Börsenrallye, Börsenrausch: Fünf Jahre lang high


New York, 16. Februar 2014

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Seit fünf Jahren rennt die Börse nur nach oben. Es ist ein phantastischer Anstieg. Der S&P-500-Index sieht aus wie das Börsenwunder von New York. Allein im vorigen Jahr summierte sich der Anstieg des S&P-500-Index auf 30 Prozent. Die Börse ist eine Gelddruckmaschine geworden.
Der smarte Value-Anleger passt auf. Spätestens wenn die Meute an die Börse stürmt. Wenn die Euphorie ausbricht, zieht er sich zurück und baut die Kriegskasse auf. Der Smarte weiß, dass die Börse nicht endlos nach oben laufen kann. Meine Begeisterung lässt nach – je weiter wir nach oben laufen.
Es stellt sich die große Frage: Ist die gierige Masse zurück auf dem Börsenparkett? Oder ist sie noch nicht zurück?
In einigen Sektoren finde ich blasenartige Bewertungen. Ich denke an 3D-Druck-Hersteller, an Soziale Medien, Biotechs. Natürlich gibt es in den genannten Sektoren verdammt gute Firmen, die weiterlaufen werden. Aber alles in allem sieht es dort ziemlich teuer aus. Irgendwann wird es zu teuer. Irgendwann kann ein Einstieg zum Abenteuer werden. Wann die Rallye enden wird, weiß niemand exakt. Wir können nur Vermutungen anstellen. Es kann Jahre weiter nach oben laufen. Wir wissen es einfach nicht.
Value Anleger haben grundsätzlich einen starken Willen. Sie haben die Gabe, sich von der Masse fernzuhalten – auch wenn sie sich dabei wie ein Idiot vorkommen können. Denn Blasen bilden sich ewig lange. Man hat das Gefühl, etwas versäumt zu haben, wenn die Meute ihre Party feiert. Der Knall, die Korrektur kommt meist sehr spät.
Leute wie Carl Icahn, George Soros, Wilbur Ross, Bill Ackman, David Einhorn, Warren Buffett kaufen Unternehmen, die kaum jemand auf dem Radarschirm hat. Sie lieben niedrige KGVs, KBVs, KUVs, sie mögen Turnarounds. Sie meiden superteure KGVs.
Diese Profi-Anleger interessieren sich nicht für die täglichen Kursschwankungen. Sie haben mehr Geduld als der nervöse Trader daheim am PC, der den täglichen Kurssprüngen eine Botschaft abgewinnt, obgleich es sich um zufällige Aktionen handelt.
Sollte die Börse um 30 Prozent fallen, gerät ein Buffett, Einhorn oder Ross nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil. Die Profis werden mutiger. Sie kaufen so viel zu, wie sie nur können. Anders der Privatanleger. Der kriegt Panik, steigt aus und vergisst die Börse für die nächsten Jahre. Das Spiel kann von vorne beginnen.
Jeff Sommer schrieb in der „New York Times“ einen guten Artikel über die fünfjährige Bullenrallye.
Es gibt zwei solide Strategien: Die einen kaufen regelmässig Aktien. In guten wie in schlechten Zeiten. Wie ein stetiger Tropfen den Eimer füllt, so füllt der stetige Aktiensparer sein Depot mit den Jahrzehnten auf. Der andere Stratege versucht, in Korrekturphasen auf Schnäppchenjagd zu gehen. In den Boomphasen spart dieser Anleger sein Geld auf einem Festgeldkonto an. Es ist psychologisch betrachtet nicht einfach, die Stimmung der anderen zu überlisten. In schlechten Zeiten Aktienshopping zu betreiben, erfordert extrem viel Mut. Es ist so, als ob Sie bei Regen und Sturm sich dazu entscheiden würden, einen langen Sparziergang zu machen.
(Mein Foto oben ist vom Broadway/Financial District, wo der Börsenbulle eine Touristenattraktion ist).


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Börsenrallye, Börsenrausch: Fünf Jahre lang high

  1. Felix

    So ist es: Die letzten fünf Börsenjahre waren ein Traum. Wer Aktien hatte, konnte eigentlich nur gewinnen (naja, ein paar Ausnahmen gibt es: NOKIA, E-ON, …).

