Blue Chips auf dem Weg zum Pennystock


New York, 15. Januar 2009

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Autsch! An der Wall Street setzt sich das Gemetzel fort. Der Dow Jones nähert sich der 8.000er Marke. Es ist schon erstaunlich, was aus so vielen Blue Chips geworden ist. Nortel geht pleite, der Technologiekonzern war in den 1990er Jahren noch ein Schwergewicht. Heute stürzt Bank of America auf 7,89 Dollar ab. Die Aktie verliert 21 Prozent, die Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch erwies sich als Fass ohne Boden. Weitere Steuermilliarden sind nun nötig, um das Bluten der Banken zu stoppen. Ebenfalls löst sich die Citigroup-Aktie in Luft auf. Der größte Finanzkonzern der Welt wird nun in seine Einzelteile zerlegt. Nur so ist offenbar ein Überleben des New Yorker Giganten möglich. Der Citigroup-Titel ist auf 3,69 Dollar abgestürzt. 16-Jahrestief! Wer hätte das noch vor einem Jahr gedacht?
Viele Blue Chips sind unter die Zehn-Dollar-Marke gefallen. Ob General Motors, der Aluminiumhersteller Alcoa oder der Versicherer AIG – die Kurse fallen wie Steine. Jahrzehnte lang galten Großkonzerne als sicherer Hafen. Als Blue-Chip-Werte bezeichnet die Wall Street Firmen, die eigentlich im Standard & Poor’s 500 Index gelistet sind. Sprich die größten in punkto Marktkapitalisierung. Amerikaner legten sich die Aktien der wohlklingenden Firmen in ihr Depot und hofften auf eine sorgenfreie Geldvermehrung. So funktionierte das in den USA. Aktiensparen und der Besitz eines Hauses waren Hauptbestandteile des American Dreams. Jahrzehnte später war das Depot und das Eigenheim ein Vielfaches des ursprünglichen Einsatzes wert. Blue Chips standen für solides Wachstum, konservative Bilanzierung und hohe Dividenden. Doch die Zeiten ändern sich.
Wo kommt eigentlich die Bezeichnung Blue Chip her? In den 1920er Jahren bezeichneten Zeitungsredakteure Aktien, die mehr als 200 Dollar kosteten, als Blue Chips. Zurückzuführen ist dies auf den blauen Jeton im Poker, der den höchsten Wert hatte. Das Kasino lässt grüßen!
Freilich ändert sich an der Strategie nichts, solide Unternehmen zu kaufen und die Aktien liegen zu lassen. Diese Value-Strategie zahlt sich nach wie vor aus. Nur ist es so, dass die Banken ihre Bilanzen bis zur Halskrause verschuldet haben. Mit Eigenkapitalquoten von ein, zwei oder drei Prozent kann kein Konzern eine Wirtschaftskrise überleben. Die Bilanzen waren schlichtweg unsolide! Eine Mitschuld trifft hier die Regierung und die Aufsichtsbehörde SEC. Wie konnten die Behörden eine solch brisante Finanzierung zulassen?


tim schaefer (Author)

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