Coca-Cola: Grenzenlose Gier im Management


New York, 2. Mai 2014

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Warren Buffett hat als größter Aktionär (9%) bei Coca-Cola versagt. Er hätte sein Veto einlegen müssen, als der Getränkekonzerne seine gierigen Optionspläne für seine Führungsspitze verabschiedete. Buffett enthielt sich der Stimme.
In einem Interview mit CNBC gab er zu, untätig geblieben zu sein. „Ich liebe Coke (…) Ich wollte nicht mit Nein abstimmen. Es ist unamerikanisch, mit Nein zu stimmen.“ Das TV-Interview mit dem Altstar ist wirklich gut. Schauen Sie es an.
Als Aktionäre auf der Hauptversammlung über die geplanten absurden Boni abstimmten, wurde der Boni-Plan daher durchgewinkt. Ein Wahnsinn! 500 Millionen neue Aktien wollen die Getränke-Leute binnen vier Jahren an sich selbst ausgeben.
Sonst macht Buffett immer den Mund auf, wenn ihm etwas nicht passt. Den Coca-Cola-Boss lässt er ungeniert in die Firmenkasse greifen. Vom Orakel erwarte ich mehr. In einem Interview mit seinem Lieblingsmagazin Fortune gibt Buffett zu, dass die Manager-Gehälter zum Teil zu hoch sind. (Buffett hat bei Fortune eine langjährige Freundin, deshalb bekommt die Redaktion ständig Interviews von ihm).
Aber warum kann Buffett nicht einfach „NEIN“ sagen? Was ist falsch daran? Buffetts Sohn hat im Cola-Aufsichtsrat sogar mit „Ja“ für den Plan gestimmt.
Ich beobachte schon lange: Aufsichtsräte und Manager nicken gerne sich gegenseitig die Gehälter ab. So werden sie immer reicher. Es ist ein gegenseitiges Zustecken von Millionen. Selbst wenn Konzerne sich im Umbruch befinden, selbst wenn sie in einer Krise stecken, selbst wenn der Kurs im Keller notiert, gehen die Gehälter munter rauf. So, als ob alles in bester Ordnung wäre.
Aktionäre macht den Mund auf. Wehrt Euch. Anstand muss sein. Transparenz und Fairness ebenso. Wo ist die Vorbildfunktion?
Ethik und Moral zahlen sich in Unternehmen langfristig aus. Dazu gibt es unzählige wissenschaftliche Studien. Das haben sogar die Banken mittlerweile erkannt.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Coca-Cola: Grenzenlose Gier im Management

  1. Fabian S.

    Hallo Tim,

    Du bist nicht ganz genau informiert….

    Buffett hat in der Zwischenzeit mehrere Gespräche unter 4-Augen mit dem Coca-Cola CEO Kent geführt und Coca-Cola rückt von seinen Boni-Plänen ab!

    Buffett ging nur intern bzw.vorsichtiger vor, weil er Coca-Cola so liebt und die Verantwortlichen gut kennt.

    Also nicht zu vorschnell Buffett kritiseren!!!!

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Fabian,

    stimmt. Der Bonus-Plan soll bei Coca-Cola im Nachgang abgemildert werden. Die Kritik in den Medien hat nun extreme Ausmaße angenommen. Der gute Ruf des Cola-Vorstands ist beschädigt. Was mich stört, ist diese grenzenlose Gier und dass Buffett nicht entschiedener „Stoppt den Unsinn“ sagt. So hätte das Image nicht derart leiden müssen.

  3. tim schaefertim schaefer

    Hier waren Buffett und Coca-Cola-Chef Muhtar Kent noch die besten Freude. Buffett sagte damals, er habe starke Marken in sein Herz geschlossen, die für immer fortbestünden. Jetzt hat die Freundschaft vermutlich gelitten.

