Betrug mit China-Aktien: Einer gewinnt immer


New York, 24. Februar 2012

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Über kleine oder mittelgroße Firmen aus China, die in New York oder Frankfurt gelistet sind, schreibe ich nicht mehr mit gutem Gewissen. Warum? Am laufenden Band werden Betrugsfälle aufgedeckt. Es ist wirklich unvorstellbar, was da abgelaufen ist!
Mich ärgert, dass die westlichen Banken, die jene Börsengänge organisieren und Millionen an Gebühren kassieren, ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen. Zudem sind den Wirtschaftsprüfern und Börsenbetreibern Vorwürfe zu machen.
In New York wurde mal wieder ein Betrug aufdeckt: Aktuell steht die Kohlemine Puda Coal im Kreuzfeuer der Kritik. Der Kurs ist nur noch ein paar Cent wert.
Der Newcomer hatte an der NYSE Amex mehr als 100 Millionen Dollar von amerikanischen Anlegern eingesammelt. Der Vorstands- und Aufsichtsratschef, Ming Zhao beziehungsweise Liping Zhu, sollen den Betrug 2009 eingefädelt haben. Rechtzeitig bevor eine Kapitalerhöhung in den USA über die Bühne ging. Wie lief es ab? Ganz einfach: Der Chairman verkaufte die Hauptmine der Gesellschaft (der einzige Umsatzbringer) an sich selbst. Anschließend, im Februar 2010, sammelte er mit dem wertlosen Firmenmantel in New York 12,8 Millionen Dollar ein. Die beiden US-Investmentbankboutiquen Brean Murray Carret aus New York und Newbridge Securities aus Fort Lauderdale (Florida) saßen im Konsortium.
Weil den Gaunern das Geld nicht genügte, rissen sie sich in einem zweiten Schritt, im Dezember 2010, noch mehr Geld unter den Nagel. So verkauften die Chinesen abermals neue Aktien. Dieses Mal für klotzige 100 Millionen Dollar. Neben Brean Murray organisierte dieses Mal auch die kanadische Macquarie Capital die Kapitalerhöhung mit. Die Konsorten kassierten 6,5 Millionen Dollar an Gebühren für den Deal, schlampten jedoch bei der Prüfung der Akten, denn der dubiose Verkauf des Haupt-Assets war bei den chinesischen Behörden fein säuberlich dokumentiert. Anleger zahlten 12 Dollar pro Aktie, jetzt liegt die Notiz bei lausigen 20 Cent. Siehe Chart oben.
Die SEC geht gegen das Management der Kohlefirma wegen Betrugs vor. Die chinesischen Behörden scheinen aber nicht bei den Ermittlungen behilflich zu sein. Tricksen, täuschen, tarnen – so kann man die chinesische Reaktion beschreiben.
Das Land der aufgehenden Sonne hat ein enormes Potential. Das Bruttosozialprodukt hat das von Deutschland und Japan überholt. Nur die USA sind noch größer. Warum setzen all die börsennotierten Skandal-Firmen den Ruf ihres Landes aufs Spiel? Selbst große Hedgefonds-Namen wie John Paulson oder Fondsfirmen wie Fidelity oder Vanguard haben hohe Millionenbeträge durch Betrugsfälle wie diesen verloren.
Bei den Marktführern des 1,3-Milliarden-Volks wie China Life oder China Mobile mag das Risiko nicht so groß sein, weil der Staat diese Giganten in der Regel beherrscht. Aber bei den mittelgroßen und kleinen Firmen rate ich Ihnen sehr vorsichtig zu sein.
Ich habe aufgrund der Skandalserie Probleme über diese Papiere zu schreiben. Vor allem die sogenannten Reverse-Merger sind gefährlich. Bei diesen Deals übernimmt ein chinesischer Investor den Börsenmantel einer US-Firma mit einem Listing in New York, im Anschluss bringt er sein operatives Geschäft aus China in diese leere Firmenhülle ein. So können die Betrüger die strengen amerikanischen Börsenprospektpflichten (mit all den Prüfungen) geschickt umgehen.
Shortseller erkennen die meisten chinesischen Skandal-Nudeln frühzeitig. Manchmal sind das nur Ein- oder Zwei-Mann-Analysehäuser, die auf fallende Kurse setzen. Kommt der Betrug ans Tageslicht, stürzt die Aktie natürlich blitzschnell ab. Wenn die Masse der Anleger alles verliert, macht wenigstens der Shortseller Geld. Einer muss ja schließlich etwas verdienen.
Wobei der Ruf der Shortseller auch nicht immer der beste ist. Zu den bekanntesten Shorties zählt Muddy Waters – zu Deutsch „trübes Wasser“. Die investigativen Analysten hatten zum Beispiel behauptet, dass die chinesische Waldfirma Sino Forest die Besitztümer viel zu hoch ausgegeben hatte, woraufhin die Aktie um 80 Prozent einbrach. Das Ende vom Lied: So landeten wenigstens bei den Jungs von Muddy Waters ein paar Millionen mehr im Portemonnaie. Der smarte Laden macht aus Dreck Geld. Clever oder? Was meinen Sie?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Betrug mit China-Aktien: Einer gewinnt immer