    Nur, die wenigsten werden am Tiefpunkt im April 2009 gekauft haben. Zufälligerweise spielte in Deutschland uns/mir dieses Mal die Politik mit einer eigentlich negativen Entscheidung für Börsianer in die Hände. Zum 31.12.2008 wurde die Kapitalertragssteuer auf Kursgewinne eingeführt. Altfälle blieben (für alle Zeiten) steuerfrei. Diese Steuer (fast genau) am Börsentiefpunkt eingeführt, veranlasste mich und sicher viele andere, mich mit Qualitätstiteln richtig einzudecken. Ich hätte sonst nie in dieser Menge zu diesem Zeitpunkt (Ende 2008) gekauft. Dass das fast genau der Tiefpunkt der Indices war, erwies sich als Glücksfall.
    Ich habe noch alle meine Aktien von damals. Nicht wenige mit über 100 % Kurszuwachs (steuerfrei) und viele mit zweistelligen, persönlichen Dividendenrenditen.
    Ich bin der Politik heute noch für dieses Timing dankbar; sie hat mein Vermögen in nur 5 Jahren verdoppelt und liefert einen auskömmlichen Dividendenstrom. Eine solche Chance hat man wahrscheinlich nur einmal im Leben.

  2. dk

    Finde es immer wieder gut, von Tim erinnert zu werden, dass Value Investing und gegen den Strom schwimmen sich langfristig auszahlt.
    Die „privaten Trader“, die Tim anspricht, machen evtl. 80-90% aller Menschen aus. Da ist es verständlich, wenn man in deren Augen ein Outsider ist, wenn man sich zB jetzt NICHT mit Aktien eindeckt und lieber vorsichtiger wird.
    Man muss ja nicht gleich der nächste Buffet werden. Aber diese Menschen (Buffet, Soros…) haben bewiesen, dass deren Strategie von dauerhaftem Erfolg gekrönt ist.

    Wichtiger Punkt für mich auch – die persönliche Bildung in Sachen Geld, Anlage, Aktien usw.
    Wie hoch ist wohl der Prozensatz aller deutschen, die Buffett oder Soros kennen & dazu einige Details aus ihrem Leben?
    Erschreckend gering, würde ich schätzen.
    Offenheit zeigen gegenüber möglichen Alternativen zum Geldsparen, gehört für mich ebenfalls dazu.

  3. Christian

    Rätst Du dazu – wenn man eine Blase sieht – zu verkaufen um dann im Crash neu einzukaufen?

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Christian

    Nein. Ich bin ein Anhänger des Buy and Hold. Ich halte meine Aktien durch gute wie schlechte Zeiten. Das perfekte Timing kriegt nämlich niemand hin. Das Springen lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Siehe Buffett. Mit Buy and Hold ist er einer der erfolgreichsten Anleger aller Zeiten.

    Bei Neuinvestments und der Aufstockung von Positionen bin ich etwas vorsichtiger geworden. Aber auch hier finde ich nach wie vor spannende Ideen zum Investieren.

  5. Christian

    Danke für Deine Antwort, Tim.

    Letzte Anmerkung noch bitte:
    Macht es irgendwie Sinn einen Sparplan einzurichten um den Costaverage-Effekt auszunutzen, gleichzeitig aber von Zeit zu Zeit Gewinne mitzunehmen?

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Christian

    Ein Sparplan ist eine schöne Sache. Wichtig finde ich hierbei, dass man es sehr lange durchzieht. Im Idealfall über viele Jahrzehnte hinweg. Wer zwischenzeitlich Gewinne mitnimmt, macht ein wenig die Grundidee dahinter zunichte. Du kannst mal ein schwaches Jahrzehnt erwischen. Und dann?

    DIe Börse ist ideal für Anleger mit viel Geduld. Mut zur richtigen Zeit, Stetigkeit, Ausdauer, Vernunft zahlen sich aus.

