Börsenerfolg: Geduld ist das Geheimnis


New York, 3. Mai 2014

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Ich erhielt heute zu meinem Blogeintrag „So viel Geld brauchen Sie wenn die Rente beginnt“ eine tolle Anmerkung von Walter. Ich möchte seine Gedanken aufgreifen. Zunächst seine Anmerkung:
„Hallo Tim, du beschreibst meine finanzielle Situation in deinem Artikel ziemlich genau, was deine Wünsche „fürs Alter“ angeht. Ich bin jetzt 61 und habe mich vor 20 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Meine Firma habe ich verkauft und lebe seither von Mieteinnahmen und Dividenden. Mein gesamter Vermögensbestand war zum Zeitpunkt des Ruhestandsbeginns unter 2 Mill. €uro. Mein Vermögen heute beläuft sich auf fast exakt die gleiche Summe. Fast immer, wenn ich mit einem kleinen Anteil traden wollte, habe ich Geld verloren. Wenn ich heute daran denke, daß ich vor Jahrzehnten Aktien wie Coca-Cola, Gillette und ähnliche auch immer mal wieder verkauft habe, kann ich jetzt nachvollziehen wie falsch das war. Heute habe ich es begriffen und freue mich seit Jahren über stetig steigende Dividendeneinnahmen und einen gehobenen Lebensstil mit vielen Reisen. Die gesetzliche Rente in knapp 5 Jahren spielt für mich kaum eine Rolle.“
Walter hat ein wirklich bequemes Ruhestandspolster angespart. Zwei Millionen Euro ist eine Menge. Gratulation dazu.
Er hat herausgefunden, was so viele gar nicht wissen: Wer viel tradet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich lausig abschneiden an der Börse. Das ist einfach so. Statistiken zeigen das ganz klar. Profis geht das genauso: Wenn ein Fondsmanager sein Portfolio zu oft dreht, bleibt im Schnitt weniger Rendite übrig, als wenn er geduldig ist.
Als geduldiger Investor gewinnen Sie an der Börse, als Spekulant eher nicht. (Natürlich gibt es Ausnahmen.)
Richten Sie besser Ihren Blick lange nach vorne. So wie ein Kapitän auf hoher See. Gehen Sie einen Bund mit Ihren Qualitätsaktien (oder Index) ein.
Ihre Strategie muss Sinn machen. Wenn ich den Fernseher einschalte, gibt es jeden Tag einen neuen Grund, warum die Google-Aktie gerade fällt oder steigt. Es ist Unfug jeden Tag den Kurs zu kommentieren. Es hat mit Fakten einfach nichts zu tun. Sie können ja nicht das Regenwetter kommentieren, in dem Sie jeden einzelnen Regentropfen begutachten. Vergessen Sie also die Leute, die täglich DAX, Dow Jones und die Apple-Aktie neu einschätzen.
Eine tägliche Kursveränderung hat keine wesentliche Aussagekraft. Ein Kurs, ob er nun rauf oder runter geht, kann nicht täglich erklärt werden. Solche Schlussfolgerungen sind dämlich. Aussagekraft haben nur die langfristigen Geschäftszahlen Ihres Unternehmens.
Die Weltbevölkerung explodiert, der Fortschritt geht weiter, die Demokratisierung vieler Erdteile ist im Gange, der Wohlstand nimmt seit Jahrhunderten zu. Die langfristigen ökonomischen Trends stimmen also.
Die Langfristanlage ist daher das Herzstück des Börsenerfolgs. Wie erreichen Sie das? Wir müssen Herr über unsere eigene Gefühle werden. Nichtstun ist das Beste, was Sie machen können. Hobbybörsianer neigen dazu, Gewinneraktien zu schnell zu verkaufen. Wenn es crasht, steigen die Menschen aus Sorge aus, es könnte noch weiter runter gehen.
Dann haben wir neben der zu hohen Aktivität das Problem der Selbstüberschätzung. Wir glauben, besser zu sein als all die anderen. Wir glauben, die besseren Autofahrer, Tänzer, Sportler, Aktientrader zu sein. Wir verlieren manchmal den Blick für die Realität. Wenn die Mehrheit glaubt, ein überdurchschnittlich guter Autofahrer zu sein, kann das ja statistisch betrachtet nicht möglich sein.
Wir handeln irrational, weil unsere Gedanken, Gefühle, Träume uns einen Strich durch die Rechnung machen. Die kurzfristige Performance führt dazu, dass wir Kurzschlussentscheidungen treffen, die auf lange Sicht keinen Sinn machen. Gier und Angst sind häufig die Basis für unsere Entscheidungen, nicht so sehr die Fakten gepaart mit dem langfristigen Ausblick. Sie können einen zwischenzeitlichen Kursverlust einfach auszusitzen bei einem Blue Chip, warum gleich die Flinte ins Korn werfen und verkaufen?
Wer Geduld hat, nutzt den Zinseszinseffekt. Wer Geduld hat, vermeidet unnötige Transaktionskosten, Steuern etc. Wenn Sie Zeit haben, ist das so, als ob Sie eine ertragreiche Goldmine am Laufen haben. Auf lange Sicht wird das Depot immer wertvoller. Die Zeit ist Ihr Freund. Aktivität, Angst, Euphorie, Träume sind Ihr Feind.
Fazit: Im Kasino werden selten die Zocker reich, sondern immer der Kasinobesitzer.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Börsenerfolg: Geduld ist das Geheimnis