  1. Matthäus Piksa

    Was kurios ist: Immer mehr Amerikaner und Europäer lernen Chinesisch, weil sie von dem Wirtschaftsboom in der Volksrepublik profitieren möchten. Ich kenne einige Studenten, die Sinologie studieren oder ihr Studium bereits abgeschlossen haben. Auf der anderen Seite lernen immer mehr Chinesen Englisch, weil sie am liebsten in die USA auswandern würden.

    Wie eine Studie der Bank of China ergeben haben soll, will ungefähr jeder zweite reiche Chinese auswandern: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/01/08/Wirtschaft/Reiche-Chinesen-wollen-raus-aus-China

    Gruß Matthäus

  2. willihope

    ich kenne auch so eine betrugsfirma, nennt sich jetzt magninvest und war vorher solarmag, dere, swisshawk. die bafin fühlt sich nicht zuständig da keine deutsche bank involviert ist! so geht der betrug seit jahren dahin, ausser absichtserklärungen habe die noch nie etwas gemacht und alle projekte sind nur visionen!
    das geld wird einfach verbraucht, der eigentümer magnusson hatte 30 milliarden ausgegeben! aktien die durch einen resplit auf 3 millarden! gesunken sind! der verkauft laufen und macht so eine menge kohle und niemand fühlt sich zuständig!

    http://www.finanzen.net/aktien/Magninvest-Aktie

    sauerei dass der betrug über jahre laufen kann! einen geschäftsbericht gabs auch noch nie weil es wird ja dauernd umbenannt! wieso wird ein solcher betrüger nicht verhaftet? kann nur hoffen dass irgendwann die amerikaner dem auf die schliche kommen!
    dem ansehen der börse und der banken ist das sicher nicht zuträglich.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ willihope, die Firma kenne ich nicht. Insofern kann ich mich dazu nicht äußern. Ob es sich um einen Betrug handelt, kann ich daher nicht bestätigen.

    Man muss als Anleger grundsätzlich bei den unbekannten Firmen aus der dritten Reihe sehr vorsichtig sein. Besser man deckt sich im DAX, MDAX, SDAX, S&P 500, DOW Jones etc. ein. Diese Titel werden von vielen Investoren auf Herz und Nieren überprüft.

    Kommt es zu Unregelmässigkeiten, kämpfen Anleger, Bafin oder SEC für die Rechte der Anleger. Bei den Minis sind die Behörden offenbar etwas gedämpfter im Kampf gegen Betrüger.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus, wir wären als Europäer gut beraten, mehr Einwanderer aufzunehmen. Wenn sie zudem jung und motiviert sind, umso besser. Amerika wächst dank der Immigration. Deutschland schrumpft, weil wir niemanden reinlassen.