  7. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    Buy & Hold mag ja prinzipiell ok sein, vor allem bei „Dickschiffen“, aber man sollte schon sehen, dass Buffett natürlich schon verkauft und kauft wie er meint, dass es richtig wäre. Das Ergebnis daraus ist ja die Performance von „Berkshire Hathaway“. Wenn man die Holding hat, dann braucht man nicht mehr timen, das macht ja Buffett für einen.
    Wenn man dagegen selbst Einzelaktien hält, dann sollte man schon immer ein Auge auf die Entwicklung haben und bei Bedarf handeln.
    Und dass auch Buffett die Lage nicht richtig einschätzen kann, das sieht man aktuell an dem Zukauf von 10 Mio GE-Aktien. Er hatte ja im Jahr 2012 erst 8.366.800 Aktien verkauft zu 20-23$. Jetzt kauft er 10 Mio teurer wieder ein; zu 28$!
    Also das war eher ein „Geschäft“, was schädlich war. Als Berkshire-Aktionär könnte man da schon Fragen stellen.
    Jetzt hat er u.a. ja Glaxo ausverkauft. Wer weiß, ob das gut war? Man wird sehen…

    Ich finde, jeder Anleger sollte sich durchaus zutrauen, eine eigene Strategie zu entwickeln. 😉

    MS

  8. Christian

    Will mich doch noch mal melden.

    Bei buy and hold widerstrebt es mir, wenn meine Aktien erst einen Gewinn machen und danach sogar ins Minus rutschen. Sicher habe ich immer noch die Dividende. Aber der Gewinn ist mir entgangen. Ich gebe Tim völlig Recht, daß man den Markt nicht/schlecht/nur selten/mit Glück timen kann.

    Wäre es dann sinnvoll per Sparplan zu kaufen um den Costaverage-Effekt zu haben? Das Timen entfällt somit, da ich ja immer kaufe.

    Allerdings fehlt mir auch eine Exitstrategie. Exit desween, weil ich ja immer auch Gewinn mitnehmen will. Auch hier fällt das Timen schwer. Wenn ich wüßte, daß die Aktie in Zukunft immer steigt, dann würde ich nicht verkaufen. Fällt sie jedoch zwischendurch unter meinen Durchschnittskaufkurs, habe ich einen möglichen Gewinn hergeschenkt.

    Mein Exitvorschlag: Ich setze bei 20% Gewinn einen dynamischen Stoploss mit einem Abstand von 10% (Volatilitätsschutz). Steigt der Kurs weiter, bin ich weiter dabei. Fällt der Kurs, steige ich automatisch (mit Gewinn) aus.

    Macht man es mit einem Index/Fonds ist die Gefahr auch nicht mehr gegeben heftigst ausgestoppt u werden wie 2010 mit P&G.

    Wo siehst Du, Tim bzw. die Mitleser hier Kritik/Einwände/Denkanstöße an „meinem“ System.

    Soll bitte keine Handlungsempfehlungs ein, sondern nur Diskussionsgrundlage.

    Viele Grüße
    Christian

  9. Markus

    @Christian

    Prinzipiell kann man diese Strategie schon verfolgen. Auch gibt es den ein oder anderen, der es so handhabt (nachziehende stop loss).

    Ob diese langfristig besser ist, da bei jedem „Handeln“ Steuern und Gebühren anfallen, wage ich zu bezweifeln.

    Generelle Empfehlungen, die auf jeden passen, sind extrem schwierig zu geben. Jeder hat andere Bedingungen, Lebenssituationen und Risiko bzw. Verlustängste. Auch prägen den ein oder anderen unterschiedliche Anlagestile oder Bücher.

    Meine Strategie ist buy & hold, regelmäßiges nachkaufen, Geduld (20 – 35 Jahre), genügend Cash für unvorhergesehene Dinge im Leben. Zum Thema Exit: Bei einer entsprechend großen Summe mit Entnahmeplänen und Rebalancing kann das schon das evtl. das reguläre Einkommen ersetzen…

    Allerdings kommt es auf viele Dinge an: Familie, Immobilie, Lebensziele, Risikotoleranz, finanzielle Bildung usw.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias

    Die Strategie von Buffett basiert auf dem Value Investing gepaart mit Buy and Hold.

    Kein Familienunternehmen hat er, glaube ich, bislang verkauft, das zu seiner Holding gehört. Seine Kernbestände (Amex, Wells Fargo, Coca-Cola…) hält er über Jahrzehnte.

