Berlin belohnt Immobilienbesitzer und bestraft Aktionäre


New York, 2. März 2014

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Unsere deutsche Bundesregierung hat das Aktiensparen erschwert. Mit der Einführung der Abgeltungsteuer von 25 Prozent hat Berlin die Aktie unattraktiver gemacht. Ich halte das für einen grossen Fehler.
Für die private Altersvorsorge ist die Aktie ein geradezu ideales Instrument. Insbesondere eignen sie sich für den „kleinen Mann“. Weil kleine Beträge schon Sinn machen. Selbstverständlich sind neben Aktien andere Bausteine wie die Gesetzliche Rente/Pension und weiteren Assets wie eventuell Immobilien wichtig.
Warum die Bundesregierung den Verkaufsgewinn von privat-genutzten Immobilien steuerfrei stellt und gleichzeitig Aktien besteuert, leuchtet mir nicht ein. Warum wird das Betongold gegenüber anderen Anlageformen bevorzugt?
Aktien werden gerne als Zockerinstrument gesehen. Dabei handelt es sich um eine grundsolide Form des Produktiveigentums.
Im deutschen Parlament habe ich Wissenslücken im persönlichen Gespräch feststellen müssen, als ich das Thema Börse ansprach. Es handelt sich zum Teil um gravierende Unkenntnisse – sogar bei führenden Politikern, die in wichtigen Gremien sitzen.
Bei Immobilien ist das anders. Dazu hat jeder eine Meinung. Jeder glaubt, sich hier auszukennen, das ist jedenfalls mein Eindruck.
Pikant daran ist: Ich sehe gerade bei Immobilien eine Blase heranreifen. In Metropolen wie Berlin, München oder Frankfurt habe ich das Gefühl, dass die Wohnungspeise in den Innenstädten das Niveau in Manhattan schon teilweise überschritten haben.
Beteiligen Sie sich bitte an der Petition für das Aktiensparen in Deutschland (im Kasten unten). Für die Aktie als Anlageform muss mehr getan werden. Es ist ein Versagen der Politik. Aufgabe der Politik ist es, den Menschen zu helfen.
Die Aktienanlage ist nichts anderes als eine Beteiligung an Unternehmen. Das kann eine sehr rentierliche Sache sein, wenn Sparer gewisse Grundregeln befolgen: Fangen Sie möglichst in jungen Jahren an und verfolgen Sie einen langen Anlagehorizont.
In den USA wird das Aktiensparen für die Rente steuerlich gefördert. Warum ist das in Deutschland nicht möglich?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Berlin belohnt Immobilienbesitzer und bestraft Aktionäre

  1. Der Couponschneider

    Ich denke schon, dass es gute Gründe gibt, dass man den Gewinn aus einer Immobilienveräußerung nicht versteuern muss. Und dies muss man nicht einmal als Bevorzugung werten.

    Eine Immobilie verursacht innerhalb ihres Lebens enorme Erhaltungskosten. Und wenn der Gesetzgeber sagt, lieber keine Steuern nach 12 Jahren zu erheben, als sich vorrechnen zu lassen, was alles an Reparaturkosten und anderen Kosten anfiel, dann ist das ein wichtiger Schritt zu weniger Bürokratie und zur Rechtssicherheit. Es ist sogar zum Vorteil der Immobilienbesitzer. Die meisten Privatleute kaufen ja in der Absicht, ein Leben lang die Immobilie zu halten und würden gar nicht an den Fall des Verkaufs denken und entsprechend alle Belege sammeln.

    Natürlich halte ich Aktien für das weit bessere Instrument, weil flexibel, weil ohne Verbindlichkeiten und Verschuldung.

    Dass Aktien das beste Instrument für den „kleinen Mann“ sind, habe ich bereits im letzten Jahr geschrieben:

    http://couponschneider.blogspot.de/2013/05/warum-aktien-auch-fur-den-kleinen-mann.html

    Steuern und Abgaben sind im Allgemeinen viel zu hoch und Privatanleger werden stark benachteiligt. Er kann eine Investition nicht komplett von der Steuer absetzen, der Staat möchte aber am Gewinn der Investition mit 25 % teilhaben. Bei Verkaufsgewinnen mag das egal sein, aber bei Dividendengewinnen ist das total unfair.