    Wenn es uns irgendwann so ergeht wie Japan heute, mit dieser hohen Quote an Uralten, dann gute Nacht.

    Übrigens gibt es in New York ein chinesisches Stadtviertel namens China Town. Es ist immer spannend, dort durchzulaufen.

  5. Matthäus Piksa

    In Deutschland gibt es wirklich viele Alte. Und anteilig werden es immer mehr. Das macht den Medzinisektor so spannend, zB Fresenius Medical Care, der insb. auf die Herstellung von Dialysegeräten und der Krankenhausausstattung spezialisert ist. – Die Dividendenrendite beträgt aber nicht einmal 1% – http://finance.yahoo.com/q/ks?s=FMS+Key+Statistics – und der Kurs ist auch schon kräftig gestiegen.

    Das Zauberwort bei der Intergration ist die „interkulturelle Kompetenz“. Die ist bei vielen vorhanden, für andere wiederum wird es immer ein Fremdwort bleiben. – In Deutschland hat sich das Buch („Deutschland schafft sich ab“) eines alten Mannes mit Schnäuzer (Thilo Sarrazin) sensationell gut verkauft. Das kann man schlecht finden oder es leugnen, ist aber Tatsache. Das Thema „Einwanderung/Integration“ ist und bleibt also hochemotional.

  6. Chris

    @zum Shortselling

    Shortselling per se ist keine schlechte Sache. Immerhin sorgt es dafür, dass die Shareholder nicht einem zu bullischen Management zum Opfer fallen. Das Mangement kann auf diesem Weg wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden.

    Auf der anderen Seite ist Shortselling schlecht, da auf diesem Weg die Markt Volatilität verloren geht, und es nicht zu Übertreibungen kommt (durch das covern der Short- Position wird künstliche Nachfrage erschaffen, die den Preis wieder nach oben treibt).

    Im Endeffekt ist das ganze wie ein Long- Investment und wenn man über längere Zeit nicht recht hat, dann verliert man und wird aus dem Markt gedrängt. Auch hier überleben nur die Guten.

    Über moralische Aspekte muss sich jeder Mensch selbst im Klaren sein. Wenn man morgens nicht mehr in den Spiegel schauen kann, dann weiß man das man etwas falsches getan hat. In der Haut dieser Menschen möchte ich nicht gerne stecken, die mit sich selbst nicht im Reinen sind.

    Grüße, Christian

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus, FMC ist wirklich spannend. Ein Weltmarktführer. Stabil ohne Ende. Das Geschäft bricht einfach nicht weg. Im Gegenteil.

    Ja, leider wird das Thema Einwanderung emotional diskutiert. Eine multikulturelle Gesellschaft ist ein Geschenk. Wenn ich mir anschaue, wie global London oder New York sind, wie viele Völker und Religionen hier friedlich zusammen leben und abreiten, dann ist das phänomenal.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Chris.

    Ja, Shortselling ist im Endeffekt gut für den Markt, da gebe ich Dir Recht.

    Im Endeffekt leiht sich ja der Shortseller eine bestimmte Aktienpositiom von einem Großaktionär. Wenn die Aktien übertragen sind zum Shortseller, verkauft dieser das Paket am Markt und hofft dann, dass der Kurs des Papiers sinkt. Manchmal helfen die Shorties nach, indem Sie negative Fakten (oder Gerüchte) verbreiten. Sinkt der Kurs, decken sie sich wieder zu einem weitaus günstigeren Kurs mit derselben Aktie ein und übertragen das selbige Paket an den Leiher zurück. Von der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs lebt der Shortie.

    Schlecht für den Markt ist das „Naked short selling“. Eine verbotene Spezialform des Shortselling, bei der die Aktienposition nicht ausgeliehen wird, sondern gleich leerverkauft wird, ohne sie zu besitzen. Auch erfolgt in diesem Fall keine Eindeckung über den Markt.