    Ja, seine neuen Hedgefondsmanager sind im Anlagestil aktiver als Buffett. Es handelt sich aber um kleinere Positionen (im Regelfall).

    Buffetts gesamtes Leben wird von einer extremen Kontinuität bestimmt: Sein Haus, sein Job, seine Ziele, sein Geschäftspartner Munger, sein Wohnort, seine Lieblingsgerichte…

    @Christian

    Das Springen rein und raus aus Aktien lohnt sich nicht. Dazu gibt es massenhaft Studien. Gefühle, Fehler, Zufälle, Pech machen uns einen Strich durch die Rechnung. Wie Markus schon sagt: Gebühren + Steuern ebenso berücksichtigen.

    Wer jedes Mal bei einem Kursverlust von 10% (und mehr) aussteigt, nutzt zudem immer die schlechten Phasen.

  11. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim

    Buffett ist ja auch der „Guru“, dem ich am ehesten nacheifern würde, WENN ich viel mehr Zeit hätte, also heute vor einem Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten stünde. Aber leider habe ich das nicht zur Verfügung. Deswegen habe ich für mich persönlich eine etwas aktivere Art angefangen zu praktizieren. Mal sehen was dabei raus kommt.

    Übrigens sei hier der Leserschaft das (Hör-)Buch über Buffett anempfohlen: Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball.

    @Christian

    Ich finde, man kann durchaus mal was mit Gewinn verkaufen. Gerade nach schnellen steilen Anstiegen ist doch oft eine Korrektur zu erwarten. Wenn man die Aktie prinzipiell weiterhin ok findet, dann kann man später günstiger wieder einsteigen.
    Man findet ansonsten immer irgendwelche Gelegenheiten, in die man investieren kann.
    Mein persönliches Vorgehen ist ungefähr so; ich will einen Großteil des Depots grundsätzlich unbegrenzt halten. Das sind dann eher Funds mit regelmäßiger (monatlicher) Dividende. Bei denen wird bei günstigen Kursen nachgekauft.
    Wenige Einzelwerte, die ich als solche auch gern halte, aber auch mal verkaufe, habe ich unregelmäßig und immer mal wieder. Momentan ärgere ich mich gerade, dass ich Seadrill nicht wie beabsichtigt verkauft hatte. Derzeit hätte ich sie 20% billiger wieder kaufen können. Ein anderer Wert ist KFN, die ja einen Kurssprung gemacht hat, weil sie von KKR „gemergt“ wird. Soll ich das Plus realisieren, oder die eingebuchten KKR dann im Tausch weiter behalten, trotz geringerer Dividende? Na ja … schaun mer mal.

    MS

  12. tim schaefertim schaefer

    @ Matthias

    Klar. Jeder soll das so machen, wie es persönlich am besten passt/Spass macht.

    Grundsätzlich sind das aus meiner Sicht die Problem des Privatanlegers: Selbstüberschätzung, eine zu hohe Aktivität, Euphorie, zu geringe Einarbeitung ins Thema, Unkenntnis, Schnellschüsse, Angst, Herdenverhalten, Unterschätzung von Dividenden/KGVs, fehlende Geduld, einzelne Kursbewegungen werden überschätzt, fehlender Info-Austausch mit anderen…

    (Ich selbst mache natürlich auch solche Fehler. Ich arbeite aber dran.)

  13. Markus

    Zudem sind 35 Jahre schnell geschrieben…
    aber was das Leben in diesem Zeitraum alles so für einen Menschen bereithält…

    Auch kommt es an, welche Erfahrungen man mit Aktien & Börse schon gemacht hat, bzw. wo man jemanden abholt.

  14. Chris

    Ich bin der Meinung man kann jeden Tag etwas kaufen. Es gibt nur hohe Inidzes aber so gut wie nie Zeiten, in denen alles zu hoch bewertet ist.

    Auch jetzt sehe ich nicht, wo die Märkte enorm überbewertet wären. OK, Tim spricht es an. Einige Branchen würd ich jetzt auch nicht mehr kaufen.

    Aber diesen teuren Beispielen stehen genug Chancen gegenüber. Banken z.B. HSBC, Rohstoffgiganten wie Vale, Ölwerte, IBM, John Deere, Cisco, Tabakaktien um nur ein Paar zu nennen.

