Bijou Brigitte und Alno: Hier kaufen die Insider


New York, 4. September 2008

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Als Value Investor achten Sie natürlich auf Insider. Wenn Sie sehen, dass Manager ihre eigene Aktie über die Börse im großen Umfang erwerben, sollten Sie das Unternehmen unter die Lupe nehmen. Interessant dabei ist natürlich, wie erfolgreich der Insider in der Vergangenheit war. Aufsichtsräte können durchaus mal daneben liegen mit ihren Transaktionen. Wenn aber Vorstände massiv Aktien kaufen, ist das in der Regel auch für Sie ein Kaufsignal.
Mir fiel zuletzt der Modeschmuckkonzern Bijou Brigitte positiv auf. Hier kaufen die Insider massiv Aktien. Seit Januar erwerben die Manager wie verrückt die Bijou-Anteile. Der Kurs ist brutal auf 68,44 Euro abgestürzt. Gegenüber dem einstigen Spitzenkurs büßte das Papier schon rund 70 Prozent ein. Grund: Der Händler wächst nicht mehr auf der bestehenden Fläche, wie das die Aktionäre bisher gewohnt waren. Dennoch ist der Kurssturz völlig übertrieben. Der Börsenwert ist auf 554 Millionen Euro abgeschmolzen. Ich unterstelle, dass im laufenden Turnus der Gewinn um zehn Millionen auf 70 Millionen Euro sinkt. Selbst dann beträgt das KGV nur acht. Kein Wunder, dass die Führungsspitze ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von zehn Millionen Euro aufs Gleis gesetzt hat. Schon im Vorjahr hatte Bijou Brigitte für zehn Millionen Euro Aktien zurückgekauft. Werden die Aktien eingezogen, erhöht sich automatisch der Gewinn je Aktie, weil weniger Stücke im Umlauf sind.
Mir gefällt ebenfalls Alno: Anfang November 2007 hatten die drei Alno-Vorstände für jeweils eine Viertel Million Euro Aktienpakete zum Kurs von 5,60 Euro im Rahmen der Kapitalerhöhung erworben. Konzernchef Georg Kellinghusen griff ferner am 24. Juli zu und orderte 10.000 Aktien über die Börse. Der Küchenhersteller steckt in einer schweren Krise. Regelmäßig meldet der Pfullendorfer Traditionskonzern millionenschwere Verluste, sucht ständig nach neuen Investoren und startete zahllose Sanierungsprogramme. Kein Wunder, dass der Kurs auf immer neue Tiefpunkte stürzt. Doch nun mehren sich die Hoffungszeichen auf die Wende. Mehrere Indizien deuten darauf hin: So baute Kellinghusen im April 300 statt der zunächst avisierten 200 Arbeitsplätze ab. Kellinghusen übernahm das Ruder im April 2007. Der Manager hatte zuvor Sanierungen des Luxusmodeherstellers Escada und der Puppenfabrik Zapf Creation erfolgreich angestoßen. Seit seinem Antritt bei Alno vor gut einem Jahr strich Kellinghusen alles in allem schon 600 Stellen. Die jährlichen Ersparnisse beziffert die Führungsspitze auf 35 Millionen Euro, ursprünglich sollten lediglich 25 Millionen Euro eingespart werden. Zwar rechnet Kellinghusen im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang von acht Prozent auf 550 Millionen Euro. Doch soll das Ergebnis erstmals seit Jahren ausgeglichen ausfallen. 2007 gingen 602 Millionen Umsatz durch die Bücher, der Verlust türmte sich auf rund 60 Millionen Euro. Die tiefroten Zahlen waren zu Zweidritteln auf die Kosten der Restrukturierung zurückzuführen. Das Unternehmen besorgte sich 32 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung. Mehr als fünf Millionen Euro stellen die Eigentümer als Darlehen zur Verfügung. Zudem beteiligte sich das Management am Grundkapital in Höhe von insgesamt vier Prozent.
Um die schwache Inlandsnachfrage abzufangen, möchten die Pfullendorfer den Umsatz im Ausland von derzeit 30 auf 50 Prozent ausbauen. Daher beteiligte sich Alno an einem Küchenhersteller in Dubai mit 200 Mitarbeitern zu 50 Prozent, um vom dortigen Bauboom zu profitieren. Hierzulande ist die Nachfrage nach neuen Küchenmöbeln allerdings nach wie vor schwach. Alno ist mit derzeit 1.800 Beschäftigten der zweitgrößte Küchenanbieter in Deutschland nach Nobilia. Im Tief war das Papier bis auf unter 3,00 Euro gestürzt. Seit Mai zog die Notiz auf aktuell 4,47 Euro an. Der Börsenwert beträgt trotzdem nur 71 Millionen Euro. Gelingt die Sanierung, hat der Titel das Potential einer Vervielfachung angesichts von 550 Millionen Euro Umsatz. Zu den Großaktionären zählt unter anderem der Elektroriese Whirlpool mit 19 Prozent. Nicht verschweigen möchte ich, dass die Bilanz nicht sehr solide aussieht. Die Schuldenlast ist sehr hoch relativ zum Eigenkapital. Es handelt sich also um ein spekulatives Investment. Fazit: Kaufen Sie die beiden Traditionskonzerne. Nach dem Kurssturz können Sie billig rein.


tim schaefer (Author)

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