    Beste Grüße,
    Tim

  9. Matthäus Piksa

    Beim shortselling galt noch bis vor wenigen Jahren die sog. uptick rule.
    Diese Regel besagte, dass ein Short immer erst platziert werden konnte, wenn die letzte vor dem Leerverkauf vorgenommene Order ein Kauf war. Es musste vorher also rauf gegangen sein, und sei es auch nur einen Tick – daher der Name uptick rule.
    Jedoch wurde sie warum auch immer abgeschafft, mit der Folge, dass es jetzt viel rasanter abwärts gehen kann, wenn auf den Computer- und High-frequency-Handel spezialisierte Trader short gehen. Dann können auch all die Privatanleger mit all ihren Stopp Loss-Ordern quasi abgegrast werden.

    Die Abwärtsbewegung ernährt sich von selbst.

    Irgendwann im Mai 2010 gab es einen Flash Crash bei dem die Börsen massiv einbrachen. Um sich anschließend wieder rasant zu erholen. Der Flash Crash wird auf das Nichtvorhandensein der uptick rule zurückgeführt.

    Es stellt sich daher wie ich finde berechtigterweise die Frage, warum es diese Regel nicht mehr gibt?

  10. willihope

    immigration zwischen europa und usa kann man aber nicht vergleichen, in usa integrieren sich die einwanderer und sind stolz wenn sie amerikaner werden können, in europa integrieren sich keine türken, armenier, kosovaren, bulgaren usw. sondern wollen den gastgebern ihre lebensweise aufzwingen! ausserdem wandern sie in usa in die wirtschaft ein und in der eu ins sozialsystem.

    ich habe aber keine lust mich nach islamischen regeln zu leben!

    http://www.ftd.de/politik/europa/:integrations-debatte-ihr-braucht-uns-tuerken-mehr-als-wir-euch/60176161.html

    vergessen wird immer der schöne satz den ich von vielen amerikanern gehört habe, white money feeds the world!
    die türkei wächst? na klar weil sie nach europa exportieren! china wächst? na klar weil die weissen das zeuch kaufen! seit donald trum sagte „tax them“ bewegen sich auch die chinesen in der frage währungsaufwertung!
    die wissen sehr wohl was es heisst amerika als kunden zu verlieren! wer soll sonst all das kaufen das sie produzieren?
    asien, afrika, südamerika – alle wachsen solange wir den dritten fernseher kaufen oder 2 autos fahren oder 15 paar schuhe haben. sah ich ja schön in der karibik während der finanzkrise, überall leere hotels, entlassungen und probleme, warum? na weil kein white money mehr ins land kam! auch hier in asien sind die russen kein vollwertiger ersatz für westliche urlauber, haben einfach zuwenig geld um alles zu bezahlen was vorher unter westlichen urlaubern kein problem war!
    die aufstreben länder leben vom export in die reichen nationen und ohne europa und usa ist es schnell vorbei mit dem reichtum in china!

    das problem erledigt sich aber sowieso denn es ist ganz einfach, 7 milliarden menschen, davon rund 1 milliarde weisse mit hoher durchalterung und mit zurückgehenden geburten, davon nur rund 150 millionen frauen im richtigen alter.
    während sich die anderen vermehren werden die weissen immer weniger. unsere art zu leben wird aussterben, wenn die menschheit glück hat werden dinge wie die herrschaft des rechts, menschenrechte, kinderschutz, freier wille und selbstbestimmtes leben von den anderen kulturen übernommen. danach sieht es aber momentan nicht aus, die weissen werden nirgends gemocht und teilweise sogar gehasst!