    Auch Nahrungsmittel-Basics sind vielleicht nicht billig, aber auch nicht zu teuer. Coca Cola, Unilever, Mc Donalds, General Mills und viele mehr bieten Dividenden zwischen 3 und 4% bei KGVs im oder leicht unter dem historischen Schnitt. Dem gegenüber stehen 1% auf Festgelder.

    Man kann jetzt vorsichtiger werden. Durchaus. Allerdings sehe ich keinen Grund jetzt nicht mit Aktien zu beginnen oder gar auszusteigen. Ich halte das Risiko, keine Aktien zu besitzen für größer, als immer weiter zu warten. Zumal es in der Vergangenheit deutlich längere Haussen gab als 5 Jahre.

    Viele Anleger, die beim DAX Stand von 8000 ausgestiegen und den nächsten Crash vorausgesagt haben, würden heute die damaligen Preise ohne wenn und aber bezahlen – und haben ganz nebenbei die Dividenden in der Zwischenzeit auch noch verpasst.

    Von Stop Loss halte ich gar nichts. Kurze Einbrüche, wie in den letzten Wochen kosten einen ohne Grund viele Steuern und Verkaufsgebühren. Anschließen wieder Kaufgebühren. Und auch Stop Losses mit eingem Abstand zum aktuellen Kurs nützen nichts. Im November 2011 hat das garantiert einige Anleger viel Geld gekostet.

  15. Alexander Moshe

    Christian fragte:
    „Rätst Du dazu – wenn man eine Blase sieht – zu verkaufen um dann im Crash neu einzukaufen?“

    Teil meines Systems ist es, erst bei einem fixen Punkt zu kaufen und zu verkaufen.

    Dazu habe ich den sog. Wert-Index entwickelt:
    Man nimmt den Kehrwert des KBV und den Kehrwert von KGV/10 und addiert diese Werte.

    Beispiel:
    Eine Aktie stürzt stark ab. KBV beträgt noch 0.5, KGV beträgt 8.
    Der Wert-Index errechnet sich nun so:
    (1/0.5)+(1/0.8)=3.25

    Ich kaufe nur Aktien, die einen Wert von 5.0 oder höher aufweisen.
    Dieser Wert kann als eine Art Steigerungspotential angesehen werden.
    Unternehmen sind bei etwa 1 Punkt fair bewertet (entspricht zB KBV 2 und KGV 20).
    Ich bin noch am studieren, ob ich bei 2.0, 1.5 oder 1.0 verkaufen will. Ich tendiere zu 2.0, weil dieser Wert erheblich schneller erreicht ist, und damit Cash für den nächsten Crash frei wird.

  16. Markus

    @Alexander

    „Ich kaufe nur Aktien, die einen Wert von 5.0 oder höher aufweisen.“

    Die Dinger müssen aber abartig billig sein, bzw. da brauchst Du ja schon ein KGV von 6 und ein KBV von 0,3 um überhaupt auf den Wert von 5 zu kommen…

    Wo holst Du Dir denn das 10 Jahres-KGV her? Das findet man ja nicht unbedingt für jeden Wert und Index…

    Wie lange testest Du diese Strategie?

    Eine Bewertungsorientierte Strategie gibt es ja auch von strong value etf`s oder rafi indizes…

  17. Christian

    Hallo Tim,
    vorab mal ein großes Lob an deinen Blog, echt toll was du hier betreibst…lese nun seit 1 Jahr passiv mit und muss mich nun auch mal zu Wort melden:

    Einkauf: wenn der Aktienkurs 20-50% unter dem inneren Wert liegt = Sicherheitsmarge
    Verkauf: 0-20% über den inneren Wert, je nach Investmentqualität

    Den inneren Wert bestimme ich nach der Methode von Max Otte

  18. Markus

    @Christian

    Habe schon mehrere Bücher von Otte gelesen.
    Wie wird denn nach ihm der innere Wert berechnet?
    Das habe ich noch in keinem der Bücher gelesen.

  19. Christian

    ImPrinzip ist es ein Scoring Modell mit diesem Aufbau http://maxotte.de/anlagestrategie?id=15

    Ich glaube in „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ erklärt er auch Teile daraus

    Da ich aber der Meinung bin als Privater die Bewertung nicht objektiv genug hinzubekommen (Qualität Management,..) und mir der Zeitaufwand zu groß ist kaufe ich mir die Bewertungen zu indem ich Mitglied bei IFVE bin.

