Börsenhandel: Warum das ewige Hin und Her nix bringt


New York, 2. Mai 2012

Hin und her macht Taschen leer. Diesen Spruch sollten Sie sich zu Herzen nehmen. Denn meist zahlt sich Kontinuität in der Anlagestrategie aus. Das gilt nicht nur bei der Aktienauswahl, sondern auch bei anderen Assets wie Fonds oder Immobilien. Bei einer Umschichtung Ihres Vermögens entstehen nämlich jedes Mal Kosten.
In einer Ehe kann eine „Umschichtung“ ebenfalls ziemlich teuer werden. Der Beatle Paul McCartney kann davon ein Lied singen, die Trennung von seiner früheren Partnerin Heather Mills kostete ihn 32 Millionen Euro – für vier Ehejahre.
Wer das Leben des Milliardärs Warren Buffett unter die Lupe nimmt, trifft überall eine extreme Form der Kontinuität an: Er wohnt in dem gleichen Haus, das er 1957 für 31.500 Dollar erworben hatte. Als Zehnjähriger besuchte er die New Yorker Börse, seither ließ ihn die Börse nicht mehr los. Als Elfjähriger kaufte er seine erste Aktienposition.
Warum sind Kurswechsel so teuer? Nehmen Sie dieses Beispiel: Der Kauf einer Immobilie verursacht Grunderwerbssteuern, Notarkosten, Maklercourtage, Umzugskosten und so weiter. Es können schnell zehn Prozent Nebenkosten zusammenkommen. Wenn Sie das fünf Mal in Ihrem Leben machen, haben Sie den Wert eines halben Objekts vernichtet.
Der Kauf eines Fonds kann mit saftigen Ausgabeaufschlägen von fünf Prozent verbunden sein. Wenn Sie dann alle sechs Monate Ihren Fonds auswechseln, weil Sie einen „besseren“ Fonds gefunden haben, fehlen Ihnen glatt zehn Prozent jährlich. Und diese zehn Prozent an Mehrkosten müssen Sie erst mit einer außergewöhnlichen Performance hereinholen. Ein solches Vorgehen wird langfristig in einem Desaster enden.
Je aktiver Sie mit Umschichtungen sind, desto mehr leidet Ihr Vermögen in der Regel. Früher erledigten einige schwarze Schafe in der Finanzbranche das ständige Drehen der Positionen für die Kunden. Man bezeichnet diese dubiose Strategie als „Churning“.
Heute nehmen die Kunden das Churning selbst in die Hand – ohne zu merken, welchen Schaden sie anrichten. In den USA wird der Streubesitz von manch einem Großkonzern mittlerweile einmal jährlich komplett durchgehandelt. Ich frage mich, was das soll?
Zum einen liegt die extreme Aktivität an dem computerbasierten Hochfrequenzhandel. Zum anderen liegt die gestiegene Bereitschaft, umzuschichten, an unserem höheren Medienkonsum. Es werden immer schneller, immer mehr Informationen und Gerüchte verbreitet. Die sozialen Medien tragen ihren Teil dazu bei. Dadurch fühlen sich die Menschen schlauer. Wir glauben informierter zu sein. Dabei wirft nicht jede Neuigkeit, nicht jeder Quartalsbericht, die komplette Strategie über den Haufen.
Wir fühlen uns mit all den Meldungen überlegen. Wir lassen unsere Gefühle entscheiden und setzen nicht den klaren Verstand ein. Diese Selbstüberschätzung ist in ihrer Auswirkung verheerend: Tendenziell verkauft die Masse am unteren Ende des Trends, sprich die Menschen realisieren gerne Verluste. Wenn die Kurse auf neue Höhen stürmen, möchte die Masse gerne mit von der Partie sein und steigt auf dem Höhepunkt ein.
Die besten Anleger tun gerade das Gegenteil. Oder Sie folgen einer anderen Strategie: Im Prinzip ist das clevere Investieren ein Kinderspiel. Eine solide Strategie basiert auf überzeugenden Dividendenpapieren. Sie kaufen die Aktie zu vernünftigen Preisen und warten einfach ab.
Wenn Sie etwa einen traditionsreichen Lebensmittelhersteller mit einem KGV von 13 und einer Dividendenrendite von 3,0 Prozent finden, was soll hiermit schon schief gehen? Da können Krisen kommen und gehen, die Lebensmittel werden trotzdem stetig verspeist. Es gibt an der Wall Street Unternehmen, die zahlen seit 100 Jahren ohne Unterbrechung eine Dividende. In dieser Zeitspanne wüteten zwei Weltkriege, zwei Weltwirtschaftskrisen, Seuchen, Ölkrisen, Inflationswellen. All das stoppte die Traditionsfirmen nicht, Geld zu verdienen sowie ihre Aktionäre mit Dividenden zu verwöhnen. Solche Aktien sind sogar sicherer als so manche Staatsanleihe aus der EU. Was wollen Sie eigentlich mehr?
Ausführliche Informationen zu dem hektischen Hin und Her der Anleger finden Sie in einem gut geschriebenen Artikel im Handelsblatt.
Mehr Infos zu den teilweise zu hohen Kosten bei Fonds gibt es hier.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Börsenhandel: Warum das ewige Hin und Her nix bringt

  1. Jack

    Hi Tim,

    guter Artikel

    Man hört auch immer wieder den Tipp regelmäßig(meist jährlich)Rebalancing im Depot zu betreiben.