  4. Felix

    Woran man sieht, dass nicht nur die Politiker, auf die jeder nach Herzenslust eindrischt, ja – eben Spezies der menschlichen Rasse sind, sondern auch die vermeintlich edlen Unternehmensführer.
    Es ist das alte Spiel des Fressens und Gefressen werden. Jeder nimmt sich, was er kriegen kann.
    Und mal ehrlich, wir legen unser Geld doch auch nicht an der Börse an, um die Wirtschaft zu unterstützen, sondern, um mehr daraus zu machen. Also nicht im Sinne der Allgemeinheit, sondern möglichst zu unserem ganz eigenen Wohl. So ist der Mensch – das sollte man wissen; es zu beklagen ist müßig.

  5. Felix

    Offensichtlich gilt es für die meisten derjenigen, die es nach oben geschafft haben, nicht so sehr. Obwohl ihre materiellen Bedürfnisse bereits mehr als gedeckt sind, setzen sie alles daran – wie in diesem Beispiel schön zu sehen – ihre Vermögen über alle Maßen auf Kosten anderer zu vergrößern.
    Und ob Warren Buffett wirklich der weiße Ritter ist oder ob da nicht ein Mythos geschaffen worden ist, weiß ich auch nicht so. Ich kann mir schwer vorstellen, dass man letztlich allein durch geschickte Finanztransaktionen Multimilliadär werden kann. Dazu gehören doch auch die weniger erfreulichen Begleiterscheinungen, die mit dem Aufbau eines Milliardenvermögens verbunden sind, wie Rücksichtslosigkeit, geschäftliche Brutalität, Firmenschließungen, gewerkschaftliche Bewegungen unterdrücken usw. Bei Warren, der für uns alle ein guter bekannter Onkel zu sein scheint, hat man das Bild, er sitzt da friedlich in seinem Büro in der amerikanischen Provinz, liest Geschäftsberichte und trifft überragende strategische Entscheidungen, die keinem weh tun, ihm aber zum reichsten Mann der Welt machen. Glauben wir das wirklich?
    Sind wir da nicht Märchenerzählern aufgesessen? Und wenn er noch lebt, ist er glücklich bis an das Ende seiner Tage. Märchen für Anleger!

  6. Tino

    @Felix, die Pläne bei KO haben nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun. Das ist maßlose Gier. Keiner muss sich so an „seinen“ Unternehmen bedienen. Zumal der CEO nur ein Nachfolger von vielen ist und hier liegt wohl auch ein Interessenskonflikt zwischen einstmaligen Gründern und zugelaufenen GF. Wenn man so massiv in der Öffentlichkeit wie KO steht und Aktionären dann eine reindrücken möchte, was hat das für einen Sinn?! Nicht clever, neben unmoralisch. Da stellt man sich die Frage wer übernimmt mal die Rolle des Starkontrolleurs Buffett. Meine Einstellung sieht auch einen Anteil für individuelle Hilfe oder allgemeinnützige Zwecke vor, bzw. passiert das bereits auch ohne großen Reichtum. Ich sehe das neben purer Menschlichkeit auch als Investition.

  7. Tino

    @Felix, ich gebe Dir recht was das „reality distortion field“ durch Medien jeglicher Art angeht, ob gewollt oder nicht. Die Interpretationen jedes Einzelnen weichen m. E. stark voneinander ab. Es sind immer nur Meinungen, aber es ist auch immer mindestens ein Fünkchen Wahrheit darin.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Felix
    Buffett ist ein Geschäftsmann. Er denkt an den Profit.

    All seine Unternehmen tun das mehr oder weniger. Nehme Coca-Cola. Es ist keine soziale Einrichtung. Es ist nicht perfekt. Es geht um den Profit. So verkauft Coca-Cola munter an die Ärmsten der Armen in Afrika Millionen von Plastikflaschen. Zum Teil kaufen die Menschen die Plastikdinger, weil ihnen das saubere Trinkwasser fehlt oder es furchtbar heiß ist.

    Oder denke nur mal über die Fettleibigkeit der Menschen und das Zuckerwasser in der westlichen Welt nach.

    Buffett will Geld verdienen, bei den großen Problemen schaut er selbstverständlich weg.

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