    Grüße Christian

  20. Markus

    @Christian

    Die Königsstrategie kenne ich.
    Das mit Score-System macht ja auch die Susan Levermann.

    Welche Rendite p. a. hast Du denn die letzten 5 Jahre mit der Strategie gemacht? Also nur auf die Aktienquote bezogen und mit Angabe ohne / mit Steuer.
    Wenn ich fragen darf. 😉

  21. Christian

    Mach das selbst erst seit 1 Jahr konsequent nach dieser Methode d.h. die Gesamtperformanceist etwas schlechter als der Dax ~20% vor Steuern….aber meiner Meinung nach ist das in steigenden Märkten normal beim Value Investing….wichtig ist die großen Fehler zu vermeiden lt. Buffett

  22. Stefan

    Hallo Alex,

    Deinen Ansatz finde ich interessant, allerdings denke ich wirst du damit (auch in schlechten Zeiten) kaum Aktien finden die Deine Kriterien erfüllen. Nenn doch bitte mal ein paar Beispiele bei welchen Aktien Du mit Deiner Methode zum Zuge gekommen bist.

    lg Stefan

  23. Alexander Moshe

    Hallo,

    Es wurden mir Fragen gestellt:

    F: Die Dinger müssen aber abartig billig sein, bzw. da brauchst Du ja schon ein KGV von 6 und ein KBV von 0,3 um überhaupt auf den Wert von 5 zu kommen…

    A: Richtig. In der Tat. Ich möchte quasi den grösstmöglichen Sonderrabbatt.
    Natürlich achte ich dabei auch auf Qualität. Wird die Firma in 10 Jahren noch existieren? Hat das Geschäftsmodell Zukunft? Werden die Gewinne wahrscheinlich höher sein als heute in 10 Jahren?

    In der Schweiz sind zur Zeit Valartis Group (knapp) so günstig bewertet und New Venturetec.
    Wobei ich beide nicht kaufen würde:
    Valartis-Group nicht, weil es eine Bank ist. Und New Venturetec, weil die selber nur Geld mit Firmen-Beteiligungen machen. Die haben auchs chon Geld verloren, das ist mir zu unsicher für ein ernsthaftes (und damit langfristiges) Investment.
    Die Daten der genannten Firmen gibts zB bei fuw.ch/aktienfuehrer

    In der Finanzkrise 2009 waren zB Swiss Life (Marktführer Lebensversicherungen) und Swiss Re (2.grösster Rückversicherer auf dieser Kugel) beide so tief bewertet, dass ich hätte kaufen können.

    Es ist also schon so, dass ich nach meiner Strategie teilweise jahrelang nichts kaufen kann. Wenn ich aber was kaufe, dann gehts so richtig ab.

    Lest auch mal das Beispiel von Warren Buffett mit Western Insurances. 3$/Aktie bei 20$/Aktie Gewinn.

    F: Wo holst Du Dir denn das 10 Jahres-KGV her? Das findet man ja nicht unbedingt für jeden Wert und Index…

    A: Nun, ich nehme kein 10-Jahres-KGV, sondern der Einfachheit halber das geschätzte KGV2014. Schliesslich müssen die Daten einfach verfügbar sein. Mein System baut enorm auf Einfachheit auf.

    F: Wie lange testest Du diese Strategie?

    A: Noch nicht lange. Die Entwicklung begann im Dezember 2012.
    Ich habe etwas Mühe, ältere KGV-Daten zu finden, sonst könnte ich BackTests machen.

    Aber für mich ist klar: Eine mittlere bis gute Qualität (dh nur solide Firmen), kombiniert mit einer 5-fachen-Unterbewertung, ist ein Erfolgsgarant.
    Sozusagen Value Investing Extrem.