    Eine Investmentgesellschaft wird steuerlich viel besser behandelt.

    Mich dünkt seit Jahren, dass die Politiker nichts mehr fürchten als selbstbewusste und unabhängige Bürger. Deshalb versucht man sie mit Subventionen (EEG), Steuererlassen (z. B. beim Riestern) und mit Sozialleistungen gefügig zu machen. Die Sozialleistungen betreffen ja nicht nur wirtschaftlich Schwache. Denen muss man wirklich unter die Arme greifen. Aber gut verdienende Akademiker brauchen doch keine Sozialleistungen, aber trotzdem sind sie im Fokus der Sozialpolitik, wie im Falle des Elterngeldes oder der Herdprämie oder wie immer das auch heißen mag.

  2. Dividendeninvestor

    „In den USA wird das Aktiensparen für die Rente steuerlich gefördert. Warum ist das in Deutschland nicht möglich?“

    Wird doch gefördert. Und zwar genau mit einem Freibetrag von 801 Euro für Singles und 1.602 für Verheiratete.

    Früher, als dieser Freibetrag mal festgelegt wurde, gab es so Pi mal Daumen 4 % Zinsen. Das bedeutet, dass man es für völlig ausreichend hält, dass jeder so ca. 20.000 Euro fürs Alter anspart.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Dividendeninvestor

    In den USA kannst du aus Deinem Brutto in das Aktiendepot für die Rente sparen. Es handelt sich um Dein unversteuertes Einkommen. Auch die Erträge (Dividenden, Kursgewinne) sind steuerfrei.

    20.000 Euro sind als Aktien-Polster für die Rente zu wenig für einen Durchschnittsverdiener. Ich meine, das ist ein Tropfen auf den heissen Stein.

  4. Anja

    Hallo Tim,
    in den USA sind die Aktienerträge für Privatinvestoren steuerfrei?
    Kannst Du mal ein wenig mehr darüber berichten?

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Der Couponschneider

    Ich vermute, die steuerliche Bevorzugung der Immobilie versus Aktie liegt an der gravierenden Unkenntnis innerhalb der Politik bzw. im Volk.

    Warum werden Daytrader steuerlich genauso behandelt wie Langfristanleger, die für das Alter Vorsorge treffen?

    Die Gesetzliche Rente ist als Einnahmequelle zu klein. Und bei Riester handelt es sich vielfach um Gebgührengräber, die nur Mini-Renditen (wenn überhaupt) abwerfen.

    Immobilien kann (oder will) sich nicht jeder leisten.

  6. Fabian S.

    Du Tim,

    ich verstehe nicht wieso ich Deine Petition unterstützen soll?

    Ich habe doch kein interesse daran, dass andere genau so intellgent anlegen wir wir.. Ich liebe Value Investing und bion ein großer Fan von Warren Buffett und auch Deiner tollen Seite.

    Aber ich bin der Meinung, dass es ruhig Zocker und Idioten geben sollte..sonst profitieren wir als Value Investoren ja nicht, wenn das jeder machen würde od?

  7. Markus

    @Fabian

    Weil Du als Value-Investor genauso besteuert wirst wie ein Day-Trader.

    Weil die deutschen steuer-ehrlichen Aktienanleger leider zu den Schlusslichtern der Industrienationen bei der Aktienanlage zählen.

    Weil 25 – 28 % Deiner Rendite gewaltig an Deiner Rendite was wegknabbern. (1/4 – 1/3)

    Weil bis heute noch kein tragfähiges Konzept gegen Altersarmut in Deutschland steht…

    Es gibt so viele Punkte, die dafür sprechen würden!!!

    Allerdings ist die Aktienkultur in Deutschland nach den letzten 2 Krisen (inkl. der Volksaktie) quasi nicht vorhanden bzw. genauso wenig ist leider auch eine tragfähige Mehrheit für die Petition zu erwarten.

    Finanziell werden gravierende Fehler bei der Bevölkerung gemacht…
    Einstein hatte schon Recht mit der Unendlichkeit der Dummheit von Menschen… leider…aber ich sehe so viele Beispiele dafür…

  8. Chris

    @ Fabian S.
    Zum einen gilt es die Altersarmut zu begrenzen und zum anderen kann durch eine geringere Altersarmut der soziale Frieden bewahrt werden.

