaum eine Wirtschaft aus – ohne massive Auswirkungen. Eindrucksvoll können Sie das ganze Ausmaß des Desasters sehen anhand von Fluggesellschaften oder Automobilherstellern. Noch nie zuvor notierte die General-Motors-Aktie so tief. Aktuell kostet sie 11,55 Dollar. Selbst wenn Sie zurückblicken in die 60er Jahre! Und das Ford-Motor-Papier durchbrach die 5-Dollar-Marke am Freitag auf 4,97 Dollar. Zuletzt dümpelte der Ford-Kurs 1985 so tief wie derzeit.
Die Billigfluglinie JetBlue, an der sich die Lufthansa im Dezember 2007 in Höhe von 19 Prozent am Grundkapital beteiligte, ist auf 3,64 Dollar abgestürzt. Die Frankfurter zahlten bei ihrem Einstieg noch 7,27 Dollar je Aktie, also das Doppelte der gegenwärtigen Bewertung. Ende 2003 lag die Notierung von JetBlue sogar in der Spitze bei 30 Dollar. Wie reagieren die Airlines auf den Preisschock? Sie erhöhen ständig die Preise. Wer beispielsweise mit einem zweiten Koffer reist, wird mit einer Extragebühr zur Kasse gebeten. Delta wird selbst die Teilnehmer ihres Vielfliegerprogramms schröpfen. Wer seine Bonusmeilen mit einem Freiflug künftig eintauscht, soll 50 Dollar zahlen. Zudem streichen die Airlines ihre Kapazitäten. Flugzeuge werden eingemottet und im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Gut zehn Prozent der Flugzeuge dürfte so vom Markt in den nächsten Wochen und Monaten verschwinden. Zuletzt verknappten die Fluggesellschaften nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 ihre Flotte so drastisch.
Amerikaner werden erdrückt von den Spritpreisen und den grassierenden Kosten für Lebensmittel. Darüber hinaus leidet die größte Volkswirtschaft der Welt aufgrund des Platzens der Immobilienblase. Millionen von Haushalten sind pleite. Sie hatten sich mittels katastrophal abgesicherten Hypotheken hochgradig verschuldet – in der Hoffnung vom Immobilienboom profitieren zu können. Betongold boomte, weil die Finanzierung sehr wenig kostete. Alan Greenspan hatte in seiner Zeit als FED-Chef die Leitzinsen bis auf 1,0 Prozent im Jahr 2003 gesenkt. Das trieb die Massen in die Banken, so billig war das Geld. Ein weiterer Grund für die Subprime-Krise war, dass die Regierung von George Bush Minderheiten die Schuldenaufnahme erleichtert hatte. So schufen die Banken in den 60er Jahren in internen Dokumenten Areale in Städten, in denen sie keine Finanzierungen von Häusern vornahmen. In diesen Gegenden lebten häufig einkommensschwache Schwarze oder Bürger mit südamerikanischen Wurzeln. Der Regierung ging es darum, diese Gebiete auch zu öffnen. So trieb die Regierung in guter Absicht viele Menschen in Hypotheken, die sie nicht schultern konnten. Freilich tragen die Banken eine Mitschuld an dem Desaster. Ohne intensive Prüfung der Bonität und der Immobilie gaben sie millionenfach grünes Licht. Insbesondere Minderheiten stehen nun vor der Pleite.
Der Dow Jones gab vergangenen Freitag abermals um gut 100 Zähler auf 11.346 nach. Noch Ende 2007 lag der Dow Jones in der Spitze bei 14.000 Punkten. Der 10-Jahres-Chart zeigt Ihnen den jüngsten Einbruch (rechts oben auf dieser Seite). Um 10,2 Prozent ging es im Juni im Dow schon runter – das war für einen Juni soviel wie zuletzt in der großen Depression 1932. Charttechnisch sieht es so aus, als ob wir eine Unterstützung zwischen 10.000 und 11.000 Punkten erwarten können. Börsenabschwünge können durchaus ein bis zwei Jahre dauern. Sie können aber auch durchaus zehn Jahre und länger anhalten, wie wir es in Japan ab 1990 sahen. Kein Mensch weiß, wie sich die Börse verhalten wird. Nur eines ist gewiss: Die Nervosität und die Volatilität hat zugenommen. Ich selbst bleibe investiert und lasse mich nicht verrückt machen. Der erfolgreichste Investor aller Zeiten, Warren Buffett, springt nicht ständig in seinen Positionen hin und her, sondern er hält beständig an seinen Papieren über Jahrzehnte hinweg fest. Insofern sollten Sie seiner Strategie folgen. Panik ist ein schlechter Ratgeber.
Wer noch Barmittel hat, die er nicht auf absehbarer Zeit braucht, kann sich auf die Lauer legen, um nach Schnäppchen Ausschau zu halten. So wie es derzeit aussieht, kann der Dow Jones tiefer rutschen. Die Verunsicherung und Nervosität ist enorm. Zwar erhalten in diesen Tagen Steuerzahler einen Scheck von ihrer US-Finanzbehörde, der IRS. Pro Steuerzahler gibt es 600 Dollar, für Verheiratete sogar 1.200 Dollar. Pro Kind unter 17 Jahren erhöht sich die Summe um 300 Dollar. 124 Millionen Briefe sind in diesen Wochen per Post unterwegs. Das Konjunkturprogramm der Bush-Regierung summiert sich auf 100 Milliarden Dollar. Doch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese Schecks dürften kaum die negative Stimmung der Konsumenten über Nacht ins Positive drehen.
Alles in allem könnte sich ein Einstieg in Ölgesellschaften langfristig auszahlen. Sofern ihre favorisierte Öl-Aktie in den kommenden Tagen korrigiert, sollten Sie einen Kauf erwägen. Gewiss sind die Energieunternehmen äußerst gut gelaufen. Sie bieten allerdings einen Schutz vor der grassierenden Inflation und einem weiter steigenden Ölpreis. Ich rechne mit einem Ölpreis von 250 Dollar noch in diesem Jahr. Ehrlich gesagt, ist der Spritpreis in den USA gar nicht so teuer: Eine Gallone kostet mit 4,07 Dollar soviel wie die gleiche Menge Milch im Supermarkt. Eine Tasse Kaffee bei Starbucks (umgerechnet in eine Gallone) kostet ein Mehrfaches. Und Sprit ist ein enorm wichtiger Treibstoff, der die Welt in Bewegung hält. Eine Tasse Kaffee oder Milch dagegen sind nur ein Getränk.
Ebenfalls halte ich Markenhersteller für attraktiv. Starke Markenproduzenten performen im Schnitt besser auf lange Sicht als der allgemeine Durchschnitt der Börsengesellschaften. Das zeigen Studien des New Yorker Analysehauses Interbrand, die jedes Jahr den Wert der weltgrößten Marken analysiert. Worauf Sie achten müssen, wenn Sie erfolgreich investieren möchten, habe ich Ihnen bereits ausführlich in acht Schritten dargestellt. Meine Tipps können Sie hier nachlesen: Mein Blog vom 7. Juni 2008.


tim schaefer (Author)

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