Buffett-Methode: So finden Sie wirklich gute Firmen


New York, 7. September 2013

bild

Ja, das ist die Eine-Million-Dollar-Frage. Ich gebe Ihnen aber gerne die Antwort. Ich schreibe oft in diesem Blog von Tradition, langweiligen Produkten usw. Auf was kommt es aber an, wenn Sie in die Bilanz schauen?
Von Warren Buffett können wir lernen, dass es auf die Cashgenerierung ankommt. Es soll derart viel Geld sprudeln, als ob das Unternehmen auf einer Ölquelle sitzt. Das Cash soll nicht komplett reinvestiert werden in das Geschäft oder in die Forschung, sondern zur freien Verfügung stehen (für Dividenden, Aktienrückkäufe, Akquisen). Im fachchinesischen Kauderwelsch der Analysten heißt das: Freier Cashflow bzw. Free Cashflow. Je höher der ausfällt, desto mehr liebt Buffett die Aktie.
Ein weiteres Kriterium für Buffett ist die Eigenkapitalrendite. Wenn die mit 15 oder 20 Prozent knackig ausfällt, ist das umso besser. Solche hochrentablen Qualitätsaktien steuern langfristig eine gigantische Performance bei. Eigenkapitalrenditen von nur vier oder fünf Prozent sind dem genialen Investor dagegen zu mickrig. Diese Aktien meidet er, weil die Kursperformance den Stars um Meilen hinterherhinkt.
Buffett bevorzugt Unternehmen, die Preiserhöhungsspielräume haben wie der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble oder der beliebte Medienkonzern Walt Disney. (Wobei es in Konjunkturkrise nur bedingt möglich war, die Eintrittspreise für den Familienpark „Disney World“ oder für Gillette-Rasierer zu erhöhen.) Es sind Marktführer, die einen schützenden Burggraben um sich herum gebuddelt haben.
Der gesunde Menschenverstand ist die letzte Instanz, der Verstand entscheidet am Ende des Tages. Nicht nur Kennziffern, Zahlen, Daten spielen bei dem Genie eine Rolle, sondern auch klare Gedanken. Wie sieht die Zukunft für die Firma wohl aus, fragt sich Buffett, bevor er einsteigt. Er nimmt die Konkurrenzsituation unter die Lupe, den Ruf des Managements und die Qualität der Produkte. So vermeidet er Dummheiten. „Leute kalkulieren zu viel und denken zu wenig nach“, sagt dazu Berkshire-Vize Charlie Munger.
Buffett investiert am liebsten in den USA, weil dort seiner Meinung nach das politische System stabiler ist als in vielen anderen Staaten. Buffett findet es vorteilhaft, dass die staatlichen Sozialkassen in den USA (Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe…) nicht überdimensioniert sind.
Übrigens gibt Buffett zu, die Kluft zwischen Arm und Reich sei zu groß geworden. Daher setzt er sich für eine höhere Besteuerung der Superreichen in Washington ein. (Das Foto machte ich von Buffett auf seiner Hauptversammlung in Omaha vor einigen Jahren.)


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Buffett-Methode: So finden Sie wirklich gute Firmen

  1. Martin

    Ich habe Buffett nie so verstanden, dass er auf den Free Cashflow schaut und es schlecht wäre alles wieder zu investieren. Warum sollte es bei hohem ROIC und der Möglichkeit den Gewinn komplett zu reinvestieren schlecht sein, dies zu tun? So dumm kann Buffett nicht sein bei seinem Erfolg.
    Er selbst zahlt auch keine Dividende und kauft nicht allzu agressiv Aktien zurück sondern reinvestiert den Großteil der Cashflows.

  2. ZaVodou

    Darüber bin ich auch gestolpert. Buffett ist kein großer Fan von Dividenden, solange man aus einem Dollar einbehaltenen Gewinn wieder mehr als einen Dollar machen kann, sieht er keinen Grund Dividende zu zahlen.
    Aktienrückkäufe sind für ihn auch nur sinnvoll, wenn der Kurs unter dem fairen Wert liegt.
    Also wird der Gewinn reinvestiert oder für Übernahmen verwendet.
    Firmen mit einem hohen Forschungsaufwand mag er auch nicht.

  3. tim schaefertim schaefer

    Buffett mag Cashmaschinen. Sprich Firmen, die viel Cash abwerfen. Coca-Cola, Amex, P&G, Wells Fargo, IBM etc. erzeugen riesige Geldströme. Anhand des operativen Cashflows dieser Firmen ist das sichtbar.

    Er ist kein Freund von hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, ebenfalls meidet er in der Regel kapitalintensive Branchen (seine Eisenbahn ist eine Ausnahme). Er mag auch keine hohen Kapitalinvestitionen (Capex genannt).

    Bei seinen Versicherungen und Familienbetrieben sprudelt Cash. Überschüssiges Cash wird an die Holding regelmässig abgeführt.

    Braucht ein Vorstand eines Familienbetriebs Geld für größere Investitionen oder Zukäufe, stimmt Buffett dem zu. Und transferiert die benötigte Summe umgehend.