  1. Felix

    Herzlich Glückwunsch an Walter!
    Mit 41 Jahren mit 2 Mio. EURO im Rücken in den Ruhestand zu gehen, ist – wie soll ich sagen – nicht jeden vergönnt. Es würde wohl auch den Zusammenbruch des Systems zur Folge haben, wenn sich alle mit 41 Jahren aus dem Erwerbsleben verabschieden könnten, um die Welt zu bereisen. Von Familie, Kindern mit Schulpflicht usw. ganz zu schweigen. Aber darum geht's ja gar nicht.
    Vor 20 Jahren hätte Walter wahrscheinlich noch 5 % Zinsen p.a. bekommen, das wären 100.000 € brutto gewesen. Davon hätte sich ganz ohne Aktien auch gut leben lassen.

  2. Michael

    … und wenn Walter es schafft auch seinen Kindern den richtigen Umgang mit Geld zu lehren, so wird es jeder Generation besser gehen. Richtiger Umgang bedeutet, nicht über seine Verhältnisse zu leben, das Kapital zu bewahren und von den Erträgen zu leben. Die Erfahrung zeigt aber, daß spätestens nach 3 Generationen das Vermögen verdummt wird.

  3. Jan

    @ Christian

    Ist doch egal, du wirst nie den perfekten Einstieg finden. Eine gekaufte Aktie wird immer noch einmal ins Minus laufen. Daher ist es eben wichtig wo sich nach ein paar Jahren steht. Wenn du gute Werte im Depot hast solltest du dir darüber nicht so einen Kopf machen.

  4. Tom

    Geduld?
    Ja die brauchts. Die Wartezeit lässt sich minimieren indem man mehr Kapital investiert. Wär gut mit den eltern das geld anzulegen, vorausgesetzt diese sehen den vorteil von buy and hold.

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Christian
    Das geht den meisten so. Nach dem Einstieg rutscht die Aktie eben ins Minus. Es liegt an der Volatilität. Es liegt daran, dass niemand den perfekten Zeitpunkt erwischt.

    Bei Buffett ist das auch der Fall. Einfach abwarten und Tee trinken.

  6. toni

    hallo euch allen
    //Warum drehen meine Werte nach dem Kauf immer sofort ins Minus?//
    was ich durch einfaches beobachten von top werten euch sagen kann:
    nach einem hoch geben die im schnitt 15% ab seht euch die charts an ob YUM,KO,IBM ,k usw
    da ist für mich meist ein erster Kauf von 1/2 oder 1/3
    mein letzer kauf TGT war ein bischen mehr
    tschü

  7. Markus

    Aus knapp 2 Mille – 2 Mille in 20 Jahren machen…

    Inflation soll es angeblich auch die letzten 20 Jahre gegeben haben…

    Geduld & dieses Weitergeben von Wissen wird langfristig das reale Vermögen aufzehren. Insofern müssen sich die Enkelkinder gar nicht mal so stark ändern.

    Dieser nominalen Geldillusion sitzen sehr viele auf…

    Was ist aus der Firma, den Angestellten, den ganzen Schicksalen geworden? Ist die Firma in 1. Generation aufgebaut und verkauft worden? Geht es ihr jetzt besser oder existiert sie nicht mehr?

    Ich verstehe die Lobhudelei hier nicht so richtig, nur wenn ein paar 7 stellige Ziffern in den Augen und im Hirn haben.
    Neid in Kombination mit Faulheit, wie er bei vielen Menschen anzutreffen ist, verstehe ich allerdings auch nicht.

