Bill Ackmans Angriff auf P&G: Ein Sturm im Wasserglas


New York, 10. August 2012

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Bill Ackman ist ein brillanter Value-Jäger. Der New Yorker Hedgefondsmanager gab vor wenigen Wochen bekannt, sich für 1,8 Milliarden Dollar Aktien von Procter & Gamble unter den Nagel gerissen zu haben.
Seither übt er Druck auf den Konzern (Pampers, Braun, Gillette, Duracell) aus. Ackman fordert eine Umstrukturierung. Er möchte vermutlich am liebsten CEO Bob McDonald loswerden. Zunächst möchte er ihn sprechen. Es gab schon Gerüchte, der P&G-Verwaltungsrat wolle ebenfalls den Manager absetzen. Aber zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass der CEO zumindest vorerst im Amt bleibt.
Ich erlebte zuletzt Ackman (rechts auf dem Foto) auf der „Delivering Alpha Konferenz“ des Börsensenders CNBC in New York. Ackman schwärmte auf dem Investorentreffen auch über Immobilien in den USA – insbesondere jene in Zwangsversteigerungen. Hier bestehe beträchtliches Wertsteigerungspotential für Anleger, die sich in dem Sektor gut auskennen würden.
Ackman hatte sich vor Jahren bei dem Einzelhändler Target und dem Fastfood-Giganten McDonalds eingedeckt und eine strategische Neuausrichtung gefordert. Gerne zielt der New Yorker Milliardär auf werthaltige Immobilien im Konzernbesitz ab. Er verlangt nach seinem Einstieg, dass die Immobilien verkauft werden sollten, um Werte freizusetzen. Die Verkaufserlöse will der Grossaktionär dann via Sonderausschüttung (Dividende) kassieren.
Eines seiner weiteren Beteiligungen ist J.C. Penney. Der Kurs des Kaufhaus-Riesen verlor seit dem Frühjahr massiv. Ob es Ackman hier gelingt, den Turnaround einzuleiten, steht in den Sternen. Ein angestaubtes Kaufhaus-Modell in Schwung zu bringen, ist verdammt schwierig. Die deutschen Krisennudeln Karstadt und Kaufhof zeigen das deutlich.
Procter & Gamble wird sicherlich aus der gegenwärtige Flaute herauskommen. Momentan leidet der Markenanbieter unter der weltweit schwachen Konjunktur. Verbraucher kaufen bevorzugt billige No-Name-Produkte für ihren Haushalt, statt auf die teuren Markenartikel zu setzen. Zudem leidet P&G unter recht hohen Rohstoffkosten. Ein zehn Milliarden Dollar schweres Sparprogramm hat die Führungsspitze längst auf den Weg gebracht. Das dürfte sich mittelfristig auszahlen.
Ich glaube, Ackman wird sich an P&G die Zähne ausbeißen. Sein Ein-Prozent-Paket ist zu klein, als dass er hier etwas ausrichten könnte. Warren Buffett hält über seine Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway zum Beispiel knapp drei Prozent am P&G-Grundkapital. Außerdem haben zahlreiche Fondsadressen weitaus größere Aktienpakete.
Wenn Sie mich fragen, handelt es sich bei der Attacke des Megareichen um einen Sturm im Wasserglas. Schauen Sie sich nur die langfristige Entwicklung des P&G-Charts an. Es ist einfach eine phantastische Aktie für das eigene „Renten-Depot“. Ob nun ein Herr Ackman an Bord ist oder nicht, spielt keine Rolle. Die Windeln und Batterien werden so oder so gekauft. Wie gesagt, Ackman ist verdammt clever, aber ich glaube nicht, dass ihm ein Sturz des CEO gelingt.
Übrigens schrieb ich für Egbert Prior Mitte Juni diesen Artikel (verkürzte Version) – noch bevor Ackman sein Investment bekannt gegeben hatte. In Herrn Priors Frankfurter Büro entdecken Sie mich übrigens kurz in diesem Video (ab Sekunde 50) des Börsensenders DAF. Von Egbert Prior habe ich sehr viel über die Börse gelernt. Ich konnte unzählige deutsche Vorstände sprechen und Unternehmen besuchen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Bill Ackmans Angriff auf P&G: Ein Sturm im Wasserglas

  1. willihope

    über bh haben wir ja schon mal gesprochen und ich habe wegen der babyaktien immer noch das problem dass ich es nicht verstehe.

    kann mir jemand die seite 763 aus dem buch „das leben ist wie ein schneeball“ erklären bitte?

    stellen wie: „Indem eine unbegrenzte Aktienmenge ausgegeben wurde, stellte Berkshire sicher, dass der Kurs, sollte die Nachfrage das Angebot übersteigen, nicht steigen würde.“

    und stellen wie: „Ausserdem erfüllte er durch die Ausgabe der B-Aktien auch seine Pflicht gegenüber seinen Partnern, den Aktionären. Das ganze Geld, das durch die B-Aktien eingenommen wurde, nützte letztendlich auch ihnen.“

    oder: „Die B-Aktien waren einer von Buffets völlig risikofreien Deals: Seine Aktionäre und Buffet selbst gewannen, egal wie das Angebot angenommen wurde.“

    ich lese das so als würde man mit deb B-Aktien nix kriegen weil der anteil der bestehenden aktionäre nicht kleiner wird. 🙁
    also habe ich eigentlich nur einen schuldschein und selbst der hat keinen fixen wert. 🙁 ?????

  2. tim schaefertim schaefer

    @ willihope

    Ich denke, Du siehst das mit Berkshire Hathaway zu kritisch. Es gibt die A- und B-Aktie. Da gibt es keinen gemeinen Trick dahinter. Das ist ein faires Instrument.

    Buffett hat es nicht nötig, seine Anleger reinzulegen.

    Übrigens spricht ja Buffett mit der Schneeball-Buch-Autorin Alice Schroeder nicht mehr. Woran das wohl liegt? War die wohl in dem Buch zu kritisch mit ihm?

    VG
    Tim

  3. willihope

    bevor ich geld investiere möchte ich genauestens wissen welcher wert dahinter steht, das kann ich aber nicht beurteilen wenn ich die genaue emmisionspolitik nicht kenne. desswegen stelle ich ja die frage da ich letztens wiederspruch geerntet habe.

    fakten habe ich noch keine darüber gefunden, somit bleibe ich erstmal bei meiner aufassung dass es sich nicht um ein script-ähnliches verhalten (laufende kapitalerhöhung) von bh handelt.

    keine ahnung warum er mit ihr nicht mehr spricht, denke aber er hat sich die freigabe schon vertraglich abgesichert und das buch auch freigegeben.
    darüber mache ich mir aber keine gedanken denn dahinter steht immer spekulation solange es kein statement gibt.

    also wenn jemand weiss was er damit meint…..

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