Buy and hold: Die beste Strategie


New York, 25. September 2010

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Die Graphik zeigt meiner Meinung nach, dass die beste Strategie „Buy and Hold“, also Kaufen und Liegenlassen, ist. Ich habe den Chart der Website von Barry Ritholtz entnommen. Der Starblogger hat immer tolle Ideen und Zahlenbeispiele auf seiner Seite. Nun zu der obigen Grafik: Sie untersucht den S&P-500-Index (genauer SPDR S&P 500 ETF) seit 1993. Der Chart verfolgt vier unterschiedliche Strategien: Die blaue Linie zeigt die Buy-and-Hold-Philosophie. Die rote Linie symbolisiert einen Anleger, der die besten zehn Tage verpasst hat. Und Gelb verdeutlicht einen Anleger, der ein Hellseher ist, weil er an den zehn schlimmsten Tagen nicht an der Börse engagiert war. Der grüne Investor hat sowohl die zehn besten als auch die zehn schrecklichsten Tage verpasst. Diese Person ist also gleichauf mit dem Buy-and-Hold-Anleger.

Was die Grafik jedoch nicht zeigt, sind die Transaktionskosten und die Steuern. Daher ziehe ich den Schluss: Buy and Hold verursacht im Grunde genommen keine Tradingkosten und keine Steuern, daher ist es die beste Methode. Da wir leider nicht hellsehen können, entfällt die gelbe Linie. Selbst wenn wir genau wüssten, wohin der Markt wandert, kämen wir nicht umhin, Steuern und Transaktionskosten zu zahlen. Selbst dann wären wir wohl unterm Strich kaum besser als der Buy-and-Hold-Stratege.

Natürlich gibt es immer wieder Leute, die uns weismachen wollen, dass Buy-and-Hold heute nicht mehr funktioniert. Ganz nach dem irrsinnigen Motto: „Diesmal ist alles anders.“ Ja, ja. Glauben Sie nur nicht diesen Blödsinn! Die Regeln ändern sich nicht über Nacht. Der wahre Grund: Die Broker, Banken und die Börse haben natürlich ein Interesse daran, dass wir so viel wie nur möglich traden. So verdienen diese Unternehmen Geld. Auch der Finanzminister ist um jeden Trader froh (Stichwort Steuergelder). Mein Rat: Verkaufen Sie nur, wenn Sie das Geld brauchen. Wenn Sie Rentner sind. Aber verkaufen Sie eine Qualitätsfirma niemals, um neu zu investieren. Es macht keinen Sinn. Nicht zuletzt müssen Sie den Spread jedes Mal bezahlen, also die Differenz zwischen dem Angebots- und Nachfragepreis (Bid und Ask). Wenn Sie ständig Traden, dann sind Sie zügig Ihr Geld los. Sie können durchaus verkaufen. Dann machen Sie aber lieber eine tolle Reise, schenken das Geld Ihren Kindern oder brauchen es einfach auf. Aber das Hin und Her, das Kaufen und Verkaufen von Positionen vernichtet Ihr Vermögen.

Nur wenige sprechen offen über dieses Problem. Denn die Finanzindustrie hat gar kein Interesse daran den Menschen reinen Wein einzuschenken. Ich finde im World Wide Web nur wenige Artikel, die den Anlegern diese überlegene Methode erläutern. Hier ist noch ein Plädoyer für diese konservative Anlagestrategie. Etwas kritisch betrachtet dieser Artikel die Buffett-Methode, zeigt jedoch gleichzeitig die Vorteile auf. Mir gefällt an dieser passiven Einsammel-Strategie vor allem: Sie haben keine Sorgen und Ängste. Sie kaufen in der Krise, wenn die Kurse im Keller sind und warten einfach ab. Sie lassen sich nicht verrückt machen. Bleiben einfach cool. Sie lassen sich nicht von ihrem Umfeld beeinflussen. Wenn die Masse ihre Aktien aus Panikgründen verkloppt, sammeln sie seelenruhig die ausgebombten Aktien ein. Je niedriger ein Kurs notiert, desto geringer ist doch auch das Rückschlagsrisiko. Wir Menschen lassen uns leider von Stimmungen so schnell beeinflussen. Am liebsten kaufen wir, was hoch im Kurs steht, was jeder haben will. Wenn es Probleme in einem Unternehmen gibt und der Kurs abgeschmiert ist, dann hat keiner den Mut zuzugreifen. Auch wenn wir einen Kurs beobachten, wie er fällt, ist unser Verhalten unlogisch. Nehmen wir an, wir kaufen Coca-Cola-Aktien heute für 58 Dollar. Nun kommt der Brausehersteller ins Rutschen, weil die Quartalszahlen enttäuschend ausfielen. Der Kurs stürzt (rein hypothetisch) auf 40 Dollar ab. Was tun wir? Wir verkaufen, weil wir Angst haben, dass der Kurs noch tiefer fallen könnte. Statt dessen müssten wir beherzt zugreifen und unsere Position aggressiv aufstocken. Ich mache auch diese Fehler. Leider.