  11. Matthäus Piksa

    Ich habe die Studie nun gelesen, zumindest Teile davon und ich muss sagen, dass sie zu einseitig ist: Die Autoren gehen davon aus, dass Integration einzig und allein in eine Richtung stattfindet. Man wird den Eindruck nicht los, dass eine erfolgreiche Integration ausschließlich in der Übernahme aller Werte der Mehrheitsgesellschaft durch die Minderheit liegt. Darüber hinaus wird nirgends eine Grenzziehung vollzogen, an welcher Stelle Integration in lästige und unterwürfige Anbiederung umschlägt (der Begriff „anbiedern“ fällt kein einziges Mal, auch kein Synonym – benutzt habe ich die automatische Suchfunktion). – Die Schlussfolgerungen finde ich teils blauäugig um nicht zu sagen realitätsfremd, wenn etwa empfohlen wird, dass bei internationalen Konflikten seitens der Medien nicht die Religion in den Vordergrund gestellt werden soll. – Spannend sind die Interviews inkl. der Analysen und die Untersuchung der Vorurteile gegenüber dem Westen und den Juden insb. unter Berücksichtigung der konfliktgeladenen Situation im Nahen Osten. Insgesamt ist die Studie aber gelungen und objektiv.

  12. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    in den USA ist gewiss nicht alles besser als in Europa. Aber die Integration von Ausländern läuft besser ab, was wohl mit der Historie zu tun hat: Land der Einwanderer.

    Es ist einfach eine multikulturelle Gesellschaft. Es ist ein bunter Mix.

    Smarte Leute wie Michael Bloomberg wissen allzu gut, dass es nur von Vorteil ist, wenn man alle Menschen akzeptiert und ihnen eine Chance gibt: Egal welche Hautfarbe, Religion etc.

  13. Matthäus Piksa

    Deutschland hat hier wohl wirklich etwas Nachholpotential wie man am Beispiel der NSU-Morde sieht.
    Jetzt wird über die Gründe des Versagens des Verfassungsschutzes gestritten und insb. über die Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Eine Schließung der Behörde läßt sich denke ich eher ausschließen, also könnte eine Ausweitung der Kompetenzen in Frage kommen. Mehr Man-Power. Mehr Mittel. Das wäre die klassiche Reaktion.

    Jedoch muss bei den rechtlichen Befugnissen – z.B. Vorratsdatenspeicherung/Großer Lauschangriff – immer die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes berücksichtigt werden. Hier wurden der Exekutive in neuerer Zeit immer gewisse Schranken bei der „Überwachung“ der Bürger auferlegt. Außerdem ist die FDP-Bundesjustizministerin bekannt für ihren Einsatz für die Bürgerrechte. Insbesondere die Freiheitsrechte liegen ihr am Herzen.
    Es ist also fraglich, ob mit einer gesetzgeberischen Aktivität zu rechnen ist. Wahrscheinlich nicht.

    Das Thema ist aber spannend und aktuell, daher habe ich es an dieser Stelle im Blog untergebracht.

    Gruß

  14. Matthäus Piksa

    Tim, mit investigativem Journalismus kennst du dich ja aus. Hier passend zu meinem letzten Beitrag ein aktuelles und abschließendes Beispiel:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1593066/Verfassungsschutz-verschleppt-Aufklaerung?setTime=2&fb_source=message#/beitrag/video/1593066/Verfassungsschutz-verschleppt-Aufklaerung

    Der aus (Ramstein-)Miesenbach stammende 25-jährige Junghistoriker Peter Hammerschmidt legt sich gerade mit Deutschlands Geheimdiensten an! Kein Witz: Seine Recherche in den Archiven, die ihm erst geöffnet wurden, nachdem er sich im Kanzleramt selbst beschwerte, förderte die Verstrickung des BND's und des Verfassungsschutzes mit Alt-Nazis zu Tage.