  24. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Alexander
    „Lest auch mal das Beispiel von Warren Buffett mit Western Insurances. 3$/Aktie bei 20$/Aktie Gewinn.“

    Ja, das sind natürlich feine Geschichten. Nur, was nützt einem das, wenn man nicht die Firma als Ganzes aufkaufen kann, zumindest Mehrheitsaktionär ist, um zu bestimmen was mit dem Gewinn geschieht?
    Wenn ich als Kleinaktionär zuschauen muss wie der Gewinn verpulvert wird (sinnlose Zukäufe oder was weiß ich), hilft mir das gar nichts.

    MS

  25. Markus

    Schon interessant, welch unterschiedliche Strategien verfolgt werden.

    Ich bin sehr zufrieden damit, meine Strategie gefunden zu haben. Diese wird maximal leicht modifiziert.
    Auch war der Abgeltungssteuertermin ein zusätzlicher Druck, Nägel mit Köpfen zu machen.

    Einfache Umsetzbarkeit, wissenschaftlich fundiert, geringe Kosten und geringer Zeitaufwand, wenig Bereitschaft die einmal gefundene Strategie alle 2 – 5 Jahre über den Haufen zu werfen, wenig Handelstätigkeit sind Punkte, die durchaus langfristig wichtig und überlegenswert sind.

    Meine ersten 8 Jahre Börse von 2000 – 2008 waren „Findungsjahre“, wo mir meine monatlichen Sparquoten geholfen haben.

  26. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Apropos Börsen On The Top, was noch kaufen?

    Habe heute mal einen deutschen Screener bemüht, was man so mit guten Ratios in Deutschland derzeit noch findet.
    Bei Finanztreff habe ich gesucht mit Vorgaben:

    – Dividende > 5%
    – KGV < 10 - KUV < 2 - KCV < 3 Von den 3 angezeigten Unternehmen habe ich mir "United Power AG" (aus China, in DE gelistet) mal angesehen. Ich finde die Firma „unterbewertet“. Wahrscheinlich wegen relativ geringem Streubesitz um 20% und im Abseits des Interesses. IPO war 2011 und wenig erfolgreich (9 EUR). Kurs heute um 3 EUR.

    Die bauen Generatoren (Outdoorbedarf) für weltweite Abnehmer (auch deutsche Baumärkte).
    Leider ist wohl noch keine Dividende zugesagt, obwohl schon als geschätzter Wert für 2014 veranschlagt. Sollte die bestätigt sein, dann dürfte es einen Schub für die Aktie geben.

    Ich bin mal mit gutem Beispiel voran gegangen, und habe heute paar gekauft. 😉

    Infos:

    Bericht zu der Firma von „Going Public“

    Artikel zur Aktie: United Power: Solide China-Aktie mit sensationellem KGV

    Homepage des Unternehmens

    MS

  27. tim schaefertim schaefer

    @ MS

    Das mag optisch alles günstig aussehen bei dieser kleinen Aktiengesellschaft aus China. Offenbar hat jedoch der Kapitalmarkt seine Zweifel, sonst wäre die Bewertung nicht so günstig. Ich kann es nicht beurteilen. Jedenfalls handelt es sich nicht um KEIN Witwen- und Waisenpapier.

    Ich bin zur Zeit auf der Durchreise, komme leider nicht zum Updaten des Blogs. Ich bitte um Geduld.

  28. Fritz

    Ich finde es verrückt, wenn jemand eine Firma kauft und gerade einmal weiß, dass diese Generatoren baut…

    Grüße

  29. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Fritz

    Hast Du auch ein sachliches Argument dagegen?

    Ich habe mir die Zahlen angeschaut, und die finde ich ok, bzw. die Bewertung.

    Die Produkte finde ich auch ok, jedenfalls besser als Waffen, Tabak, Alkohol, Zuckerwasser und Tiermordprodukte…

    Aber die Kaufentscheidungen trifft natürlich jeder selbst, und seine Fehler begeht auch jeder selbst.

    MS

  30. Stefan Müller

    Es gibt ein Argument dagegen. Wenn du die Firma und das Papier nicht kennst, lass die Finger davon.
    Wer weiß, ob nicht vielleicht der Chef wegen Korruption verhaftet wurde, eine Zollbeschränkung aufgetreten ist, mangelhafte Waren geliefert wurden und irgendwelche Gerichtsverfahren geändert wurden ……..
    Diese Infos sind uns hier unbekannt, im Gegensatz zu Infos zu Cola, Nestle, McDonalds ….

