BP: Wie groß ist der Schaden? Lohnt sich der Einstieg?


New York, 23. Juni 2010

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Bei Unternehmenskrisen kann ein smarter Anleger mit Durchstehvermögen durchaus einen Reibach machen. Solche kritischen Phasen kommen immer wieder vor und es bieten sich meist Schnäppchenkurse. Das kam dieses Jahr bei Toyota vor, als die Japaner mit einem Gaspedalprobleme zu kämpfen hatten. Die Ölkatastrophe, die Exxon Mobil im Jahr 1989 auslöste, als in Alaska der Tanker Exxon Valdez auf einem Riff auflief, war ähnlich. Ob es moralisch vertretbar ist, solche Situationen auszunutzen, sei einmal dahingestellt. Das muss jeder Anleger mit sich selbst ausmachen. Ich stehe persönlich Waffenproduzenten distanziert gegenüber.
Wenn Sie nun Krisen für einen billigen Einstieg nutzen wollen, ist das meiner Meinung nach eine clevere Vorgehensweise. Nur müssen Sie aufpassen, dass solche Krisen nicht die Existenz der Firma bedrohen. Bei Toyota ist der gute Ruf zwar angekratzt und es kamen auch Schadenersatzforderungen zusammen, aber der Weltkonzern läuft nicht Gefahr, dass die Lichter ausgehen.
Ich glaube, dass BP das Öldesaster im Golf von Mexiko ebenfalls überleben wird. Der britische Energieriese ist so gesund, dass er selbst die schwerste Ölkatastrophe in den USA bewältigen wird. Gleichwohl wird es richtig teuer für BP. Einen Geldtopf von 20 Milliarden Dollar hat BP schon der US-Regierung zugesagt, um für Schäden aufzukommen. Und die Briten werden am Ende des Tages wohl noch mehr Geld aufbringen müssen. Vielleicht sind es ja 30, 40 oder gar 50 Milliarden Dollar. Das lässt sich derzeit nicht abschätzen. Das ist der springende Punkt.
Ich suche mir lieber Krisen aus, die sich finanziell in Grenzen halten – wie das etwa bei Toyota der Fall war. Ideal sind meiner Meinung nach kleine finanzielle Schäden, die aber in den Medien übertrieben in ihrem Ausmaß dargestellt werden. Das sehe ich jedoch bei BP derzeit nicht. Insofern stimme ich mit Professor Max Otte in diesem Punkt nicht überein, wenngleich ich Otte für einen ausgezeichneten Value-Anleger halte. Zugegeben: Ich dachte anfänglich, dass die Katastrophe finanziell überschaubar ist. Doch nun ufert das Ganze aus. Übrigens sprechen die einflussreichen Aktionärsgruppierungen für eine Rettung BPs. So sind unter den größten Anteilseignern viele amerikanische Investoren. An der Spitze befindet sich etwa BlackRock mit knapp sechs Prozent. Selbst Kuwait, China und Singapur sind engagiert. Die Grafik oben habe ich der New York Times entnommen, die kürzlich die Anteilseigner unter die Lupe nahm.


tim schaefer (Author)

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