Beraten und verkauft


New York, 1. Februar 2013

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Ein Blogleser bat mich, eine aktuelle ZDF-Doku zu Verkaufsgesprächen deutscher Banker zu verlinken. Es kommen darin Senioren zu Wort, die ihr Haus verkaufen müssen, weil sie teure, sinnlose, komplizierte Finanzprodukte gekauft haben. Auf einen Schlag kann sehr viel Geld weg sein (muss aber nicht). Daher immer aufpassen.
Passen Sie auf, wer wie viel Geld mit einem Produkt verdient. Stichwort: Provision, Gebühren, Erfolgsbeteiligung, Verwaltungskosten usw. Achten Sie darauf, was genau hinter dem „strukturierten Ding“ steckt. Es kommt vor, dass Luft in Tüten verkauft wird. Enorme Risiken können sich hinter einer schönen Fassade verbergen. Es kann sich um ein Gebührenmonster handeln.
Ich habe selbst schon aufgeblasene Gebühren mitsamt Provisionen für einen Immobilienfonds gezahlt. Das war für mich ein unglaubliches Verlustgeschäft. Mir war das eine Lehre. Hier geht es zur Sendung. Dauer ca. 30 Minuten.
Dieser Artikel bringt den problematischen Vertrieb von Finanzprodukten gut auf den Punkt.
Ich persönlich ziehe den direkten Aktienbesitz vor. Ich rate außerdem, auf Indexfonds zu setzen.
Zum Schluss: Nicht alle strukturierten Produkte sind Mist. Unsere Banken sind positiv innovativ – zum Nutzen der Kunden. Der Boom der Direktbanken und der Indexfonds sind ein Beleg dafür. Die Branche kann sich dem Kunden zuwenden.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Beraten und verkauft

  1. Chris

    Ich seh das immer so: Es gibt Betrüger und einen der sich bescheißen lässt.

    Dass das nicht gut ist, ist ja nur logisch.

    Das Problem ist meiner Meinung nach die Form der Motivation der Geschäftsleitung. Hier muss angesetzt werden und schwarze Schafe müssen hier ausgesiebt werden.

  2. Larry

    Es macht mich immer betroffen so etwas zu sehen, aber andererseits kann ich die Naivität der Menschen auch nicht nachvollziehen. Warum lässt man sich so unter Druck setzen und zu Unterschriften zwingen?
    Es ist aber auch nicht allein mit dem psychologischem (Verkaufs)Druck den die „Berater“ ausgesetzt sind erklärt. Das Problem ist wesentlich tiefgehender und vor allem auf mangelhafte finanzielle Bildung der Menschen in D und dem setzen falscher (steuerlicher) Anreize durch den Staat geschuldet. Solch ein Zertifikatedreck (sorry) wird man nur in D finden… aber die Anleger wollen es teilweise auch nicht anders!

  3. Markus

    Ja, einerseits fehlt die finanzielle Bildung. Andererseits lässt auch bei vielen älteren Leuten auch die Logik und der gesunde Menschenverstand im Alter nach.

    Ich frage mich auch, ob im Vertrieb wirklich nur mit so aggressivem Verkaufsdruck gearbeitet werden kann. Ist unser System schon so in Schieflage, dass wir zwingend Müll verkaufen müssen? Ein gutes Produkt müsste sich auch ohne „Nachhilfe“ gut verkaufen lassen.
    Allerdings hat es Betrügereien schon seit es den Menschen gibt, immer gegeben und wird es weiter geben, solange sich jemand auf Kosten eines anderen bereichern will.
    Auch der „Markencheck“ offenbart große moralische Verwerfnisse. So gibt es in Indien ein Coke Werk, was dazu führt, dass seitdem es dort ist, Wassermangel und Probleme gibt. Bei Kakaoplantagen sind Kinderentführungen an der Tagesordnung, für Palmöl werden Regenwälder abgeholzt, Adidas und H&M bekleckern sich auch nicht mit Ruhm, wenn es um Arbeit in Drittländern geht. Würde nur noch fehlen, dass ich für solche offen gelegte Reportagen verklagt werde.

    Sicherlich schafft Erfolg auch Neider und es ist nicht alles grundsätzlich zu verteufeln. Es besteht allerdings großes Potential für menschenwürdigere Beschäftigung, Behandlung von Natur und Tierwelt sowie Moral und Ethik. Dafür sollten die Menschen auch bereit sein, die letzten paar Renditepunkte zu verzichten.