    Das dürfte wenig überraschend sein. Allerdings ging es hier um den ehemaligen Nazi-Kriegsverbrecher Klaus Altmann besser bekannt als Klaus Barbie auch bekannt als „Schlächter von Lyon“, der nach dem Krieg vom CIA bei desen Kampf gegen den Kommunismus rekrutiert wurde. Wahnsinn. -> Das damalige Motto der CIA muss ich mir merken: „The enemy's enemy is your friend!“ 🙂

    Nachdem ich den Frontal21-Bericht im Fernsehen gesehen habe, dachte ich noch: Nett. – Doch gestern sah ich dann auf einem fb-post des Sickingen-Gymnasiums Landstuhl (meine Ex-Schule), dass er dort einen Vortrag zu Klaus Barbie gehalten hat. Weil er dort im letzten Schulhalbjahr als Vertretungslehrer gearbeitet hat. Fazit: Die Welt ist ein Dorf!

    Meine Rolle in dem Ganzen: Zum Glück keine! Es sei denn man überhöht meinen letzten Blogbeitrag zum NSU-Untersuchungsausschuss.

    So , ich muss jetzt wieder was schaffen. 🙂

    Gruß.

    P.S.: Der Mann hat auf jeden Fall viel Mut. Ich könnte so etwas nicht, Stichwort „Selbstüberschätzung“. 🙂

  15. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für den Link. Wenn es unangenehm wird mit den Akten, kann man ja auch die unschönen Dokumente einfach entfernen bzw. wegwerfen.

    Wer kontrolliert eigentlich ernsthaft die Geheimdienste?????
    Die geben unsere Steuergelder mit vollen Händen für ziemlich viel Unfug aus.
    VG
    Tim

  16. Matthäus Piksa

    Laut Wikipedia beschäftigen die drei deutschen Geheimdienste BND, BfV und Militärischer Abschirmdienst ca. 10.000 Leute und erhalten Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt iHv ca. 750 Millionen € jährlich. Kein schlechtes Sümmchen…

    Bei der Gelegenheit konnte ich es mir nicht nehmen lassen den Vergleich mit Amerika zu ziehen: Ergebnis:

    Die Budgetangaben werden auf Wikipedia nicht angegeben. Auch Mitarbeiterdaten zum CIA spuckt die Online-Enzyklopädie nicht aus, lediglich das NSA soll 38.000 Menschen beschäftigen.

    Fazit: Die Amerikaner nehmen den Begriff Geheimdienst ernster.

  17. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    damit hätten wir die Frage wer die Geheimdienste kontrolliert ja im Grunde geklärt…

    Dabei war es ursprünglich so, dass, wenn ich mich nicht täusche, die Parlamente, hier insb. die Opposition die überwachende Position hauptsächlich innehaben sollte. Nicht zu vergessen die Medien.

    Scheinbar sind die IT-Hacker von Anonymous aber unzufrieden. – Wenn man berücksichtigt wie viele Aktionen sie gegen Regierungsinstitutionen aber auch gegen Konzerne (bspw. Sony) durchgeführt haben… – Übrigens: Ich sympathisiere nicht mit Anonymous, mir sind auch deren (rein destruktive?) Motive nicht ganz klar. – Die IT-Sicherheitsbranche wird jedenfalls auf lange Sicht hin brummen, womit wir wieder näher an börsenrelevanten Themen wären.

    Rethorisch scharf äußert sich derweil der Generalbundesanwalt in einem FAZ-Interview zu den NSU-Morden: http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/generalbundesanwalt-harald-range-die-nsu-morde-sind-unser-11-september-11696086.html

  18. tim schaefertim schaefer

    Ich sympathisiere auch nicht mit den Hackern.

    Was die massenhafte Morde des Nazi-Trupps angeht, vermute ich ganz stark eine Schlamperei der Behörden bzw. des Geheimdienstes. Wie kann es sein, dass die Behörden den braunen Sumpf aggressiv unterwandern und dann ihnen nichts auffällt. Die kannten ja die Killer. Es ist höchste Zeit Behörden wie den BND besser zu überwachsen. Die agieren in einem scheinbar rechtsfreien Raum.

  19. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    diese Unterhaltung liegt schon etliche Wochen zurück. Da aber nun infolge der Pannen in Sachen NSU der Verfassungsschutzpräsident zurückgetreten ist, habe ich mich wieder daran erinnert, hier der Link: http://m.spiegel.de/politik/deutschland/a-842137.html#spRedirectedFrom=www

    Es kriselt also in Deutschlands Geheimdiensten, die Opposition fordert bereits Reformen. Wir werden sehen was dabei herauskommt, allerdings muss ich gestehen keine Idee(n) zu haben was geändert werden sollte.

    Wobei eine Möglichkeit wäre es ja die Geheimdienste ganz abzuschaffen, denn es ist ohnehin fraglich, ob diese staatlichen Institutionen überhaupt noch zeitgemäß sind. Die Arbeit könnten auch Spezialabteilungen in den Polizeibehôrden übernehmen.

    Nur damit wir uns richtig verstehen. Ich muss das nicht durchsetzen, das Schreiben darüber muss ich mir aber auch nicht verbieten lassen.

    Gruß Matthäus

  20. tim schaefertim schaefer

    Hi Matthäus,

    danke für das Update.

    Nun es sieht wohl so aus, als ob der deutsche Geheimdienst mit dieser kriminellen Nazi-Bande zusammengearbeitet hat. Ich vermute ganz stark, dass deutsche Behörden diese Massenmörder unterstützt haben.

    Anders kann ich mir diese hektische Schredder-Aktion beim „Verfassungsschutz“ nicht erklären. Warum hat die Behörde alle wesentlichen Unterlagen in den Aktenvernichter getan? Warum tritt der Behördenchef zurück? Warum kritisiert der Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm scharf die eigenen Mitarbeiter? Die Behörde verschleiert und versteckt sich. Das ist schon sehr merkwürdig alles.

    Der Mitarbeiter, der alles in den Aktenvernichter warf, muss vom Dienst gefeuert werden. Und im Endeffekt gehört diese Person vor ein Gericht. Darf denn ein Mitarbeiter einer so wichtigen Behörde einfach so Akten vernichten?

    Es ist einfach grauenvoll, wenn ich mir diese Mordserie anschaue. Deutschland hat nicht aufgeklärt, sondern mehr denn je verschleiert. Das Versprechen deutscher Minister, diese Verbrechensserie schnell aufzuklären, waren leere Worte. Das Ansehen Deutschlands leidet weiter.

    VG
    Tim

  21. Matthäus Piksa

    Du hast vollkommen recht, das exzellente Ansehen Deutschlands im Ausland, weltoffen und tolerant zu sein, kann sowohl durch das fragwürdige Ermittlungsvorgehen als auch das Aufklärungsvorgehen Schaden nehmen. Wobei letzteres nun kaum noch möglich sein wird, jetzt da klar ist, dass die belastenden Akten vernichtet sind.

    Es ist schon ziemlich traurig und elend, was da los ist.
    Andererseits ein gefundenes Fressen für Medien, Journalisten und uns Blogger, das muss man auch ganz klar sagen.

    Gruß Matthäus

  22. Matthäus Piksa

    Übrigens: Auf seiner Facebook-Seite fragt das Magazin „Cicero-Magazin für politische Kultur“ seine Leser gerade: Wie reagieren die NSU-Opfer auf Fromm's Rücktritt?

    Ich würde sagen, dass das in Kai Diekmann's Verantwortung stehende Blatt mit den vier Buchstaben, keine polemisch-zynischere Frage stellen könnte, wenn man bedenkt, dass die Opfer bekanntlich tot sind.

    Bisher las ich das Magazin mmer, weil es hochwertige Qualitätsartikel abdruckte.

    Allerdings will ich diese Einzelfrage weder überbewerten noch gleich die Qualität des ganzen Magazins in Frage stellen, immerhin ist es gut vorstellbar, dass die Online- und Facebook-Redaktion von mehrheitlich jungen Redakteuren dominiert wird, die auch mal über's Ziel hinausschießen.

    Gruß Matthäus

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