Blaues Geldwunder: Gehaltsexzess bei Deutscher Bank


New York, 17. November 2010

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Wenn es um das eigene Image geht, ist die Deutsche Bank stets sehr besorgt. Doch wenn es um das Gehalt geht, dann langt das Management ungeniert hin. Das ist jedenfalls mein Eindruck. So hat sich Vorstandschef Josef Ackermann voriges Jahr fast 9,6 Millionen Euro genehmigt. Gegenüber dem Vorjahr schraubte das Institut die Gesamtvergütung für Ackermann um 580 Prozent in die Höhe. Dabei war die Bilanz meiner Meinung nach alles andere als exzellent. Denn Ackermann fädelte zu einer Unzeit die Übernahme der Postbank ein. Kurz bevor das Weltfinanzsystem kollabierte und Lehman Brothers unterging, da arrangierte die Deutsche Bank den Einstieg! Hätte der Eidgenosse nur ein paar Tage länger gewartet, hätte er vermutlich Hunderte von Millionen sparen können. Ackermann ficht das schlechte Timing im September 2008 nicht an. Sein Gehalt überstieg 2009 die Vergütung der amerikanischen Kollegen um Längen. Ich habe mal zum Vergleich die Vergütungen der Konzernlenker von JP Morgan, Bank of America und Citigroup im Jahr 2009 gegenübergestellt. In der Grafik sehen Sie Ackermanns Salär auf Basis des aktuellen Dollar-Kurses. Unterdessen befindet sich der Kurs der Deutschen Bank im Keller. Bei rund 40 Euro ist fast das Jahrestief erreicht. Jedem das Seine, mir das meiste, muss sich wohl Ackermann gedacht haben. Dabei scheinen die Herren an der Spitze zu vergessen, dass es sich um das Geld der Aktionäre handelt.
Die anderen Mitglieder im Vorstand ließen sich ebenfalls nicht lumpen. Finanzchef Stefan Krause kassierte 5,38 Millionen Dollar. Rainer Neske und Jürgen Fitschen strichen jeweils über vier Millionen Dollar ein. Um nur ein paar Namen zu nennen. Aufgrund der hundsmiserablen Kursperformance schlage ich vor, dass die Führungsriege ihr Gehalt aus dem Vorjahr bis auf 100.000 Euro pro Kopf zurückgibt und dieses Jahr für 1 Euro arbeitet. Es wird Zeit, dass diesem Raubrittertum am Aktionärsvermögen ein Ende bereitet wird. Ganz zu schweigen von den Aktienpaketen, die sich die Oberen über all die Jahre zu Vorzugskonditionen in die eigene Tasche geschustert haben. Und was ist mit den millionenschweren Pensionsansprüchen? Warum fragt hier niemand nach? Es ist ein Sumpf! Ich bin gespannt, wie viel die Oberen bei dem deutschen Primus im laufenden Turnus verdienen. Josef Gordon Gekko lässt grüßen!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Blaues Geldwunder: Gehaltsexzess bei Deutscher Bank

  1. DasgehtmiraufdengeistDasgehtmiraufdengeist

    Interessiert dieses blöde Thema eigentlich noch jemanden ? Ich glaube der einzige Grund, warum die Vorstandsgehälter offengelegt werden müssen ist, daß sich die Presse und selbsternannten Aktionärsschützer darüber die Fingerchen blutig schreiben können. Diese ewigen Neiddiskussionen und Banken-Bashings sind wirklich langsam ausgezehrt. Herr Ackermann macht gute Arbeit

  2. tim schaefertim schaefer

    Der Kurs der Deutschen Bank ist abgestürzt. Die Vergütung ist für eine solche Katastrophe nicht angemessen. Wo kommen wir denn hin, wenn sich die Oberen die Taschen Jahr für Jahr vollstecken? Und keiner mehr kritisch hinterfragen darf, was da eigentlich los ist. Es ist an der Zeit, mehr Fingerspitzengefühl zu haben. Moderation nennt man das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

  3. tim schaefertim schaefer

    Ohnehin besteht die irrige Annahme in der Finanzindustrie, dass Leute mit absurden Gehältern wie Ackermann ihr Geld wert sind. Das ist bei Ackermann nicht der Fall. Das weiss er selbst am besten. Kenneth Lewis verdiente 2007 fast 100 Millionen Dollar. Lewis führte die Bank of America fast in den Ruin. Richard Fuld, Chef von Lehman Brothers, bezog 500 Millionen Dollar (Gehalt plus Aktien) in dem Jahr, als seine Bank pleite ging.

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