    Durch den Abzug von Steuern kann ich beim Rebalancing keinerlei Renditevorteile erkennen.

    An der Börse kann man durch „nichts tun“ zu den besten Anlegern gehören, das scheint wohl für viele ungewohnt zu sein, ist man ja gewohnt immer Leistung zu bringen um zu den besten zu gehören 😉

    Gruß
    Jack

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Jack,

    danke für das Lob.

    Ja klar, die Steuer ist für die Trader eine zusätzliche Belastung, die ich in dem Beitrag nicht erwähnt habe.

    Als Anleger ist es verdammt wichtig, dass man sich immer die Frage stellt, wenn ein „Berater“ zu einer Umschichtung rät, welche Provisionen der Berater kassieren kann. Fragen Sie sich, ob hinter dem Rat nicht ein persönliches Interesse steckt.

  3. Andi7

    @Jack
    Rebalancing ist nicht gleich Umschichten, hat also mit dem im Artikel beschriebenen kopflosen Hin- und Her nichts zu tun.
    Die einzelnen Assetklassen eines Portfolios bekommen eine Gewichtung, um einerseits das erwartete Risiko(Schwankung) und andererseits eine vernünftige erwartete Rendite festzulegen.
    Da die Assetklassen sich per se unterschiedlich entwickeln, weicht das Risiko mit den Jahren immer mehr von dem festgelegten (zugelassenen) Wert ab.
    Dies wird durch Rebalancing zurückgesetzt.
    Dabei wird nur ein geringer Teil des Portfolios umgeschichtet. Wenn dies jährlich gemacht wird, dann bleiben die Kosten dafür unter einem Prozent. Als Nebeneffekt sorgt Rebalancing für 1% Überperformance. D.h. die Rendite leidet nicht darunter. Das Risiko bleibt aber im gewünschten Bereich.
    Kommen jedoch neue Mitteln hinzu, kostet Rebalancing nichts, da für die neuen Mitteln sowieso Transaktionskosten anfallen würden.

  4. Lars Hattwig

    Hallo Tim,

    schöner Beitrag. Sobald man sich ein Investment gut überlegt hat, dort investiert ist, dann sollte man es tatsächlich lange halten. Am besten noch mit regelmäßigen Ausschüttungen 🙂

    Die kurzfristigen Nachrichten in den Medien sollten eh als „Rauschen“ abgetan werden. Erst wenn sich mittel- und längerfristige Aussichten ändern, die das Investment betreffen, dann sollte die Situation neu bewertet und möglicherweise gehandelt werden. Alles andere beschert hauptsächlich einen Geldfluss in die Taschen des Brokers und Investmentanbieters.

    VG aus Berlin

  5. tim schaefertim schaefer

    Hi Andi7,

    danke für den Zusatz. Ich persönlich halte nichts vom Rebalacing, auch wenn es sich nur um kleine Anpassungen jährlich handelt. Jeder muss natürlich seinen Weg, seine Strategie finden. Wenn Du damit gut abschneidest, ist das natürlich super.

    Ich kopiere einfach Stars wie Warren Buffett. Der hält seine Aktienpakete an Coca-Cola, Amex, P&G etc. unverändert über Jahrzehnte hinweg. Ich habe mal nachgeschaut bei der Stückzahl: Nicht eine einzige Aktie hat er bei seinen Kern-Positionen verkauft.

    Man muss das Rad ja nicht neu erfinden. Ich finde, warum kann man nicht kopieren, was einer der besten Anleger aller Zeiten macht?
    VG
    Tim

  6. tim schaefertim schaefer

    Hallo Lars,

    danke für das Lob. Aktivität schadet auch, weil wir uns in solchen Fällen sehr stark von unseren Emotionen leiten lassen. Und die sind Gift! Hinzu kommen natürlich all die Kosten (Broker, Steuern).

    VG nach Berlin
    Tim

  7. Andi7

    Hi Tim,
    Rebalancing macht Sinn nur in Bezug auf das „ausgewogene“ Portfolio.
    Buffett investiert nur in eine Asset-Klasse „Aktien Nordamerika“. Aktuell ist auch „Münchener Rück.“ bei ihm gelandet, aber ich denke dies ist eher eine Ausnahme.
    Ab und zu spekuliert er mit Silber. Ob er auch Anleihen kauft, weiß ich nicht. Immobilien auf jeden Fall nicht.
    Also demnach braucht er kein Rebalancing.

    Mit Aktien allein kann man auch „glücklich“ sein. Jedoch das verlorene Jahrzehnt hat uns gezeigt, dass dies auch gefährlich sein kann.

    Übrigens, etwas zu verkaufen bräuchte er auch nicht, da ständig neue Mittel hinzukommen.

  8. tim schaefertim schaefer

    Hi Andi7,

    danke, das hast Du sehr gut erklärt. Deine Argumente leuchten mir ein.

    Stimmt, dass Buffett ganz kleine Anpassungen bei einer Handvoll Firmen vornimmt. Bei ConocoPhillips hat er das auch seit Jahrzehnten gemacht. Der Löwenanteil der Papiere bleibt aber unverändert. Was ich als Gefahr sehe bei diesen kleinen Anpassungen ist, dass man zu viel am Depot am Ende verändert.

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