  4. tim schaefertim schaefer

    Für die Menschen und das Land wäre es besser, wenn unsere Schulen Finanzwissen vermitteln würden.

    Diese Fälle zeigen, dass hier „Wundermittel“ verkauft werden, die keine sind. Insofern muss der Verbraucherschutz gestärkt werden. Das wäre gut für die Bürger.

    Provisionen, Verwaltungsgebühren, Bestandsprovisionen, Erfolgsbeteiligungen etc. müssen offen gelegt werden. Nur so können die Gebührenzombies erkannt werden.

    Mein großes Anliegen ist ein ehrlicher, fairer, ethischer Kapitalmarkt. Es muss das Ziel sein, den Menschen bei der Rente zu helfen. Das Provisionsmodell im Vertrieb hat seine Schwächen.

    Wer Schlangengift verkauft und es als Heilmittel anpreist, der sollte sich fragen, was das für eine Unternehmensstrategie ist.

  5. Martin

    Sehe es genauso wie Ihr. Mein Rezept wäre auch mehr finanzielle Bildung.

    Ansonsten lässt es sich schwer verhindern, dass jemand Sachen über Wert kauft, weil das an sich jedem selbst überlassen ist. Für mich ist es da schwer die Grenze zu ziehen, zwischen Abzocke und normalem Geschäft. Sind mehr als 5% Ausgabeaufschlag schon Abzocke oder wo fängt das an? Sind Aktienanleihen Abzocke, da sie sich in der Regel vom versierten Anleger billiger nachbauen lassen? Aber bei jedem Verlust die Bank zu verklagen halte ich auch für falsch.

  6. Marc

    Wenns nach Nachhaltigkeit, Ethik, Moral etc. gehen würde, dürfe man keine einzige Aktie investieren. In jedem Unternehmen gibt es schwarze Stellen.

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Licht muss in das Dunkel der Gebühren, Kosten und Provisionen. Je mehr Licht wir bekommen, desto weniger Probleme wird es geben.

    Wer weiß, dass 5% Ausgabeaufschlag nach der Unterschrift weg sind, wird überlegen, ob es das wert ist. Diese Person wird überlegen, ob es Sinn macht, drei Mal im Jahr umzuschichten, denn dann können gleich 15% futsch sein.

    @ Marc
    Das stimmt. Trotzdem müssen wir an all die Banken und Vermittler appellieren, fair zu bleiben.

    Wir dürfen niemals die schwarzen Schafe akzeptieren. Sonst würde Bernie Madoff noch heute jeden Tag neue Anleger reinlegen. Hinzuschauen ist besser als wegzuschauen.

  8. Markus

    Jep, selbst eines der großen Vorzeigeunternehmen wie dm schafft es nicht ohne Palmöl…

    Die Frage, wo man die Grenzen der Moral zieht ist leider sehr schwierig zu beantworten.

    Auch beim Thema Selbstständigkeit und Profit durch Angestellte ist es nicht pauschal klar zu sagen, wie viel „verdient“ der Chef korrekterweise und wie viel verdienen die Angestellten. Eine Endlosdiskussion von verdienen und bekommen. 😉 Bei den Managern ist das nochmal eine Stufe heftiger.
    Man könnte auch frei sagen, der Markt zahlt das was er bereit ist zu zahlen. Ob diese Summen korrekt und fair sind, darüber lässt sich endlos debattieren.

  9. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    @Tim: Ich investiere seit ca. 2 Jahren auch nur noch direkt in Dividenden Aktien. Mein Dividenden Depot mit US & Kanada Aktien kennst Du wahrscheinlich schon? Welche Aktien hast Du in Deinem Dividenden Depot aktuell ? Das würde mich sehr interessieren.

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Markus
    Die Moral ist eine schwierige Frage. Ich lege persönlich keine Waffenhersteller, keine Zigarettenfirmen etc. in mein Depot. Trotzdem ist es nicht einfach, ein moralisches Depot aufzubauen. Das gibt es nicht. Leider.

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog
    Ich habe u.a. Chevron, Heinz, SAP, Bank of America, Citi, E.on. Die Banken habe ich während der Finanzkrise eingesammelt. E.on habe ich schon lange, die Performance ist eine Enttäuschung. Asche auf mein Haupt. Ich halte an dem Versorger fest.

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