  8. Markus

    @Christian

    Schau Dir die Bewertungen und Geschäftsberichte an, wenn Du in Einzelaktien investierst.

    Kaufe lieber regelmäßig in monatlichen Spar-Raten und Qualität bei Blue Chips oder Quantität über etf`s als „größere“ Summen einmalig nach 5 Jahren Aktienhausse erstmalig zu investieren!

    Als Anfänger sind zudem Geduld, Erfahrung sammeln, Lesen, regelmäßige Sparquoten und auch die eigene Riskotoleranz & Lebenssituation zu kennen und zu berücksichtigen nicht die schlechtesten Ideen.

    Die Top`s sieht man übrigens erst im Nachhinein… Sorry.

  9. toni

    hi Christian
    leg dir eine Watch list zu mit 50-100 werte geht bei Ariva ganz einfach
    danach immer regelmassig durch Blätter und mit der Zeit bekommst du ein Gefühl dafür
    tschü viel Glück

  10. Markus

    @Toni

    Warum kaufst Du nicht immer 5 % vom down entfernt? 😉

    Das wäre mal sakrisch lukrativ. *g*

  11. Tino

    man kann das „emotionale“ Traden auch mit dem Schütten von trockenem Sand von einer Hand in die andere vergleichen. Es werden immer ein paar Körner an der Seite oder durch die Finger rinnen, manchmal geht's auch komplett daneben.

    @Christian, der Abschwung nach dem Kauf ist eine emotionale Achterbahnfahrt für fast jeden, auch für mich manchmal. Fragen tauchen unverhofft auf, hab ich mich jetzt richtig entschieden? Hab ich nicht zu schnell gekauft? Deshalb ist es wichtig eine greifbare Übersicht zu haben warum ich mich dafür entschieden habe bzw. die wesentlichen Argumente die für das Unternehmen sprechen und sich auch nicht innerhalb einiger Tage, Wochen, Monate und vielleicht Jahre ändern werden. Der Preis ist kurzfristig nur ein Stimmungbarometer der Börse mit La-Ola-Wellen mit den Aahs und Oohs vieler Trader die man ignorieren sollte.

  12. Christian

    Danke an alle für Eure Tipps/Zuspruch.

    @tino dass mit den Gründen warum man eine Aktie gekauft hat, ist sehr gut. Ich schreibe für mich die Gründe hinter jeden Wert.

    Habt Ihr Ideen/Tipps für dividendenstarke Qualitätswerte, die 4 bis 5% Dividende liefern?

    Und ja: Traden klingt so verlockend. Schnelles Geld. Aber wenn man mal betrachtet wieviel man tatsächlich verdient hat damit und wieviel einfach reinkam durchs „Liegenlassen“ der Werte und deren Dividende schneidet das „Liegenlassen“ besser ab…

  13. toni

    //Warum kaufst Du nicht immer 5 % vom down entfernt? ;-)//

    manchmal warte ich zu lange da sind es 4-5% vom tief

    @Christian
    schau nicht so sehr auf die 4% Dividende
    was für mich SEHR wichtig ist die Steigerung selbiger und die Kurs Entwicklung
    um ein Gefühl dafür zu bekommen ein
    schöne Seite http://longrundata.com/
    man beachte nach 7-8 Jahren eine Verdoppelung :-))
    viel Spaß

  14. toni

    aus einem Ami Blog

    es werden Monatlich 1000$ in ein Depot investiert
    divi 4% werden wieder angelegt
    divi Steigerung 6% im Jahr
    steuern werden keine berücksichtigt
    Frage: nach wie vielen Jahren erhält man eine Monatliche divi von 1000
    Lösung nächste Woche
    viel spaß beim rechnen ;-))

  15. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Wer will denn so lange warten?

    Das habe ich doch gleich mal gemacht (hoffentlich ohne Fehler).

    Nach 11 Jahren bekäme man über 12T im Jahr…—> hier die Lösung!

    Aber nicht vergessen, das ist die Theorie!

    MS

  16. willihope

    @Markus

    Was ist dein Problem? Wozu sollte man länger als nötig schuften wenn der Banditen dir über Steuern doch alles nehmen? Immer mehr nutzlose Schmarozer wolllen von deinem Geld leben, wozu sollte man sich mit solchem Müll abgeben?

    Firma aufbauen und gut verkaufen ist doch das besten was einem in SEINEM Leben passieren kann!