    Deswegen ist so eine Aktien ein Lotteriespiel.

  31. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Stefan,

    ja klar, alles ist möglich. Aber unbegründete Vermutungen (Unterstellungen) sind Räuberpistolen und keine Argumente. Niemand Außenstehender kennt KO, MCD usw. Es gibt nur eine Hammelherde, die das kauft was alle kaufen.

    Ich dachte, das Buffett-Credo lautet, finde billig bewertete Firmen?!

    Suche doch mal was Feines bitte.

    Diese Chinabude ist einfach ein Beispiel, wie man es anstellen könnte. Ich habe ungefähr 80-90 Werte in meinen Depots, und davon ist diese Klitsche einfach ein Versuch auf eigenes Risiko, gekauft mit dem Gewinn von meinem explodierten leveraged Coffee-ETFS.

    Die obige Aktie ist billig weil abseits und unbeachteter Nebenwert mit dünnem Handel, ganz klar.

    Die lass ich jetzt mal liegen und warte auf die Zahlen im April. Entweder es wird besser oder sie kommt halt wieder weg.

    „With respect to valuation metrics, the stock remains cheap. As we have outlined in the past, net cash per share could grow above the market cap if there is no belief in a capital distribution to shareholders.“

    MS

  32. tim schaefertim schaefer

    Nun nicht alle chinesischen Aktien sind schlecht. Es gibt dort natürlich spannende Konzerne.

    Bei den kleineren Firma gab es ein paar Betrugsfälle, an denen sich selbst Promi-Anleger wie John Paulson die Finger verbrannt haben. Man muss hier als Anleger aufpassen, vorsichtig sein.

    Warren Buffett hatte mal einen China-Riesen im Depot mit Petro-China, nahm aber schnell seinen Gewinn mit. Und andere chinesische Aktien sind noch im Depot von Berkshire wie der Batteriebauer BYD.

    In seinem Privatdepot hat Buffett koreanische Aktien. Die hat er in sein Herz geschlossen, weil sie so günstig sind.

  33. Markus

    Prinzipiell gibt es sehr verschiedene Meinungen zu Value-Investing und deren Unterarten…

    Einige meinen, es geht nur mit sehr viel investierter Zeit und Recherche…

    Andere nehmen nur das Zahlenwerk und bündeln das Risiko mit verschiedenen Zigarettenstummeln…

    So selten sind Value-traps auch nicht… da hilft dann streuen.

    Auch gibt es verschiedene Meinungen, ob die großen Multis mit Marke und nichtzykl. Konsum noch Value-Investments sind bzw. sein können.

    Eine Gewinn Prognose sicher in die Zukunft zu interpolieren… ein Unternehmen besser kennen zu wollen, als der Ceo…

    Ich glaube nicht daran.

  34. Chris

    @Fritz
    Man kann Produkte oft nur über financial statements einschätzen.

    Selbst Produkte die man einschätzen könnte, so wie Produkte von McDonalds bezweifle ich sehr stark, dass man alle Produkte von McDonalds testen kann oder will. Oder von Procter&Gamble… Und ich glaube, wenn man sowas behauptet, dann lügt man sich selbst einfach nur an.

    Viele Unternehmen und gerade Unternehmen die lediglich im B2B Bereich tätig sind, kann man nur über Zahlen einschätzen… Oder Unternehmen wie Siemens die viel im medizinischen Sektor macht, aber auch B2C Umsätze macht…

    Finde auch nichts verwerfliches an diesem Ansatz. Walter Schloss hat bewiesen, dass es langt sich nach den Zahlen zu orientieren und die Produkte nicht wirklich zu kennen.

    Viele Grüße
    Chris von gieristgut.com

  35. Markus

    Nur gab es bei Schloss noch kein Internet.

    Keine strong value etf`s, rafi indizes, lingohr systematic value fonds, value screener usw.

    Die spannende Frage ist, wie viel Prozent der Anleger nach mechanischen Strategien das frühere alpha wegarbitrieren.

    Und wenn es nicht nach Qualität von nicht messbaren Faktoren geht, geht es nur über eine entsprechende Streuung.
    Einzelne Aktien, die gerade so mal ins Raster fallen, halte ich für zu riskant.

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