    Was denkst du, wer in 30 Jahren die Leute durchfüttern darf, die alles verzockt haben?

    Daytrading und kurzfristige spekulative Maßnahmen sollten in meinen Augen anders behandelt werden.

  9. Dividendeninvestor

    „20.000 Euro sind als Aktien-Polster für die Rente zu wenig für einen Durchschnittsverdiener. Ich meine, das ist ein Tropfen auf den heissen Stein.“

    Sag das nicht mir, sondern den Politikern. Die meinen ja das das ausreicht, sonst würden sie andere Freibeträge ansetzen.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Fabian S.
    Alle werden eh nie vom langfristigen Investieren in solide Aktien überzeugt sein. Mir geht es darum, ganz ehrlich darüber zu schreiben, was mir auf den Nägeln brennt.

    @ Dividendeninvestor
    Ja. Da liegt der Hase im Pfeffer begraben. In Berlin ist die Quelle des Übels zu finden.

    Unsere glorreiche Regierung (alte und neue) hat leider zu wenig Erfahrung/Wissen/Kenntnisse, wenn es um die Aktienkultur geht – das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck.

    Aufgabe des Staates ist es eigentlich eine Lenkungsfunktion für seine Bürger zu übernehmen.

    Wie kann ein Staat Gebührenfresser wie Riester-Dinger mit Milliardensummen fördern? Und gleichzeitig Anleger, die rentablere Alternativen wie Dividendenpapiere kaufen, bestrafen? Es ist ein grosser Unsinn. Ich sage voraus, das wird sich hin zu einer positiven Aktienkultur ändern. Die Frage ist nur: Wann? Es gibt zur Aktie keine Alternative. Sie muss ein Baustein der Altersvorsorge werden.

    Dividendenpapiere sind eine erstklassige Anlageform für die Rente. Punkt. Schluss.

  11. Markus

    Wobei man dass mit der Belohnung für Immobilienbesitzer auch relativieren muss…
    Das Mietrecht bei Räumungsklagen gegen Mietnomaden ist eine einzige Katastrophe für Vermieter.
    Mietnomaden werden belohnt, weil denen sowieso alles egal ist, und sie ja auch nix haben…

    Gesetzgebung in Bezug auf Aktien und Altersvorsorge ist m. E. zu stark vom Banken und Versicherungslobbyismus beeinflusst.
    Zudem fehlt die finanzielle Bildung nicht nur in der Bevölkerung.

  12. Tino

    Aus meiner Sicht liegt das einer über Jahrzehnte oder länger gewachsenen Kultur in Deutschland. Zu dieser zählt jeder in der Bevölkerung, Poliker, Unternehmer, Bandarbeiter, Akademiker, alle, eben auch die die Signale setzen in der Politik.

    Wir halten uns an archaischen Modellen fest, die schon in der Vergangenheit nicht die beste Wahl waren, aber noch einigermaßen funktioniert haben. Die Beteiligung an Unternehmen im eigenen Land z. B. sollte ja eigentlich ein grundlegendes nationales und persönliches Interesse sein bzw. beschäftigen diese Unternehmen die eigene Bevölkerung, damit diese leben kann.

    In den USA ist aus meiner Sicht ein sehr gute Symbiose gewachsen (und sowas wächst nicht über Nacht). Viele Unternehmen arbeiten im Sinne der Investoren, bekommen damit Aktionärskapital und umgekehrt geben die Unternehmen eine Rendite in Form von Dividenden und Kurszuwächsen zurück, win-win. Dazu kommen die von Tim schon oft erwähnten staatlichen Programme.

    Wie sieht es in Deutschland aus? Es gibt keine ausgeprägte Aktienkultur, auf beiden Seiten. Leute hören häufig weg, sind perplex oder stempeln Aktionäre als Zocker ab. Habe ich die Wahl in amerikanischen oder deutschen Unternehmen zu investieren, so fällt die Wahl häufig auf erstere. Größer, stabiler, rentabler auch für den Privatanleger. Schaue ich mich in meinem kleinen Bekanntenkreis um, so sehe ich häufig Zocker oder zockerähnliche Verhaltensweisen mit deutschen Unternehmen, schnelle Gewinnmitnahmen, es wird nur von Aktien, nicht von Unternehmen gesprochen.

