Crash: Krise setzt sich fort


New York, 9. Oktober 2008

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Panik am Donnerstag. Die Wall Street erneut unter Verkaufsdruck. Börsianer schmeißen ihre Aktien wie verrückt auf den Markt. Cash is King. Der Dow Jones rutscht heute um als 678 auf 8.579 Zähler ab. Brutal. Das sind 7,2 Prozent weniger gegenüber gestern. Die Aktie von General Motors bricht gar um 31 Prozent ein. Die Ratingagentur S&P will den Automobilhersteller abstufen. Es drohen Liquiditätsprobleme. Der hochverschuldete Konzern kämpft ums nackte Überleben. Nur noch 3,8 Milliarden Dollar zeigt die Börsenwaage an. Weltweit ist der einstige US-Primus auf Platz 20 der größten Hersteller abgestürzt gerechnet nach der Marktkapitalisierung. Volkswagen ist die neue Nummer eins, gefolgt von Toyota.
Besonders gebeutelt wurden natürlich wieder im Rahmen der Immobilienkrise die Aktien des Finanzsektors. Aktien von Banken und Versicherungen sind nun binnen Jahresfrist um 56 Prozent eingebrochen. Energiewerte stürzten um 31 Prozent, Versorger um 29 Prozent, Health Care um 25 Prozent ab.
An der Wall Street sind mittlerweile die Aktien so tief gefallen, dass ich fest damit rechne, in sechs oder zwölf Monaten müssen die Kurse wieder höher stehen.
Noch brennen die Lichter in New York, wie Sie auf dem Foto sehen. Eine Weltwirtschaftskrise würde die westliche Welt gut verkraften können. Mit Hungerphasen oder sonstigem rechne ich nicht. Eher weniger Urlaub, ältere Autos und weniger Restaurantbesuche stehen dann auf dem Programm der Konsumenten.
Aktienverkäufe würde ich jetzt zurückstellen. Es scheint mir jetzt zu spät. Es gibt zahlreiche Werte, die nahe an ihrem Buchwert notieren. Manch ein Titel notiert fast zum Cash. Bereits am Mittwoch war der Dow-Jones-Index um 200 auf 9.250 Punkte abgestürzt. Zugegeben, zu Beginn der Krise hatte ich nicht mit einem solchen Knall gerechnet. Mich hat die dramatische Entwicklung in der Tat überrascht. Wobei die Bereinigung gut ist. Denn was sich bei den Banken abspielte, war eine Sauerei. Der Saustall muss ausgemistet werden. Die gigantischen Gehälter für Vorstände und Mitarbeiter waren ja von Gier kaum zu übertreffen. Nun setzt eine Diskussion um Managementgehälter ein. Rund um den Globus müssen Vorstände nun ihr Salar begründen. Angeschlagene Banken werden verstaatlicht. Institutionelle Anleger flüchten in Staatsanleihen, ziehen ihre Kundengelder ab, aus Sorge vor einer Pleite ihrer Bank.
Warren Buffett reißt sich nach seinem Einsteig bei Goldman Sachs ein weiteres Aktienpaket unter den Nagel: General Electric. Für drei Milliarden Dollar staubt er Aktien ab. Buffett lässt sich seinen Einstieg mal wieder mit Sonderkonditionen vergolden. Das hat Geschmäckle. Warum erhält der Multimilliardär eine garantierte Dividende von zehn Prozent? Warum kann er fünf Jahre lang weitere Aktien zu Sonderpreisen zukaufen? Diese Wahnsinns-Konditionen werden den Altaktionären noch weh tun. In fünf Jahren kann die General-Electric-Aktie mehr als doppelt so hoch notieren. Binnen Jahresfrist hat sich der Kurs von 41 auf 20 Dollar halbiert. Es ist eines der größten Unternehmen der Welt.
Im Jahr 1890 fügte der Erfinder Thomas Alva Edison seine Gesellschaften in der Edison General Electric Company zusammen. 2007 summierte sich der Umsatz auf 173 Milliarden, der Überschuss stieg auf 22,2 Milliarden Dollar. GE tummelt sich in den Geschäftsfeldern Flugzeugtriebwerke, Generatoren, Elektrik, Finanzdienstleistungen und der TV-Unterhaltung. Freilich leidet GE unter der Kreditkrise, insbesondere in der Finanzsparte brennt es. Vorstandschef Jeffrey Immelt räumte vorige Woche Probleme ein. Der Manager kündigte an, den Bereich zu verkleinern. Mittels Kapitalerhöhung stärkt Immelt nun die Bilanz. Er sammelt 15 Milliarden Dollar ein. Den größten Teil steuert Buffett bei. Nach dem Kurssturz halte ich die GE-Aktie für interessant. Allein die Dividende wirft eine Rendite von 5,8 Prozent ab. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt etwa zehn.


tim schaefer (Author)

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