Auf dem gegenwärtigen Niveau des DAX (6.300) und Dow Jones (11.860) sind die Aktien super billig. Das ist jedenfalls meine Meinung. Die Masse interessiert sich nicht für die Börse. Das ist eine schöne Zeit zum Jagen und Sammeln. Wenn Sie also Cash übrig haben, würde ich hochsolide Dividendenaktien abstauben. Freilich sind die Börsen schon gut gelaufen seit dem Tief. Aber der richtige Konjunkturaufschwung hat ja noch nicht begonnen. Der steht uns noch bevor. Den idealen Einstiegszeitpunkt erwischt ohnehin kaum jemand. Natürlich hat jeder in seinem Bekannten- oder Freundeskreis jemanden, der immer richtig liegt. Aber lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Keiner ist frei von Fehlern. Auch nicht Börsengenies wie Warren Buffett. Wir liegen alle hin und wieder daneben. Daher ist die Streuung wichtig. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und weiterhin viel Erfolg an der Börse.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Buy and hold: Die beste Strategie

  1. hajue

    1) Buy & hold + nachkaufen/Dividende reinvestieren scheint mir bezogen auf den Artikel „Buy and Hold – How much can you make over longer time periods?“ die noch bessere Strategie zu sein.
    Hier scheint man sich lediglich auf eine einmalige Investition über den Zeitraum von 25 Jahren zu beschränken – ein Nachkauf hätte somit auch nach einem ersten, schlechteren Investitionszeitpunkt das Resultat erheblich steigern können.

    1) Wenn der Gesamtmarkt in die Knie geht – nachkaufen – Mut beweisen.
    2) Man investiert bestenfalls nicht in den Gesamtmarkt sondern pickt sich wohlüberlegt die Rosinen raus – dies dürfte zu einer höheren Rendite führen.
    3) Gibt es empirische Daten, dass Buy & hold nicht mehr funktioniert?
    Immer auf der letzten Dekade rumzuhacken kann ja auf Dauer kein Argument sein – zumal oft Dividenden sowie Zinseszinseffekt nicht einberechnet werden.

    Unternehmen die langfristig Gewinne abwerfen, Dividende ausschütten und deren Aktienkurs über Jahre hinweg fällt sind zur Investition gut geeignet – wer da lieber zu kurzfristig „hippen“ Unternehmen und Märkten tendiert wird sich eines Tages die Finger verbrennen – auch ohne Transaktionsgebühren.

  2. tim schaefertim schaefer

    Danke hajue für deinen Super-Beitrag. Ja, leider begreifen nur die wenigsten diese Strategie. Es liegt wohl an Selbstüberschätzung, Gier und Angst. Unsere Gefühle stehen uns im Weg. Es gibt wohl im Leben nur wenig Bereiche, wo wir uns derart von unseren Gefühlen steuern lassen. Es ist der Wahnsinn. Keiner kauft im Supermarkt das teuerste Produkt im Regal. Die meisten suchen doch nach Schnäppchen. Nur an der Börse lassen wir uns vor lauter Euphorie von der Masse leiten. Da springen alle wie die Lemminge auf heiße, überteuerte Modethemen. Rennt die Herde wieder aus der sexy Aktie raus, dann verkaufen wir mit einem dicken Verlust.
    Solide Dividendenaktien finden viele als langweilig. Dabei haben diese Aktien auf lange Sicht die besten Chancen gut abzuschneiden. Statt auf zehn oder zwölf Prozent Gesamtrendite pro Jahr zu setzen, jagen die Anleger lieber den heißen 100- oder 1000-Prozent-Chancen hinterher – ohne jedoch die Risiken zu berücksichtigen. Ich habe aufgrund deiner tollen Anmerkung hajue einen neuen Blog zum Thema „Day-Trading“ geschrieben. Siehe oben! Auch wenn ich das Thema hier schon etliche Male durchgekaut habe, muss ich es einfach noch einmal behandeln. Es brennt mir auf den Nägeln. Ich erhalte nämlich immer wieder Emails von Anhängern des Daytradings. Alle, die mir schreiben, sind hellauf davon begeistert und voll des Mutes, dass sie gut abschneiden.

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