Blockbuster: Eingestaubter Video-Riese


New York, 10. Juli 2008

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Ich sprach am Mittwoch mit dem Finanzvorstand des Videoverleihers, Thomas M. Casey. Der Manager berichtete von seinen Fortschritten bei der Sanierung des Titanen. Das 1982 in Dallas gegründete Unternehmen hat Probleme mit der Digitalisierung Schritt zu halten. So wandern immer mehr Filme über das Internet zu den Konsumenten. Zudem hat das gigantische Fernsehangebot dem Verleiher schwer zugesetzt. Doch trotz der Kostenkürzungen betreibt Blockbuster noch immer in den USA 5.000 Filialen. Amerikaner leihen sich jährlich Filme für sechs Milliarden Dollar aus. Davon entfallen zwei Milliarden Dollar auf die Texaner, sprich sie dominieren zu einem Drittel den Markt. Casey sagte, dass er neben dem klassichen Filmverleih den Verkauf von DVDs in Schwung bringen möchte. Darüber hinaus setzt er auf die Vermarktung von Video-Spielen.
22 Prozent der Kosten hat der Manager bereits gesenkt. 100 Millionen sparte er bei den Verwaltungskosten ein. „Da ist immer noch Spielraum“, deutete der Finanzchef weitere Kostensenkungen an. 2007 setzte Blockbuster 5,5 Milliarden Dollar um. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) belief sich auf 232 Millionen. Im laufenden Jahr peilt Casey ein Ebitda von 290 bis 310 Millionen Dollar an. Der Börsenwert summiert sich nur noch auf lausige 522 Millionen Dollar nach einem dramatischen Kursverfall. Aktuell kostet das Papier 2,65 Dollar.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch: Im ersten Quartal wuchs erstmals seit fünf Jahren der Umsatz auf vergleichbarer Verkaufsfläche. Und zwar legte der Erlös um 2,9 Prozent zu. Der niedrige Börsenwert hängt mit den recht hohen Schulden von rund 800 Millionen Dollar zusammen. Das in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital beträgt nur 706 Millionen Dollar. Als Value-Investor suche ich freilich solide finanzierte Gesellschaften. Ich halte Konzerne für gut aufgestellt, wenn Sie nicht mehr als die Hälfte ihres Eigenkapitals in Form von Krediten schultern müssen. Das hieße in dem Fall von Blockbuster, dass 353 Millionen an Krediten vertretbar sind, nicht jedoch 800 Millionen Dollar. Wie auch immer, wer an den turnaround glaubt, legt sich ein paar Blockbuster-Papiere ins Depot. Ich halte jedoch die Bilanz für nicht stark genug.


tim schaefer (Author)

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