  4. Michael C. Kissig

    Buffett hat eigene Aktien von Berkshire zurückgekauft, weil er damals keine Investments gefunden, hat die seinen Ansprüchen genügten und weil Berkshire leicht unter Buchwert notierte. Bei anderen Unternehmen legt er hier andere Maßstäbe an, da befürwortet er Aktienrückkäufe, wenn das Unternehmen keine Investitionen in Geschäftsbereiche tätigen kann, die die Marge heben. Dann sollte nach Buffetts Meinung das Geld lieber in eigene Aktien gesteckt werden, anstatt die Marge zu verschlechtern.

    Und was Dividenden angeht, so liebt Buffett sie geradezu! Was nicht heißt, dass er jemals eine für Berkshire zahlen würde, denn er ist der Auffassung, dass alles, was an Geld reinkommt, bei ihm am besten aufgehoben ist. Er will den maximalen Zinseszinseffekt erreichen und das geht nicht, wenn er Dividenden ausschüttet. Buffett selbst sieht dies quasi als Fürsorge für seine Partner (Mitaktionäre) an, weil sie mit dem Geld weniger Rendite einfahren würden, als Buffett es könnte. Und da er seit 40 Jahren p.a. 20% einfährt, kann man ihm kaum widersprechen.

    Also ist Buffett die Ausnahme von Buffetts Regeln was Aktienrückkäufe und Dividenden angeht.

  5. Martin

    @Tim: Dann meintest Du nicht den Free-Cashflow, wie ich ihn kenne.

    Buffett guckt auf seine owner earnings. Ich glaube Dividenden sind ihm relativ egal. Ich hätte es z.B. lieber wenn KO keine Dividende zahlen würde und alles bei gleichem ROE reinvestieren könnte.

  6. tim schaefertim schaefer

    Nö. Buffett liebt Dividenden und Aktienrückkäufe. Er sagt all seinen Aktien-Lieblingen: Kauft Aktien zurück, zahlt an mich Dividenden.

    Buffett liebt einen hohen FREE Cashflow (frei, das heißt, das Geld steht für die Aktionäre zur freien Verfügung).

    Capex und teuere Übernahmen hasst er. Kraft-Chefin Irene Rosenfeld hat Buffett attackiert, als die anfing, stärker zu investieren und große Übernahmen zu tätigen. Er will die Cashmaschine einfach laufen lassen. Cash muss her, das er dann reinvestieren kann.

    Was nutzt ein hoher Cashflow, wenn all das Cash jedes Jahr reinvestiert wird im vollen Umfang und Du als Aktionär nie Geld siehst? Es wird in viele dumme Dinge investiert. Mit dem Geld muss der CEO sehr vorsichtig umgehen. Sonst ist es futsch.

    Sinnvolle Investitionen sind förderlich, da hast Du vollkommen Recht.

  7. Martin

    free Cashflow ist normalerweise vor Dividenden und Rückkäufen. Da ist u.a. Capex schon runter gegangen. Guckt euch mal an was Buffett für einen Free Cashflow in seinen Utilities erzeugt und überdenkt die These.

    Das hängt vom Einzelfall ab. Capex kann sich eben rechnen.

  8. tim schaefertim schaefer

    Martin, ich stimme voll und ganz zu.

    „free Cashflow ist normalerweise vor Dividenden und Rückkäufen. Da ist u.a. Capex schon runter gegangen.“

    Capex kann sich lohnen, ja das stimmt. Oft ist es bei den Buffett-Firmen aber in einer gesunden Relation zum Cashflow. Es sollte immer etwas übrig sein. Capex immer so 20 bis 30% des Cashflows. Nicht mehr.

    Beispiel:
    Procter Gamble
    Cashflow: 15 Milliarden $. Capex: 4 Milliarden $.

    Coca-Cola
    Cashflow: 10,6 Milliarden $. Capex: 2,8 Milliarden $.

    IBM
    Cashflow: 20 Milliarden $. Capex: 4 Milliarden $.

    Free Cash Flow = Operativer Cashflow – (MINUS) Capex (Investitionen)

  9. StefanStefan

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog:

    Sag mal: dein Depot besteht ja fast nur aus US-Amerikanischen Aktien. Da wird dir bei jeder Dividendenzahlung 15% Quellensteuer abgezogen. Kannst du dir die eigentlich zurückholen? Oder sind die weg? Die deutsche Abgeltungsteuer kommt ja auch noch dazu…

  10. Martin

    @tim: Dann sehen wir das ähnlich.

    Buffett unterscheidet mit seinen owner earnings zwischen Instandhaltungscapex und Wachstumscapex, was mir bei den meisten Firmen sehr schwer fällt. Instandhaltungscapex sollte natürlich so gering wie möglich sein.

    Die 15% US-Quellensteuer werden voll in DE angerechnet und sind bereits durch das DBA von 30% auf 15% reduziert.

  11. StefanStefan

    @ Martin:

    Danke. Das heisst es bleibt generell bei insgesamt 25 % Steuerabzug (sobald man über dem Freibetrag liegt…)egal ob US-Aktie oder deutsche…

  12. StefanStefan

    Das heisst ja, dass vier Positionen 66% seines Portfolios ausmachen. Weitere zwei Positionen dazu und wir sind schon bei 75 %. Warren vertraut also darauf, dass Wells Fargo, Coca Cola, IBM, Amex, P&G und Wal Mart langfristig den S&P schlagen. Das ist nämlich sein erklärtes Ziel…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *