Bernard Madoff wurde im Knast verprügelt


New York, 18. März 2010

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Schneeballbetrüger Bernard Madoff wurde von einem Mithäftling krankenhausreif geschlagen. Der Mega-Schwindler hat bei dem Zwischenfall Mitte Dezember schwerwiegende Verletzungen davongetragen. Seine Nase und die Rippen wurden gebrochen. Der 71-jährige hatte außerdem Schnittwunden im Gesicht und auf dem Kopf. Am 18. Dezember verlegte das Gefängnis Madoff in die Krankenabteilung, wo der prominente Häftling behandelt wurde. Madoff hatte offenbar geliehenes Geld nicht zurückgezahlt. Offiziell schweigt Madoffs Anwalt und auch die Gefängnisleitung. Es ist im Knast üblich, solche Vorfälle zu verschweigen. Denn sonst haben die Insassen Angst, in eine neue Auseinandersetzung zu geraten. Doch haben ehemalige Mithäftlinge jetzt gegenüber dem „Wall Street Journal“ ausgepackt. Die Zeitung berichtete am Donnerstag ausführlich auf Seite drei. „Hedgefondsmanager“ Madoff betrieb ein 65 Milliarden Dollar schweres Betrugssystem. Er wurde zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Strafe verbüßt er seit acht Monaten im Bundesgefängnis Butner in North Carolina. Bei dem Schläger soll es sich um einen dicken Häftling handeln, der wegen eines Drogendelikts einsitzt. Der Bodybuilder soll einen schwarzen Gürtel in Judo tragen.
Madoff hält sich dem Bericht zufolge im Knast sehr zurück. Er ist am Wochenende immer in der Bibliothek und schaut gerne Filme. Am liebsten schaut er sich den Film „Lethal Weapon“ (1987), eine Story über einen Polizisten, an.
Einem befreundeten Ex-Sträfling riet Madoff vom Daytrading ab. Außerdem sagte er, am besten sei es sein Geld in einen Indexfund zu investieren, der den S&P 500 Index abbildet. Mit einem 56 Jahre alten Apotheker aus Wappingers Falls, New York, trifft sich Madoff gerne zum Abendbrot. Der Mann namens John Mancini war verurteilt worden, weil er fünf Millionen Tabletten eines Schmerzmittels illegal vermarktet hatte. Auch umgibt sich Madoff angeblich gerne mit dem New Yorker Mafia-Boss Carmine Persico.
Zum Preis von zusammen 2,70 Dollar bekommen die Insassen drei Mahlzeiten am Tag. Als gesamte Besuchszeit sind ganze vier Stunden pro Monat erlaubt. Die Insassen müssen arbeiten und erhalten pro Stunde zwischen 12 und 40 Cent Lohn. Wen die Details zu dem Knast interessieren, der kann hier nachlesen.
Ich habe mich mit dem Betrugsskandal Madoff sehr intensiv beschäftigt. Ich las alle drei Bücher (siehe unten), die fast zeitgleich herauskamen. Und außerdem interviewte ich Madoff-Jäger Harry Markopolos. Ab und an telefonieren wir. Markopolos hat Madoff über viele Jahre hinweg verfolgt. Aber die Behörden nahmen seine Warnungen nicht ernst und so betrieb Madoff sein Schneeballsystem solange, bis Madoffs Kinder schließlich die Behörden über den größten Finanzschwindel der Geschichte informierten. Markopolos ist ein sehr sympathischer Detektiv, der Finanzbetrüger in den USA verfolgt. Er war während seiner Armeezeit in Deutschland stationiert, er liebt die gutbürgerliche deutsche Küche. Hier können Sie mein Portrait zu Markopolos lesen, dass ich für die „Euro am Sonntag“ geschrieben habe. Und wenn Sie sehen wollen, was ich über „Bernie“, wie die New Yorker ihren Knacki gerne nennen, in diesem Blog geschrieben habe, dann geht es hier lang.


tim schaefer (Author)

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