Carl Icahn: „Sie sollten kein Vorstand sein“


New York, 22. Juli 2013

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Carl Icahn. Vorstandsschreck. Haudegen. Ich habe selten einen Investor so witzig erlebt. Der 77-jährige ist voller Selbstironie. Er sitzt in dem Sessel auf der Bühne und zieht vom Leder. Auf der „Delivering Alpha“-Konferenz in New York.
Icahn: „Ich treffe diese Jungs, die sollten einfach keine CEOs sein.“ Im Aufsichtsrat säßen deren Freunde, die satte Bezüge kassierten. Die Aufsichtsräte verdienten 400.000 bis 500.000 Dollar. Sie hätten vier Board-Sitze. „Das ist ein schönes Leben.“ Sie schützten sich alle gegenseitig. „Sie machen, was ihnen der Vorstand sagt.“ Am Golfplatz würden die Aufseher viel Zeit verbringen, weniger in der Firma, schimpft Icahn. „Das ist das Problem in Amerika.“ Mit dem richtigen Management und Board glaubt er, in den meisten Fällen die Wende zu schaffen.
Momentan bekriegt er sich mit Gründer Michael Dell. Icahn hat ein Übernahmeangebot für dessen IT-Firma vorleget und überbot die Offerte des Dell-Gründers. Nun ist ein Streit zwischen beiden Bietern ausgebrochen.
Eines seiner Investmentsprüche ist: „Du gehst in diese Firmen, wenn sie keiner mag.“
Eigentlich könnte Icahn seinen Ruhestand genießen. Sein Vermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Doch der Altmeister mag nicht aufhören. Warum? „Ich habe sonst nichts zu tun.“ Wenn er nach einem langen Arbeitstag spät ins Bett fällt, fragt ihn seine Gattin schon mal um 2:00 Uhr morgens besorgt, warum heute ihr Aktienpaket im Wert gesunken sei, witzelt Icahn.
Icahn übertrug der Ehefrau einen Teil seines Firmenimperiums Icahn Enterprises. Es ist börsennotiert.
Der Wall-Street-Schreck baut den Wert des Eigenkapitals ähnlich wie Warren Buffett im Schnitt um 20 Prozent jährlich aus. Doch Icahn ist nicht so wie Buffett in breiten Bevölkerungsschichten beliebt. Er mischt eben Firmen auf, beschließt knallharte Restrukturierungen, schmeißt Manager raus, startet Kündigungswellen usw. Er agiert wie Rambo.
Er filetiert Firmen. Verkauft Teile. Manchmal lässt er sie pleite gehen. Seine Deals – sie sind ein knallhartes Geschäft. Er ist kein Gentleman-Investor. Er hat Feinde. Mit Hedgefondsmanager Bill Ackman steht er beispielsweise auf Kriegsfuss.
Nach seinem Auftritt verlässt Icahn zügig den Saal. Er geht anschließend direkt zur Bar. Lässt sich einen Cocktail mixen. Mit dem Glas in der Hand plaudert er mit den Gästen. Icahn ist ein cooler Typ. Aber eiskalt.
Icahn: „Ich liebe dieses Land. Ich bin wirklich motiviert, um Geld zu verdienen. Das meiste Geld verdienen wir, wenn wir in diese Firmen einsteigen.“ Er spielt auf den IT-Riesen Dell an. Der Typ ist Kult.
Schauen Sie selbst das Interview auf CNBC.com: Teil 1 und Teil 2. Veranstalter der Konferenz waren der Börsensender CNBC und das Magazin „Institutional Investor“.
Foto: CNBC.


tim schaefer (Author)

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