    Bildung, Bildung, Bildung. Gute Literatur ist en masse verfügbar, tolle Blogs wie der von Tim geben den Wink mit dem Zaunspfahl, wer wacht auf? Der Staat könnte hier sich einlenken und einen ersten Rahmen schaffen, zumindest diese Option für die Altersvorsorge unter bestimmten Rahmenbedingungen anbieten.

    Weg mit unrentablen Riester-/Rürup- oder sonstwas Modellen. Bloß die treibende Kraft muss hier auch aus der Bevölkerung kommen. Wenn ich die Teilnahme an der Petition sehe, so fühle ich mich nur bestätigt, was das Thema Aktienkultur angeht und so wird sich auch in absehbarer Zeit erst Mal nichts an diesem Zustand ändern. Die Investition (Betonung) in Produktivkapital muss belohnt werden und Steuern sind hier wirklich ein Fass ohne Boden.

    Die Vorstellung, dass man alleine durch Abgeltungssteuer nach Jahrzehnten des Ansparens für's Alter 25% verliert und zwar als Belohnung für selbständiges Handeln, Schultern des Investitionsrisikos, um der drohenden Altersarmut zu entgehen, ist, englisch „ridiculous“, lächerlich, absurd. Es ist praktisch eine Modelllücke, es gibt keins und zu wenige denken im Moment drüber nach bzw. sind im Unwissen welche Rendite aus all den vielen bekannten unglücklichen Finanzprodukten wächst.

    Tim's Blog wird dafür einfach zu wenig besucht. Hier gibt es so viel zu lesen und zu verstehen und da liegt glaub ich das Problem, keiner nimmt sich die Zeit.

  13. Sams1974

    Doch es gibt sie, die mitlesen und eigene Schlüsse ziehen.
    Ich danke Tim dafür schon sehr lange die gleiche Leier zu wiederholen.
    Ich dachte danach nur aus einem Anderen Blickwinkel darüber nach und 3 Jahre später.
    Schwups, Freibetrag ausgeschöpft. Das Depot ruht wie ein Stein.
    Der Cashflow entwickelt sich postiv bei minimalen Verbesserungen im Operativen Geschäft, wenn ich mal ganz unsentimental als „Wirtschaftssubjekt“ verstehe hat das Finanzierungsergebnis 10% das operative Geschäft unterstüzt. Wenn ich das Operative Gschäft meine abhängige Beschäftigung nennen darf.
    Tja was soll ich sagen, danke, und es muss nicht regnen, es reicht wenn es tröpfelt.
    mfg und nochmal danke

  14. Markus

    @Tino

    Die Unterschiede in den Aktienmarktrenditen im Vergleich USA / Deutschland sind nominal deutlich größer als real.
    Inflation und hedonische Inflationsberechnung machen einiges aus.

  15. Thomas D. S.

    Wenn ich Euch mal unterbrechen darf …

    Wir Leser von Tims Blog sind doch Value-Investoren. Habt Ihr bemerkt, wie groß der Aufschrei ist, bezüglich der Krise auf der Krim? Unsere EU-Weltverbesserer in Brüssel, die Journaille und die immer alles besser wissenden Westeuropäer schimpfen über Russland und Präsident Putin.

    Ich habe mir derweil einen Schein auf den UTX (Ukrain Traded Index) rausgesucht und gehe grad shoppen. Klar weiß man nie, wann der Boden erreicht ist, doch das derzeitige Niveau ist einen Kauf wert. Das habe ich mit Griechenland im Herbst 2012 ebenso getan.

    Also Value-Anleger, seid mutig! An der Börse gibt es nur Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. (Kostolany)

  16. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas D. S.

    Das ist mutig. Krisen boten im Rückblick generell gute Chancen. Gratulation zu dem Schritt!

    Grundsätzlich ist Produktivkapital, also Aktien, besser als Cash, Sparbücher, Festgeld, Lebensversicherungen… Gerade in Krisen/Kriegen kann Cash beträchtlich an Wert verlieren.

    Die Verzinsung ist grundsätzlich am besten bei Aktien. Es gibt keine bessere Assetklasse. Aktien sind spitze! Cash ist der Inflation ausgesetzt und auf lange Sicht verliert es massiv an Wert.

    Natürlich kann man lange diskutieren, in welchem Land es besser ist zu investieren. Wenn Du gut streust, ist Russland eine gute Ergänzung, finde ich.

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