    Steuern sind Diebstahl ohne wenn und aber, die Leistungen gehen immer weiter zurück und die Schmarozer werden immer mehr.

    http://www.youtube.com/watch?v=-fRYsLUjcUM

    Unser Bürgermeister hat 14.500 und bekommt eine Gehaltserhöhung von 2,5% in Zeiten wo die Stadt selber Pleite ist und keine Gehälter mehr zahlen kann, die Landesabgeordneten haben in Ihrer ersten Sitzung nach der Wahl die Parteienförderung um 30% erhöht!

    Die Demokratie wurde entführt von den nichtnutzigen Schmarozern und Ihrer Bürokratie!

    Achja Kindergärten werden zugesperrt weil kein Geld mehr da ist! Bei Rekordsteuereinnahmen!

    Dreckige Bastarde!

  17. Keek

    was hier aber leider vergessen wird: die Menschen wollen ja alle (ich ebenfalls) besonders schnell reich werden und früh in Rente gehen. Die Basis für den obigen Erfolg bieten aber eben nicht Dividenden, starke Aktien oder Ähnliches, sondern die 2 Mille die über die Firma angehäuft wurden.

    Mit einem Sparplan von 100 Euro monatlich wäre das so sicherlich nicht möglich gewesen.

  18. Markus

    @wilihope

    Sicher kann Walter das so machen.
    Jeder lebt sein Leben nach seinen Möglichkeiten und seiner Denkweise.
    Aber die Prioritäten setzen halt manche unterschiedlich.

    Ich wollte nur dazu anregen, sich auch Gedanken zu machen…

    Angenommen jemand hat das Ziel erreicht 4 k monatliche Dividende zu bekommen, erreicht und weiß dann nicht mehr was er eigentlich sinnvolles mit sich anfangen soll… Die Freunde sind alle neidisch, wenn man das groß raus posaunt, auf der Welt gibt es nach wie vor großes Elend und selber zupft man sich die Fusseln aus dem Bauchnabel? 😉

    Ein Sparplan mit 500 € oder mehr monatlich bringt schon einiges. Alternativ bei Gehaltserhöhungen, unerwarteten Geldeingängen (Steuererstattung, Einsparungen etc.) kann man auch nette Summen investieren…

  19. toni

    @Matthias Schneider
    Geduld ist das Geheimnis

    kleiner Fehler
    ober schlecht erklärt von mir?

    die Jährliche Sparrate und Dividenden
    Starten auch bei 4% und steigern sich um 6% im Folgejahr
    aber sonst kann man schon sehen wo die Reise hingeht
    tschü

  20. Christian

    So habe mir hinter jeden Wert, den ich habe und den ich beobachte aufgeschrieben weshalb ich ihn will.

    Das soll mir helfen ihn zu halten, wenn der Wert mal im minus ist.

    Witzig bzw. interessant, daß so gut wie immer steht „weltgrößter… oder einer der weltgrößten Herstelelr/DL/ Anbieter …“.

  21. EH

    Hallo,
    wir recherchieren im Moment im Zusammenhang mit unserer Seite den Punkt:
    Zusatzerträge zur Rente generieren

    Aufgrund jahrzehntelanger guter und auch schlechter Börsenerfahrung sind wir der Meinung, dass sich bei einem Renteneintritt von ca. 63 Jahren und einer zu erwartenden Entnahmedauer von 20 Jahren- kein Kapitalverzehr- auschliesslich ein reines Dividendendepot in Betracht kommt.

    Wir würden uns über eine angeregte Diskussion freuen.

  22. Markus

    @seniorenpaar

    Also prinzipiell kann das schon klappen…
    Es hängt natürlich von vielen Faktoren ab:
    Zeit (Anlagehorizont), Sparquote, Steuern, vorhandenes Vermögen, Kapitalverzehr, ja / nein, Wohnungseigentum, Gesundheit, Risiko-Toleranz, laufende Kosten, evtl. neue Weltwirtschaftskrise, Lebensführung usw.

    Mehrere Standbeine, wie zusätzlich Miete, Pacht, Zinsen, Einspeisevergütungen, Minijob, Firmenanteile etc. und zusätzliche Berücksichtigung der Kostenseite machen die Ganze Planung deutlich stabiler…

    Je nach individueller Situation ist dieses Ziel durchaus erreichbar.

  23. toni

    hi
    Lösung 12,5 Jahre
    das spiel könnte man auf die Spitze treiben und sagen wer einmal so ein Depot hat bekommt das 2,3oder 4 von alleine da aus den Monatlichen einnahmen 😉
    tschü

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